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Thema mit vielen Antworten

Verdacht auf Diabetes bei unklaren Infekt


Autor Nachricht
Verfasst am: 23.08.2010 [10:26]
SilkeSeidel
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 19.11.2009
Beiträge: 11
Liebe Frau Dr. Schmelz,
==wir waren letzte Woche mit dem Verdacht auf Diabetes mit meiner fast 4 jährigen Tochter Lea für 2 Tage in der Klinik.
==Begonnen hat alles mit einem banalen Infekt, mit leicht erhöhter Temperatur und einem leichten Hautausschlag. Im Rahmen einer Urinuntersuchung wurde eine erhöhte Glukoseausscheidung festgestellt. Sie hatte an diesen morgen einen Blutzucker ca 2 Stunden nach dem Frühstück (
==Schokomüsli und Marmeladentoast) von 155 mg/dl (dies war ein Freitag). Samstag war völlig normal keine weiteren Auffälligkeiten im Urin. Nachmittag 2 Stunden nach dem Mittagessen hatte sie einen Blutzucker von 85 mg/dl Am Sonntag dann war Lea völlig platt und auch morgens schon recht kaltschweißig, sie machte den Anschein als wäre sie völlig unterzuckert. Wir frühstückten dann, sie hat auch völlig normal gegessen, nachdem sich ihr Zustand aber nicht besserte und der Zucker im Urin wieder auffällig war suchten wir den Notdienst auf. Dort hatte sie dann auch wieder ca 1 1/2 Stunden nach dem Frühstück einen Blz von 185 mg/dl und er meinte wir sollten es doch im laufe der Woche stat. abklären lassen. Leas Zustand verbesserte sich dann schnell.
==Am Montag morgen dann Nüchternzucker bei der Kinderärztin von 60 mg/dl und Lea war eigentlich wieder völlig fit. Dann am Montag Einweisung in die Klinik. Ich muß dazusagen Lea weißt keinerlei Symptome für einen Diabetes auf!
==In der Klinik dann Blutzuckertagesprofil ohne Auffälligkeiten und völligen Normwerten.
==Blutbild und sämtliche anderen Blutwerte im Normbereich.
==Hba1c Wert völlig normal.
==Nur der Belastungstest konnte nich durchgeführt werden, weil Lea es nicht schaffte die Flüssigkeit zu trinken und alles wieder erbrochen hat.
==Wir wurden dann entlassen und die Ärztin in der Klinik meinte, das solche kurzfristigen Entgleisungen durchaus im Rahmen eines Infektes vorkommen können und sie in den letzten Wochen schon mehrere Kinder mit den gleichen Symptomen hatte.
==Bei Lea waren jetzt auch die ganze Woche sämtliche Zuckerwerte normal.
==Meine Frage an sie, haben sie Erfahrung mit solchen kurzfristigen Entgleisungen, wieviel Angst muß ich haben ob sich nicht doch noch etwas daraus entwickelt?
==Meine Kinderärztin hat mir auch schon etwas den Wind aus den Segeln genommen und meinte auch das es wirklich ein blöder Infekt war und auch die Nierenschwelle bei Kindern noch sehr gering ist. Ich hab momentan einfach Angst und dreh bei jeder Kleinigkeit schon voll durch.
==Danke für Ihre Antwort
==Liebe Grüße Silke Seidel

Ich muß heute noch dazuschreiben das die BLZ Werte bei meiner Tochter jetzt seit 1 Woche wieder völlig im Normbereich liegen und kein Wert bis jetzt, auch nicht nach einer Mahlzeit über 105 mg/dl gestiegen ist.
Z.B. gestern nachmittag hat sie 1/2 Stück Kuchen gegessen und anschließen beim Fußball eine Bratwurst im Brötchen und hatte 1 1/2 Stunden später einen Wert von 105 mg/dl.
Liebe Grüße
Silke Seidel
Antworten Profil
Verfasst am: 23.08.2010 [21:05]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Frau Seidel,
im Rahmen eines heftigen Infektes (und Sie schreiben ja, Ihre Tochter war völlig "platt" und kaltschweißig) kann der Blutzuckerspiegel ansteigen (obwohl man bei Kindern häufiger einen niedrigen Blutzuckerwert findet). Das kennt man z.B. auch von den engmaschig überwachten Patienten auf der Intensivstation. Die Erhöhung des Blutzuckers ist dann als Anpassungsreaktion des Körpers zu sehen, der kurzfristig besonders viel Energie zur Verfügung stellen will. Bei erhöhten Blutzuckerwerten kann natürlich auch Zucker im Urin ausgeschieden werden, weil die Nierenschwelle (liegt bei Kindern meist bei 160 bis 180 mg/dl) überschritten wird.

