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Verbessern Sie die Beziehung zu Ihrem Kind

Mit Ritualen zum Familienglück

Wie Sie die Beziehung zu Ihrem Kind verbessern

Je älter die Kinder werden, umso weniger Rituale gestalten in der Regel den Familienalltag. Doch auch für Ihr pubertierendes Kind sind Rituale wichtig, denn sie bieten Verlässlichkeit, Vertrautheit und Orientierung. Heranwachsende brauchen Rituale – im übertragenen Sinne wie das „kleine Hänschen“ einen „Stock“ und einen „Hut“–, die sie begleitet. Sie brauchen Rituale, die ihnen in Zeiten der Veränderungen Sicherheit und ein Gefühl von Geborgenheit geben. Lesen Sie hier, welche Bedeutung Rituale für Ihr Kind haben und wo Sie welche Rituale in Ihren Familienalltag einbauen können. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Viele Heranwachsende lernen Rituale heute nicht mehr kennen, oder sie werden ihnen nur halbherzig angeboten. Dabei verliert das Ritual seinen zentralen Wert:

  • Das Ritual lebt nämlich von der Wiederholung, daraus, dass sein Zeitpunkt und der Ablauf für alle Beteiligten klar sind.
  • Das Ritual ist fraglos da – es wird selbstverständlich und regelmäßig praktiziert.
  • Für alle Beteiligten ist der tiefere Sinn des Rituals spürbar.

Rituale sind nur dann problematisch, wenn sie rigide umgesetzt, als Dogma missverstanden oder als Machtmittel missbraucht werden. Vor allem die emotionale Bedeutung von Ritualen ist wichtig. Werte und Normen des zwischenmenschlichen Miteinanders sind im Ritual aufgehoben. Familienrituale sind kommunikativ und stärken den Zusammenhalt. Die amerikanische Psychologin Barbara H. Fiese fasst das so zusammen:

„Gemeinsames Erleben stärkt den Zusammenhalt, fördert die Gesundheit und wirkt sich auch positiv auf schulische Leistungen aus.“  

Fehlen Familien-Rituale, fühlen sich Pubertierende hingegen gefühlsmäßig alleingelassen, und sie wissen nicht, woran sie sich halten können.

Essensrituale festigen die Familienbeziehungen

Für viele Pubertierende gibt es kein Frühstück mehr. Manches Mittagessen ist auf Fastfood oder ein Stück gekaufte Pizza reduziert. Und auch für das Abendessen gilt oft Unverbindlichkeit. Zweifellos lassen viele Tagesabläufe regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten nicht mehr zu. Aber es gäbe dann ja noch das Wochenende, wo Sie jenen Essensritualen, die Sie im Alltag nicht praktizieren können, einen festen Platz einräumen könnten. Es kommt mir beim Essensritual nicht auf formvollendetes Verhalten oder die korrekte biologisch-dynamische Mahlzeit an – das ist ein anderes Thema.

Wichtig ist, dass Sie als Familie miteinander am Tisch sitzen, dass Sie sich ansehen, sich gegenseitig zuhören, miteinander reden. Auch dass Sie gemeinsam Freude am Essen haben und der- oder demjenigen mal Dankeschön sagen, der die Mahlzeit zubereitet hat. Wenn Sie das Essen nur noch nebenbei, im Gehen oder Stehen, einnehmen, entwerten Sie nicht nur den materiellen Gehalt der Speise, Sie lösen zugleich die sozialen und emotionalen Bindungen auf, in die das Essen eingewoben ist. Wenn Sie selbst keine Essensrituale pflegen, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn auch Ihr heranwachsendes Kind diesem Gemeinschaftserlebnis keine Bedeutung mehr beimisst. Das wäre schade und zugleich eine vertane Chance, denn gerade das gemeinsame Essen bietet Ihnen und Ihrem pubertierendem Kind eine unkomplizierte Form des Zusammenseins und der gegenseitigen Wertschätzung. Auch wenn Essensrituale sich in vielen Familien also nicht mehr jeden Tag praktizieren lassen, sollten sie doch Ihren festen Platz in jeder Familie haben. Vielleicht passen ja einige der folgenden Beispiele für gemeinsame Essensrituale auch in Ihre Familie?!

  • Eine gemeinsame Mahlzeit pro Tag: In den meisten Familien mit älteren Kindern bietet sich dazu das Abendessen an.
  • Das ausgiebige Sonntagsfrühstück: Wenn es in der Woche morgens oft schnell gehen muss, dann gefällt der Familie vielleicht das späte gemeinsame Frühstück. Das Mittagessen können Sie dafür ja möglicherweise streichen.
  • Gemeinsam kochen: Im Fernsehen schauen wir Kochsendungen, aber wer kocht noch zu Hause regelmäßig gemeinsam mit der Familie? In regelmäßigen Abständen oder an „langweiligen“ Feiertagen ist das gemeinsame Kochen ein schönes Familienerlebnis.
  • Lassen Sie sich bekochen: Kaum ein Kind sagt Nein, wenn es die Gelegenheit hat, die Familie mit einem selbstgekochten Menü zu überraschen.
  • Gemeinsam essen gehen: Beim Lieblingsitaliener um die Ecke fühlen sich meistens alle wohl. Hier können Sie gute Schulnoten feiern, einen schönen Tag ausklingen lassen, sich für den Start in die Woche stärken oder sich einfach zwischendurch mal etwas Gutes tun.
  • Teatime: Es muss nicht immer Essen sein. Die kleine Pause zwischendurch, auch mal spontan, wenn gerade alle oder einige Familienmitglieder zu Hause sind, ist ein schönes Ritual für alle Familienmitglieder. Bei Tee, Kaffee oder Saft und Keksen trifft man sich im Wohn- oder Esszimmer für eine gemütliche halbe Stunde.

Rituale bieten Ihrem Kind Halt und Verlässlichkeit

Gerade in Krisenzeiten können Rituale Ihrem Kind Halt und Verlässlichkeit geben – sei es bei Krankheit oder Tod eines Angehörigen, bei Kriegen oder Katastrophen, die dem Heranwachsenden medial nahegebracht werden, bei Umzügen und dem damit verbundenen Verlust von Freunden. Wenn Ihr Kind solche oder ähnliche Krisen erlebt, ist es wichtig, dass Sie die gewohnten Rituale weiterführen, weil in ihnen Normalität und Verlässlichkeit enthalten sind. Störungen und Auffälligkeiten im Verhalten eines Heranwachsenden verweisen nicht selten auf das Fehlen eines Rituals oder auch darauf, dass Rituale abgeschafft und nicht durch andere ersetzt worden sind. 

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