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betrübter Junge sieht aus dem Fenster
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Wie viel Strafe muss sein?

Strafen und Grenzen setzen mit Bedacht

Soll man ein Kind bestrafen? Oder muss man es manchmal sogar? Wie strafen Sie richtig, wenn es kein Klaps sein soll? Unsere Erziehungs-Tipps zeigen, wie Sie eine Auszeit oder logische Konsequenzen in Ihrer Erziehung anwenden, wenn Ihr Kind die von Ihnen gesetzten Grenzen überschreitet. 

Expertenrat von 

Kleiner „Strafen-Knigge“

  • Bestrafen Sie Ihr Kind nur dann, wenn es die Regeln, gegen die es verstößt, auch kennt. Zeigt sich ein unerwünschtes Verhalten zum ersten Mal, sollten Sie Ihrem Kind zunächst erklären,warum es das nicht darf bzw. es wenigstens vorwarnen. Besonders bei lebhaften Kindern ist es wichtig, nicht zu viele starre Regeln aufzustellen, die sie gar nicht einhalten könnten!
  • Strafen oder auch der Entzug von Vergünstigungen (z. B. Spielplatzbesuch) sollten in logischem Zusammenhang mit dem Vergehen stehen. Bei Kindern bis zum Schulalter ist es zusätzlich wichtig, dass die Strafe auch in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Fehlverhalten steht. Ein Kleinkind kann nur dann erkennen, dass sein gerade gezeigtes Verhalten falsch war, wenn Sie ihm das unmittelbar danach klarmachen. Es also abends zu strafen, wenn es mittags den Bruder im Streit gebissen hat, ist völlig sinnlos.
  • Die Strafe muss angemessen sein. Überzogene Strafen fordern Rachegelüste und Aggressionen geradezu heraus. Eine Auszeit (übrigens eines der besten und wirksamsten Mittel!) zum „Wieder-Einkriegen“ in einem anderen Raum sollte beispielsweise so lange in Minuten dauern, wie Ihr Kind Jahre alt ist. Stundenlanges Verbannen ins Kinderzimmer wegen einer frechen Antwort wäre überzogen.
  • Seien Sie konsequent! Wenn Sie ein unerwünschtes Verhalten mit Strafe belegt haben, sollten Sie jedes Mal prompt reagieren.
  • Unterscheiden Sie zwischen Ihrem Kind und seinem Verhalten.„Du hast da etwas falsch gemacht, bitte mach es besser“ ist etwas anderes als „Immer machst du alles falsch“. Benennen Sie das negative Verhalten ganz klar, ohne Ihr Kind als Person als böse oder schlecht zu bezeichnen.
  • Vermeiden Sie Androhungen, die Sie ohnehin nicht einhalten können! Sätze wie „Ich nehme dich nie wieder mit, wenn...“ laufen ins Leere und führen nur dazu, dass Ihr Kind Sie nicht mehr ernst nimmt, da Sie die ausgesprochene Drohung nicht wahrmachen (können).

Strafen, aber gewaltfrei: Wie funktioniert die Auszeit?

Die Auszeitmethode ist eine Verhaltenstechnik, bei der Ihr Kind im Falle eines Fehlverhaltens den „Schauplatz“ verlassen und in einem Nebenzimmer (damit Sie Ihr Kind trotz allem im Blick haben) eine Zeit lang ruhig auf einem Stuhl sitzen muss. Diese Methode ist für Kinder zwischen zwei und zehn Jahren geeignet. Auch kleinere Kinder können bereits eine kurze Auszeit bekommen, dann aber im selben Raum wie Mama oder Papa (z. B. im Laufstall). Die Auszeit ist eine liebevolle, gewaltfreie Methode der Disziplinierung. Dadurch entziehen Sie Ihrem Kind für eine kurze Zeit Ihre Aufmerksamkeit und schaffen eine gewisse Distanz. Ihr Kind kann innehalten und sich beruhigen. Es lernt erwünschtes von unerwünschtem Verhalten zu unterscheiden. Auch Sie als Mutter oder Vater können „Luft holen“ und Ihr Handeln überdenken.

