Fast alle Eltern haben ein ungutes Gefühl, wenn ihr Kind allein unterwegs ist und sie es nicht direkt beschützen können, besonders wenn sich die Meldungen über sexuellen Missbrauch an Kindern in den Medien mal wieder häufen.
Fast alle Kinder bekommen von ihren Eltern früher oder später beigebracht, dass sie sich auf keinen Fall von Fremdenansprechen lassen sollen und unter gar keinen Umständen zu unbekannten Personen in das Autos steigen dürfen. In der Tat passiert es wirklich sehr selten, dass eine vollkommen unbekannte Person ein Kind zum Mitkommen überredet. Vielmehr droht die Gefahr des sexuellen Missbrauchs eher aus dem Freundes-, Bekannten- oderVerwandtenkreis. Aber genau hier versagendie Alarmsysteme vieler Kinder.
Das hat Gründe, denn viele Kinder werden von Beginn an dazu erzogen, befreundeten Erwachsenen, Verwandten oder Autoritätspersonen und auch der Lehrkraft widerspruchslos zu gehorchen. Dazu gehört häufig auch, sich Berührungen, Umarmungen oder sogar Küsse gefallen zu lassen. Ein „Nein“ der Kinder wird in diesem Zusammenhang häufig nicht akzeptiert.
Sexueller Missbrauch: Auch Kinder haben eine Privatsphäre
Doch wenn Kinder sich ablehnend verhalten, hat das oft einen Sinn. Schon sehr früh machen sie dadurch deutlich, welche Erwachsene ihnen nahe kommen dürfen und zu welchen sie lieber Abstand halten. Solche Äußerungen Ihres Kindes müssen Sie als Eltern sehr ernstnehmen. Halten Sie Ihr Kind auf keinen Fall dazu an, sich ungewollte Berührungen aus Höflichkeit gefallen zu lassen. Ihre Kinder lernen durch solch ein Verhalten sonst, den Erwachsenen blind zu gehorchen. Im Falle eines sexuellen Missbrauchs erkennen die Kinder dann nicht schnell genug, an welchem Punkt eine kritische Grenze überschritten wird. Sie verpassen schlichtweg den richtigen Zeitpunkt zum „Nein“ sagen.
Sexueller Missbrauch: Kinder müssen lernen, ihren eigenen Gefühlen zu vertrauen
Kinder haben ein sensibles Gespür dafür, ob sie einem Erwachsenen vertrauen können oder ob er etwas Komisches, Unangenehmes von ihnen möchte. Diesem Gespür der Kinder sollten Sie als Eltern immer nachgehen und es nicht als Unsinn abtun. Fragen Sie nach, kontrollieren Sie, sprechen Sie Ihr Kind immer wieder darauf an. Übergehen Sie Gefühle von Angst, Unsicherheit oder Unbehagen bei Ihrem Kind nicht, sondern haken Sie nach. Auch wenn sich Befürchtungen eines sexuellen Missbrauchs nicht bewahrheiten, lernt Ihr Kind dadurch, dass seine Gefühle ernst genommen werden und einen Wert haben.
Diese Tipps machen Ihr Kind stark gegen sexuellen Missbrauch
- Respektieren Sie immer, wenn Ihr Kind gerade keine Lust auf Zärtlichkeiten hat und nicht kuscheln möchte.
- Unterstützen Sie Ihr Kind auf jeden Fall, wenn es Zärtlichkeiten von anderen Personen (Oma, Opa, Tante, Onkel) zurückweist.
- Hören Sie Ihrem Kind immer gut zu, und geben Sie ihm das Gefühl, ein wichtiger Bestandteil der Familiezu sein. Es braucht die Sicherheit, mit Ihnen als Vertrauenspersonen über seine Sorgen und Ängste reden zu können.
- Finden Sie eine gemeinsame Sprache für die Sexualität. Um über möglichen sexuellen Missbrauch sprechen zu können,braucht Ihr Kind einen selbstverständlichen und natürlichenWortschatz, mit dem es ein solches Verhaltenbeschreiben kann. Dabei kann ein gutes Buch helfen,zum Beispiel: „Mein Körper gehört mir!“, Loewe-Verlag(Altersempfehlung: 5 bis 7 Jahre).
- Helfen Sie Ihrem Kind dabei, auch seine „geschlechtsuntypischen“ Verhaltensweisen ausleben zu können.Jungen dürfen schwach und ängstlich sein, Mädchenselbstbewusst und fordernd.
- Nehmen Sie sich besonders viel Zeit für Ihr Kind, wenn es bedrückt und traurig wirkt. Sprechen Sie darüber, dass jedes Geheimnis bei Ihnen gut aufgehoben ist und Ihr Kind sich auch mit unangenehmen oder Angst einflößenden Erlebnissen an Sie wenden kann.
Sexueller Missbrauch: Grundschul-Kinder spüren die Gefahr
Bis zum Alter von fünf Jahren sind Kinder kaum dazu in der Lage, Gefahren wie die eines sexuellen Missbrauchs, richtig einzuschätzen. Erst kurz vor dem Eintritt der Schulreife können Kinder befremdlicheSituationen erkennen und sich gegebenenfalls dagegen zur Wehr setzen. Dabei geht es meistens um ein mulmiges Gefühl, das die Kinder beschleicht. Erwachsene, die sich Kindern mitnegativen Absichten nähern, benehmen sich in der Regel sehr freundlich. Sie versuchen, deren Bedürfnisse zu erkennen und zu bedienen. Einsamen Kindern wird Gesellschaft versprochen, armen Kindern ein teures Spielzeug, schüchternen Kindern ein starker Beschützer.








