

Essprobleme bei Kindern: Auch richtig Essen will gelernt sein
Essprobleme bei Kindern: Auch richtig Essen will gelernt sein
» Kind verweigert Essen
Fast alle Eltern machen sich Sorgen, wenn ihr Kind nicht genug isst. Wird uns doch immer wieder eingetrichtert, dass gerade in den ersten Lebensjahren, in denen die Kleinen so schnell wachsen, eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig ist.
Essprobleme bei Kindern können unterschiedlich aussehen
In den ersten Lebensmonaten, so lange die Kleinen ausschließlich Milch bekommen, verläuft die Nahrungsaufnahme oft noch unproblematisch. Doch mit Beginn des Beikostalters möchten manche Eltern schier verzweifeln. Die folgenden Punkte zeigen Ihnen, wie Essprobleme bei Kindern aussehen können:
- Manche Kinder zappeln herum, schlagen nach dem Löffel und weigern sich, den Mund aufzumachen.
- Andere Kinder essen und trinken extrem langsam. Manche schlafen beim Essen sogar schlicht ein.
- Wieder andere sind extrem wählerisch und verweigern die Nahrung, wenn nicht das Gewünschte dabei ist. Vielleicht wird sogar voll Trotz der Teller vom Tisch gefegt.
- Manche Kinder erbrechen sich nach dem Füttern.
- Andere Kinder essen nur, wenn daneben der Fernseher läuft, Mama den Clown spielt oder ihnen das Essen beim Herumlaufen „nebenbei“ in den Mund geschoben wird.
- Kleinkinder bekommen beim Essen regelrechte Tobsuchtsanfälle oder verhandeln mit den Eltern ausgiebig über jede zu essende Portion.
Zwang beim Füttern führt zu Essproblemen bei Kindern
Besonders gefährdet sind Frühchen oder Kinder, die bereits bei Geburt zu leicht waren. Sie sind schon in den ersten Lebensmonaten häufig betroffen. Wenn das Kleine einmal weniger trinkt, haben die Eltern schnell Angst, ihr Kind bekäme nicht alle nötigen Nährstoffe, um sich richtig zu entwickeln. Dann wird getrickst und abgelenkt, nur um noch etwas mehr Milch in das Kleine hineinzubekommen. Letztlich bedeutet das aber, dass die Sättigungssignale des Kindes nicht beachtet werden und das Baby zum Trinken gezwungen wird. Die Reaktion: das Kind verweigert das Essen – ein Teufelskreis beginnt.
Auch wenn die Probleme unterschiedlich aussehen, gibt es eine Grundregel: Empfinden die Eltern die Situation beim Füttern mindestens einen Monat lang als schwierig und belastend, sprechen Experten von Essproblemen bei Kindern.
Mit „Essprobleme bei Kindern“ ist hier also ein Wechselspiel zwischen Kind und Eltern gemeint.
Essprobleme bei Kindern sind allerdings nicht nur ein psychologisches Problem, sondern können zu Gewichtsverlust und Gedeihstörungen führen. In schweren Fällen kann sogar eine vorübergehende Sondenernährung nötig werden.
Wenn Ihr Kind das Essen verweigert
Wenn Ihr Baby oder Kleinkind das Essen verweigert, nicht (mehr) zunimmt und/oder untergewichtig ist, sollten Sie es als erstes beim Kinderarzt untersuchen lassen. Organische Ursachen für Essprobleme bei Kindern können z. B. akute Erkrankungen, Erkrankungen des Herzens, der Leber, das Magens oder des Darms, Unverträglichkeiten bestimmter Nahrungsmittel oder eine gestörte Mundmotorik sein. Manchmal sind Krankheiten, Operationen oder Stresserlebnisse wie Trennungen lediglich die Auslöser.
Häufig liegen jedoch nicht-organische Gründe vor. Ihr Kind verweigert das angebotene Essen meist deshalb, um etwas Angenehmes zu erreichen oder etwas Unangenehmes zu vermeiden. So kann das Kleine mit seiner Verweigerung sich die erhöhte Aufmerksamkeit der Eltern sichern oder seine Lieblingsspeise „erhungern“. Oder es reagiert auf das Einflößen der Nahrung unter Zwang oder eine emotional angespannte Füttersituation mit Zurückweisung.
Wichtigste Regel: Ihr Kind entscheidet, wie viel es wovon essen möchte
Ein „Suppenkasper“ macht seine Eltern oft hilflos, wütend und unsicher. Je stärker diese Gefühle bei den Eltern werden, umso stärker werden sie auch beim Kind. Bald wird das Essen zu einem Kampf und bedeutet für alle nur noch Stress. Und in einer extrem angespannten Situation vergeht jedem der Appetit oder die Bereitschaft zu essen und die Essprobleme nehmen weiter zu.
Bei kleinen Kindern kann die täglich benötigte Nahrungsmenge starken Schwankungen unterliegen. Lernen Sie wieder, Ihrem Kind zu vertrauen: Bieten Sie Ihrem Kind das Essen zu festen Zeiten an. Ihr Kind darf selbst entscheiden, ob es hungrig ist und wenn es essen möchte, wovon. Ihr Kind isst einfach so viel oder so wenig es mag von dem, was es zu den Mahlzeiten gibt und bekommt kein Extra- oder Ersatzessen. Faustregel: Kein gesundes Kind wird freiwillig vor vollem Teller verhungern!
Geben Sie ihm weiter Zwischenmahlzeiten, damit sein Blutzuckerspiegel zwischen den Hauptmahlzeiten nicht zu stark abfällt. Vermeiden Sie bei Kleinkindern jedoch zu viele Süßigkeiten oder Knabbereien zwischen den Mahlzeiten. Besser sind etwas frisches Obst oder ein Stück Brot.
Da Essprobleme bei Kindern oftmals durch das Verbinden mit etwas äußerst Unangenehmen zustandekommen, muss Essen wieder positiv besetzt werden. Also darf ein betroffenes Kind im Essen herummanschen, es in die Hand nehmen und damit spielen – und die Eltern sollten es dafür sogar loben!
| „Minimalprogramm“ für schlechte Esser (nach dem amerikanischen Kinderarzt Dr. T. Berry Brazelton) |
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Wenn Sie nicht mehr weiterwissen: Sprechen Sie zunächst Ihren Kinderarzt auf das Fütterproblem an. Wenn auch dessen Tipps und Ideen keinen Erfolg bringen, brauchen Sie einen Experten, der sich speziell mit Ess- und Fütterstörungen auskennt. Adressen erhalten Sie z. B. über den Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten e.V., www.bkj-ev.de. Hilfe bieten in der Regel auch Sozialpädiatrische Zentren und Kinderzentren an, z. B. im Rahmen von Spezialsprechstunden.
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