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Der richtige Umgang mit Taschengeld ist sehr wichtig

Taschengeld: Diese Regeln sollten Sie beachten

Richtiger Umgang mit Taschengeld

Kinder sind eine beliebte Zielgruppe der Werbung. Täglich wird ihnen farbenprächtig vor Augen geführt, was alles scheinbar problemlos mit dem Taschengeld zu haben ist. Umso wichtiger ist es da, Kindern rechtzeitig beizubringen, angemessen mit Taschengeld umzugehen! Unsere Taschengeld-Regeln zeigen Ihnen, was Sie beim Taschengeld beachten sollten. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Eigenes Geld zu besitzen, macht Kinder nicht nur stolz, sondern zeigt ihnen auch, dass sie ernst genommen werden. Eigenständig über Taschengeld verfügen zu können, ist für sie ein wichtiger Schritt in die Welt der „Großen“: in die Autonomie und Selbstständigkeit. Doch Kinder müssen auch deshalb frühzeitig lernen, mit Taschengeld umzugehen,

  • damit sie ein Gefühl für den Wert der Dinge bekommen (Was ist teuer und wertvoll, was billig? Was kann ich mir mit meinem Taschengeld leisten?),
  • damit sie lernen, in Bezug auf ihre Konsumwünsche Prioritäten bei Ihrem Taschengeld zu setzen (Was ist mir wirklich wichtig, wofür will ich mit dem Taschengeld sparen? Was brauche ich eigentlich nicht, worauf kann ich verzichten?),
  • damit sie lernen, mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Taschengeld hauszuhalten: (Was habe ich schon ausgegeben, wie viel bleibt noch übrig? Wie lange muss ich mein Taschengeld sparen, bis ich mir meine Lieblings-DVD kaufen kann?),
  • damit sie lernen, dass nicht alle materiellen Wünsche mit Taschengeld immer gleich zu befriedigen sind,
  • damit sie in der frühen Erwachsenenzeit davor gewappnet sind, per Handy- oder auflaufender Warenhauskosten in die Schuldenfalle zu geraten.

Wichtige Taschengeld-Regeln

Um den Umgang mit dem Taschengeld zu üben, brauchen Kinder ab spätestens sechs Jahren ein gewisses Kontingent an Taschengeld, das sie zu ihrer eigenen Verfügung ausgezahlt bekommen. Wichtig ist dabei,

  1. dass das Taschengeld regelmäßig zu einem vereinbarten Termin ausgezahlt wird (z.B. zum Ersten des Monats oder am Wochenanfang),
  2. dass das Taschengeld unaufgefordert ausgezahlt wird (das heißt, dass das Kind dem Geld nicht hinterherlaufen muss),
  3. dass das Taschengeld immer ausgezahlt wird, unabhängig davon, wie sich das Kind verhalten hat (Taschengeldentzug ist keine geeignete Strafmaßnahme!),
  4. dass das Taschengeld nicht an bestimmte Leistungen in Haushalt oder Schule geknüpft ist,
  5. dass das Kind selbst entscheiden kann, wofür es das Taschengeld ausgeben oder sparen will (ausgenommen sind natürlich gefährliche oder verbotene Dinge wie Waffen, Zigaretten, Alkohol, Filme ab 16 etc.).

Taschengeld ist nicht dafür gedacht, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn davon notwendige Alltagsgegenstände kaufen muss, wie z. B. Schulsachen, Lebensmittel oder Kleidungsstücke. Wenn Ihr Kind allerdings besonders teure Produkte haben will, wie etwa einen speziellen Füller, obwohl es bereits einen tauglichen besitzt, sollte es diesen Luxusgegenstand durchaus selbst mit dem Taschengeld finanzieren. Wünscht Ihr Kind sich besonders teure Markenschuhe oder -klamotten, sollten Sie einen Kompromiss schließen: Geben Sie den Betrag, den Sie für ein Paar Schuhe, einen Pulli oder eine Jeans angemessen finden, Ihr Kind zahlt dann die Differenz mit dem Taschengeld dazu. Vorausgesetzt natürlich, Ihr Kind benötigt gerade neue Schuhe oder einen neuen Pullover!

