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Elternwissen-Forum

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Thema mit vielen Antworten

Mein Sohn ist total schwierig


Autor Nachricht
Verfasst am: 21.10.2011 [10:12]
2fachmama2011
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 21.10.2011
Beiträge: 3
Hallo,

ich schreibe Euch mal eine Kurzform:

Also mein Sohn 4 ist total schwierig. Er hört nicht, er macht was er will, wenn wir ihn versuchen was zu erklären, oder wenn er Mist gebaut hat und wir ihm sagen das er es nicht sagen soll oder dies machen soll, lacht er uns nur aus oder steckt Zunge raus und macht weiter. Er versucht garnicht zu verstehen, was er darf und was nicht. Er nimmt uns als Elternteil überhaupt nicht mehr ernst.

Er hat noch eine kleine Schwester 1 Jahr und ihr tut er permanent nur weh, manchmal geht es schon in Minuten takt. Er schupst sie immer um, haut sie oder nimmt ihr IMMER Spielzeug weg. Er haut sie auch immer als Reflex beim vorbeigehen.

Er schreit viel rum und wird schnell Bockig. Wir sind eigentlich mit unserem Latein am Ende. Viele sagen dies und das, aber es bringt nichts, die Tipps haben wir umgesetzt, aber nicht geholfen.

Das Familienleben hat dadurch schon ein Knax bekommen.

Er ist wegen der kleinen total Eifersüchtig, was er aber nicht sein muss. Wir wollen genauso mit ihm Kuscheln, wie wir mit der kleinen machen, nur will er das nicht mehr.

Wir wissen echt nicht weiter. icon_frown.gif(((((((((((.

Ihm Interessiert alles nicht was wir sagen, ob wir im normalen Ton mit ihm reden, ob wir etwas lauter werden, es hilft nicht.

LG Natalia
Antworten Profil
Verfasst am: 21.10.2011 [21:03]
Osterhasenmama
Alter Hase
Dabei seit: 19.09.2011
Beiträge: 22
Gibt es bei euch Konsequenzen/Strafen? Es hört sich so an, als ob ihr immer nur redet und das sehr viel. Das hilft kleinen Kindern oft nicht so viel, weil sie das meiste noch nicht wirklich begreifen. Ein paar klare Worte und die müssen nicht laut sein. Ansonsten Konsequenzen androhen, die ihr auch einhalten könnt. Meine Mutter hat früher unsere Spielsachen verbrennen wollen und es flog dann der erste Holzklotz wirklich in den Ofen, was Wirkung bei uns Kindern gehabt hat. Wenn es allerdings Kunststoffspielsachen gewesen wären oder wir keinen Ofen gehabt hätten, hätte sie sich unglaubwürdig gemacht.

Dass er seine Schwester ständig haut, ist nicht in Ordnung! Ich würde es lieber nicht als "Reflex" bezeichnen, denn das wäre ein unbeabsichtigtes Handeln. Er tut es aber ganz bewusst, um seine Gefühle zu entladen. Habt ihr ihn mal gefragt, warum er das tut?

http://lb1f.lilypie.com/jBSUp2.png
Antworten Profil
Verfasst am: 24.10.2011 [13:18]
AriaNNe
Newbie
Dabei seit: 24.10.2011
Beiträge: 3
Hallo Natalia!

Seit wann ist der Kleine denn so? Immer schon oder erst seit das Baby da ist?
Rivalität und Eifersucht unter Geschwistern ist - bis zu einem gewissen Maß - schon auch normal und natürlich, bei Eurem Sohn wohl aber etwas stark ausgeprägt. Denkbar ist, dass er seine Gefühle mit den 4 Jahren noch nicht entsprechend sortiert bekommt, auch wenn Ihr ihm 100mal versichert, dass Ihr ihn auch liebt habt. Er fühlt nun mal etwas anderes und schließlich hatte er Euch Eltern 3 Jahre lang für sich allein.
Trotzdem tut Intervention dringend Not.
Negatives Verhalten im Sinne von Hauen, Beleidigen usw. muss direkt und unmittelbar eine Konsequenz nach sich ziehen (zB in eine stille Ecke, an den Tisch ohne Spielsachen, kein TV etc.). Die Konsequenz muss jedesmal erfolgen und Ihr solltet als Eltern beide am selben Strang ziehen, keine Ausnahmen machen.
Parallel solltet Ihr den Kleinen loben, wenn er sich nett und freundlich, also prosozial verhält. Das ist ganz wichtig; denn wenn er merkt, dass das negative Verhalten am meisten Aufmerksamkeit einbringt, wird er das immer weiter einsetzen. Deshalb bei den Konsequenzen auch keine großen Diskussionen und emotionalen Ausbrüche walten lassen, sondern sachlich und reduziert bleiben.

