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2 1/4 jähriger Probleme mit anderen Kindern


Autor Nachricht
Verfasst am: 10.07.2010 [23:25]
Bottermelkfresh
Junior
Themenersteller
Dabei seit: 18.12.2009
Beiträge: 6
Hallo,

vor einem Jahr habe ich mich bereits einmal an sie gewendet. Mein inzwischen 2 1/4 jähriger Sohn hat Probleme mit anderen Kindern. Vor einem Jahr reagierte er so aggressiv in der Muki Gruppe, das ich auf ihre Empfehlung hin nicht mehr zu den Treffen gegangen bin.
Mein Sohn ist eigentlich oft mit andern Kindern zusammen. So trifft er mindestens einmal pro Woche seine Cousine, die ca. im gleichen Alter ist. Außerdem auch mit den Kindern einiger Bekannter. Leider ist es so, das man immer auf der Hut sein muss. Mein Sohn reagiert oft sehr überschwenglich, umarmt die andern Kinder so stürmisch, das sie umfallen, oder er schubst sie, springt ihnen auf den Rücken oder haut sogar teilweise mit Spielsachen nach ihnen. Das alles passiert aus Situationen heraus, in denen man es wirklich nicht vorhersehen kann. Z.B. führt er ein Mädchen an der Hand, im nächsten moment läßt er die Hand los und schlägt ihr auf den Kopf.
Ich bin schon total am Ende, da diese "Phase" nun schon fast ein Jahr lang dauert. Habe wirklich schon alles probiert. Einige Bekannte haben den Kontakt deswegen schon sehr reduziert oder eingestellt.
In unserem Umfeld sind leider lauter Mädchen, kann es daran liegen?
Für Januar habe ich ihn zum Kindergarten angemeldet. Würden sie das empfehlen? Oder kann das die Situation noch verschlimmern?
Antworten Profil
Verfasst am: 11.07.2010 [00:42]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Bottermelkfresh,
dass Kleinkinder aus einem Mangel an sprachlichen Verständigungsmöglichkeiten öfter handgreiflich werden, ist prinzipiell ganz normal und je nach Temperament und Charakter des Kindes kann so eine "aggressive" Phase auch länger anhalten.

Nach Ihrer Beschreibung bin ich aber nicht davon überzeugt, dass Ihr Sohn wirklich aggressiv ist. Er scheint eher seine Kräfte nicht dosieren zu können, da er ja auch bei Umarmungen so überschwänglich ist, dass das andere Kind hinfällt. Es hat vermutlich auch nichts damit zu tun, dass Ihr Sohn überwiegend Kontakt zu Mädchen hat. Ich denke, er würde im Umgang mit Jungen genauso reagieren. Es kann nur sein, dass die Mädchen eher ängstlich reagieren, während Jungs sich möglicherweise eher auch mal körperlich zur Wehr setzen würden, wenn sie etwas nicht wollen. Aber das hängt weniger vom Geschlecht als vom Temperament und Charakter des anderen Kindes ab!

Natürlich wird Hauen mit Spielsachen, andern in den Rücken Springen oder Schubsen als aggressives Verhalten angesehen, jedoch passiert das "aus heiterem Himmel" und nicht etwa im Streit um ein Spielzeug. Ist Ihr Sohn bei eigentlich lieb gemeinten Gesten (Streicheln, Umarmen) auch bei Ihnen etwas grob? Ist er "hart im Nehmen", wenn er sich verletzt, und weint nicht so schnell? Mag er sich nicht gerne umarmen oder streicheln lassen? Ist er sehr zappelig? Mag er bestimmte Dinge nicht anfassen (z.B. Matsch, Sand)? Das könnten Hinweise sein, dass er Probleme mit seiner taktilen (Berührungs-) und/oder Körperwahrnehmung haben könnte (wichtig: Ich kann aus der Ferne keine Diagnose stellen, sondern nur Anregungen geben!).

Es gibt Kinder, die sich selbst nicht richtig spüren können und die entsprechend auch sehr grob mit anderen umgehen. Diese Kinder können nicht einschätzen, dass feste Berührungen, die sie selber als angenehm empfinden (weil sie diese erst richtig spüren können) bei anderen Kindern aber bereits Schmerzen verursachen. Sie tun anderen Kindern oft aus Versehen weh. Auch haben diese Kinder oft Schwierigkeiten den notwendigen Kraftaufwand für eine Bewegung anzupassen. Zudem fehlt ihnen oft eine angemessene Vorstellung vom eigenen Körper (Körperbild/Körperschema).

Bitte sprechen Sie Ihren Kinderarzt auf das Verhaltensproblem Ihres Sohnes an. Vielleicht sollte in diese Richtung einmal eine Abklärung durch eine Ergotherapeutin oder im nächsten SPZ (Sozialpädiatrischen Zentrum, meist an eine Kinderklinik angeschlossen) erfolgen.