Da jetzt bei engmaschigen Kontrollen keinerlei Auffälligkeiten gefunden wurden und Ihre Tochter auch keine Anzeichen einer Zuckerkrankheit zeigt, brauchen Sie sich wegen eines Diabetes wohl keine Sorgen zu machen.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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Chefredakteurin von "Gesundheit und Erziehung für mein Kind"
Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 23.08.2010 [22:05]
SilkeSeidel
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 19.11.2009
Beiträge: 11
Liebe Frau Dr. Schmelz,

vielen Dank für Ihre Antwort. Mir geht es im Moment auch schon besser, ich muß nur Versuchen das ganze aus meinem Kopf wieder rauszubekommen. Ich bin halt eine Mama die sich meist zu viel Sorgen macht und habe dazu auch noch das Los, das ich selbst Arzthelferin von Beruf bin und vielleicht manchmal zu viel weiß und auch schon zu viel erlebt habe.
Lea ist auf jedenfall wieder topfit, absolut keine Werte mehr die auffallend hoch sind. Selbst nach Grillparty mit Bratwurst und Nudelsalat und anschließend Schokoladeneis war der Wert maximal bei 130 mg/dl.
Ich hab nur noch ein paar kurze Fragen.
Kann sich aus solch einem Infekt ein Diabetes erst entwickeln?
Ist es normal, daß bei Kindern im Rahmen eines Infektes der Stoffwechsel so entgleist?
Muß oder soll ich beim nächsten Infekt (Kindergartenferien sind bald vorbei) wieder engmaschig kontrollieren auch wenn Lea keinerlei Symptome für einen Diabetes zeigt?
Kann es bei Lea auch aufgrund ihres Trinkverhaltens (sie schaft an manchen Tagen gerade mal 500-600 ml) das die Nieren einfach umso eher reagieren und die Nierenschwelle noch niedriger liegt?
Vielen Dank schonmal für Ihre Antwort!
Ein großes Lob an Elternwissen und an Frau Dr. Schmelz, ich bin von Ihrer Seite und Ihren Tips echt begeistert sie haben mir schon ganz oft geholfen!
Liebe Grüße
Silke
Antworten Profil
Verfasst am: 23.08.2010 [23:35]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Frau Seidel,
weil der Blutzucker bei Infekten nach oben entgleisen kann, wird ein sich neu entwickelnder Diabetes nicht selten erstmals im Rahmen eines Infektes erkannt. Der Infekt ist aber nicht die Ursache dafür, sondern führt nur dazu, dass sich die Stoffwechsellage verschlechtert und der Diabetes auffällig wird.

Stoffwechselentgleisungen sind bei Kindern im Rahmen eines Infektes nicht selten, aber am häufigsten tritt eine Störung des Zuckerstoffwechsels auf, die sich vor allem in anfallsweisem heftigem Erbrechen äußert (acetonämisches Erbrechen). Bei einem Mangel an Kohlenhydraten (weil die Kinder keinen Appetit haben und nichts oder zu wenig essen) kommt es zu einer Bildung von Ketonkörpern und zu einer Übersäuerung. Typisch ist dann ein Aceton-Geruch (wie Nagellackentferner oder Apfelessig).

Ich würde mich bei erneuten Infekten nicht verrückt machen und ständig den Blutzucker kontrollieren, sofern mit Lea alles in Ordnung zu sein scheint. Ich empfehle Ihnen jedoch eine Wiederholung des oralen Glukosetoleranztests (Zucker-Belastungstest) in einigen Monaten, denn das ist der empfindlichste Test für einen Diabetes oder seine Vorstufen.

Wenn Ihre Tochter zu wenig trinkt, ist das für die Nieren zwar nicht so günstig, weil auszuscheidende Schadstoffe stärker konzentriert werden müssen, um sie mit der geringen Urinmenge aus dem Körper zu bekommen. Aber dass das die Nierenschwelle für Zucker verändern würde, ist mir nicht bekannt.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 24.08.2010 [22:16]
SilkeSeidel
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 19.11.2009
Beiträge: 11
Liebe Frau Dr. Schmelz,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Vor allem für Ihre, auch für mich endlich mal, verständliche Erklärung wie so eine Entgleißung des Zuckerstoffwechsels zu stande kommt.
Lea ist echt wieder fit und alle Werte sind normal.
Allgemein würde mich auch aus rein beruflichem Interesse interesieren wie lange die Entwicklung eines Typ I Diabetes eigentlich dauert?
Gibt es auch noch andere Möglichkeiten außer des OGTT Testes, ich habe irgenwann mal von einem intravenösen Glukosetestes gehört?
Ich werde auf jeden Fall mit meiner Kinderärztin darüber sprechen, ich muß mit Lea im Oktober eh zur U8.
Ich denke nämlich das es sich auch in ein paar Monaten schwer gestallten wird das Lea die Glukoselösung trinkt, zumal sie jetzt teilweise noch von dem "ekligen Zeug" spricht und sagt "da hab ich alles wieder rausdekotzt."
Kann man den Test eigentlich auch ambulant durchführen oder müßen die Kinder in dem Alter immer in die Klinik.
Liebe Grüße
Silke
Antworten Profil
Verfasst am: 24.08.2010 [23:25]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Frau Seidel,
ja, man kann auch einen intravenösen Glukosetoleranztest machen, indem man eine vorgegebene Menge Zuckerlösung per Infusion gibt. Dies ist ein sehr sensitiver Test zur Früherkennung eines Diabetes, aber den macht man bei Kindern kaum. Standard ist immer der orale Glukosetoleranztest, der prinzipiell auch ambulant durchgeführt werden kann.

