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Das macht Ihr Kind mit links! – Sinnvolle Unterstützung für linkshändige Kinder

Tipps für linkshändige Kinder

Etwa 10 bis 15 Prozent der Kinder malen und hantieren mit der linken Hand. Doch dürfte der wahre Anteil von Linkshändern noch höher liegen. Wie Sie eine Umerziehung bei Ihrem linkshändigen Kind vermeiden und welche Hilfen es für Ihr linkshändiges Kind gibt, erfahren Sie hier. Extra: Selbsttest zur Ermittlung der Händigkeit. 

Expertenrat von 

Welche Hand ein Mensch bevorzugt, ist vermutlich angeboren. In den ersten sechs Lebensmonaten greift ein Baby mit beiden Händen gleichermaßen. Ab dem achten bis 16.Monat beginnt es, eine Hand zu bevorzugen und damit nach einem Spielzeug oder dem Löffel zu greifen. Ab einem Alter von 18 bis 24 Monaten hat sich bei vielen Kindern die dominante Hand, also eine eindeutige Rechts- bzw. Linkshändigkeit, bereits herausgebildet, die dauerhaft beibehalten wird. Wahre Linkshänder, die auch tatsächlich die linke Hand bevorzugt gebrauchen, sind entgegen aller Vorurteile nicht häufiger von Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) oder Konzentrationsstörungen betroffen.

Linkshändig oder rechtshändig: Was ist zu tun, wenn Ihr Kind sich nicht für eine Hand entscheiden kann?

Manchmal ändert ein Kind jedoch die bevorzugte Hand zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Dies kann vor allem bei linkshändigen Kindern durch (eventuell unbewusste) äußerliche Einflüsse oder die spontane Nachahmung rechtshändiger Eltern oder Geschwister vorkommen. Es gibt allerdings auch Kinder, die mal die eine, mal die andere Hand benutzen. Häufig ist dies durch feinmotorische Schwierigkeiten, Koordinationsprobleme oder geringfügige Störungen im Gehirn bedingt. Bei diesen Kindern besteht eine erhöhte Gefahr, dass sie zum Gebrauch der möglicherweise nicht dominanten rechten Hand gedrängt werden. Wichtig: Hat Ihr Kind sich bis zum vierten Geburtstag nicht für eine Hand entschieden, sollten Sie mit ihm einen Fachmann, z. B. auf Händigkeit spezialisierten Ergotherapeuten, Heilpädagogen oder Psychologen, aufsuchen. Zum Schuleintritt sollte die Schreibhand eindeutig feststehen, da das Schreiben eine sehr komplexe Funktion des Gehirns erfordert, die durch den Wechsel der schreibenden Hand stark gestört wird. Schulische Probleme sind dann oft vorprogrammiert! Im Zweifelsfall sollte die Händigkeit getestet werden. Dabei ist zu beachten, dass bei „Kulturtechniken“ wie Malen und Schreiben oder Essen mit Besteck die Nachahmung eine große Rolle spielt. Vor allem aufgeweckte Linkshänder schulen sich diesbezüglich teilweise selbst um. Viel zuverlässiger für die Beurteilung sind einhändig ausgeführte Tätigkeiten, die kaum durch erzieherische Maßnahmen beeinflusst werden, wie etwa Blumengießen oder Würfeln.

Mein Tipp
Schreibt Ihr Schulanfänger auch nach mehreren Monaten noch wiederholt in Spiegelschrift, kann dies auf eine bisher unerkannte Linkshändigkeit hinweisen. Suchen Sie dann bitte einen Fachmann auf. Im Kindergartenalter ist Schreiben in Spiegelschrift völlig normal, tritt aber häufiger bei linkshändigen Kindern auf. 

Warum Ihr linkshändisches Kind keinesfalls auf die rechte Hand umgeschult werden sollte

