Das Abschreiben aus dem Schulbuch, das Lösen von nicht enden wollenden Rechenkästchen oder die regelmäßigen Lese-Hausaufgaben rufen bei Schülerinnen und Schülern oftmals eine chronische Unlust hervor. Wenn es mit dem „Lust am Lernen“ immer schlechter klappt und Ihr Kind nur noch Desinteresse zeigt, liegt es wahrscheinlich an einer negativen Lerneinstellung. Aber auch wenn der Lernstoff knifflig ist oder eine Teilleistungsstörung bzw. eine Konzentrationsschwäche die Informationsaufnahme erschwert, bleibt die Lust zu lernen gern auf der Strecke. Viele Kinder haben im Laufe ihrer Schulzeit immer wieder mal solche Einbrüche, die sie daran hindern, erfolgreich und und mit Lust zu lernen.
Keine Lust zu lernen? Holen Sie Ihr Kind aus dem Motivationsloch
Es ist sehr schwierig, eine derart negative Haltung in kurzer Zeit „umzudrehen“. Machen Sie daher an dieser Stelle unbedingt einen Schnitt und treiben Sie den Lernboykott nicht noch auf die Spitze. Schülerinnen und Schüler, die diese negative Lernhaltung zeigen, befinden sich in einem absoluten Motivationstief, as erst einmal verlassen werden muss. Das geht nur, indem die Situation grundlegend verändert wird. Beenden Sie also diese verfahrene Lage, und laden Sie Ihr Kind ein, erst mal abzuschalten. Unternehmen Sie etwas, worauf ihr Schützling gerade Lust hat und verhelfen sie Ihrem Kind diesen Lerndruck ein wenig zu vergessen. Anschließend können Sie sich der Problematik wieder von einer ganz anderen Seite nähern.
Nutzen Sie positive Situationen um das Thema „Lernen“ anszusprechen
Sicher wird Ihr Kind sich wundern, wenn es statt einer „Gardinenpredigt“ oder einer genervten „Lernaufforderung“ nun von Ihnen einen Ausflug oder ein Brettspiel vorgeschlagen bekommt. Genau darauf kommt es allerdings auch an! Ihr Kind soll aus seinem Lerntief und seiner “Keine-Lust-Einstellung“ herauskommen. Das gelingt nur, wenn etwas Unerwartetes passiert. Erst wenn Ihr Kind sich öffnet, mit Ihnen spricht und sich auf Vorschläge einlässt, können Sie an der negativen Lerneinstellung etwas ändern. Genießen Sie also den gemeinsamen Spaziergang, sammeln Sie Blätter, machen Sie ein Wettrennen oder suchen Sie nach besonders schönen Steinen. Wenn Ihr Kind sich sichtlich entspannt hat und wohl fühlt, können Sie das Thema Lernen wieder ansprechen. Zunächst sollten Sie dann versuchen, Ihr Kind zu verstehen. Seien Sie ehrlich und versuchen Sie der fehlenden Lust am Lernen mit offenen Fragen auf den Grund zu gehen.
Ursachenanalyse: Warum hat Ihr Kind keine Lust zu lernen?
Es ist oft erstaunlich, welche Informationen Kinder geben, wenn sie in einer entspannten und liebevollen Unterhaltung nach Ihren Lernproblemen gefragt werden. Diese Informationen müssen Sie ernst nehmen, damit Ihr Kind sein Vertrauen in Sie nicht verliert. Auf dieser Basis ist es dann möglich, seine Lern-Lust zu verbessern. Zunächst sollten Sie also überprüfen, ob die „einfachen“ Lern-Lust-Killer alle beseitigt sind. Vielleicht ist Ihr Kind direkt nach der Schule einfach müde oder es leidet darunter, dass es keinen eigenen Arbeitsplatz hat?
Diese Fragen sollten Sie sich stellen, wenn Ihrem Kind die Lust am Lernen fehlt:
- Hat Ihr Kind den Kopf wirklich frei und wälzt es keine belastenden Probleme?
- Arbeitet Ihr Kind an einem ruhigen, störungsfreien Arbeitsplatz?
- Ist Ihr Kind satt und hat es auch keinen Durst? Beginnen Sie die Hausaufgabenzeit nicht zu kurz nach dem Essen, weil der Körper dann noch mit der Verdauung beschäftigt ist.
- Hat Ihr Kind Ordnung in seinen Arbeitsmaterialien - findet es schnell, was es braucht?
- Lernt Ihr Kind an einem gleich bleibenden Arbeitsplatz? Der gewohnte Schreibtisch oder Esstisch erleichtert es Ihrem Kind, seine Lernhaltung schnell einzunehmen.
- Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind mit den Lerninhalten weder unter- noch überfordert ist.
