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Verfasst am: 20.06.2011 [13:46]
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Martin78
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 20.06.2011
Beiträge: 1
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Hallo zusammen,
ich hoffe ihr, könnt mir weiter helfen. Unser Sohn, 8, 2. Klasse, hat seit geraumer Zeit (eigentlich seit letzten Sommer) eine panische Angst vor dem allein sein.
Damit meine ich, man kann ihn keine 2 min alleine lassen, ohne dass er Panik bekommt und anfängt zu heulen.
Nur 2 Beispiele:
Meine Frau war arbeiten und ich hatte Urlaub. Ich sagte dann zu ihm, dass ich kurz den Müll runter bringe. Hat er widerwillig akzeptiert. Ich war allerhöchstens 1 min weg. In dieser einen Minute hatte er mich schon auf dem Handy angerufen und als ich wieder da war, war er total verheult.
Dann halte ich kurz beim Bäcker an, um Brötchen zu holen. Das Auto steht direkt in Sichtweite vorm Bäcker. Er sollte nur kurz im Auto warten, schon kriegt er Panik, fängt an zu heulen und will unbedingt mit.
Er bleibt nirgends auch nur ne Sekunde ohne mich oder meiner Frau. Das ist leider ein Zustand, womit wir überhaupt nicht klar kommen, weil er eigentlich nicht so war.
Er ist top in der Schule, hat viele Freunde, wird weder gehänselt noch gerärgert, im Gegenteil, jeder will ein Freund von ihm sein. Er ist beliebt in der Schule. Seine Leistungen sind klasse, ist mit Abstand Klassenbester. Er ist im Fussballverein und ist total verrückt nach Fussball. Auch sonst ist höflich, nett und zuvorkommend. Eigentlich alles perfekt und so wie wir es uns vorstellen. Naja, bis auf diese Angst alleine gelassen zu werden. So war er nicht. Es hat sich auch nichts großartig verändert. Wir sind zwar umgezogen, aber nur ein paar Straßen weiter, somit konnte er auf der alten Schule bleiben.
Er spielt auch mit anderen Kindern, aber nie alleine. Es gibt unterm Strich nur 3 Situationen, wo er sich nicht an uns festklammert und Angst bekommt. In der Schule, Fussballtraining und bei seiner Oma und Opa.
Alleine mit den Kindern auf den Spielplatz -> undenkbar. Müll kurz runter bringen -> absolut undenkbar.
Selbst wenn mal meine Frau nicht da ist, und ich nur kurz auf Toillette gehe, kommt er angerannt und fragt wo ich denn wäre.
Auch in seinem Bett will er nur ungern schlafen. Er will bei uns im Bett schlafen, leider gibt meine Frau öfters nach. Eine zeitlang war es so schlimm, dass er überhaupt nicht in seinem Bett schlafen wollte. Mittlerweile haben wir mit ihm vereinbart, dass er einmal die Woche bei uns schlafen darf (was ist auch nicht gut finde, aber meine Frau ist da anderer Meinung).
Nachts kann er ohne Licht nicht schlafen, bekommt voll die Panik. Wir machen ihm immer eine kleine Lampe an.
Außerdem wandelt er schlaf. Er steht nachts auf, und pinkelt anstatt in der Toilett in die Küche oder ins Wohnzimmer. Man kann auch mit ihm normal reden, am nächsten erinnert er sich an nichts.
All das war nicht so, erst seit ca einem Jahr. Leider wird es immer schlimmer. Er spielt noch nicht mal mit Kindern, wenn nicht einer von uns dabei ist.
Es ist eine ganz schwierige Situation für uns, und wir wissen nicht wie wir damit umgehen sollen.
Sein Fernsehkonsum ist limitiert, daran kann es nicht liegen. Wir achten sehr darauf, was er schaut und wie lang. Daher schließen wir aus, dass er irgendwas aus dem Fernsehen aufgeschnappt hat.
