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Einführung von Beikost ganz ohne Brei (Baby-led weaning)
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Verfasst am: 18.02.2011 [14:30]
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AnnaMaja
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 27.03.2009
Beiträge: 2
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Schönen guten Tag, vor Kurzem las ich einen interessanten Artikel über die Einführung von Beikost, es ging um die Methode des sogenannten Baby-led weaning (BLW) oder auch Rapley-Methode. Dabei wird davon ausgegangen, daß es möglich und sogar förderlich ist, seinem Kind beginnend ab dem 6. Monat ausschließlich "feste" Nahrung anzubieten (also nicht pürierte, weich muß sie natürlich trotzdem sein) und es Menge und Art der Aufnahme selbst steuern zu lassen. Die Muttermilch bleibt dabei über viele weitere Monate die Hauptnahrungsquelle. Leider gibt es dazu kaum Informationen auf Deutsch, hier aber zwei englische Links für genauere Informationen: http://www.rapleyweaning.com/assets/blw_guidelines.pdf http://www.babyledweaning.com/ Ich finde den Ansatz sehr interessant und einleuchtend, zudem scheinen viele (vor allem mehrfache und dementsprechend vielbeschäftigte) Mütter ganz automatisch und unbewußt so vorzugehen, wenn sich ihr Kind beim Brei-Essen querstellt. Ich würde nichtsdestotrotz gerne einmal die (unabhängige) Meinung einer Kinderärztin zu diesem Thema hören, was Herr HiPP dazu sagt, ist natürlich klar ... Herzliche Grüsse, AnnaMaja |
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Verfasst am: 20.02.2011 [21:15]
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AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
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Liebe AnnaMaja, in vielen Punkten sind die Unterschiede zwischen dem Baby Led Weaning (BLW) und den aktuellen Beikostempfehlungen gar nicht so groß. Ich versuche einmal die Unterschiede und Gemeinsamkeiten darzustellen und bringe ggf. meine Gedanken dazu an. Ich muss jedoch vorausschicken, dass ich meine Kinder zwischen 1999 und 2001 nach den damals geltenden Beikostempfehlungen gefüttert habe, also keine eigenen Erfahrungen mit dem BLW habe! Beim BLW wird Beikost angeboten, wenn das Baby Interesse daran zeigt. Das sollte eigentlich auch die Voraussetzung für die Beikostfütterung mit Brei sein. Denn ein Baby quasi zwangsweise gegen seinen Willen mit Brei vollzustopfen, führt bloß zu Fütterstörungen und Essproblemen. Abgesehen davon wird das Baby den Brei wieder ausspucken und so muss man auch mit der Breifütterung so lange warten, bis das Baby dafür bereit ist (auch wenn die Empfehlungen einen Beikostbeginn ab dem 5 bis 7. Monat vorsehen). Beim BLW sollte weiterhin gestillt werden und Muttermilch bildet die Basis der Ernährung. Das ist auch bei der Beikosteinführung mit Brei so. Je nachdem, wie schnell das Baby größere Mengen vom Brei isst, bleibt Muttermilch mehr oder minder lang die Grundlage der Ernährung. Es gibt Kinder, die wochenlang nur ein paar Löffelchen Brei essen und die werden natürlich auch weiterhin durch die Muttermilch (ersatzweise Flaschennahrung) ernährt. Man muss sich nur vor Augen führen, dass es genügend Babys gibt, bei denen sich der Brei nicht so rasch (wie in den Beikostempfehlungen aufgeführt) einführen lässt... Bei BLW soll das Baby geeignete Nahrungsmittel (nichts zu Hartes, nicht gewürzt oder gesalzen, nichts, was leicht verschluckt werden kann - man sollte also z.B. nicht gerade mit Erbsen oder Reiswaffeln anfangen!) in - wenn nötig - gekochter Form erhalten, sodass es selbst daran herumlutschen und davon "abbeißen" kann, was auch bei einem zahnlosen Kiefer möglich ist. Ähnliche Empfehlungen gelten auch für die Beikost in Breiform, was die Auswahl an Nahrungsmitteln angeht. Bei beiden Ernährungs"formen" bieten sich Gemüse, Kartoffeln, Nudeln und Obst an. Und ob man das nun als Brei anbietet oder als "Fingerfood", macht aus meiner Sicht keinen großen Unterschied. Es gibt ohnehin Babys, die Brei grundsätzlich