Fehlt der Sinn, so fehlt auch die Lust am Lernen?
Häufig liegt das Problem jedoch etwas tiefer: Unmotivierte Grundschüler sehen einfach keinen Gewinn im Lernen. Die aufgewendete Anstrengung steht für sie in keinem Verhältnis zum erwarteten Gewinn. Bei schwierigen Hausaufgaben, großen Mengen von Lernstoff und endlosen Schreibtisch-Sitzungen verwundert es nicht, wenn Kinder dann diese „Warum-Frage“ stellen. So geht es beispielsweise dem 9-jährigen Luca, der sowieso beschlossen hat, Profi-Fußballer zu werden. „Fußballer brauchen kein Abitur, sie müssen auch keine Rechtschreibregeln lernen. Zum Ballspielen ist es wichtiger, viel Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit zu trainieren! Ich habe Lust jetzt zum Training gehen, denn dann werde ich wahrscheinlich später Fußball-Millionär!“ Diese Argumentation lockt bei Erwachsenen ein Schmunzeln hervor, für den Neunjährigen ist sie jedoch harte Realität. Hinter dieser Aussage versteckt sich nämlich eine Einstellung, die eine positive Lernhaltung verhindert.
Kleine Schritte zu mehr Lust am Lernen - So wird ein Traum zur Motivationstreppe
Lucas große Motivation ist sein Wunsch ein Profi-Fußballer zu werden. Doch bis dahin muss er noch viele Hindernisse überwinden. Als Anreiz und Belohnung für seine Anstrengungen beim Lernen und in der Schule vereinbart Luca mit seiner Mutter die folgende Motivationstreppe. Zuvor haben sich die beiden über Lucas Lernblockaden und seine Wünsche ausgetauscht. Es ist also klar, dass Luca eigentlich keine Lust aufs Lernen hat, sich für die vereinbarten Nahziele jedoch anstrengen möchte, weil sie ihn seinem Traumberuf näher bringen.
Die von Luca geforderten Leistungen sind immer auf den Zeitraum von einer Woche bezogen. Ist es dem Jungen gelungen, mindestens viermal in der jeweiligen Woche seine Aufgabe zu erfüllen, bekommt er die versprochene Anerkennung/ Belohnung. Lassen seine Leistungen nach, wird auch die Belohnung wieder eingezogen beziehungsweise nicht erteilt. Als 6. Stufe bekommt Lucas eine Belohnung, die sich auf sein Lernverhalten des gesamten Schuljahres bezieht.
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Stufe |
Leistung |
Belohnung |
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Stufe 1 |
Luca beginnt pünktlich mit den Hausaufgaben, zum Beispiel immer um 15 Uhr. |
Er darf zweimal in der Woche zum Training statt wie vorher nur einmal. |
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Stufe 2 |
Luca macht zügig die Hausaufgaben, arbeitet dabei immer maximal 60 Minuten am Stück. |
Luca bekommt neue Fußballschuhe, die er sich schon lange wünscht. |
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Stufe 3 |
Luca lernt für eine anstehende Klassenarbeit zusätzlich. |
Am Wochenende begleiten Lucas Eltern Ihren Sohn zu den wichtigen Spielen. |
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Stufe 4 |
Luca liest jeden Tag 20 Minuten. |
Luca bekommt einen neuen Fußball. |
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Stufe 5 |
Luca weiß genau, was er auf hat. Er vergisst keine Aufgaben. |
Luca bekommt eine Fußballzeitschrift seiner Wahl oder Fußballsammelbilder. |
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Stufe 6 |
Lucas Leistungen wirken sich auf die Noten aus, er bekommt bessere Zensuren im Zeugnis. |
Lucas Eltern besuchen mit Ihrem Sohn ein interessantes Fußballspiel seiner Wahl. |
Wichtig für Lust am Lernen: Regelmäßige Erfolgserlebnisse
Luca lernt, weil er sich dadurch seinem Ziel näher fühlt. Trotzdem verändert diese Einstellung auch seine grundsätzliche Haltung zum Lernen. Durch die Erfolgserlebnisse, bessere Noten, positive Rückmeldung von der Lehrerin und die entspanntere Lernsituation zu Hause, verliert das Lernen nach und nach seinen negativen Beigeschmack. Die vielen kleinen positiven Lernerfolge, die sich beim regelmäßigen Lernen und Hausaufgabenmachen nahezu automatisch einstellen, führen dazu, dass Luca mit der Zeit auch das Lernen als einen Weg erfährt, seine positiven Erfahrungen zu erweitern. Er wird immer öfter gelobt und positiv bestätigt.
So entwickelt ihr Kind eine gesunde Lernlust, welche für weitere Herausforderungen eine prima Motivationsgrundlage darstellt.









