Kommentare:
Junge Mädchen liegen auf der Wiese und schauen auf ein Smartphone
© Antonio Balaguer - 123rf.com

Achtung, Spiel- und Internetsucht

Richtiger Umgang mit Pokémon Go & Co

Der Einfluss des Internets auf Kinder und Erwachsene ist schon lange nicht mehr zu leugnen – zurückdrehen kann diese Entwicklung niemand. Viele Bereiche des Lebens sind ohne einen schnellen Blick in die virtuelle Welt nicht vorstellbar. Die Kinder von heute wachsen mit dem Smartphone als festem Bestandteil ihres Alltags auf, da ist der Hype um Pokémon Go nur ein weiterer Baustein. Damit Ihr Kind einen gesunden Umgang mit dem Internet bzw. seinem Unterhaltungsangebot erlernt und keine Sucht entwickelt, sollten Sie unsere Tipps unbedingt beherzigen 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Seit einigen Wochen haben die Smartphones das Straßenbild noch mehr verändert, als es bisher schon der Fall war. Auslöser für die vermehrte Nutzung der kleinen Computer ist das attraktive Spielkonzept von Pokémon Go, das echte und virtuelle Realität miteinander verknüpft. Im Fachjargon nennt sich das Augmented Reality und ist der Spieletrend von morgen. Wer das Spiel ausprobiert hat, wird bemerken, wie schwer es ist, sich den geschickt platzierten Reizen zu entziehen. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene lassen sich in die virtuelle Welt hineinziehen und vergessen immer häufiger ihre reale Umwelt.

Spielwelt und reale Welt vermischen sich miteinander

Was den Reiz dieser Spiele ausmacht, birgt auch eine Reihe von Gefahren. Die virtuelle Welt vernetzt sich mit dem eigenen Lebensumfeld. Das Handy ortet den Nutzer und präsentiert ihm Spielsequenzen, die in seinem realen Alltag angesiedelt sind. Besonders schwierig ist die Trennung von Realität und virtueller Welt für Kinder. Zu den offensichtlichsten Gefahren gehört die Zunahme von Verkehrsunfällen (die Zahl der Verkehrstoten erhöht sich wieder), die aufgrund der Nutzung von Smartphones passieren. Nicht nur Autofahrer werden immer wieder abgelenkt, sondern auch die Unfallgefahr von Fußgängern steigt dramatisch an. Doch das ist noch nicht alles.

Achtung:

Sexualstraftäter auf Bewährung dürfen im US-Bundesstaat New York künftig kein Pokémon Go mehr spielen. Die Gefahr, dass Kinder über das Smartphone-Spiel in unsichere Gegenden gelockt würden, sei zu groß, teilte Gouverneur Andrew Cuomo mit.

Ziel der Spiele ist es, die Anwender zu binden

Computerspiele und Apps sind darauf angelegt, dass sie durch ausgeklügelte Belohnungssysteme die Spieler dazu animieren, sich wieder und wieder mit dem Thema zu beschäftigen. Auch Pokémon Go arbeitet mit diesem Konzept. Ab einem bestimmten Punkt ist es kaum noch möglich, mit den kostenlosen Basisspielen weiterzukommen. Nun können sich die Spieler durch „In App“- Käufe für bares Geld weiter verbessern

Kinder können sich den Reizen kaum entziehen

Für Kinder und Jugendliche ist es oft nicht durchschaubar, wann und wie viele Kosten durch eine angeblich kostenlose App entstehen. Je jünger das Kind ist, desto größer wird das Problem. Eine Gefahr dieser Spiele ist also die Kostenfalle. Eine andere ist die Zeitfalle, denn nur durch intensives Bespielen der Figuren können sie positiv beeinflusst werden. Diese Zeit müssen Kinder und Jugendliche woanders einsparen, beispielsweise bei den Kontakten mit Freunden und der Familie, bei Freizeitbeschäftigungen oder beim Lernen für die Schule. Je mehr Zeit Kinder mit einem Spiel verbringen, desto größer wird auch die Gefahr der Spielsucht.

Spiel- und Internetsucht: Das sind die ersten Anzeichen

Wenn junge Mädchen ihr Smartphone gar nicht mehr aus der Hand legen und sogar beim Einkaufen an der Kasse noch an ihrem Facebook-Account feilen, droht bereits Gefahr. Wenn der Sohn an familiären Veranstaltungen nicht mehr teilnehmen will, weil er noch ein Pokémon fangen oder seine Minecraft-Welt verbessern „muss“, sollten Eltern ebenfalls aufmerksam werden. Sobald die Beschäftigung mit den virtuellen Welten das ganz normale Leben beschränkt und negativ beeinflusst, müssen Eltern aktiv werden. Regeln und verlässliche Grenzen für den Umgang mit der virtuellen Welt sind für Kinder und Jugendliche ebenso lebenswichtig wie die Kenntnis der Rot und Grünphasen an Fußgängerampeln.

