Liebe Joya,
ich kann mir gut vorstellen, dass Sie sich jetzt noch große Vorwürfe machen, dass Sie damals nicht erkennen konnten, dass Ihre Tochter eine Mittelohrentzündung hatte. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass Ihre Schuldgefühle und Ihre daraus entstendene Unsicherheit ("Tue ich meinem Kind vielleicht wieder unrecht?") ein Puzzleteil für das Problem Ihrer Tochter sind, die jetzt nicht mehr alleine bleiben kann.
Natürlich will sie sich nach diesem Erlebnis versichern, dass sie jemand hört und jemand in der Nähe ist, wenn sie Hilfe braucht. Aber Ihre eigene Unsicherheit könnte eben dieses Problem verschärfen, weil Ihre Kleine spürt, dass da was los ist und wenn Mamai unsicher ist, wird es schon einen Grund dafür geben - also bleibt man besser in Ihrer Nähe...
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch - ich will Ihnen damit nicht den "schwarzen Peter" zuschieben. Ich will Sie nur ermutigen, Ihre Selbstvorwürfe, die keinem mehr nützen, in der Schublade "Erfahrungen, die ich mir merke und nie wiederholen möchte" abzulegen und zu versuchen, wieder lockerer mit Ihrer Tochter umzugehen - auch wenn das leichter gesagt als getan ist!
So, nun aber ganz konkret: Geben Sie Ihrer Tochter so viel Nähe und Sicherheit wie sie braucht, dann kann sie das Problem am ehesten überwinden. Ihr Kinderarzt hat schon Recht, dass sich das mit allergrößter Wahrscheinlichkeit von alleine wieder verliert. Bei einem Kinderpsychologen bekommen Sie außerdem oft erst nach 6 Monaten einen Termin und bis dahin hat sich das Problem vermutlich ohnehin gelöst.
Um Trennungen wieder einzuüben, können Sie miteinander Versteck spielen: Sie verstecken sich gut, sodas Ihre Tochter tatsächlich ein wenig suchen muss, bis sie Sie wieder findet - umso größer wird das Hallo sein, wenn sie Sie aufgespürt hat. Gehen Sie das Problem Trennung ganz behutsam wie bei einenm Kleinkind an. Versuchen Sie (immer nur nach Ankündigung, nie unbemerkt wegschleichen!) ganz kurze Trennungen zu üben: Sie gehen z.B. alleine zur Toilette, alleine in den Keller oder Ähnliches. Dann üben Sie mit ihr, dass sie bei geöffneter Zimemrtür in einem Nebenraum spielt und versuchen die Zeit allmählich zu steigern.
Fragen Sie Ihre Tochter, ob sie sich für abends zum Einschlafen wünscht, dass Sie dabeibleiben. Sie können sich z.B. vor die geöffnete Kinderzimmertüre setzen und etwas lesen (laut hörbar umblättern!). Kommen Sie einfach dem momentanen Sicherheitsbeddürfnis Ihrer Tochter so weit es geht entgegen - das ist überigens auch die beste "Therapie" gegen Ihre Selbstvorwürfe!
Hier noch eine Bach-Blütenmischung bei Trennungsproblemen, die Sie sich in der Apotheke anmischen lasen können (Dosierung 4 x 4 Tropfen täglich): Chicory, Mimulus, Red Chestnut, Walnut
Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz
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