Letzter Tipp: Holt Euch Hilfe. Es gibt in jeder Stadt Frühförderstellen, die auf Probleme mit Kindern von 0-6 Jahre spezialisiert sind. ZB bei den Jugendämtern, Sozialpädiatrischen Zentren von Krankenhäusern oder auch anderen Trägern wie Caritas, AWO etc.

Wünsche Euch viel Glück, starke Nerven und kühle Köpfe,
Arianne
Antworten Profil
Verfasst am: 09.11.2011 [09:12]
artna
Junior
Dabei seit: 03.03.2010
Beiträge: 9
Das arme Kind! Der kleine ist doch nicht einfach so "schwierig" geworden (die Mutter schreibt leider ohne Liebe von ihrem Sohn). Die Eltern sollten sich selbst fragen, wie es dazu kam und warum sie dem Kleinen nicht im richtigen Moment geholfen haben. Womöglich wo das zweite Kind unterwegs war, wurde das erste vernachlässigt. Das Kind ist hier nur das Opfer der Eltern, wie immer. Jetzt ist keine Strafe, sondern so viel Feingefühl und Liebe gefragt, um den Jungen aus dieser vor allem für ihn selber sehr belastenden Situation rauszuholen.
Antworten Profil
Verfasst am: 09.11.2011 [09:19]
BrittaZ
Fleißiger Helfer
Dabei seit: 07.06.2008
Beiträge: 12
Hallo Natalia,
Unser großer Sohn war auch total eifersüchtig auf seinen kleinen Bruder und musste erst mit der neuen Situation klarkommen
Was bei uns sehr geholfen hat war uns ganz bewusst mit ihm auch allein zeit zu beschäftigen - am besten auch mit Papa allein . Vielleicht gibt es ja etwas das er gerne macht vielleicht Fußball spielen da kann er auch einiges an Energie loswerden. Oder mit dir allein auf den Spielplatz ... Versucht am besten jeden Tag etwas zeit mit ihm ganz allein einzuplanen vielleicht auch wenn das kleine geschwisterchen schläft. Unsere lieben beide vorgelesen zu bekommen ... Vielleicht könnt ihr ja eine feste zeit am tag dafür einzuplanen. Das gibt ihm halt - kinder brauchen Rituale und manche auch einen festen rhythmus. Vielleicht hat sich der bei euch verschoben seit das geschwisterchen da ist und das hat ihn zusätzlich verunsichert?

Gesellschaftsspiele machen unseren Kindern total viel Spaß. Vielleicht macht er ja gerne Musik oder malt gerne so kann er auch lernen sich kreativ auszudrücken.

Unser kleiner ist fast fünf und auch ziemlich bockig will nicht so wirklich hören ... Also ähnlich wie bei euch. Er hat jetzt das malen für sich entdeckt und bekommt sehr viel Bestätigung darüber. Seitdem ist es etwas einfacher geworden.
Ich hoffe meine Ideen helfen euch weiter schaut auch auf euch selbst und versucht wieder kraft zu tanken manchmal hilft auch etwas Abstand zu gewinnen. Gebt eure Kinder ab und zu mal zu Großeltern oder Babysitter und macht mal wieder etwas als paar das ist genauso wichtig wie die Kindererziehung! Denn oft vergisst man vor lauter Kinder sich selbst! Nehmt euch auch wichtig das kommt euren Kindern zugute! Ich spreche da aus Erfahrung! Alles gute und viel kraft
Britta Z aus Dublin
Antworten Profil
Verfasst am: 09.11.2011 [10:27]
Anne-b
Fleißiger Helfer
Dabei seit: 22.11.2009
Beiträge: 17
Hallo Natalia,

z.T. keinen wir das Problem auch. Es sind schon viele gute Tipps gegeben worden.

Konsequenzen sind wichtig, nur sie müssen immer umsetzbar sein, von Vater und Mutter in jedem Fall umgesetzt worden. Mein Sohn zeigt mir das immer sehr direkt, eine Ausnahme ist wirklich immer Ausnahme, von daher haben wir gelernt, keine Ausnahme mehr zu machen. Mein Mann und ich überlegen uns immer gemeinsam, bei welchem Handeln es welche Konsequenzen gibt, damit sie auch wirklich umsetzbar sind. Die Kündigen wir dann an, und beim nächsten Mal führen wir sie aus. Unsere Kinder sind sehr kreativ, diese Konsequenzen zu untergraben, z.B. konnten wir sie früher auf den Aus-Stuhl setzen, mein Sohn blieb darauf eine Zeitlang alleine einfach nicht mehr sitzen. Daraufhin hat sich einer von uns dazu gesetzt und nichts anderes gemacht, als ihn ermahnt sitzenzubleiben, wenn er aufstehen wollte. Kein Gespräch, nichts. Nach ca. 5 - 10 Minuten ist dann der andere hin und hat gefragt, ob er weiss, warum er dort sitzt (heute weiss er es, damals wußte er es nie, bzw. konnte es nicht formulieren). Stuhl war also in der super chaotischen Zeit keine Mittel der Sanktion, wenn man alleine war.