Mein Tipp!

Sind sich Eltern nicht sicher, können sie Unterstützung bekommen. Bei der Ambulanz für Spielsucht der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz etwa gibt es kosten lose anonyme Beratung für Betroffene und Angehörige unter der Telefonnummer: 06131/17 60 64.

Das können Sie tun, um Ihr Kind vor einer Spiel- oder Internetsucht zu bewahren

1. Legen Sie für eine oder zwei Wochen ein Tagebuch an und dokumentieren Sie genau, wie lange Ihr Kind sich mit der virtuellen Welt beschäftigt und was es dort tut. Am besten besprechen Sie dieses Vorhaben mit Ihrem Kind und füllen das Tagebuch jeden Tag gemeinsam aus. So wächst die Sensibilität für den Umgang mit Computern, Smartphones und Apps.

2. Alternativen zur virtuellen Welt sind für Kinder sehr wichtig, damit sie lernen, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Gruppenaktivitäten, die Mitgliedschaft in einem Verein oder Ausflüge mit der Familie machen Lust auf die Natur und auf den Kontakt zu „lebenden“ Menschen.

3. Eltern, die jede Gelegenheit nutzen, um in Ihr Smartphone zu schauen, sind ein denkbar schlechtes Beispiel für ihre Kinder. Überprüfen Sie Ihr eigenes Verhalten, und stellen Sie Regeln auf, die nicht nur für Ihr Kind, sondern auch für Sie selbst gelten.

Checkliste: Ist Ihr Kind von der Spiel- oder Internetsucht bedroht?

 

  • Hat Ihr Kind mehrere Interessen, sodass es sich in seiner Freizeit nicht zum größten Teil mit dem Computer beschäftigt?
  • Kann Ihr Kind sich bei Stress oder Langeweile auch anders als mit dem Computer/Smartphone/ Tablet-PC beschäftigen?
  • Sind Sie sicher, dass sich die Beschäftigung mit der virtuellen Welt nicht negativ auf die schulischen Leistungen Ihres Kindes auswirkt?
  • Wirkt Ihr Kind körperlich gesund und fit?
  • Hat es seine normale Figur behalten?
  • Geht Ihr Kind seinen früheren Interessen weitgehend noch nach, zum Beispiel in einem Verein?
  • Hat Ihr Kind regelmäßigen Kontakt zu seinen Freunden?
  • Kann Ihr Kind den Computer zum Essen mit der Familie verlassen und auch das Smartphone beim Essen problemlos weglegen?
  • Schläft Ihr Kind genug, weil es den PC/das Smartphone/den Tablet-PC abends ausmacht?

 

Auswertung:

Je mehr der Fragen Sie mit „nein“ beantwortet haben, desto wahrscheinlicher ist Ihr Kind von der Spiel- oder Internetsucht bedroht. Nun sollten Sie reagieren und mit Ihrem Kind sprechen. Vereinbaren Sie klare Nutzungszeiten, und achten Sie auf deren Einhaltung. Hält sich Ihr Kind nicht an die Vereinbarung, dürfen Smartphone und/oder PC auch mal für ein paar Tage eingezogen werden. Möglich ist auch ein schriftlicher Nutzungsvertrag, der genau regelt, wie der Umgang Ihres Kindes mit Internet & Co. sein darf

Mehr zum Thema von unseren Elternwissen-Experten

Kommentare zu "Achtung, Spiel- und Internetsucht"

Sagen Sie Ihre Meinung und schreiben Sie einen Kommentar!




Warum stellen wir so dumme Fragen?
Hinweis: aus rechtlichen Gründen erscheint Ihr Kommentar nicht sofort, sondern muss zuerst durch einen Moderator freigeschaltet werden.
Spamschutz

Der Grund, weshalb wir Sie nach der Geburt fragen, ist die Vermeidung von Spam durch automatisierte Spam-Bots.

Solche Spam-Bots versuchen durch massenhafte Einträge von Links in Kommentarfeldern und Gästebüchern Traffic für ihre Angebote zu erzeugen. Daher stellen wir einfache Fragen, die ein echter Nutzer ohne Probleme beantworten kann, während automatisierte Spam-Bots daran meist scheitern (Captcha-Test).

Eine Alternative zu solchen individuellen Fragen sind Bild-Captchas, bei denen verzerrt dargestellte Buchstaben oder Zahlen abgetippt werden müssen. Aufgrund des erhöhten "Nerv-Faktors" dieser Bild-Captchas haben wir uns für aber für erstere Variante entschieden.

Kostenlose Tipps zum Thema "Kinder und Medien" per E-Mail

Sollen wir Sie mit neuen Tipps und Artikeln zum Thema "Kinder und Medien" kostenlos per E-Mail auf dem Laufenden halten?