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Pubertät nur körperlich?


Autor Nachricht
Verfasst am: 21.06.2010 [22:24]
moppel
Quelle der Weisheit
Themenersteller
Dabei seit: 26.03.2010
Beiträge: 50
Hallo Frau D. Schmelz,

wir haben hier ja schon intensiven Kontakt wegen Markus Toilettenprobleme.
Ich mache mir bei ihm im Moment über etwas Anderes so meine Gedanken und weiß nicht, wie ich mich richtig verhalten soll.

Markus wird im August 15, er ist geistig schon sehr reif, körperlich mitten in der Pubertät, aber sein Verhalten wird eher kindlich.
Kein pubertäres Gehabe, keine Stimmungsschwankungen, er ist fleißig und gut in der Schule, er hilft freiwillig im Haushalt, das alles mehr als noch vor ein paar Jahren.
Man kann sich über viele Dinge sehr gut auch mit ihm unterhalten, da sind wir immer wieder überrascht, mit welcher Umsicht und Weisheit er gewisse Dinge sieht.

Dann muss ich bei bekannten Problemen mit ihm auf Toilette gehen, dann möchte er, dass ich abends, wenn er ins Bett gegangen bin, dass ich ihn zudecke und noch mit ihm schmuse und kuschel (mein Mann muss auch ran).
Im Alter von 10 oder 11 hat er das auf einmal konsequent abgelehnt.
Eigentlich passt das doch nicht zu einem fast 15 Jährigen.


Wie verhalten wir uns am besten, gerade im Interesse von Markus Entwicklung?

Viele Grüße

Carmen
Antworten Profil
Verfasst am: 22.06.2010 [03:13]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Carmen,
Sie haben völlig Recht damit, dass Jugendliche in der Pubertät sich normalerweise zunehmend von den Eltern abnabeln und häufig auch rebellieren. Dabei gibt es oft Konfrontationen innerhalb der Familie und auch die schulischen Leistungen lassen oft nach, weil anderes wichtiger wird, insbesondere die Peergroup - also andere Jugendliche.

Ich kann hier nur spekulieren, warum Markus da ein wenig aus dem Rahmen fällt. Ich vermute, ein wichtiger Grund sind die bekannten Toilettenprobleme, die ihn bisher auch körperlich auf einer sehr kindlichen Stufe festgehalten haben. Markus hat deswegen auch kaum oder keine Freunde und ist somit darauf angewiesen, mit Ihnen als engste (und fast einzige!) Bezugspersonen gut auszukommen. Oft ist zu beobachten, dass gerade Kinder mit (gesundheitlichen oder psychischen) Problemen eine besonders enge Bindung zu den Eltern bzw. zur Mutter haben.

Ich denke, es würde Markus sehr gut tun, wenn er gleichaltrige Freunde oder zumindest einen besten Freund hätte - aber das lässt sich ja nicht erzwingen! Vielleicht verbessert sich die Situation, wenn er endgültig trocken und sauber geworden ist. Dann kann er ohne Angst vor peinlichen Pannen mehr unternehmen (vielleicht wäre Sport im Verein etwas für ihn oder eine Arbeitsgruppe an seiner Schule?) und neue Menschen kennenlernen.

Ansonsten sollten Sie einfach danach gehen, was Markus braucht und gut tut. Wenn er abends zugedeckt werden und kuscheln möchte, dann ist das in Ordnung, so lange dabei keinen Grenzen überschritten werden und sich niemand unwohl dabei fühlt.

Markus war bis vor kurzem doch auch in psychotherapeutischer Behandlung. Ich würde den behandelnden Therapeuten um seine Einschätzung bitten. Er kennt Markus sehr gut und kann Ihnen sicher genauer Auskunft geben und auch raten, wie Sie ihn jetzt am besten unterstützen können.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 23.06.2010 [22:42]
Paul42
Junior
Dabei seit: 25.03.2010
Beiträge: 7
Hallo,
wenn ich mit mittlerweile 20 auf die letzten Jahre zurückblicke, konnte ich bei mir die typischen pubertierenden Anzeichen ebenfalls nicht oder nur in geringem Maße feststellen. Mein aus-dem-Rahmen-fallen wird vermutlich meine damalige Hyperaktivität gewesen sein. Zudem hatte ich in einigen Schuljahren bei der Auswahl meiner Mitschüler nicht sonderlich viel Glück (eigentlich gar keins), weshalb ich mich auch nicht von meinen Eltern abgewandt habe. Aber das soll nur ein weiteres Beispiel sein, das der beschriebenen Situation ähnelt.

Insgesamt bin ich jedoch der Meinung, dass die frühe Trennung der Kinder von den Eltern durch Fremdbetreuung ebenfalls einen gewissen Beitrag dazu leistet. Also ich weiß ja nicht, ab wann und wie lange Markus im Kindergarten war. Ich lese hier im Forum immer mal ein bisschen mit, hab aber darüber nichts finden können.
Jedenfalls halte ich es für nicht gut, wenn das Kind lange von den Eltern getrennt ist, insbesondere in den ersten, prägenden Lebensjahren. Dann nämlich ist es die Folge, dass die Bindung zu den Eltern verloren geht und man sich an gleichaltigen oder älteren orientiert. Und dass das unschöne Folgen haben kann, ist sicherlich bekannt.
Ich war täglich gerade mal zwei Stunden im Kindergarten, und bereue das jedenfalls nicht.

Also um beim Thema zu bleiben: Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass das besondere Verhältnis zu seinen Eltern seine Pubertät im psychischen Sinn abgemildert hat. Meine Familie war froh, dass ich nicht rebellisch wurde, und meine schulischen Leistungen nicht abgesackt sind, und in Ihrem Fall ist es sicher auch erfreulich. icon_smile.gif
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