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Markenklamotten

Wie viele Markenklamotten müssen sein?

Erziehungs-Tipps zum Neinsagen lernen

Kinder müssen lernen, dass nicht alle Ihre Wünsche erfüllt werden können – und Eltern müssen lernen, Nein zu sagen. Dabei lassen sich Konflikte nicht vermeiden. Wie sie den Diskussionen um Markenklamotten und teures Spielzeug am besten begegnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu entwickeln, lesen Sie hier. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Eigentlich ist es doch ganz einfach, denn das Familieneinkommen regelt die Ausgaben für Anschaffungen. Trotzdem finden sich alle Eltern regelmäßig in Diskussionen wieder, die sich um den Kauf bestimmter Dinge drehen, die nicht unbedingt notwendig sind. Zumindest aus der Sicht der Eltern. Kinder und Jugendliche sehen das häufig ganz anders, denn sie leben im Hier und Jetzt, und es ist ihnen glecihgültig, ob eine Geldausgabe vernünftig oder überflüssig ist. Sie denken nicht ernsthaft an finanzielle Probleme, die erst Wochen, Monate oder Jahre später auftreten können.

Neinsagen: eine Frage des Geldes?

Fast alle Eltern haben Schwierigkeiten damit, ihren Kindern einen Wunsch abzuschlagen. Das Einkommen spielt dabei nur in einem geringen Maße eine Rolle. In fast jeder Familie gibt es eine moralische Richtlinie, wie umfangreich und teuer Geschenke und Aufwendungen für nicht absolut Notwendiges sein dürfen. Bei einkommensschwachen Familien liegt diese Grenze natürlich deutlich niedriger als bei Großverdienerhaushalten. Trotzdem sollten alle Eltern bestrebt sein, ihren Kindern beizubringen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln auszukommen. Das bedeutet auch, auf bestimmte Dinge verzichten zu lernen. Daher kommen alle Eltern immer wieder an den unangenehmen Punkt, ihren Kindern einen Wunsch abschlagen zu müssen. Doch was ist daran eigentlich so schwierig?

Fällt Ihnen Nein-Sagen schwer?

Wenn Sie immer wieder feststellen, dass es Ihnen nicht leicht fällt, Ihrem Kind einen Wunsch abzuschlagen, sollten Sie sich die Gründe dafür einmal genauer ansehen. Oft hilft das, notwendige Einschränkungen ohne schlechtes Gewissen durchzusetzen.

  • Sie möchten nicht für geizig gehalten werden.
  • Sie möchten Ihr Kind nicht enttäuschen.
  • Sie befürchten, dass Ihr Kind Sie nicht mehr mag.
  • Sie möchten nicht für egoistisch gehalten werden.
  • Sie möchten nicht, dass Ihr Kind hinter seinen Freunden zurücksteht.
  • Sie möchten nicht für arm gehalten werden.
  • Sie möchten Ihrem Kind nicht zu viele Wünsche abschlagen.

„Mami, ich hasse dich!“

Vielleicht hat Ihr Kind Ihnen diese Worte auch schon wutentbrannt entgegengeschleudert, weil es die neusten Nike-Turnschuhe, den Eastpak-Ranzen oder die schicke Designer-Jeans nicht bekommen hat. Es ist eine bittere Pille, die Eltern schlucken müssen, wenn ihre Kinder auf eine Ablehnung so wütend reagieren. Doch erpressen lassen sollten Sie sich davon nicht. Sie wissen doch ganz genau, dass Ihr Kind einen solchen Satz impulsiv und unüberlegt von sich gibt und er mit seinen wirklichen Gefühlen nicht viel gemein hat. Natürlich muss Ihr Kind lernen, dass es nicht alles haben kann. Ihre Aufgabe als Mutter oder Vater ist nun mal, Ihrem Kind genau dies Schritt für Schritt im Erziehungsprozess beizubringen. Letztlich wird es daran wachsen und eine realistische Einstellung zum Geldausgeben bekommen. Setzen Sie klare Grenzen, lange bevor Ihr Kind in die Pubertät kommt, denn so beugen Sie zermürbenden Diskussionen vor.

So reagieren Sie richtig auf Wutausbrüche

  • Bleiben Sie ruhig und schreien Sie nicht zurück.
  • Ändern Sie Ihre Haltung nicht.
  • Lassen Sie sich nicht in Diskussionen verstricken.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind nach ein paar Stunden noch einmal über das Thema.
  • Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie seine Äußerung verletzt hat.
  • Fragen Sie nach echten Gründen für seinen Wunsch.
  • Seien Sie nicht nachtragend.

„Alle meine Freunde kriegen das aber“

Kinder und Jugendliche wissen ganz genau, wie sie ihre Eltern in die Enge treiben können. Ein starkes Argument ist immer, dass alle Freunde genau das bekommen, was Sie Ihrem Kind gerade verweigern. Niemand möchte, dass das eigene Kind möglicherweise als Habenichts ohne das Must-have der Saison von seiner Gruppe ausgegrenzt wird.

