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Sohn macht Theater wenn Besuch kommt


Autor Nachricht
Verfasst am: 24.02.2010 [22:08]
Ursula73
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 22.02.2010
Beiträge: 12
Mein Sohn (33 Monate) steckt mitten in der Trotzphase. Ich habe mittlerweile gelernt, mit seinen Wutanfällen und seiner Sturheit ziemlich gut zurecht zu kommen, aber bei einer Sache bin ich mit meinem Latein am Ende und weiß wirklich nicht mehr weiter.
Jedesmal wenn Besuch kommt, macht er Theater, läuft wild durch die Wohnung, springt auf der Couch herum etc... Wenn "Spielbesuch" kommt ist es besonders schlimm. Dann will er nicht, dass das andere Kind mit seinen Spielsachen spielt, obwohl er selbst gar nicht spielt. Es kommt auch manchmal vor, dass er das andere Kind grob anfasst oder sogar haut. Wenn das passiert, bringe ich ihn meist in sein Zimmer und erlaube ihm erst wieder herauszukommen, wenn er sich beruhigt hat und verspricht brav zu sein. Notfalls halte ich auch die Tür zu. Meistens beruhigt er sich sehr schnell, kommt wieder heraus, verspricht brav zu sein. Das hält dann aber meist nicht lange an und er macht wieder irgendeinen Blödsinn. Mein Sohn ist für sein Alter sehr weit, er spricht sehr gut, merkt sich alles und ist motorisch auch sehr gut drauf. Ich habe beobachtet, dass er, wenn das andere Kind nicht versteht, was er gerade spielen möchte, sehr ärgerlich wird. Das letzte Mal hat er zum Beispiel zu einem Kind gesagt, dass er gerne Verstecken spielen möchte. Das Kind hat ihn nur groß angeschaut und nichts gesagt. Daraufhin hat er es am Arm gezogen und ist wütend geworden. In so einem Fall sage ich zu ihm "Nein, du darfst anderen Kindern nicht weh tun, sonst musst du in dein Zimmer gehen!" Er zeigt sich dann auch einsichtig, entschuldigt sich auch wenn ich es ihm sage, aber nach kurzer Zeit passiert halt schon wieder etwas. Am meisten stört es mich, dass er dann auch nicht spielt. Seine Spielsachen interessieren ihn dann einfach nicht und meist spielt nur das andere Kind während er versucht, alles wieder kaputt zu machen oder durch den Raum zu werfen.
Ich habe immer das Gefühl, dass er sich so sehr freut wenn jemand kommt, dass er sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hat. Ich habe deshalb schon probiert, ihm nicht zu sagen, dass Besuch kommt, damit er nicht schon vorher so aufgeregt ist, aber das hat auch nicht geholfen.
Eigenartigerweise ist er, wenn wir wohin auf Besuch gehen, immer ganz brav und lieb, spielt nett mit dem anderen Kind und denkt gar nicht daran zu hauen oder grob zu sein.
Ich habe mich auch schon gefragt, ob es vielleicht daran liegen könnte, dass wir relativ selten Besuch bekommen. Kontakt mit anderen Kindern hat er schon, da er einmal die Woche für drei Stunden allein (also ohne mich) in eine Spielgruppe geht, die von einer ausgebildeten Kindergärtnerin betreut wird. Dort sind 5 Kinder in seiner Gruppe. Die sind aber alle bis zu einem Jahr älter als er. Er ist also der Jüngste. Das merkt man aber nicht, weil er viel älter wirkt als er eigentlich ist.
Ich hoffe, dass ich ein paar gute Ratschläge bekomme, weil ich endlich wieder einmal Freundinnen mit ihren Kindern einladen möchte, ohne immer Angst haben zu müssen, dass sich mein Sohn wieder vollkommen daneben benimmt und den anderen Kindern weh tut. Vielen Dank schon im voraus.
Antworten Profil
Verfasst am: 24.02.2010 [22:58]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Ursula73,
Sie schreiben selbst, dass Ihr Sohn gar nicht so kontakterfahren ist, da er ein Einzelkind ist, selten Besuch zum Spielen kommt (aufgrund seines Verhaltens) und er ansonsten einmal wöchentlich für drei Stunden andere Kinder in der Spielgruppe trifft.

