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Frühförderung durch das Anregen der Sinne Ihres Kindes

Spielerische Frühförderung

Hören und Sehen sind diejenigen Sinne, über die Ihr Kind die meisten Informationen aufnimmt. Leider kommen dabei andere Sinne wie Tasten, Riechen oder Schmecken zu kurz. Wir stellen Ihnen hier Förderspiele vor, die nicht nur Auge und Ohr ansprechen. 

Expertenrat von 

Schon im Mutterleib können Babys fühlen, schmecken und hören, während das Sehen nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das ändert sich erst nach der Geburt. Doch auch dann sehen Babys Augen nur in einer Entfernung von etwa 25 Zentimetern scharf – genau dem Abstand, den das Gesicht der Mutter beim Stillen hat. Als wüssten alle Mütter darum, nähern sie sich in den ersten Lebenswochen ziemlich genau bis auf 25 Zentimeter dem Gesicht ihres Babys, wenn sie mit ihm sprechen. Und Babys sind von Gesichtern fasziniert. Es gibt nichts, was ihre Aufmerksamkeit mehr fesselt. Neben dem Sehen gilt es aber auch die anderen Sinne zu fördern, daher hier unsere Vorschläge für eine spielerische Frühförderung.

Frühförderung durch erste Blicke in die Welt

  • Stellen Sie sich mit Ihrem Baby im ersten Lebensjahr auf dem Arm immer wieder vor einen großen Spiegel. Es wird Sie beide begeistert betrachten. Wenn Sie dabei immer wieder auf Ihr Kind deuten und seinen Namen nennen, helfen Sie ihm, ein Bewusstsein von sich selbst zu bekommen.
  • Auch kleinformatige Pappbilderbücher oder Stoffbilderbücher laden Ihr Kind zum Hinschauen ein. Wichtig ist, dass pro Seite nur eine Abbildung zu sehen ist – am besten etwas, das Ihr Baby schon kennt, etwa eine Rassel, eine Banane oder einen Teddybären. Damit Ihr Kind das Bild besser erkennen kann, sollte es in kräftigen Farben gehalten sein, die gut gegeneinander abgegrenzt sind.

Frühförderung durch Lauschen: Psst, hör mal...

  • Basteln Sie klingende Ballons für Ihr Kind. Nehmen Sie einige Luftballons und füllen Sie, bevor Sie den Ballon aufblasen, einige Getreidekörner, kleine Steinchen oder Sand, ein kleines Glöckchen, getrocknete Erbsen, Büroklammern oder Ähnliches hinein. Bitte gut verknoten! Wenn Ihr Kind mit diesen Ballons spielt, kann es höchst interessante Geräusche hören. Da Luftballons Nitrosamine enthalten, sind diese Ballons erst dann zu empfehlen, wenn Ihr Kind nicht mehr alles in den Mund steckt!
  • Sammeln Sie ein „Alltags-Orchester“ zusammen (ab zwei Jahren). Viele Dinge des Alltags geben die unterschiedlichsten Geräusche von sich. Legen Sie sich ein Kiste oder Schublade zu, in der Sie solche Dinge mit Ihrem Kind sammeln: z. B. knisternde Alufolie, raschelndes Seiden- oder Butterbrotpapier, einen Kamm (Lassen Sie Ihr Kind einmal rasch mit dem Finger über die Zinken fahren!), einige Dosen mit Deckel (etwa Filmdöschen) mit den unterschiedlichsten Füllungen zum Rasseln, eine Eierharfe, Kronkorken, in die Sie ein Loch gebohrt und auf einer Schnur aufgefädelt haben.
  • Bauen Sie ein „Becherphon“ (ab zwei Jahren). Sie kennen dieses Joghurt-Becher-Telefon vielleicht aus Ihrer eigenen Kindheit. Bohren Sie in die Mitte des Bodens von zwei gespülten Plastik-Joghurtbechern ein Loch und fädeln Sie ein längeres Stück Schnur durch, das Sie innen in den Bechern verknoten. Um mit Ihrem Kind zu „telefonieren“, brauchen Sie nur die Schnur zu spannen und in den Becher zu sprechen, während Ihr Kind seinen Becher ans Ohr hält. Mit dem „Becherphon“ wird Ihr Kind angeregt, genau hinzuhören, was der Partner am anderen Ende sagt. Damit Sie Ihr Kind verstehen können, muss es deutlich sprechen. Somit stellt das „Becherphon“ eine hervoragende Methode zur Frühförderung der Artikulation dar. Probieren Sie gemeinsam aus, wie leise Sie sprechen können, damit Ihr Kind am anderen Ende noch etwas verstehen kann.
  • Schulen Sie das Gehör Ihres Kindes mit dem Geräusche-Memory (ab drei Jahren, mindestens 2 Spieler). Sie benötigen dafür eine größere Anzahl leerer Filmdosen oder der gelben Plastikbehältnisse aus den Überraschungseiern. Füllen Sie jeweils zwei Döschen mit demselben Material (je nach Alter der mitspielenden Kinder sind 14 bis 20 Döschen ausreichend). Geeignet sind z. B. Reiskörner, kleine Nudeln, Sand, Büroklammern, Steinchen, loser Tee, Zucker oder Salz, Knöpfe, "Konfetti" aus dem Locher, Croutons, getrocknete Gewürze (z. B. Kümmel, Anis oder Koriander), Liebesperlen oder Gummibärchen.
    So lauten die Spielregeln: Mischen Sie alle Döschen und stellen Sie sie geordnet in Reihen auf den Tisch. Jeder Mitspieler darf zwei Döschen schütteln und soll dabei versuchen herauszubekommen, wo die zusammenpassenden Geräusch-Paare sind. Dazu muss es wirklich leise im Raum sein! Es gelten ansonsten die üblichen Memory-Regeln. Eine Spielalternative ist das Tierstimmen-Raten. Gut geeignet ist hierzu die Audio-CD „Erlebnis Bauernhof“ mit verschiedenen Tierstimme, die auf dem Bauernhof zu hören sind. Eine Spielanleitung liegt der CD im Begleitheft auf Seite 15 bei.