Zuviele Regeln machen es schwer, diese zu behalten und umzusetzen, von beiden Seiten. Von daher gut überlegen, welches Verhalten als erstes geändert werden soll.

Mein Sohn wird bald fünf und wir fragen ihn, ob er möchte, dass man sich ihm gegenüber so verhält und malen anschließend "Vereinbarungsbilder", die dann über den Betten aufgehängt werden. Er geht z.B. in den Sprechstreik, wenn wir ihn sanktionieren wollen. Darauf hin hat mein Mann herumgeschrien und ihn unsanft in sein Zimmer getragen. Die Vereinbarungsbilder zeigten dann ein Kind, das spricht und nicht schweigen darf und einen Papa, der leise redet und dem Kind nicht weh tun darf. Beim nächsten Mal wird auf die Vereinbarung hingewiesen. Es funktioniert nicht beim ersten mal, aber jetzt, seit ungefähr einem Jahr machen wir das, und es wird immer besser. Wir arbeiten so nach und nach ein Thema nach dem anderen ab.

Geduld, Ausdauer und ein liebevoller Umgang sind dabei wichtig. Mir hilft dabei immer die Vorstellen, würde ein Kind nach dem ersten Mal laufen lernen und hinfallen aufgeben, würde es niemals laufen lernen. Es wird nie aufgeben und das bei ganz vielen Sachen, bis es es kann (wenn wir es lassen), genauso oft wird es versuchen seine Grenzen zu erfahren. Ich muss also wieder lernen genauso oft aufzustehen, wie ich es als Kind gemacht habe, also mind. 1000 mal Grenzen setzen, Konsequenzen aufzeigen und diese umsetzen, das wäre bei täglichem Üben 3 Jahre jeden Tag einmal.

Ich wünsch Dir viel Erfolg, Geduld, Ausdauer und vor allem auch, einen lieben Umgang mit Dir selbst
Liebe Grüße
Anne
Antworten Profil
Verfasst am: 10.11.2011 [09:21]
APB1
Junior
Dabei seit: 10.11.2011
Beiträge: 5
Hallo,
ich bin ebenso ein "Gegner" vom ausgiebigen Gebrauch von Regeln und Konsequenzen. All diese Erziehungsversuche enden darin, dass das Kind fühlt, dass es nicht in Ordnung ist, wie es ist - und daraufhin mit den Eltern "kooperiert", indem es mit seinen kindlichen Mitteln versucht klarzumachen, dass hier etwas ganz im Argen liegt - wie Jesper Juul es so gut beschreibt in seinen Büchern.
Ich kann die Literatur von Jesper Juul nur allen Eltern ans Herz legen. Gleichwürdigkeit in der Familie zu praktizieren und gleichzeitig eine Führungsrolle aktiv wahrzunehmen sind das A und O.

Weiterhin kann ich folgendes Buch sehr empfehlen:
"Von der Erziehung zur Einfühlung: Wie Eltern und Kinder gemeinsam wachsen können" von Naomi Aldort und Cordula Kolarik.

Es ist hier ganz klar nicht mit ein paar "Tipps" gedient, sondern mit einer generellen Änderung - was und wie aber geändert werden muss, müsst Ihr am besten mit einer professionellen Hilfe gemeinsam herausarbeiten. ABER ES LOHNT SICH!!! icon_smile.gif Kopf hoch, es ist niemals zu spät!

APB
Antworten Profil
Verfasst am: 10.11.2011 [12:19]
Anne-b
Fleißiger Helfer
Dabei seit: 22.11.2009
Beiträge: 17
Hi Ihr zwei,

könnt Ihr mir bitte erklären, was Ihr unter Regeln versteht?