  • Sie selbst haben sich gerade einen teuren Bildband geleistet, aber Ihrem Kind wollen Sie das neueste Computerspiel nicht kaufen?
  • Ist das wirklich gerecht, oder gönnen Sie Ihrem Nachwuchs seinen Spaß nicht?
  • Dürfen Sie sich etwas Gutes tun und Ihrem Kind seine Freude verweigern?
  • Muss Ihr Kind mit ansehen, dass sein bester Freund den iPod Nano bekommen hat, während Sie nur einen namenlosen MP3-Player mit gleicher Speicherkapazität zu bezahlen bereit sind? Dürfen Sie den Kauf eines neuen Fahrrads guten Gewissens verweigern?

Keine Sorge, natürlich dürfen Sie das! Schließlich muss auch Ihr Kind lernen, dass es nicht immer mit seinen Freunden gleichziehen kann. Und wenn sein Wunsch wirklich sehr groß ist, wird es ein wenig Geduld bis zum nächsten Geburtstag oder bis Weihnachten aufbringen und möglicherweise für den Kauf auch etwas von seinem Taschengeld beisteuern.

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Nicht aus Prinzip „Nein“ sagen

Auch wenn Sie diese Wünsche Ihres Kindes oft ablehnen, sollten Sie nicht prinzipiell gegen den Kauf von Markenware sein. Es kann durchaus gute Argumente für ein Markenprodukt haben, zum Beispiel wenn es nichts Vergleichbares von einer anderen, günstigeren Firma gibt. Manche billigen Schuhe, Hosen oder Pullover gehen schon nach kurzer Zeit kaputt, so dass sich der Anschaffungspreis durch einen weiteren Kauf letztlich erhöht. Da wäre ein gut verarbeitetes Markenprodukt unter Umständen die günstigere Alternative gewesen. Wichtig ist, dass Ihr Kind lernt, auf solche Faktoren zu achten. Qualität ja – billiger Modequatsch nein. Doch es gibt auch andere Gründe, warum es manchmal eben einfach das T-Shirt vom Markenhersteller sein muss.

Das „Britpack“ macht’s vor

Gerade Teenies werden nicht nur durch ihre Familie beeinflusst, sondern in hohem Maße auch durch das Fernsehen. Hier zeigen ihnen manche Vorbilder, unter anderem Britney Spears, Paris Hilton und Kate Moss, dass exklusive Kleidung gleichbedeutend ist mit Ruhm, Schönheit, Reichtum und Erfolg. Und auch die deutschen Stars und Sternchen präsentieren sich gerne in Markenkleidung. Doch nicht nur Mädchen sind anfällig für solche Kleidungstrends, denn auch Musiker wie Eminem oder P. Diddy haben eigene  Marken entwickelt. Sie vermitteln Ihrem Kind ein Lebensgefühl und sind deshalb so beliebt.

Kinder sind Herdentiere

Je älter Ihr Kind wird, desto stärker wird auch der Einfluss seiner Freunde. Wundern Sie sich daher nicht, wenn sich auch die Wünsche und Einstellungen Ihres Kindes immer stärker nach anderen richten. Spätestens nach der Grundschule schwindet nach und nach Ihr erzieherischer Einfluss auf Kleidung und Aussehen. Nun bestimmt der jeweilige Freundeskreis, welche Musik, Kleidung oder Sprache „in“ ist. Nur wer sich nach diesen Vorgaben richtet, wird mit allgemeiner Anerkennung und einer hohen Rangordnung belohnt. Da kann die Markenjeans oder die Designerjacke schon mal über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe entscheiden. Und nicht jedes Kind ist bereits so gefestigt, dass es sich dem Gruppenzwang entziehen kann. Seien Sie also verständnisvoll und nachsichtig, wenn sich Ihr Kind für eine überschaubare Zeit dem Trend nach bestimmer Markenkleidung nicht entziehen kann.

Selbstbewusst Neinsagen ist schwer

Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte Ihr Kind ein starkes Selbstbewusstsein aufgebaut haben, um nicht allen Forderungen seiner Freunde nachkommen zu müssen. Doch die Pubertät bringt es mit sich,  dass auch ein sehr starkes Selbstbewusstsein diesen Wunsch nach Anpassung an den Freundeskreis nicht grundsätzlich verhindern kann. Zu einem bestimmten Teil ist das ja auch ganz in Ordnung, denn Ihr Kind lernt auf dem Weg zum Erwachsenwerden auch den Aufbau eigener Werte und Wichtigkeiten. So wie Ihnen vielleicht ein bestimmtes Auto oder eine Urlaubsreise erstrebenswert erscheint, bevorzugt Ihr Kind ein Marken-Handy oder Designerhosen. Das ist normal, es sollte aber damit umgehen können, dass seine Wünsche nicht immer erfüllt werden. Andernfalls werden Sie sich in höchst anstrengenden Diskussionen um Geld und Anschaffungen wiederfinden.

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