Eine allgemein gültige Aussage, wie lange es dauert, bis sich ein Diabetes Typ I entwickelt, gibt es nicht. Das ist individuell unterschiedlich je nach den gegebenen Voraussetzungen (z.B. Nachweis von Autoantikörpern, Höhe der Insulinausschüttung nach Belastungstest).

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 25.08.2010 [13:10]
SilkeSeidel
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 19.11.2009
Beiträge: 11
Liebe Frau Dr. Schmelz,

vielen Dank für Ihre Antwort, sie haben mir echt weitergeholfen.
Ich werde bei der U8 auf jeden Fall nochmal mit meiner Kinderärztin über einen erneuten OGTT Test sprechen.
Wobei sie ja schon nach dem Nüchternzuckertest zu mir sagte sie könne bei Lea zu 99% einen insulinpflichtigen Diabetes ausschließen und sie kennt Lea schon von Geburt an.
Aber ich als Mutter sehe natürlich nicht die 99% sonder das andere 1%.
Wobei mein Bauchgefühl, wenn ich meinen kleinen absolut lebhaften Frechdachs und Wildfang anschaue, momentan echt gut ist und ja wirklich alle Werte völlig normal sind und seit fast 3 Wochen kein Blz-Wert mehr aus der Reihe tanzt, egal zu welcher Tageszeit und nach welchem Essen.
Trotzdem vielen vielen Dank für Ihre super Tips und die gute Aufklärung und nochmals großes Lob an Elternwissen, ich fühle mich hier echt gut beraten.
Liebe Grüße an Alle
Silke
Antworten Profil
Verfasst am: 30.08.2010 [19:08]
SilkeSeidel
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 19.11.2009
Beiträge: 11
Hallo Frau Dr. Schmelz,

habe nur noch eine allgemeine Frage die vielleicht auch viele andere interessieren könnte.
Lea geht es übrigens sehr gut, haben lediglich aus dem Urlaub einen kleinen Schnupfen mitgebracht, ansonsten alles gut.
Also, welche Blz-Werte sehen sie z.B. bei einer 4 Jährigen als normal an?
Da scheiden sich nämlich teilweise die Geister.
Da ich mich ja sehr intensiv mit diesem Thema in den letzten Wochen auseinandergesetzt habe und viel gelesen habe, schreiben z.B. die einen, 2 Stunden nach dem Essen darf der Blz nicht höher als 140 mg/dl steigen, die anderen sagen z.B. nach Nudeln oder änlichen Kohlenhydraten kann er ohne weiteres auch mal bis zu 160 mg/dl steigen.
Mich würde Ihre Meinung sehr interessieren.
Liebe Grüße
Silke
Antworten Profil
Verfasst am: 30.08.2010 [21:10]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Frau Seidel,
bis zu welchem Blutzucker-Wert eine oraler Glukose-Toleranztest als normal zu bewerten ist, hängt von der Art der Blutabnahme und von der Art der Blutprobe ab.

Bei Blutabnahme aus der Vene gilt ein 2-Stunden-Wert von über 120 mg/dl (aus Vollblut) bzw. ein Wert von über 140 mg/dl (aus Plasma/Serum) als auffällig. Bei kapillärem Blut (z.B. aus der Fingerbeere) gilt ein 2-Stunden-Wert von über 140 mg/dl (aus Vollblut) bzw. ein Wert von über 160 mg/dl (aus Plasma/Serum) als auffällig.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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Verfasst am: 05.09.2010 [13:23]
SilkeSeidel
Fleißiger Helfer
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Beiträge: 11
Hallo Frau Dr. Schmelz,

sorry wenn ich schon wieder nerve. Aber irgendwie komme ich einfach nicht zur Ruhe,mein Mann sagt schon ständig aus Spaß zu mir, er würde mich demnächst beim Psychologen anmelden.
Lea ist echt fit und die Blz-Werte stiegen in den letzten 3-4 Wochen kein einziges Mal mehr über 105 mg/dl nach den Mahlzeiten.
Jetzt wollte ich einfach nochmal wissen wie sie über eine Blutentnahme zur Untersuchung von Antikörpern (z.B. Insellzellantikörpern) denken. Halten sie es für absolut unnotwendig wenn seit Wochen alle Blz-Werte normal sind.
Ich würde wahrscheinlich auch nur mich damit beruhigen.
Ich traue mich gar nicht mit meiner Kinderärztin darüber zu reden, sie denkt bestimmt ich spinne langsam total.
Würden sie mir dazu raten oder macht man solche Test, die ja sicherlich auch sehr kostenaufwendig sind, nur wenn wirklich dringender Verdacht besteht.
Danke schon mal für Ihre Antwort.
Ich muß halt langsam echt versuchen das ganze zu vergessen.
Liebe Grüße Silke
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