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Beerdigung der Urgrossmutter


Autor Nachricht
Verfasst am: 17.12.2011 [00:12]
Schoggi
Junior
Themenersteller
Dabei seit: 14.10.2010
Beiträge: 7
Liebe Frau Dr. Schmelz,

Die liebe Oma von meinem Verlobten ist gestorben. Er will es nun seiner 12 jährigen Tochter (aus anderer Beziehung) überlassen, ob sie die tote Uroma im Sarg sehen will oder nicht. Die Oma ist schwer gestürzt und trotz "zurechtmachen" sieht sie doch nicht mehr so aus, wie wir sie in
Erinnerung haben. Ich denke, das wäre nicht gut für das Kind die Oma so nochmals zu sehen und ehrlicherweise glaube ich, dass sie nur wieder mit etwas neuem bei ihren Freundinnen prahlen will. Mein Verlobter denkt, dass der Tod ja zum Leben gehört und er mit ihr danach darüber reden kann. Ich glaube nicht, dass es richtig ist, es dem Kind zu überlassen, zu ermessen, ob es damit zurecht kommt. Müsste hier nicht der Vater erklären, dass sie die Oma so nicht in Erinnerung behalten sollte???

Ich bin sehr dankbar über Ihre Meinung.

Schöne Grüsse
Schoggi
Antworten Profil
Verfasst am: 17.12.2011 [09:46]
umbre11a
Alter Hase
Dabei seit: 25.09.2010
Beiträge: 32
Liebe Schoggi,

ich denke, dass ein Mädchen mit 12 Jahren schon eine recht genaue Vorstellung davon hat, was auf sie zukommen wird. Unsere Teenager sind viel reifer, als wir denken. Unsere Große ist auch 12 Jahre und eine solche Entscheidung würden wir auch ihr überlassen. Natürlich muss man als Erwachsener das Gespräch lenken und dem Kind auch klarmachen, dass das was sie sieht, sie auch erschrecken könnte, weil der Mensch im Tode eben anders aussieht, als als lebender Mensch. Gleichwohl gehört der Tod zum Leben, und ich finde die Einstellung gesünder, Dinge die mit dem Lebensende zusammenhängen, nicht auszuschließen. Manche Menschen beziehen auch einen gewissen Trost aus der Tatsache, dass sie sich mit eigenen Augen überzeugen konnten, dass das Leben aus dem geliebten Menschen gewichen ist und sie sich noch einmal von der Hülle verabschieden durften. Das ist ja auch der Grund, weshalb immer noch eine ganze Menge Menschen auf dem Ritus des Aufbahrens festhalten. Letztlich gibt es hier kein richtig oder falsch. Für manche Menschen ist es ein Trost, andere möchten sich vielleicht nicht mit diesem letzten Bild belasten. Aber selbst als Erwachsener ist es nicht einfach zu entscheiden, ob das Bild des aufgebahrten Angehörigen eher verstört oder einem hilft, einen Abschluss zu finden.
Sicher wäre es toll gewesen, das Mädchen wäre älter gewesen, als 12, wenn sie diese Entscheidung unter Mithilfe ihrer Eltern trifft. Aber so ist es nun mal, der Tod kommt nicht nach Plan und vielleicht ist die Tochter deines Verlobten später sogar verärgert, wenn man ihr den Abschied "ausgeredet" hat. Dass das Mädchen nur vor ihren Freundinnen angeben möchte, kann ich mir schlecht vorstellen. Ist sicher nicht ganz auszuschließen, aber wenn es so ist, dann ist es eben so. Ist doch auch eine Lektion auf dem Weg zum erwachsen werden, wenn man erkennt, dass die Entscheidungen, die man trifft, Folgen haben. Sie wird sicher nicht als für immer gebrochenes Mädchen aus der Situation gehen, sie hat ja Eltern, die sie im Falle eines Falles auffangen können. Du siehst, leider kann ich dir hier nicht schreiben, so ist es richtig und so nicht. Aber ich denke, dass Kinder auf der Schwelle zum erwachsen werden in erster Linie ernst genommen werden möchten und auch in Teilen Mitspracherecht über ihr eigenes Leben brauchen und einfordern. Das Lernen ist ein Prozess, der von Fehlern profitiert, die wir im relativ abgesicherten Raum machen.
Steht zusammen und dann wird das schon.
Liebe Grüße
umbre11a
Antworten Profil
Verfasst am: 18.12.2011 [18:42]
Schoggi
Junior
Themenersteller
Dabei seit: 14.10.2010
Beiträge: 7
Liebe Umbre,