Die Händigkeit, also der bevorzugte Gebrauch der rechten oder linken Hand, ist abhängig davon, welche Gehirnhälfte motorisch dominant ist. Da die Nervenbahnen im Rückenmark auf die gegenüberliegende Körperseite kreuzen, ist beim Rechtshänder die linke, beim Linkshänder die rechte Gehirnhälfte stärker ausgeprägt. Echte Beidhänder, bei denen beide Gehirnhälften gleich stark und infolgedessen auch beide Hände wirklich gleich geschickt sind, gibt es daher kaum. Beidhänder sind fast immer umgeschulte Linkshänder, die zum Malen, Schreiben und Essen die rechte, für andere Tätigkeiten aber die linke Hand benutzen. Wird nun ein Linkshänder auf die rechte Hand umgeschult, wird er gezwungen, mit seiner weniger starken linken Gehirnhälfte mehr zu leisten als mit seiner von Natur aus motorisch stärkeren dominanten rechten Gehirnhälfte. So ist es zu erklären, dass ein umgeschulter Linkshänder ständig einen um etwa 30 Prozent erhöhten Kräfteeinsatz leisten muss, um die gleichen Leistungen zu erbringen wie ein links hantierender und schreibender Linkshänder! Aufgrund der vermehrten Anstrengungen kommt es daher schneller zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Als Folge der Umschulung treten vermehrt Legasthenie, Links- Rechts-Unsicherheit, feinmotorische Schwächen sowie Stammeln oder Stottern auf. Diese Störungen wiederum beeinträchtigen das Selbstwertgefühl des Kindes und ziehen oft weitere Störungen wie Unsicherheit,Verhaltensauffälligkeit, Nägelkauen oder Bettnässen nach sich. Diese Erkenntnisse haben sich allgemein durchgesetzt, sodass eine Umschulung der Händigkeit in der Schule inzwischen ausdrücklich verboten ist.

Mein Tipp für linkshändige Kinder
Linkshändige Kinder haben nicht selten das vermehrte Bedürfnis, sich etwas zurückzuziehen, und neigen zum Tagträumen. Setzen Sie Ihr Kind in diesen Fällen bitte nicht unter Druck, indem Sie es verstärkt zu Gruppenaktivitäten und zum Spiel mit anderen Kindern drängen. 

Was Sie beachten sollten, wenn Ihr Kind Linkshänder ist

Vermeiden Sie bitte alles, was Ihr Kind zum Gebrauch der rechten Hand „verführen“ könnte. Bleiben Sie neutral, also möglichst in der Körpermitte, sodass Ihr Kind jeweils selbst wählen kann, welche Hand es benutzen möchte. Nachfolgend einige Beispiele dazu:

  • Legen Sie das Besteck nicht rechts bzw. links neben den Teller, sondern in dessen Mitte.
  • Legen Sie die Malstifte in die Mitte des Zeichenpapiers und nicht rechts daneben.
  • Überreichen Sie Ihrem Kind Gegenstände nahe der Körpermitte, sodass es nicht „automatisch“ die rechte Hand zum Ergreifen benutzen muss.
  • Zwingen Sie Ihr Kind niemals, bei einer Begrüßung „das schöne Händchen“ zu geben.
  • Akzeptieren Sie seine Linkshändigkeit als etwas ganz Normales. Ermuntern Sie es zum Gebrauch der linken Hand.
  • Bitte diskutieren Sie das Thema „Händigkeit“ nicht im Beisein Ihres Kindes.

Ist die Rückschulung rechts schreibender Linkshänder die Lösung aller Probleme?

Treten nach einer Umschulung auf die rechte Hand Störungen bzw. Fehlentwicklungen auf, lassen sich diese bei vielen Kindern durch eine Rückschulung auf die linke Hand und eine individuelle Förderung beheben. Jede Rückschulung ist aber ein erheblicher Eingriff in bereits automatisierte Bewegungsabläufe und damit wie die Umschulung quasi ein „Eingriff“ ins Gehirn. So hat ein großer Teil der Linkshänder danach weniger Schulprobleme und fühlt sich besser, während bei einigen Kindern nach der Rückschulung sogar neue Schwierigkeiten (ähnlich denen nach einer Umschulung) auftreten. Eine Rückschulung will daher gut überlegt sein. Sie darf nur nach eingehender Beratung und unter ständiger Begleitung durch einen kompetenten Therapeuten erfolgen.

Am allerbesten ist es natürlich, ein linkshändiges Kind gar nicht erst auf die rechte Hand umzuschulen. Wird eine Rückschulung erwogen, sollte diese so früh wie möglich in den ersten beiden Schuljahren erfolgen, da sie mit zunehmendem Alter schwieriger wird. Eine Rückschulung ist grundsätzlich nur dann ratsam, wenn sowohl das betroffene Kind als auch seine Eltern diese wirklich wünschen!

Mein Tipp
Einen guten Hinweis auf die Händigkeit erhalten Sie, wenn Sie Ihrem Kind in jede Hand einen Stift geben und es auffordern, mit beiden Händen gleichzeitig einen Kreis zu malen. Die Seite des schöneren, runderen Kreises zeigt die bevorzugte Hand an. 
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