Grenzen setzen: Kleine Auszeit-Checkliste

  • Als Vorwarnung, bevor Sie eine Auszeit verhängen, können Sie bis drei zählen.„Wenn ich bis drei gezählt habe, ist der Fernseher ausgeschaltet und du bist auf dem Weg ins Bad.“ Bei drei ist das Kind entweder wirklich auf dem Weg ins Bad, oder es bekommt eine Auszeit. Die folgenden Punkte sollten Sie für ein  korrekte Anwendung der Auszeit beachten.
  • Der Auszeitstuhl und sein Platz: Der Stuhl ist das wichtigste Hilfsmittel – auf ihm kommt das Kind zur Ruhe. Verwenden Sie immer denselben Stuhl und stellen Sie ihn zur Auszeit an einen ruhigen, ungestörten Platz im Haus. Während der Auszeit darf der Stuhl nicht bewegt werden.
Mein Tipp
Der Stuhl sollte nicht vor dem Fenster oder dem Fernseher und auch nicht im Kinderzimmer stehen. Am besten stellen Sie ihn vor eine kahle Wand im Vorzimmer, da möglichst niemand durch den gewählten Raum durchlaufen sollte.
  • Machen Sie Ihrem Kind klar, warum es eine Auszeit bekommt. Sagen Sie z. B. möglichst kurz und einfach: „Sarah, du bekommst jetzt eine Auszeit, weil du Kathi gehauen hast.“ Reden Sie nicht zu viel und stellen Sie keine Warum-hast-du-das-gemacht-Fragen!
  • Sprechen Sie während der Auszeit nicht mit Ihrem Kind und sehen Sie es nicht an. Wenn Ihr Kind spricht, geben Sie ihm keine Antwort. Ist es älter als vier Jahre, wird die Auszeit um zwei Minuten verlängert. Sprechen Sie während der Auszeit nicht mit anderen über Ihr Kind. Vermeiden Sie, bei der Verhängung der Auszeit in Ihrer Stimme Ärger zu zeigen. Bleiben Sie ruhig, soweit das möglich ist. Beschäftigen Sie sich mit etwas, während Sie Ihr Kind beaufsichtigen.
  • Wie lange dauert die Auszeit? Beginnen Sie mit einer Auszeit von zwei bis vier Minuten, die, wenn nötig, noch verlängert werden kann. Oft wird als Richtlinie auch eine Minute für jedes Lebensjahr empfohlen. Bitte verhängen Sie eine kürzere Auszeit, falls Ihr Kind sehr zappelig ist, denn Sie wollen ja nichts Unmögliches verlangen.

  • Stellen Sie einen Eierwecker, der das Ende der Auszeit signalisiert. Jetzt heißen Sie Ihr Kind willkommen, und es wird nicht mehr über das Vergehen geredet und nicht geschimpft.Wenn Ihr Kind nach der Auszeit vor sich hinschimpft, ohne dabei jemanden zu beleidigen, so soll es das tun dürfen.
  • Was tun, wenn es schwierig wird? Steht Ihr Kind auf, bringen Sie es ruhig wieder zurück und halten es notfalls wortlos fest.  Wenn es gegen die Wand tritt oder etwas zerstört, stellen Sie den Stuhl mitten in den Raum. Es darf in die Luft treten, aber nicht gegen die Möbel, sonst wird die Auszeit verdoppelt.Wenn das nicht hilft, wird irgendeine Vergünstigung (z. B. gemeinsame Spielzeit) gestrichen. Schreit oder bettelt Ihr Kind, lassen Sie sich davon nicht beeindrucken.
  • Auszeit nur bei gravierenden „Vergehen“ anwenden. Muss Ihr Kind wegen jeder Kleinigkeit auf den Auszeit-Stuhl, büßt diese Methode an Lerneffekt ein und verliert an Wirksamkeit.
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