Der Kindergarten wird das Verhalten Ihres Sohnes vermutlich nicht "verschlimmern", nur wird er damit auch häufig bei den anderen Kindern anecken. Wenn dieses Problemverhalten anhält, wäre es gut für ihn, wenn er in einem integrativen oder heilpädagogischen Kindergarten mit kleiner Gruppenstärke extra gefördert würde. Bei einer üblichen Gruppengröße von 25 Kindern mit 2 Erziehrinnen passiert es leider manchmal, dass die Erzieherinnen in solchen Fällen überfordert sind und sich diese "unbequemen" Kinder in der Rolle des "schwarzen Schafs" wiederfinden.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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Chefredakteurin von "Gesundheit und Erziehung für mein Kind"
Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 11.07.2010 [13:01]
muttis
Super-Nanny
Dabei seit: 19.10.2009
Beiträge: 85
Ich habe im Bekanntenkreis ein Mädchen, etwa 1,5 Jahre alt, das sich ganz ähnlich verhält. Man hat das Gefühl, dass sie ihre Kräfte nicht im Griff hat und packt bei Erwachsenen wie Kindern entsprechend kräftig zu. Für die Mutter ist das eine enorme Herausforderung, sie vermutet, mit dem Kind in der Eltern-Kind-Gruppe nicht sehr willkommen zu sein.

Mich würde interessieren, wie man die Mutter bei ihrer Aufgabe unterstützen kann. Wie soll die Mutter auf das Verhalten des Kindes reagieren, wie andere Erwachsene? Es heißt ja, dass man Kinder nicht immer vorbeugend aus einer Situation rausnehmen sollte - gilt das in diesem Fall auch? Kann ich als andere Mutter das Kind stoppen oder sollte das besser die eigene Mutter tun? Welche Rolle sollte die Gruppenleiterin in der Eltern-Kind-Gruppe inne haben - aktiv oder passiv.

Ich sehe, wie die Mutter leidet - da sind auch schon Tränen geflossen. Aber ich bin unsicher, ob und wie ich eingreifen darf/soll. Was ist Ihre Meinung, Frau Schmelz?
Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 11.07.2010 [17:55]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe muttis,
auch wenn ein Kind seine Kräfte nicht unter Kontrolle hat (was bei einem Kind mit 1,5 Jahren aber noch als relativ normal anzusehen ist) und daher anderen Kindern völlig unabsichtlich weh tut, darf und sollte man eingreifen. Prinzipiell wäre es gut, wenn die Mutter des betreffenden Kindes immer wieder eingreifen würde und möglichst geduldig darauf hinweisen würde, dass es jetzt zuviel war und das andere Kind vielleicht sogar weint, weil es ihm weh getan hat. Dann immer wieder Alternativen aufzeigen, z.B. streicheln statt hauen.

Alternativ - aber das ist jetzt meine persönliche Meinung und es wäre am besten, sich mit der Mutter des betreffenden Kindes vorher abzusprechen - können auch die Mütter des "angegriffenen" Kindes für ihr Kind eintreten und sagen, dass es ihrem Kind weh getan hat und dass das eigene Kind das nicht möchte. Auch hier evtl. wieder Alternativen aufzeigen. Erfolgen die "Angriffe" aus einem bestimmten Grund (das Kind möchte z.B. ein Spielzeug von einem anderen Kind haben), immer Alternativen zum groben Verhalten aufzeigen, z.B. Spielzeug tauschen statt es dem anderen aus der Hand reißen. Auch wenn das natürlich nicht gleich fruchtet, bringt es auf Dauer gesehen Besserung.

Die Gruppenleiterin der Spielgruppe sollte vermittelnd eingreifen, indem sie erklärt, dass manche Kinder sich eben so verhalten, weil sie die Feindosierung der Kraft eben erst noch lernen müssen, dass das aber nicht die Schuld der Eltern dieses Kindes ist. Schuldzuweisungen an die Mutter sind also nicht hilfreich und es dürfen alle Mütter zusammenarbeiten, um dem betreffenden Kind mit der Zeit beizubringen, wie es sich erwünscht verhält und Konakt zu anderen Kindern aufnehmen kann, ohne dass dies auf so grobe Art und Weise geschieht.

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, das grob agierende Kind aus der Spielgruppe herauszunehmen, wenn die Fronten schon verhärtet sind und alle anderen Kinder Angst vor dem betreffenden Kind haben. Dann kann es sinnvoll sein, Sozialkontakte zu etwas älteren Kindern zu ermöglichen, die sich nicht so viel gefallen lassen und dem kleinen "Rüpel" selbst Grenzen setzen.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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