ablehnen, und denen wird man vernünftigerweise geeignete Nahrungsmittel gemäß den Beikostrichtlinien in die Hand geben. Was ich persönlich beim BLW für befremdlich halte, ist, einem Baby ein Stück gekochtes Fleisch in die Hand zu geben, damit es darauf herumlutschen kann. Ich denke, was die Nährstoffe angeht, hat das Baby mehr davon, wenn es das Fleisch in pürierter Form schlucken kann. Ich will hier nicht in die Eisendebatte einsteigen, ob der Eisengehalt der Muttermilch im 2. Lebensjahr noch reicht oder nicht, denn für das jeweilige Kind kann man das nicht mit Sicherheit voraussagen. Es gibt Babys, die 9 oder 10 Monate nur gestillt werden und der Hb-Wert im Blut ist in Ordnung. Und dann gibt es eben welche, bei denen das im 7. Monat nicht mehr der Fall ist. Um zu wissen, woran man ist, hilft nur der Fingerpieks beim Kinderarzt. Nur dann weiß man, wie es beim eigenen Baby ist! Wer BLW machen möchte, sollte daher meiner Meinung nach sicherheitshalber den Eisenwert im Blut kontrollieren lassen. Zur Gefahr des Verschluckens beim BLW (das angeblich sogar geringer als bei Breifütterung sein soll) kann ich nichts sagen. Aber mir sind zumindest keine Berichte bekannt, dass es beim BLW mehr Fälle von "falsch eingeatmetem" Essen (das dann in der Luftröhre landet) gäbe. Beim BWL sollten Babys immer aufrecht sitzen und niemals unbeaufsichtigt essen. Das gilt ebenso, wenn Brei gefüttert wird. Beim BLW wird darauf hingewiesen, dass Babys ruhig eine große Vielfalt verschiedener Nahrungsmittel probieren dürfen. Dies deckt sich mit den aktuellen Beikostempfehlungen. Frühzeitig viel Auswahl anzubieten hilft, eine "orale Toleranz" gegen Nahrungsmittel zu entwickeln. Das heißt, die Gefahr von Nahrungsmittelallergien wird durch eine Beikosteinführung ab dem 5. Monat, ein vielfältiges Nahrungsangebot und das Weiterstillen neben der Beikost reduziert. Ich persönlich denke, dass Breikost am Anfang der Beikostfütterung die physiologischere Variante ist. Wahrscheinlich haben schon die Neandertaler Nahrung für ihre Babys und Kleinkinder zu Brei gekaut (zumal die Ernährung damals hauptsächlich aus Fleisch und gesammelten Früchten bestand) und diesen Brei dann den Kleinen in den Mund gesteckt. So soll ja auch der Kuss entstanden sein: durch das Füttern von Mund zu Mund. Aus diesem Grund würde ich eher zur Breifütterung raten. Aber es ist durchaus sinnvoll, sich das BLW zum Vorbild zu nehmen und den Kleinen neben dem Brei viel öfter Fingerfood in die Hand zu geben, damit sie die Speisen in ihrer natürlichen Form selbst mit Mund und Händen erkunden können. Herzliche Grüße Ihre Andrea Schmelz Hat Frau Dr. Schmelz Ihnen schon einmal bei einem Problem weitergeholfen? Unterstützen Sie bitte Frau Dr. Schmelz und das Elternwissen-Team und werden Sie Fan von Elternwissen.com und empfehlen Sie unsere Seite Ihren Freunden weiter!
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Verfasst am: 21.02.2011 [11:07]
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AnnaMaja
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 27.03.2009
Beiträge: 2
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Liebe Frau Schmelz, ganz herzlichen Dank für die umgehende und ausführliche Antwort! Mir war gar nicht bewußt, daß BLW schon so bekannt ist. Da ich sowieso ein ziemlicher "Kauf-Brei"-Gegner bin, werde ich das bei meiner jüngsten Tochter mal ausprobieren und bin für Ihre Hinweise sehr dankbar. Mir scheint jedenfalls, daß diese Art der Beikost viel zu wenig propagiert und angewandt wird. Schade eigentlich, denn sehr viele junge Mütter sind - gerade bei der Nahrungsumstellung des ersten Kindes - so unheimlich verkrampft und unsicher, wenn mal was nicht nach Plan läuft. Zudem werden die unzähligen industriell hergestellten (überwürzten und trotzdem faden) Breichen im Allgemeinen kaum hinterfragt und gelten bei der Masse noch immer als Nonplusultra. BLW wäre da offenbar eine sehr viel schmackhaftere, billigere und entspanntere Variante ... Nochmals vielen Dank und schöne Grüße! AnnaMaja |
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