Eifersucht auf kleine Schwester?

von Anonym

Unser Sohn Felix (vier Jahre) pult seit einigen Wochen an

seinen Fingernägeln und an der Oberhaut seiner Daumen.

Da es sehr plötzlich angefangen hat und seine Finger teil -

weise ziemlich schlimm aussehen, sind wir unsicher, ob wir

uns deswegen Sorgen machen müssen.

Kann es daran liegen, dass er jetzt eine kleine Schwester

hat (fast ein Jahr)? Oder kann es mit dem Kindergarten zusammenhängen,

auf den er im Moment gar keine Lust hat?

Oder sind es seine Wutanfälle, die sich häufen und die wir in

den Griff zu bekommen versuchen? Können Sie uns einen Rat

geben? Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Antwort von: Dr. Martina Hahn-Hübner

Ich vermute, dass Felix’ Wutanfälle (mit denen er nicht nur

seinen Kopf durchsetzen, sondern auch Aufmerksamkeit er -

regen will?) und das Pulen an den Fingernägeln zusammenhängen.

Allerdings nicht im Sinne einer Ursache-Wirkung-

Beziehung. Es ist vielmehr so, dass beides darauf hinweist,

dass Felix sich momentan nicht wohl fühlt in seiner Haut

und unter seelischem Druck steht. Es kann gut sein, dass

er auf die kleine Schwester, die mit einem Jahr ja noch viel

Aufmerksamkeit von Papa und Mama fordert, eifersüchtig

ist und sich benachteiligt vorkommt.

Die kleine Schwester könnte auch der Grund dafür sein,

dass er nicht in den Kindergarten gehen mag. Schließlich darf

die kleine Schwester den ganzen Tag bei Mama bleiben,

und er wird in den Kindergarten „abgeschoben“ . Da hat

er eventuell Angst, dass er zu Hause etwas Spannendes versäumt.

In jedem Fall sollten Sie auch mit den Erzieherinnen

im Kindergarten sprechen, ob es Schwierigkeiten in der

Gruppe gibt und er z. B. immer wieder Streit mit einem oder

mehreren anderen Kind(ern) hat.Ich denke, Felix braucht momentan besondere Beachtung

und Zuwendung und zwar immer dann, wenn er gerade

„lieb“ ist. Die Wutanfälle sollten Sie hingegen möglichst

übersehen. Hier noch einige Tipps, wie Sie Felix das

Leben mit der kleinen Schwester erleichtern können, sodass

er weniger eifersüchtig sein muss:

  • Haben Sie Verständnis für Felix’ Gefühle. Gestehen Sie ihm zu, wenn er auf die Schwester ärgerlich ist, weil sie ihm ein Lego-Bauwerk kaputt gemacht hat oder ihretwegen eine angenehme Tätigkeit unterbrochen werden musste, etwa: „Manchmal nervt deine Schwester ganz schön, wenn wir gerade begonnen haben, ein Buch zu lesen, findest du nicht auch?“Erklären Sie ihm immer wieder, dass er auch mal so klein war und sich so verhalten hat. Und sagen Sie ihm immer wieder, wie lieb Sie ihn immer noch haben. Fragen Sie ihn: „Was wünschst du dir von mir, damit du dich besser fühlst?“
  • Spielen Sie „kleine Schwester“ mit Kuscheltieren oder Puppen. Im Rollenspiel kann Felix seine Gefühle zeigen und ausleben.
  • Reservieren Sie Zeit allein mit Felix. Er braucht immer wieder das Gefühl, Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. Wichtig sind vor allem täglich wiederkehrende, feste Zeiten, auf die er sich freuen kann, etwa das abendliche Kuscheln und Vorlesen vor dem Schlafengehen.

Ich denke, wenn Felix vermehrte Aufmerksamkeit bekommt und sich wieder wohler in seiner Haut fühlt, wird das

Pulen am Daumen weniger werden. Auch die Wutanfälle und

das Kindergarten-Theater werden sich wieder legen. All das

sind Bereiche, in denen er momentan eher negativ auffällt

und vermutlich öfter geschimpft bekommt, während die kleine

Schwester alles Mögliche darf, ohne getadelt zu werden! Falls

Sie mit meinen Tipps nicht zu einer Verbesserung der Situation

kommen, sollten Sie sich an eine Erziehungsbe ratungsstelle

wenden (Adressen unter www.bke.de unter „Für Ratsuchende")

Kommentare zu "Eifersucht auf kleine Schwester?"

  • anonym schreibt am 24.03.2015

    Unser Sohn (16) hat einen Freund (19), der sich jetzt in unsere Tochter (15) verliebt hat. Mein Sohn reagiert total aggressiv, hat seinem Freund auch schon gedroht und beginnt Lügen über diesen zu verbreiten. Er sagt, er will nicht, dass seiner Schwester weh getan wird. Ist das der tatsächliche Grund? Wir können nicht vernünftig mit ihm darüber reden, weil er zu schreien beginnt und sich zurückzieht. Das Familienleben leidet sehr unter der derzeitigen Situation, auch unsere 4-jährige Tochter bekommt das mit.
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