So viel Taschengeld sollte Ihr Kind bekommen

Bis das Kind etwa neun Jahre alt ist, empfiehlt sich eine wöchentliche Taschengeldauszahlung, da Kinder in diesem Alter oft noch Schwierigkeiten haben, das Taschengeld über einen ganzen Monat hinweg einteilen zu können. Im Alter von neun oder zehn Jahren kann ihm das Taschengeld dann monatlich ausgezahlt werden. Als Richtwerte gelten folgende Beträge:

AlterBetrag in Euro
6 bis 7 Jahre1,50 bis 2,00 wöchentlich
8 bis 9 Jahre2,00 bis 2,50 wöchentlich
10 Jahre12,50 monatlich
11 Jahre15,00 monatlich
12 Jahre17,50 monatlich
  • Prinzipiell müssen Sie natürlich selbst entscheiden, wie viel Taschengeld Sie Ihrem Kind tatsächlich geben können, da dass auch von der finanziellen Situation Ihrer Familie, der Geschwisteranzahl usw. abhängt. Reden Sie mit Ihrem Kind offen darüber, wenn das Geld knapp ist, damit es versteht, warum es möglicherweise weniger Taschengeld bekommt als sein bester Freund.
  • Umgekehrt ist ein zu hohes Taschengeld dem Kind wenig zuträglich, da es ihm erschwert, den Wert der Dinge angemessen einzuschätzen: Wer sich alles vom Taschengeld kaufen und leisten kann, ohne etwas dafür tun zu müssen, kommt nie in den Genuss des Gefühls, sich etwas wirklich erspart zu haben und stolz darauf zu sein. Ist alles Spielzeug immer schnell verfügbar, wird es rasch uninteressant: Das heizt auf Dauer nur noch mehr Konsumwünsche an!
  • Jüngeren Kindern sollte Taschengeld unbedingt bar ausgezahlt werden, damit das Geld auch sinnlich erfahrbar wird. Geld ist ohnehin eine abstrakte Angelegenheit, und es wird noch abstrakter, wenn es als virtuelle Größe auf einem Sparbuch liegt. Bekommt Ihr Kind allerdings von Großeltern oder anderen Verwandten öfter kleinere oder sogar größere Summen Taschengeld geschenkt, sollten Sie dies direkt auf einem Sparbuch anlegen und in Absprache mit Ihrem Kind für es verwalten.
Mein Tipp
Schenken Sie Ihrem Kind ein Sparschwein für Taschengeld, das jederzeit mit einem Schlüssel zu öffnen ist, für den Fall, dass es etwas Taschengeld zurücklegen möchte. Der Betrag, den es zu seiner freien Verfügung haben möchte, kommt ins Portmonee. Größeren Kindern können Sie ein Kinder-Konto einrichten, das es oft schon mit einer Kinder-Giro-Karte (ohne Magnetstreifen) selbst verwalten darf. Erkundigen Sie sich hierüber bei einer Bank in Ihrer Nähe.

Erste Hilfe bei Taschengeld: Was tun bei kleineren Geldpannen und -nöten?

Da Ihr Kind den Umgang mit Taschengeld ja noch üben muss, sind kleinere oder größere finanziellen „Pannen“ normal.

  • Ist Ihr Kind „pleite“, weil es vom Taschengeld zu viele Süßigkeiten gekauft hat, ist es vielleicht anschließend traurig, dass das Geld nicht mehr für den Lieblingscomic reicht. Da hilft nur: trösten und darüber reden, wie man eine solche Panne das nächste Mal am besten vermeiden kann. Stocken Sie auch in einem solchen Fall keinesfalls aus Mitleid das Taschengeld auf, auch nicht ausnahmsweise! Ihr Kind wird daraus nur lernen, dass Sie bereit sind, für seine „Fehleinschätzungen“ zu bezahlen!
  • Dass Kinder sich manchmal verschätzen, verrechnen oder sich über Käufe vom Taschengeld später ärgern, ist ganz normal. Schimpfen Sie in einem solchen Fall nicht und ersparen Sie Ihrem Kind auch Bemerkungen über Taschengeld wie „Hab ich dir doch gesagt, dass die Puppe schnell kaputt geht.“ Wir wissen ja selbst, wie unangenehm es ist, einen Fehlkauf getätigt zu haben. Ihr Kind wird sich das nächste Mal schon von ganz alleine genauer überlegen, wofür es sein Taschengeld ausgibt.
  • Macht Ihr Kind bei einem Klassenkameraden Schulden, oder verleiht es selbst gelegentlich Taschengeld? Machen Sie sich darüber keine großen Sorgen, sondern vertrauen Sie darauf, dass Kinder diese Dinge untereinander regeln. Eingreifen oder beratend tätig werden sollten Sie allerdings, wenn Ihr Kind langfristig oder wiederholt verliehenes Taschengeld nicht zurückbekommt oder wenn es Schulden angehäuft hat, die es vom Taschengeld allein nicht wieder ausgleichen kann. Finden Sie mit Ihrem Kind gemeinsam eine Lösung, in die es seine Ideen einbringen kann: Wie könnte es sein Taschengeld etwas aufbessern, um die Schulden abzahlen zu können?
  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind Probleme mit dem Sparen oder Geldausgaben hat, sprechen Sie es in Ruhe an und helfen Sie ihm, mit dem Taschengeld eine geeignete Strategie für die Lösung des Problems zu entwickeln. Gibt es sein Taschengeld regelmäßig zu rasch aus, und ärgert es sich anschließend darüber, könnten Sie vorschlagen, das Taschengeld wieder wöchentlich statt monatlich auszuzahlen. Hat es Schwierigkeiten zu entscheiden, was es sich von dem Geld kaufen möchte, überlegen Sie mit ihm gemeinsam, was eine sinnvolle Anschaffung sein könnte. Überlassen Sie die endgültige Entscheidung dennoch immer Ihrem Kind!