Frühförderung für Nase und Zunge

 Es ist kein Zufall, dass Spiele für das Riechen und Schmecken quasi „in einem Aufwasch“ genannt werden. Denn was wir schmecken, riechen wir eigentlich. Die Zunge kann als Geschmacksrichtungen nur süß, sauer, salzig und bitter unterscheiden. Alles, was darüber hinausgeht, verrät uns die Nase. Auch hier haben wir einige Maßnahmen für Sie zusammengestellt, die eine spielerische und sinnvolle Frühförderung der Sinne ermöglichen.

  • Machen Sie einen Duftspaziergang (ab zwei Jahren), indem Sie mit Ihrem Kind bewusst auf die Gerüche achten, die Sie alltäglich umgeben. Dazu genügt vielleicht schon der Gang zum Einkaufen. Wie riecht es, wenn Sie aus dem Haus treten? Wie riecht es bei den Mülltonnen? Wie riecht es, wenn Sie über die Straße gehen (Autoabgase)? Wenn Sie an einem Gasthaus oder einer Imbissbude vorbeikommen (Essensgeruch)? Wie riecht es beim Bäcker, beim Metzger, vor dem Gemüsestand, im Blumenladen, beim Frisör? Prima Ziele für einen Duftspaziergang sind auch der Wald mit seinen verschiedenen Duftnoten (Moos, altes Laub, frisch geschlagenes Holz usw.) oder ein Bauernhof mit all seinen Gerüchen.
  • Lassen Sie Ihr Kind „Schmeck-Detektiv“ spielen (ab drei Jahren). Nehmen Sie kleine Glasschälchen oder Unterteller und befüllen Sie diese mit einer Probe: z. B. Salz, Zucker, Mehl, Senf, Ketchup, Marmelade, Honig, Joghurt. Dann bitten Sie Ihr Kind, jeweils die Fingerspitze einzutunken und zu probieren. Errät es den Geschmack? Für ein größeres Kind wird es schwieriger und damit spannender, wenn Sie ihm die Augen verbinden.
  • Ein „buntes Kau-Büfett“ regt alle Sinne an (ab drei Jahren). Bereiten Sie verschiedene Nahrungsmittel in mundgerechten Häppchen vor – wenn möglich, mit kindgerechter Verzierung, also etwa in Kugel- oder Herzform geschnitten oder ausgestochen, in Scheiben, Ecken, Röllchen oder Streifen. Geeignet sind verschiedene Brot-, Käse- und Wurstsorten sowie verschiedene rohe Obst- und Gemüsesorten (z. B. Gurke, Karotte, verschiedenfarbige Paprika, Tomaten, Apfel, Birne, Banane). Stellen Sie zum Dippen für das Gemüse am besten ein oder zwei Schälchen mit Soße (z. B. Joghurt mit etwas Salz, Zucker und Zitrone, außerdem vielleicht Kräuterfrischkäse) bereit. Wie sehen die angebotenen Häppchen aus? Wie riechen sie? Mag Ihr Kind sie vielleicht farblich sortieren? Klingen Gurke und Tomate unterschiedlich beim Hineinbeißen? Wie klingen Knäckebrot und Apfel? Was lässt sich leichter kauen: eine Karotte oder eine Banane? Wie fühlt sich ein Stück Brot in der Hand/im Mund an, wie eine Gurke? Kann Ihr Kind verschiedene Nahrungsmittel am Geschmack erkennen, wenn Sie ihm die Augen verbinden?