Ich verstehe darunter, das ich meinem Kind sage und vorlebe, dass seine Freiheiten bis an meine Grenzen bzw. die von anderen gehen dürfen und können, aber nicht weiter, weil man ansonsten mit Konsequenzen rechnen muss.

dass es nur dann alleine auf die Straße gehen kann und darf, wenn es im Verkehr auch nach links und rechts schaut. (Konsequenz wenn die Regel nicht eingehalten wird: ggf. ein Autounfall oder meine herbei geführte, es darf nicht alleine gehen ggf. gar nicht, ich möchte nicht, dass es angefahren wird.)

dass ggf. ein Kind zurück haut (ist die Konsequenz), wenn es selber haut. Niemand möchte, dass einem Schmerz zugefügt wird.

wenn es über den Klobrillenrand pinkelt, es selber aufwischen muss (Konsequenz). Ich finde es ecklig und überflüssig soetwas zu machen.

Wenn es die Nachtwindel durchs Bad wirft, es die ggf. im Bad entstehenden Pipi und Kaka-Spuren beseitigen muss.

dass man sich die Hände wäscht, bevor man sich an den Tisch setzt und wenn es dies unbedingt nicht will, es nur seine eigenen Lebensmittel anfassen darf. Ich möchte seinetwegen nicht krank werden (Küchenhygiene).

dass es beim nächsten Einkauf nur einen eigenen Kindereinkaufswagen nehmen darf, wenn es den anderen Kunden nicht in die Hacken fährt, weil man diese damit verletzt.

Liebe Grüße
Anne

Antworten Profil
Verfasst am: 11.11.2011 [12:09]
APB1
Junior
Dabei seit: 10.11.2011
Beiträge: 5
Hi Anne,
ja, über Regeln und Konsequenzen kann man weit diskutieren. Deine Beispiele sind für mich gute Regeln, weil Du sagst, es sind DEINE Grenzen, die Du setzt und das Kind lernen muss zu akzeptieren. Unfällen und Gefahren muss man natürlich vorbeugen, anderen keine Schmerzen zufügen - na klar, ich glaube, das kann jeder unterschreiben.
Was ich aber meine, was vielleicht keine glückliche Lösung ist: das grössere Kind schlägt das kleinere Kind und das grössere Kind wird mit einer Konsequenz bestraft, z.B. in die Ecke zu müssen oder eine Auszeit nehmen oder ähnliches. Und das, was Natalia beschreibt, ist ja keine Sitution, die ab und zu vorkommt, sondern mit der sie jetzt ständig leben. Mit dieser Art von Konsequenz ist dem grösseren Kind mit seinem Frust nicht geholfen. Sein Frust wird womöglich noch grösser, weil es sich nicht verstanden und geliebt fühlt. Die Lösung des Problems ist in meinen Augen deshalb kein "Tipp", sondern sollte mit einer professionellen Hilfe (Beratung) besprochen werden, die sich viel besser in die Familie und Herausforderungen einbeziehen lassen kann.
Viele Grüsse
APB
Antworten Profil
Verfasst am: 11.11.2011 [13:26]
Anne-b
Fleißiger Helfer
Dabei seit: 22.11.2009
Beiträge: 17
Hallo APD,

danke für Deine Antwort, habe auch in meinem Umfeld inzwischen viel darüber diskutiert. Ich glaube es geht hier viel um Bewußtheit des Erwachsenen und ein schlüssiges Handeln.

Wenn ein größeres Kind ein kleines Schlägt, kann das größeres "einfach" ausgeschimpft werden, auf einen Stuhl gesetzt werden o.ä. Das wird in meinen Augen nicht zum Erfolg führen. Das große Kind wird nicht verstehen, weder kognitiv noch emotional, was das soll. Wir haben unseren zwar auch auf einen Stuhl im Flur gesetzt, aber ein Erwachsener hat sich dazu gesetzt und sich mit dem Kind über das "blöde Stuhlsitzen" auseinander gesetzt. Es geht dann nicht um negative Aufmerksamkeit und allein sein, nicht angenommen werden, sondern um ein wirkliches erlernen, sich mit etwas auseinander zu setzen. Das Elternteil mit dem Kind und das Kind mit der Situation.

Ich denke nicht, dass man hierfür immer professionelle Hilfe benötigt, wobei ich mich ohnehin frage, was das zum Teil ist. Meine Erfahrungen sind hier nicht wirklich gut, auch hier kamen nur die Standardfloskeln und keine Möglichkeit wirklicher Auseinandersetzung. Seit dem wir (die Eltern) begonnen haben, zu verstehen, dass Kinder uns nur uns selber zeigen, uns unsere Schwächen klar machen und wir die sind, die an uns arbeiten müssen, seit dem ist es viel besser geworden. Der Dialog über Regeln und natürliche Konsequenzen und Grenzn der Eltern untereinander und dann mit dem Kind, können wirklich viel verändern.

Es sich bewußt machen, macht das Kind selbstbewußt.

Liebe Grüße
Anne
Antworten Profil


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