Taschengeld-Regeln für den Umgang mit Geld in der Familie

  1. Regelmäßige Mithilfe im Haushalt sollte prinzipiell unbezahlt bleiben. Besondere Zusatzdienste wie Gartenarbeiten oder Auto-Putzen können Sie durchaus mit ein paar Euro „Lohn“ vergüten.
  2. Auch im Umgang mit Geld sind Sie das direkte Vorbild für Ihr Kind. Wenn Sie bewusst mit Ihren Ausgaben umgehen und Ihrem Kind das Gefühl vermitteln, dass es sich manchmal lohnt, auf eine Anschaffung zu verzichten, schaut sich Ihr Kind diese Haltung mit der Zeit im Umgang mit dem Taschengeld ab.
  3. Sprechen Sie in der Familie vor den Kindern über geplante Anschaffungen.
Mein Tipp

Gehen Sie öfter mal gemeinsam ganz bewusst shoppen und zeigen Sie Ihrem Kind, wie Sie bei verschiedenen Waren das Preis-Leistungs-Verhältnis vergleichen. Ermutigen Sie Ihr Kind auch, einen Fachverkäufer anzusprechen, wenn es einen bestimmten Artikel sucht oder Fragen hat.

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Kommentare zu "Taschengeld: Diese Regeln sollten Sie beachten"

  • Hedda schreibt am 12.07.2015

    Wir haben mit unserer 15jährigen Tochter vor 2 Jahren einen Jugendvertrag ausgehandelt. Sie bekommt 125 €Ur pro Monat Taschengeld. Sie muss für sich
    selbst sorgen, Klamotten, Schuhe, Geschenke, Kino, Prepaidkarte fürs Handy,
    Schulartikel, die unterm Jahr anfallen z.B.
    Ausgenommen sind z.B. Schulandheimbesuche.
    Es läuft super, es gibt keine Diskussionen mehr ob sie dies oder jenes noch unbedingt braucht. Ich halte mich raus und fühle mich befreit, weil ich daran
    nicht mehr denken muss. Sie selber ist sehr glücklich mit dieser Lösung und hat es sogar ihren Freunden empfohlen, es bei deren Eltern auch durchzusetzen.
  • Bärbel schreibt am 11.07.2015

    Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über das Taschengeld gelesen. Als Nachhilfelehrerin erlebe ich leider bei einigen meiner Schüler, dass Ihre Eltern für alles aufkommen, was sie haben möchten. Selbst, wenn ein 16 Jähriger seine Schulbücher verbummelt und am Ende des Schuljahres nicht mehr abgeben kann, bezahlt der Vater die Rechnung. Hier denke ich, dass ein Kind in diesem Alter auf jeden Fall den Betrag durch eine entsprechende Leistung selbst erarbeiten müsste.
    Auch als Eltern haben wir unseren Kindern nicht einfach Taschengeld gegeben. Auch wir mussten und müssen uns unser Geld erarbeiten, es wird uns nicht geschenkt. Warum sollten nicht auch die Kinder bereits erfahren, dass man für Geld eine bestimmte Leistung erbringen muss? Das sollten die Eltern entsprechend des Alters, der familiären Situation und des Vermögens des Kindes einschätzen. Für welche Leistung und in welcher Höhe kann das Kind einen Opulus erhalten.In unserer Familie waren es die schulischen Leistungen. Für eine "1" bekam unser Sohn 2-Mark, für eine "2" eine Mark, für eine "3" nichts, für eine "4" wurden vom Betrag 1-Mark, für eine "5" 2-Mark gegen gerechnet. Letzteres kam in seiner ganzen Schulzeit nur zweimal vor.Abgerechnet wurde stets am Monatsende, und er freute sich riesig, wenn er mehr Geld bekam, als wir dachten und strengte sich auch entsprechend an, um gute Zensuren zu erhalten. Für diese Zensuren auf dem Zeugnis gabs für die "1" 5- und für die "2" 2-Mark. Weil er wusste, wie viel Anstrengung es kostete, diese Geld zu erwerben, ging er auch immer, sehr sparsam und überlegt mit seinem Taschengeld um. Ich finde, eine solche Motivierung besser, als dem Kind das Taschengeld einfach zu schenken.
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