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Gewaltfrei und einfühlsam kommunizieren
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Gewaltfreie Kommunikation: Einfühlsam kommunizieren mit Teenagern

Eltern-Kind-Kommunikation

Streit in Familien zeichnet sich häufig dadurch aus, dass man aneinander vorbeiredet, sich einander nicht wirklich versteht. Dabei können Eltern viel dazu beitragen, dass die Kommunikation mit Teenagern gelingt. Die Methode der gewaltfreien Kommunikation beispielsweise ist dazu bestens geeignet. Lesen Sie hier, was Sie bei der einfühlsamen Kommunikation mit Ihrem Kind beachten sollten. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Vier Schritte für eine einfühlsame Kommunikation mit Ihrem Teenager

Schritt 1: Beobachten Sie Ihr Kind, ohne sein Verhalten zu bewerten

Um einfühlsam kommunizieren zu können, ist es zunächst notwendig, die eigenen Beobachtungen von einer Bewertung freizuhalten bzw. sie davon abzukoppeln. Das ist nicht ganz einfach, da es unseren Gewohnheiten radikal widerspricht. Folgende Tipps können dabei helfen, sich hierin zu schulen und eine einfühlsame Eltern-Kind-Kommunikation aufzubauen:

  • Versuchen Sie Ihre Umgebung immer mal wieder einfach nur zu beobachten, ohne sie zu bewerten oder zu interpretieren.
  • Wenn Ihnen das ein paar Mal gut gelungen ist, versuchen Sie, diese Übung auf Ihr Kind zu übertragen: Was beobachten Sie? Was nehmen Sie wahr? Stellen Sie sich etwa vor, Ihr Kind liegt auf seinem Bett. Was genau beobachten Sie?
Mein Tipp: Werten Sie nicht!
Was Sie nicht sehen können, ist, dass es „faul“ ist, dass es „Zeit verplempert“, dass es Sie provoziert, dass es die Schule nicht ernst nimmt etc. Das alles sind Wertungen und Interpretationen!

Schritt 2: Erspüren Sie die Gefühle, die das Verhalten Ihres Kindes bei Ihnen auslöst, und benennen Sie sie

Das hört sich leichter an, als es ist. Wir sind nämlich oft gar nicht sonderlich geschult darin, unsere Gefühle wirklich zu spüren. Allzu oft gehen wir einfach über sie hinweg, nehmen sie nicht ernst oder wollen sie gar nicht erst fühlen.

Weiterhin meinen wir oft, über Gefühle zu sprechen, reden aber eigentlich über Gedanken. So sind Aussagen wie „Ich habe das Gefühl, dass du mich ärgern willst“ keine Aussage über ein Gefühl, sondern über einen Gedanken, der gleichzeitig auch noch eine Bewertung des Verhaltens („Du tust etwas, was mir nicht gefällt!“) und eine Unterstellung („Du willst mir etwas Böses!“) enthält. Eine solche Aussage würde also von einem Jugendlichen verständlicherweise eher als Vorwurf verstanden denn als Ausdruck eines Gefühls. Das Gefühl, das Ihr Kind bei Ihnen auslöst, wäre vielleicht Ärger. Dann würden Sie sagen: „Ich bin ärgerlich.“ In dem Sie das sagen, drücken Sie nicht nur Ihre Empfindung aus, sondern übernehmen auch gleichzeitig die Verantwortung dafür. In der Übersicht unten finden Sie Beispiele dafür, wie Sie Gefühle und Gedanken ausdrücken können. Üben Sie das im Alltag. An der Supermarktkasse, wenn die Verkäuferin einen mürrischen Eindruck macht, im Restaurant, wenn man Sie warten lässt. Aber nehmen Sie auch besonders in angenehmen Situationen bewusst wahr, was Sie fühlen: Wann freuen Sie sich? So schärfen Sie Ihre Sinne und öffnen Ihr Herz.

Schritt 3: Erkennen Sie die Bedürfnisse, die Ihren Gefühlen zugrunde liegen

Es gibt die Theorie, dass jedem Gefühl, das wir haben, ein Bedürfnis zu Grunde liegt. Sind wir z.B. erleichtert, dann hat sich unser Bedürfnis nach „weniger Druck“ erfüllt. Sind wir hingegen ärgerlich auf unseren Nachwuchs, dann hat sich ein Bedürfnis nicht erfüllt, etwa das Bedürfnis danach, respektiert zu werden. Folgende Bedürfnisse liegen unseren Gefühlen häufig zugrunde: das Bedürfnis nach Akzeptanz, Wertschätzung, Nähe, emotionaler Sicherheit, Liebe, Geborgenheit, Respekt, Unterstützung, Vertrauen, Verständnis, Zugehörigkeit etc. Wenn Sie also einen Konflikt mit Ihrem Kind haben, spüren Sie genau hin, welches Ihrer Bedürfnisse eventuell gerade nicht erfüllt wird. Lassen Sie sich dafür Zeit. Manchmal braucht man ein bisschen, um sich da auf die Spur zu kommen.

Schritt 4: Formulieren Sie Bitten (wenn es angemessen ist), statt Forderungen zu stellen

Ein wichtiger Aspekt der gewaltfreien Kommunikation ist, dass hier nicht gesagt werden soll, was wir nicht wollen, sondern viel mehr das zur Sprache kommt, was wir wollen. Dazu müssen wir gewillt sein, etwas von uns zu zeigen und unsere Wünsche auf eine konkrete, positiv formulierte Weise auszudrücken. Wenn Sie merken, dass Ihrer Reaktion auf das Kind ein bestimmtes Bedürfnis zugrunde liegt, prüfen Sie, ob Ihr Kind der geeignete Mensch dafür ist, zur Befriedigung Ihrer Bedürfnisse beizutragen. Wenn Sie merken, dass es dazu zu klein oder dafür nicht zuständig ist, dann akzeptieren Sie, dass Ihr Kind jetzt keinen Beitrag zu Ihrer Zufriedenheit leisten kann. Wenn Sie aber der Ansicht sind, Ihr Kind sei dazu in der Lage, bitten Sie es in einem Konflikt um etwas, was Ihnen helfen könnte, sich besser zu fühlen. Sie könnten während eines Streits etwa sagen würden: „Ich möchte dich bitten, mich ausreden zu lassen.“ Das hört sich gleich ganz anders an, als wenn Sie sagen „Hör mir jetzt endlich mal zu!“

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