Ihr Sohn ist noch keine drei Jahre alt, da ist die Verteidigung des "Besitzes" (Kinderzimmer, Spielzeug) noch sehr wichtig. Teilweise dürften die Probleme bei Kinderbesuch auf ein Problem mit dem Teilen und Abgeben zurückzuführen sein (will, obwohl er nicht selbst damit spielt, sein Spielzeug nicht abgeben, macht Bauwerke des anderen Kindes kaputt). Dafür spricht auch, dass er recht problemlos mit anderen Kindern spielen kann, wenn er woanders zu Besuch ist und Zimmer und Spielzeug nicht "seines" sind. Bitte lesen Sie dazu diesen Beitrag: www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/teilen-lernen-anfangs-gar-nicht-so-leicht.html

Hier einige Ratschläge, wie Ihr Sohn teilen lernt (aber das braucht seine Zeit und geht nicht von heute auf morgen!):
• Gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Teilen Sie als Vorbild auch in Situationen, in denen es Ihnen selbst nicht leicht fällt. Beziehen Sie Ihr Kind in Ihre Aktivitäten ein. So lernt es, nicht nur an sich zu denken.

• Loben Sie Ihr Kind von Zeit zu Zeit, wenn es anderen Kindern freiwillig etwas abgibt. Insbesondere, wenn es um Essbares wie Süßigkeiten oder Kekse geht, können Sie Ihrem Kind als Anerkennung ein zusätzliches Stück geben. So lernt es, dass Teilen nicht immer zu einem Verlust führt.

• Zeigen Sie Ihrem Kind die Vorteile des Teilens auf. Können zwei Spielkameraden Spielzeug abgeben, haben sie die Möglichkeit zu tauschen. Das macht mehr Spaß als nur mit den eigenen Spielsachen zu spielen.

• Schimpfen Sie nicht mit Ihrem Kind, wenn es nicht teilen möchte. Haben sich die Gemüter nach einem Streit ums Spielzeug wieder beruhigt, sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was gerade passiert ist. Üben Sie immer wieder mit ihm, sich in andere hineinzuversetzen: „Schau mal, Leon ist ganz traurig, weil er den Laster nicht haben darf. Wie würdest du dich jetzt an seiner Stelle fühlen?“ Auf diese Weise kann Ihr Kind ab einem Alter von drei bis vier Jahren verstehen, warum sein Verhalten nicht akzeptabel ist.

• Manches gehört nur Ihrem Kind allein und muss mit niemandem geteilt werden. So darf beispielsweise niemand ohne Erlaubnis das Lieblings-Kuscheltier Ihres Kindes oder sein spezielles Lieblingsbuch nehmen. Auch Sie sollten in diesen Fällen vorher fragen. Im Gegenzug sollte Ihr Kind akzeptieren, dass auch Sie Gegenstände besitzen, die nicht für Ihr Kind bestimmt sind, etwa Ihre Handtasche.

• Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es sich richtig verhält. Wenn es etwas haben möchte, was einem anderen gehört, so soll es darum bitten. Wenn die Schaukel besetzt ist und es auch mal schaukeln möchte, soll es warten, bis es an der Reihe ist und das andere Kind die Schaukel freigibt.

Mit diesen 5 Kniffen geht das Teilen leichter:
1. Tauschhandel vorschlagen: Wenn Ihr Kind gerne mit Spielzeug spielen möchte, das einem anderen Kind gehört, soll es eines seiner Spielzeuge zum Tausch anbieten.

2. Spielzeug vorsortieren: Bevor fremde Kinder zu Besuch kommen, können Sie zusammen mit Ihrem Kind die Spielsachen vorsortieren. Ihr Kind darf bestimmen, welche Spielsachen es mit niemandem teilen möchte. Diese werden dann für die Dauer des Besuches weggeräumt. Dafür dürfen Besuchskinder mit allem anderen spielen. Lassen Sie Ihr Kind gewähren, wenn es fast alles in Sicherheit gebracht wissen will, und versuchen Sie nicht, ihm doch das eine oder andere seiner Spielzeuge wieder auszureden. Ihr Kind wird, sobald der Besuch da ist, vermutlich schnell selbst merken, dass es wenig Spaß macht, in einem leergeräumten Kinderzimmer zu spielen.