vielen Dank dafür, dass Du Dir Zeit genommen hast mir zu antworten!
Leider wächst dieses Mädchen nicht "normal" auf und die Eltern haben beide für meine Begriffe teilweise sehr seltsame Vorstellungen. Für mich ist das besonders schwer, weil mein Verlobter nicht zulässt, dass ich mich auch einbringe - es sei denn ich bin Deko bei irgendwelchen Unternehmungen, aber ich darf auf keinen Fall eine kritische und vielleicht auch vernünftige Bemerkung machen. Das Kind wird total verwöhnt, obwohl eigentlich kein Geld da ist (wir wollen eine Familie gründen, aber ich habe Bedenken, dass mein Verlobter die irrsinnig hohen monatlichen Zahlungen nicht reduziert - Unterhalt muss er natürlich zahlen, er zahlt aber fast das 3-fache, u.a. für absurd teure Ferien usw.). Nun, das sind bestimmt seine Schuldgefühle und die Geldgier der Mutter, aber das Kind bekommt eine völlig falsche Vorstellung und ich habe Angst um unsere Zukunft... (Nein, mit ihm darüber reden funktioniert leider in keiner Art und Weise.) Ich weiss, Du kannst nicht viel dazu sagen, aber das musste ich einfach loswerden.

Schöne Grüsse
Schoggi
Antworten Profil
Verfasst am: 18.12.2011 [19:50]
hk080578
Alter Hase
Dabei seit: 05.11.2010
Beiträge: 21
Liebe Schoggi,

es ist eine schwierige Entscheidung, aber ich denke, dass ein Mädchen mit 12 Jahren diese treffen kann.
Ich war in fast dem selben Alter, als mein Opa gestorben ist und meine Mutter hat mir auch die Wahl gelassen. Ich war am Sarg und es war für mich damals eine gute Möglichkeit Abschied zu nehmen. Allerdings kann ich auch verstehen, wenn man seine Angehörigen so in Erinnerung behalten möchte, wie sie im Leben waren. Aber die Entscheidung kann eine normal entwickelde 12jährige m.E. schon treffen und wenn ich von mir aus gehe wäre ich beleidigt gewesen, wenn ich nicht mit einbezogen worden wäre.
Gerade, wenn sie sehr verwöhnt wird und auf Händen getragen, sollte sie sich (m.E.) auch mit ernsthaften Themen auseinandersetzen. Dein Verlobter kann ja mit ihr sprechen und ist bestimmt auch am Sarg mit dabei. Wenn sie im Leben Respekt vor der Oma hatte wird sie das im Tod bestimmt auch haben.
Ansonsten kann ich mir nur meiner Vorrednerin anschließen.

Noch ein Wort zu Deiner Geschenkeproblematik: kenne ich. Haben wir im Bekanntenkreis. Mein Kleiner wird mit Dingen zugeschüttet und bei uns ist es so, dass ich das nicht möchte. Aber es ist superschwierig das den Menschen klar zu machen, ohne sie dabei zu verletzen.
Ich habe leider auch noch keine Lösung für dieses Problem, aber vielleicht ist es ein Trost, dass Du mit dieser Problematik nicht alleine bist.

Ich wünsche Dir viel Kraft und ein frohes Weihnachtsfest.

