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Kind folgt nicht


Autor Nachricht
Verfasst am: 02.09.2010 [20:32]
Ursula73
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 22.02.2010
Beiträge: 12
Liebe Frau Schmelz,

mein Sohn (3 1/2) ist ein sehr stures, temperamentvolles Kind. Er fordert mich sehr, ist extrem anstrengend und leider überhaupt nicht folgsam. Eigentlich folgt er gar nicht was mich manchmal wirklich an meine Grenzen bringt. Alles muss ich x-mal sagen. Ich wende auch immer öfter das "Prinzip der kaputten Schallplatte" an, d. h. ich wiederhole meinen Wunsch immer und immer wieder bis er es macht (z.B.: zieh die Hose an). Es funktioniert ziemlich gut, ist aber auch sehr anstrengend. Heute hat er sich mal wieder selbst übertroffen. Wir waren auf Besuch bei meiner Tante, die einen Bauernhof besitzt. Er liebt die Arbeit am Hof und hilft immer sehr eifrig mit. Nach 2 Stunden habe ich ihn langsam darauf vorbereitet, dass wir bald nach Hause gehen müssen. Er hat mich aber stets ignoriert und ist nicht gekommen. Da er aber schon sehr müde war, weil er seit einiger Zeit mittags nicht mehr schläft, und seine Schwester (14 Monate) schon hungrig war, konnte ich nicht noch länger warten. Also bin ich einfach losmarschiert - in der Hoffnung, dass er schon nachkommen wird. Er ist dann auch gekommen, hat sich aber sofort wieder umgedreht und ist zum Hof zurückgerannt. Als er dann endlich wieder bei mir war, wollte ich ihn auf mein Kiddyboard stellen. Er hat sich aber sofort wieder losgerissen und wollte wieder weglaufen. Danach habe ich ihn ganz fest gehalten und fast mit mir mitgeschleift. Dann habe ich ihn einfach nur noch laufen lassen. Die Straße war glücklicherweise nicht viel befahren, aber Angst hatte ich trotzdem. Er wollte sich nicht mehr von mir anfassen lassen, hat geschrien und sich wie ein Verrückter aufgeführt. Ich kenne dieses Verhalten. Es tritt vor allem auf, wenn er sehr müde ist (war heute der Fall). Ich habe dann das Gefühl, dass er gar nichts mehr mitkriegt und gar nicht mehr weiß, was er überhaupt macht. Wie kann ich in solch einer Situation anders reagieren? Was hätte ich tun sollen, um so ein Theater zu vermeiden? Er wird immer größer und schwerer - bald habe ich gar keine Handhabe mehr ihm gegenüber. Was kann ich tun, damit er mit mir mitkommt, wenn ich sage "Jetzt gehen wir nach Hause"? Er war schon immer so. Es gibt jedesmal Theater wenn wir nach Hause gehen müssen. Wissen Sie einen Rat? Ich wäre ihnen sehr dankbar.
PS: Er steht in der Früh um ca. 7 Uhr auf und geht um ca. 18 Uhr schlafen. Ist das für einen Dreijährigen in Ordnung oder ist der Tag für ihn zu lang? Kann er deshalb nicht mehr normal "funktionieren"? Vor kurzem waren wir am Abend an einem Spielplatz. Zuerst hat er normal gespielt und plötzlich - man hat gemerkt, dass er sehr müde ist, ist er den anderen Kindern gegenüber richtig aggressiv geworden. Wir mussten ihn dann auch vom Spielplatz wegtragen (unter Geschrei natürlich). Ist das normal? Lg. Ursula 73
Antworten Profil
Verfasst am: 03.09.2010 [00:21]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Ursula73,
wie Sie schreiben, ist Ihr Dreijähriger insbesondere dann unfolgsam oder auch anderen gegenüber aggressiv, wenn er übermüdet ist. Das ist ganz typisch und dagegen gibt es leider kein Geheimrezept. Sie müssen das akzeptieren und versuchen, in diesen Zeiten so wenig wie möglich von Ihrem Sohn zu verlangen und ihm bzw. seinen Wünschen nach Möglichkeit entgegenzukommen oder einen Kompromiss zu finden. Erzieherisch lässt sich da sonst wenig machen. Mit etwas Humor und Fantasie , einer netten Geschichte oder einem passenden Lied geht es eventuell etwas leichter (siehe auch www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/motivieren-sie-ihr-kind-mit-humor-und-fantasie.html)

Insgesamt schläft Ihr Sohn von 18 bis 7 Uhr sicher ausreichend (13 Stunden pro Tag), aber da er keinen Mittagsschlaf mehr macht (wie viele Kinder in diesem Alter!), ist er natürlich abends dann oft übermüdet und aufgedreht. Versuchen Sie mittags nach dem Essen zumindest eine Ruhepause einzulegen, in der Ihr Sohn etwas "herunterfahren" kann. Kuscheln Sie zusammen auf dem Sofa oder lesen Sie ihm etwas vor.

Dass Ihr Sohn abends keine Lust hat, nach Hause zu gehen, ist verständlich. Erstens gefällt es ihm auf dem Bauernhof, wo er machen und tun kann, oder auf dem Spielplatz sehr gut und zweitens ist er, wenn es ans Heimgehen geht, natürlich immer schon müde. Dass es da Theater gibt, ist fast vorprogrammiert, und viele andere Mütter kennen dieses Problem auch.

Da hilft kein Diskutieren, sondern nur "Augen zu und durch". Kündigen Sie rechtzeitig an, dass Sie bald heimgehen müssen, erlauben Sie eventuell als Kompromiss dass er "noch einmal ... machen darf" und dann wird gegangen, egal, ob Ihr Sohn mag oder nicht und ob er schreit oder nicht. Notfalls tragen Sie ihn in die Richtung, in die Sie wollen, und fragen ihn zwischendurch, ob er lieber selber laufen will. Klappt es nicht, wird er eben wieder geschultert. Wenn Sie ganz konsequent vorgehen (ich weiß, das ist mega-mühsam!), klappt es mit der Zeit besser, weil Ihr Sohn erkennen wird, dass er sich den Protest sparen kann, weil Sie nicht darauf eingehen (können).

Allgemeine Tipps zum Umgang mit Ungehorsam finden Sie in diesem Forumsbeitrag: www.elternwissen.com/forum/beitraege/erziehung-und-entwicklung/hilfe-mein-sohn-4jahre-macht-was-er-will.html

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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