3. Verteilen lernen: Geben Sie Ihrem Kind ruhig manchmal etwas mehr Brotzeit in den Kindergarten mit oder backen Sie einen Kuchen, den es mitnehmen und verteilen darf. Es wird bald merken, wie schön es ist, wenn sich die anderen über etwas freuen, das Ihr Kind abgegeben hat.

4. Spielzeug, das allen gehört, verteilen lernen: Die Spielsachen im Kindergarten gehören allen Kindern. Deswegen ist hier die Regel sinnvoll, dass derjenige, der zuerst damit gespielt hat, momentan der „Besitzer“ ist. Die anderen Kinder, die auch damit spielen wollen, können darum bitten, einen Tauschhandel vorschlagen, fragen, ob sie mitspielen dürfen oder müssen so lange warten, bis das Spielzeug frei wird.

5. Der Eierwecker regelt die Spielzeit: Kann etwas nicht geteilt werden, muss man sich abwechseln, etwa beim Schaukeln. Dann ist es günstig, eine bestimmte Zeit zu vereinbaren, die jeder auf der Schaukel oder mit einem Spielzeug verbringen darf. Sehr praktisch ist hierzu ein Eierwecker, der einerseits die Zeit genau misst und damit für eine gerechte Aufteilung sorgt und andrerseits durch sein lautes Klingeln das Signal zum Wechsel laut und deutlich hörbar für alle Kinder gibt.

Wenn Ihr Sohn aggressiv reagiert, weil ein anderes Kind nicht versteht, was er zu ihm gesagt hat, können Sie nur vermittelnd eingreifen und gemeinsam mit Ihrem Sohn noch einmal erklären, was er von dem anderen Kind möchte. Ihrem Sohn ist nicht bewusst, dass das andere Kind gar nicht verstanden hat, was er von ihm will. Natürlich darf er mit aggressivem Verhalten nicht durchkommen (siehe hier: www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/so-reagieren-sie-richtig-wenn-ihr-kind-aggressiv-ist.html)

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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Chefredakteurin von "Gesundheit und Erziehung für mein Kind"
Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 27.02.2010 [17:25]
Ursula73
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 22.02.2010
Beiträge: 12
Liebe Frau Schmelz,

vielen Dank für ihre ausführliche Antwort. Sie haben mir sehr geholfen. Es kann schon sein, dass Markus deshalb Theater macht, weil er sein Spielzeug nicht teilen will. Ich verstehe es nur nicht, weil er sonst gerne teilt. Er lässt jeden von seinem Apfel abbeissen oder verteilt gerne Gummibärchen etc.. Vielleicht ist es beim Spielzeug aber was anderes.