Streichel- und Kuscheleinheiten als Frühförderung

Damit Ihr Kind ein wahrhaft gutes Körpergefühl entwickeln kann, braucht es viele Streichel- und Kuscheleinheiten. Schmusen Sie mit ihm und knuddeln Sie es, wann immer es dazu Lust hat.

  • Zur Entspannung ist eine sanfte Massage im Bereich von Nacken und Rücken fast immer hilfreich, während eine aktivierende Massage mit dem Igelball oder einem Frotteetuch die Durchblutung verbessert und Ihr Kind anregt. Durch die Verwendung anderer Materialien machen Sie aus den Streicheleinheiten Maßnahmen zur Frühförderung, denn so bescheren Sie Ihrem Kind neue Sinneseindrücke: Probieren Sie einmal eine Feder, ein Stück Lammfell, eine Haarbürste, einen Schwamm. Fühlt es sich auf dem Rücken anders an als in der Handfläche oder im Gesicht?
  • Fliegen und Hüpfen als Frühförderung für das Gleichgewicht (ab zwei bis drei Jahren). Damit Ihr Kind Erfahrungen sammeln kann wie „Wo befinde ich mich im Raum? Wo befinden sich meine Arme und Beine im Verhältnis zum Kopf und Rumpf?“, braucht es viel Bewegung. Rennen, klettern, hüpfen, schaukeln und rutschen sind das beste Training. Gönnen Sie Ihrem Kind zusätzliche „Flugstunden“, indem Sie es an einem Arm und einem Bein der selben Körperseite gut festhalten und sich mit ihm im Kreis drehen, bis es abhebt. Sehr beliebt bei Kindern – und gut für den Gleichgewichtsinn – ist ein Trampolin. Achten Sie darauf, ein Modell mit einem großen Durchmesser (möglichst 120 Zentimeter oder größer) und Randabdeckung zu kaufen, damit die Gefahr von Stürzen und Verletzungen minimiert wird.
  • Gönnen Sie Ihrem Kind einen Handschmeichler (ab drei Jahren). Das ist ein kleiner Gegenstand mit sanften Rundungen und angenehmer Oberfläche, den Ihr Kind in der Hosentasche mit sich herumtragen und nach Lust und Laune in die Hand nehmen kann. Geeignet ist z. B. ein glatter Stein, doch kann Ihr Kind sich seinen Handschmeichler aus feinschamottiertem hellem Ton auch selber machen (mit feuchten Händen gut durchkneten, dann formen). Hat der Handschmeichler die richtige Form, lassen Sie ihn einfach mehrere Tage an der Luft trocknen.
  • Stellen Sie eine Tastkiste zusammen (ab zwei Jahren). Sie brauchen dazu einen größeren Karton mit Deckel. In den Deckel schneiden Sie ein Loch zum Hindurchgreifen. Dann befüllen Sie die Kiste mit Dingen, die sich unterschiedlich anfühlen: Stoff oder Fell, Holz, Spielzeugautos, Plüschtiere, Bälle, Legosteine und/oder Bauklötze, Korken, leere Klopapier- oder Küchenrollen, Wellpappe, große Glasmurmeln, Metalldeckel von Schraubgläsern, ausgewaschene Joghurtbecher usw. Kann Ihr Kind Ihnen sagen, was es in der Hand hält? Kann es Ihnen alles herausfischen, was sich weich bzw. hart, warm bzw. kalt anfühlt?

Bezugsquellen: Die Audio-CD „Erlebnis Bauernhof“ erhalten Sie beim Deutschen Landwirtschaftsverlag GmbH, Leserservice, Postfach 14 40, 30014 Hannover; Tel.051/678 06-0. Sie kostet 10 €

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