Mit einem unsichtbaren Freund zu reden, ist für Kinder ein Phänomen, das vor allem bei Kindern zwischen vier und fünf Jahren zu beobachten ist.
Haben Sie keinen Grund zur Sorge, wenn Ihr Kind mit einem unsichtbaren Freund redet
Wenn Ihr Kind sich eng an einen unsichtbaren Freund „gebunden“ hat, ist das keineswegs Ausdruck einer Störung. Ihr Kind muss weder zu wenig echte Kontakte noch den Bezug zur Realität verloren haben. Fantasiefreunde sind im Kindergartenalter in aller Regel etwas Gesundes und Positives, zeugen sie doch von der unerschöpflichen Fantasie Ihres Kindes, das seinen Alltag auf diese Weise bunter gestaltet. Bis zur Einschulung lösen sich Fantasiefreunde meist von selbst wieder in Luft auf. Kinder, die sich einen unsichtbaren Freund ausdenken, sind Untersuchungen zufolge sogar überdurchschnittliches kontaktfreudig und weniger schüchtern als Altersgenossen. Sie sind zudem meist besonders gut in der Lage, sich in andere einzufühlen. Von Fantasiegestalten können Kinder auf verschiedene Weise profitieren:
- Da Kinder sich im Vergleich zu Erwachsenen relativ machtlos fühlen, spenden ihnen starke Fantasiehelden Sicherheit.
- Kinder benutzen ihre Einbildungskraft, um ihr reales Umfeld besser zu verstehen und damit klarzukommen.
- Durch Fantasiefiguren haben sie dabei eine treue Begleitung, die ihnen Mut macht.
- Im Als-ob-Spiel mit dem unsichtbaren Freund verarbeiten Kinder Freuden und Ängste des wirklichen Alltags.
Ein unsichtbarer Freund kann alles darstellen, sogar Tiere
Unsichtbare Freunde können ganz unterschiedlich „aussehen“: Da gibt es einfach den guten Freund, der ein ganz normales Kind ist. Vielleicht hat der Fantasiefreund aber auch Zauberkräfte oder ist ein Superheld, der alles kann und darf. Der unsichtbare Begleiter kann ein Tier (z. B.Hund oder Katze) sein, das sich das Kind sehnlichst wünscht, dessen Haltung aber die Familiensituation nicht zulässt. Der Begleiter kann winzig klein sein oder riesengroß – oder beides, je nach Bedarf.
Spielen Sie mit, wenn Ihr Kind einen unsichtbaren Freund hat !
Manche Eltern sorgen sich, dass ihr Kind den Bezug zur Wirklichkeit verlieren könnte, weil es seine Fantasiewelt mit immer mehr Details ausschmückt. Doch diese Sorge ist fast immer unbegründet. Sie dürfen bedenkenlos mitspielen, wenn Ihr Kind Sie in sein Spiel mit dem Fantasiegefährten einbeziehen will.
Wichtig: Grund zur Besorgnis gibt es nur dann, wenn Ihr Kind zusätzlich depressiv erscheint, sich zurückzieht und/oder nicht mehr schlafen kann. Dann versucht es meist, mit Hilfe eines unsichtbaren Freundes eine schwierige Situation zu verarbeiten. Wenn Ihr Kind sich wochenlang so verhält, sollten Sie Ihren Kinderarzt darauf ansprechen oder sich bei einer psychologischen Beratungsstelle Unterstützung holen. Die Fantasiegestalt, die Ihr Kind erfunden hat, kann Ihnen viel darüber verraten, was in Ihrem Kind vorgeht und welche Themen es derzeit besonders beschäftigen. Mit deren Hilfe kann es sich z. B. an Moralvorstellungen wie Gut und Böse herantasten oder sich mit Streit, Fairness und Bestrafung beschäftigen. Überlassen Sie immer Ihrem Kind die Führung, wenn Sie mitspielen dürfen. Denn es hat eine genaue Vorstellung von seinem unsichtbaren Freund und will selbst über das Handeln seines Gefährten bestimmen.









