Eifersucht auf die kleine Schwester?

von Familie O.

Guten Tag Frau Schmelz,

Unser Sohn Felix (vier Jahre) pult seit einigen Wochen an seinen Fingernägeln und an der Oberhaut seiner Daumen. Da es sehr plötzlich angefangen hat und seine Finger teilweise ziemlich schlimm aussehen, sind wir unsicher, ob wir uns deswegen Sorgen machen müssen.

Kann es daran liegen, dass er jetzt eine kleine Schwester hat (fast ein Jahr)? Oder kann es mit dem Kindergarten zusammenhängen, auf den er im Moment gar keine Lust hat? Oder sind es seine Wutanfälle, die sich häufen und die wir in den Griff zu bekommen versuchen? Können Sie uns einen Rat geben? Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Mit freundlichen Grüßen
Familie O.

Antwort von: Dr. med. Andrea Schmelz

Liebe Familie O.,

ich vermute, dass Felix’Wutanfälle (mit denen er nicht nur seinen Kopf durchsetzen, sondern auch Aufmerksamkeit erregen will?) und das Pulen an den Fingernägeln zusammenhängen. Allerdings nicht im Sinne einer Ursache-Wirkung-Beziehung.

Es ist vielmehr so, dass beides darauf hinweist, dass Felix sich momentan nicht wohl fühlt in seiner Haut und unter seelischem Druck steht. Es kann gut sein, dass er auf die kleine Schwester, die mit einem Jahr ja noch viel Aufmerksamkeit von Papa und Mama fordert, eifersüchtig ist und sich benachteiligt vorkommt. Die kleine Schwester könnte auch der Grund dafür sein, dass er nicht in den Kindergarten gehen mag. Schließlich darf die kleine Schwester den ganzen Tag bei Mama bleiben, und er wird in den Kindergarten „abgeschoben“. Da hat er eventuell Angst, dass er zu Hause etwas Spannendes versäumt. 

In jedem Fall sollten Sie auch mit den Erzieherinnen im Kindergarten sprechen, ob es Schwierigkeiten in der Gruppe gibt und er z. B. immer wieder Streit mit einem oder mehreren anderen Kind(ern) hat. Ich denke, Felix braucht momentan besondere Beachtung und Zuwendung und zwar immer dann, wenn er gerade „lieb“ ist. Die Wutanfälle sollten Sie hingegen möglichst übersehen. Hier noch einige Tipps, wie Sie Felix das Leben mit der kleinen Schwester erleichtern können, sodass er weniger eifersüchtig sein muss:

  • Haben Sie Verständnis für Felix’ Gefühle. Gestehen Sie ihm zu, wenn er auf die Schwester ärgerlich ist, weil sie ihm ein Lego-Bauwerk kaputt gemacht hat oder ihretwegen eine angenehme Tätigkeit unterbrochen werden musste, etwa: „Manchmal nervt deine Schwester ganz schön, wenn wir gerade begonnen haben, ein Buch zu lesen, findest du nicht auch?“ Erklären Sie ihm immer wieder, dass er auch mal so klein war und sich so   verhalten hat. Und sagen Sie ihm immer wieder, wie lieb Sie ihn immer noch haben. Fragen Sie ihn: „Was wünschst du dir von mir, damit du dich besser fühlst?“ 
  • Spielen Sie „kleine Schwester“ mit Kuscheltieren oder Puppen. Im Rollenspiel kann Felix seine Gefühle zeigen und ausleben. 
  • Reservieren Sie Zeit allein mit Felix. Er braucht immer wieder das Gefühl, Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. 

Wichtig sind vor allem täglich wiederkehrende, feste Zeiten, auf die er sich freuen kann, etwa das abendliche Kuscheln und Vorlesen vor dem Schlafengehen. Ich denke, wenn Felix vermehrte Aufmerksamkeit bekommt und sich wieder wohler in seiner Haut fühlt, wird das Pulen am Daumen weniger werden. Auch die Wutanfälle und das Kindergarten-Theater werden sich wieder legen. All das sind Bereiche, in denen er momentan eher negativ auffällt und vermutlich öfter geschimpft bekommt, während die kleine Schwester alles Mögliche darf, ohne getadelt zu werden!

Falls Sie mit meinen Tipps nicht zu einer Verbesserung der Situation kommen, sollten Sie sich an eine  Erziehungsberatungsstelle wenden (Adressen unter www.bke.de unter „Für Ratsuchende“).

Herzliche Grüße

Ihre
Andrea Schmelz

Kommentare zu "Eifersucht auf die kleine Schwester?"

  • Pauline schreibt am 30.12.2013

    Hallo,
    ich in 17 Jahre alt und habe eine kleine Schwester die 9 Jahre alt ist, und auf die ich tierisch eifersüchtig bin. Immer wenn ich meiner Mutter sage sie bevorzugt sie, kommt der Satz: "Das stimmt doch überhaupt garnicht, ich hab euch beide gleich lieb!"
    Das zeigt sich dann natürlich beim abendlichen Fernsehen wo die beiden schön unter der Decke kuscheln und ich am anderen Ende sitze, ohne decke. Oft wenn sie nur einmal jammert ihr tue dies weh und sie hätte das, springt meine Mutter gleich und behadelt sie wie ein kleines Baby.
    Ich finde das nicht korrekt.
    Ich versuche oft meiner kleinen Schwester Aufgaben zu geben, wie z.B den Müll runter zu bringen, dies will sie dann auch machen aber dann kommt meine Mutter mit dem Satz:" Das kannst schön du machen, als du so alt warst wie deine Schwester musstest du das auch nicht machen!"
    Wie soll man sich denn da nicht benachteiligt fühlen? Wie kann ich ihr zeigen das ich mich wie das fünfte Rad am Wagen fühle?

    liebe grüße Pauline
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