HK
Antworten Profil
Verfasst am: 19.12.2011 [00:24]
umbre11a
Alter Hase
Dabei seit: 25.09.2010
Beiträge: 32
Liebe Schoggi,

wir sind auch eine Patchworkfamilie, "unsere Große" ist die Tochter meines Mannes aus erster Ehe, die bei ihrer Mutter lebt. Sie ist im gleichen Alter wie deine Tochter und ich kenne und begleite sie nun schon seit sie drei ist. Ich denke, dass ich so etwa in deiner Situation bin, nur dass ich bereits mit meinem Mann verheiratet bin und wir ein gemeinsames Kind haben.
Bezüglich der Erziehungsproblematik sehe ich ein, dass du in einer schwierigen Situation bist. Es wäre sicher besser, wenn du dich mehr einbringen könntest, denn davon können alle nur profitieren. Es hängt aber leider alles davon ab, inwieweit die Mutter des Mädchens dich akzeptiert. Sieht sie dich als Konkurrenz ist es ganz schwierig. Dann solltest du dich wirklich in Erziehungsfragen besser zurückhalten, weil du am Ende immer in einer schlechten Position bist. Dein Freund wird alles tun, um das Verhältnis zu seiner Tochter nicht zu gefährden und das ist ja auch richtig so. Sie bleibt ja sein Kind und es ist toll, dass er sich um sie kümmert. Die Sache mit dem Unterhalt haben wir auch so ähnlich durch. Aber wir haben beide die Einstellung vertreten, dass es nur Geld ist. Geht es der Mutter gut, geht es dem Kind gut, geht es allen gut. Das hat natürlich Grenzen. Wenn man das Gefühl hat, dass einem selbst nichts mehr zum leben bleibt, dann ist die Grenze natürlich erreicht. Aber im Prinzip haben wir den Unterhalt eher am Bedarf, als am gesetzlichen Maß gemessen und sind damit immer gut gefahren. Die Exfrau hatte das Gefühl, dass ihr keiner (vor allem nicht ich) etwas missgönnt, und wir hatten wenig Probleme, das Kind auch mal unbürokratisch, ohne vorherige Absprache sehen zu können. Und die Mutter hat zugelassen, dass ich auch eine eigenständige Beziehung zu dem Kind aufbauen kann, so dass meine Meinung auch immer wieder abgefragt wird, wenn große Entscheidungen anstehen. Letztlich treffen aber immer die Eltern die Entscheidungen, ich empfinde mich da eher als Beraterin. Und was alltägliche Dinge angeht, hat mir mein Mann immer das Recht eingeräumt, Dinge, die direkt mich betrafen, immer auch direkt mit dem Kind zu klären. Das ist ganz wichtig, finde ich. Auf diese Weise hatte ich immer den Respekt der großen: auch wenn ich nicht ihre Mutter bin, hat sie immer anerkannt, dass ich ihr bestimmte Anweisungen, sofern sie meinen Wirkungsbereich betreffen, erteilen kann, dass ich Grenzen setze, dass ich auch mal etwas von ihr fordere, aber auch dass ich sie lobe, manchmal mit ihr gemeinsame Sache mache, mit ihr lerne oder mit ihr shoppen gehe.
Du solltest mit deinem Verlobten darüber reden, dass du nicht nur Anhängsel sein möchtest, sondern auch ein Stimmrecht haben möchtest, wenn dich Sachen auch betreffen. Dass du dich einbringen willst und eine eigenständige Beziehung zu dem Kind aufbauen möchtest. Der Weg führt über die Sympathie zur Mutter der Tochter deines Verlobten. Ob du die erlangen kannst, kann ich nicht beurteilen. Manchmal ist das schwer, wenn da noch verletzte Gefühle sind, oder andere Animositäten. Wäre menschlich. Aber einen Versuch ist es wert, finde ich. Für mich hat sich alle Mühe gelohnt. Kopf hoch
Gruß umbre11a
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