Was mir aber viel größere Sorgen macht, ist sein aggressives Verhalten anderen Kindern gegenüber. Gestern z.B. waren wir im Schwimmbad. Er liebt es zu baden und wir verbringen immer sehr schöne Tage dort (sein Vater und seine kleine Schwester Lara (8 Monate) sind auch immer dabei. Er ist dort auch das liebste, bravste Kind - solange er mit uns allein ist!! Gestern sind wir dann mal zum Kinderbecken gegangen, damit er dort ein wenig mit seinen mitgebrachten Spielsachen spielen kann. Er hatte aber nichts besseres zu tun als ständig zu einem anderen Kind hinzugehen und es anzufassen (zuerst sanft, dann immer grober). Einen Jungen hat er sogar in den Rücken gezwickt. Ich habe dann schon so aufgepasst, dass ich gar nicht mehr von seiner Seite gewichen bin. Jedesmal wenn er etwas getan hat, habe ich "Nein" gesagt, mich zu ihm hinuntergebäugt und ihm gesagt, dass er anderen Kindern nicht weh tun darf, weil sie dann nicht mehr mit ihm spielen wollen. Nach einiger Zeit, habe ich ihn dann aus dem "Verkehr" gezogen und bin mit ihm wieder ins große Becken gegangen, wo es sehr schön war mit ihm.
Danach bin ich noch einmal am Kinderbecken vorbeigegangen und habe die anderen Kinder so lieb miteinander spielen gesehen. Das hat mich richtig fertig gemacht, weil ich Markus auch gerne so lieb spielen sehen möchte. Ich will nicht, dass er immer der Außenseiter ist und habe schon jetzt Angst, dass es im Kindergarten so weitergehen wird. Wenn ich mir nur erklären könnte, warum er sich so verhält. Es muss doch irgendeinen Grund haben. Mein Mann und ich sind sehr liebevolle Eltern, wir schlagen ihn nicht, reden und spielen viel mit ihm und wir verbringen sehr viel Zeit damit ihm vorzulesen und mit ihm Bücher anzusehen. Wir schmusen auch sehr viel mit ihm. Kann es sein, dass wir zu viel Zeit mit ihm verbringen oder vielleicht sogar zu lieb zu ihm sind? Kann es vielleicht auch sein, dass er mit seinem Verhalten den anderen Kindern eigentlich nur "sagen" will, dass er mit ihnen spielen möchte - es aber nicht anders ausdrücken kann?
Sein Verhalten seiner Schwester gegenüber ist eigentlich ganz okay. Er liebt sie sehr und spielt auch gerne mit ihr, aber natürlich muss ich immer aufpassen, dass er nicht zu grob wird.
Für eine weitere Antwort wäre ich ihnen sehr dankbar. Viele liebe Grüße Ursula73
Antworten Profil
Verfasst am: 27.02.2010 [20:02]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Ursula73,
es liegt mit Sicherheit nicht daran, dass Sie "zu lieb" zu Ihrem Sohn sind oder zuviel Zeit mit ihm verbringen, dass er andere Kinder grob behandelt. Wie Sie schon vermuten, könnte es tatsächlich daran liegen, dass er mit seinen knapp drei Jahren noch nicht so recht weiß, wie er mit anderen Kindern Kontakt aufnehmen kann (das ist hier im Artikel über aggressive Kinder auch beschrieben: www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/so-reagieren-sie-richtig-wenn-ihr-kind-aggressiv-ist.html). Zeigen Sie Ihrem Sohn, wie er auf andere Kinder zugehen und Hallo sagen kann oder wie er sie streicheln statt schubsen oder zwicken kann.

Sie schreiben, dass er anfangs noch sanft ist, dann aber grober wird. Möglicherweise ist das aus Frust, weil das andere Kind nicht versteht, was er von ihm will. Er geht hin und fasst es an, das andere Kind beginnt deswegen aber nicht mit ihm zu spielen (vielleicht versteht es nicht oder es will auch gar nicht). Deshalb verstärkt Ihr Sohn seine Kontakte. Es gibt Kinder, die sind zu anderen bloß lieb und sanft und lassen sich auch ohne Gegenwehr alles abnehmen. Andere sind da eben nicht so duldsam und werden, wenn der Kontakt nicht nach ihren Wünschen verläuft, schnell handgreiflich.

Ihr Sohn braucht offenbar noch sehr viel Übung, wie er mit anderen Kindern umgehen kann, die natürlich auch ihren eigenen Kopf haben und oft etwas anderes wollen als er. Sie als Eltern geben oft nach und die kleine Schwester ist möglicherweise noch nicht mobil genug, um ihm "in die Quere" zu können. Deshalb klappt es zuhause ganz gut. Aber Ihr Sohn wird es noch lernen, wie er mit Gleichaltrigen spielen kann.

Um mit ihm zu üben, bleiben Sie am besten direkt dabei (z.B. im Kinderbecken, am Spielplatz) und unterstützen ihn, wenn er mit einem anderen Kind spielen will. Fasst er es an, können Sie ihn fragen: "Möchtest du mit diesem Kind spielen?" Regen Sie ihn an, dem anderen Kind ein Spielzeug zum Tausch anzubieten oder beginnen Sie mit einem Spiel (z.B. Wasser schöpfen im Planschbecken, Tunnel graben im Sandkasten), dem sich Ihr Sohn und das andere Kind anschließen können.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

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