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Lakritze bei Kindern


Autor Nachricht
Verfasst am: 09.04.2008 [13:59]
Ulli
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 09.04.2008
Beiträge: 2
Hallo, ich habe meinen Sohn normale Lakritze essen lassen, es war nicht viel aber er hat sie gegessen. Kurz darauf hat er sich geekelt und es ausgespuckt. In der Nacht fing er mit Erbrechen an, konnte nichts mehr trinken. Wir waren drei Tage im Krankenhaus, bis er sich erholt hat. Eine Magengrippe war es nicht wirklich, da auch Ultraschall gemacht wurde. Kann es durch normale Lakritze zu solch einem schlechten Zustand kommen? Ich habe durch Zufall im Krankenhaus einen Bericht gelesen, keine Lakritze für Kleinkinder. Finde den Artikel nicht mehr. Mein Sohn ist gerade drei Jahre geworden. Lakritze gibt es bei uns auf jeden Fall nie mehr. Grüße Ulli
Antworten Profil
Verfasst am: 14.04.2008 [15:26]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Ulli,

Lakritze wird aus der Süßholzwurzel hergestellt und enthält unter anderem Glycyrrhizinsäure (Gehalt in handelsüblicher Lakritze zwischen 34 und 500 mg pro 100 g) und Salmiak (Ammoniumchlorid, bis zu 2 Prozent, sofern auf der Packung nicht ein höherer Gehalt deklariert ist, dann muss aber „Erwachsenenlakritze“ draufstehen!). Sie ist nicht nur als Süßigkeit beliebt, sondern wurde (und wird) aufgrund ihrer Inhaltstoffe auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt, etwa zur Schleimlösung bei Erkältungen und zur Linderung von Beschwerden bei Magengeschwüren und Magenschleimhautentzündung.

Neben den positiven Eigenschaften der Süßholzwurzel gibt es aber auch etliche unerwünschte Eigenschaften. Ein längerfristiger Verzehr von mehr als 50 g Süßholz täglich bei Erwachsenen kann zu Hypokaliämie (Kaliumverlust), Hypernatriämie (Natrium- und Wasseranreicherung), Ödemen (Wassereinlagerung im Gewebe), Bluthochdruck und Herzbeschwerden führen. Wird keine Lakritze mehr gegessen, verschwinden die Beschwerden nach einigen Tagen wieder.

Gesunde Erwachsene sollte daher eine tägliche Höchstmenge von 50 Gramm Lakritze einhalten (für Personen mit Bluthochdruck oder Schwangere sind 50 Gramm aber schon zu viel!). Für Kinder gibt es keine Empfehlungen für eine tägliche, noch unbedenkliche Höchstmenge. Im Falle einer deutlichen Überdosierung (und wo hier die Grenze bei einem Kleinkind liegt, ist meines Wissens nicht bekannt!) treten Störungen im Stoffwechsel (Azidose = Übersäuerung des Blutes) und im Mineralhaushalt (Hypokaliämie) auf. Diese können sich äußern in Übelkeit, Erbrechen, Durst, Kopfschmerzen, beschleunigter und/oder vertiefter Atmung, Benommenheit und Verwirrung bis hin zur Bewusstlosigkeit. Wenn Ihr Sohn damals also tatsächlich nur infolge der Lakritze zu erbrechen begann, dann hätte er dazu wahrscheinlich eine viertel (bis halbe) Tüte Lakritze verspeisen müssen.

Ich kann Ihnen also nicht sagen, ob es wirklich nur an der Lakritze lag. Trotzdem ist es am besten, auf Lakritze bei Kleinkindern ganz zu verzichten. Da ich persönlich auch schon auf kleinere Mengen Lakritze (bei einmaligem Verzehr!) mit deutlichen Wassereinlagerungen reagiere (Dosen deutlich unterhalb der genannten 50 Gramm!), bin ich davon überzeugt, dass für derartige „Nebenwirkungen“ eine individuelle Empfindlichkeit besteht. Ich gebe meinen Kindern (inzwischen 7 und 8 Jahre alt) daher überhaupt keine Lakritze – aber die schmeckt ihnen sowieso nicht!

Das Deutsche Grüne Kreuz hat mit folgender Meldung vor Lakritze gewarnt (vielleicht war das die Meldung, die Sie gelesen hatten?):

Lakritz: Schwarzes Süßholzraspeln ist nicht ungefährlich

Starke Rachenputzer nichts für Kinder

(pgk) Schneckenähnlich aufgerollte Schnüre oder pastillenförmige Hartlakritze mit bitter-süßlichem Geschmack: Lakritze schmecken Groß und Klein. Doch Vorsicht: Immer wieder werden in Deutschland meist importierte Lakritz-Erzeugnisse gefunden, die mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g enthalten. Dies kann in höheren Mengen den Bluthochdruck fördern. Menschen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zuckerkranke und Schwangere sollten daher vorsichtshalber auf Lakritze verzichten.

Außerdem sind nicht alle im Handel erhältliche Sorten auch für Kinder geeignet. Darauf weist die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hin. So enthielten einige im EU-Ausland zugelassene Produkte einen Salmiak-Anteil von bis zu 7,99 Prozent - zu stark für Kinder. Deutsche Lakritze-Produkte dürften nach der Aromenverordnung nur einen Anteil von zwei Prozent enthalten. Stärkere Lakritze dürfen zwar verkauft werden, sind aber nur für Erwachsene geeignet und müssen mit einem deutlichen Hinweis auf der Verpackung als "Starklakritz" gekennzeichnet sein. Diese sind normalerweise nur in der Apotheke erhältlich.

Allerdings werde diese Kennzeichnung nicht von allen Herstellern verbraucherfreundlich vorgenommen, so die Verbraucherschützer. Wer Lakritze für Kinder kaufe, sollte daher genau auf die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe achten.

Herzliche Grüße

Ihre

Andrea Schmelz



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