Stimmt was nicht mit ihm oder ist das nur eine Phase? Wir spielen mit dem Gedanken ihn zum Psychologen zu schicken. Er selber rückt nicht mit der Sprache raus, was sein Problem ist. Es kommt nur "Ich will nicht alleine sein". Wir hatten eine Vermutung, dass ihm jemand irgendwas ins Ohr gesetzt hat, aber auch diese Theorie konnten wir nicht belegen.
Ich danke für die Zeit und eure Antworten.
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Verfasst am: 21.06.2011 [21:31]
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Engelbiest
Profi
Dabei seit: 09.09.2008
Beiträge: 43
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Hallo Martin,
beim ersten Durchlesen hatte ich ein ganz beklemmendes Gefühl, nicht weil euer Sohn Angst hat, sondern weil er ansonsten so perfekt ist. Du schreibst dass alles traumhaft ist: beliebt in der Schule, gut im Sport, gute Umgangsformen, tolle Schulleistungen. Da denke ich: "Wow!" Da hat der kleine Mann ganz schön viel zu schaffen, vielleicht überfordert ihn dieses Leben? Ich kann mir vorstellen, dass er überall immer alles geben will wenn er ohne Sie unterwegs ist: Also in der Schule, beim Fußball und bei Oma und Opa (gutes Benehmen etc.). Vielleicht gibt er da mehr, als ein 8-jähriger geben kann und wenn er dann die Möglichkeit hat beschützt zu werden, dann braucht er dies auch voll und ganz. Ich meine er ist eine Medaille mit 2 Seiten, nur bei Ihnen zeigt er seine Ängste, ansonsten macht er Sie stolz.
Vielleicht wäre ein Besuch bei einer Psychologin oder einem Behandlungszentrum tatsächlich keine schlechte Idee. Häufig können einem die Erziehungsberatungsstellen zu diesen Themen auch schon weiterhelfen.
Auf jeden Fall muss ihr Sohn sein Lot wiederfinden, dass er unter dem Leistungsdruck von Schule und Fußball vielleicht verloren hat.
Sollte eine andere Störung dahinter stecken, können die Kinderpsychologen ihnen ja auch damit weiterhelfen.
Ich wünsche Euch alles Gute,
Liebe Grüße Jana.
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Verfasst am: 29.06.2011 [13:14]
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SunnyCalm
Alter Hase
Dabei seit: 27.05.2009
Beiträge: 24
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Hallo, Martin78,
unser kleiner Mann ist 7, klammert ebenfalls, reagiert auch mit Tränen, wenn er sich allein glaubt (plötzlich oder angekündigt), allerdings nicht ganz so panisch. Er erinnert mich zeitweise an Entenküken, die immer piepsend nach Mama rufen und zufrieden sind, wenn die gewünschte Antwort aus der Nähe kommt, aber Gefahr empfinden, wenn die Antwort ausbleibt.
Ähnlich wie bei Dir ist Unserer in Schule und Fußballverein auch gut drauf. Da bei uns das Thema nicht neu ist, zwischen "fast weg" bis "heftig" in längeren Zeitabständen zu wechseln scheint, halten wir es für eine Phase der Entwicklung und gehen einfach locker damit um.
Allein im Auto bleiben muß er nicht - fände ich für mich persönlich auch nicht prickelnd wegen Langeweile, schlechter Luft und für Vorbeikommende sitzt man wie auf dem Präsentierteller.
Das Auf-die-Toilette-nachlaufen kenne ich auch - na und? Wenn's stinkt geht er freiwillig, wenn ich Imtimsphäre brauche bitte ich ihn zu gehen, er weiß ja nun wo ich bin. WC's haben selten einen zweiten Ausgang.
Das Müll-weg-bringen haben wir geübt: Wir gucken gemeinsam auf die Uhr. "Wenn der große Zeiger da und dort steht (in 1, 2, 3 Minuten), bin ich wieder da." (Das dann aber auch exakt einhalten). Zuerst hat er völlig ängstlich die gesamte Zeit über die Uhr angestarrt, aber Gewißheit erlangt, das wir in jedem Fall wiederkommen. Anfangs haben wir auch die Wohnungstür offen gelassen, daß er den Geräuschen nachlauschen kann und sich nicht eingesperrt fühlt. Nach und nach wurde die Zeitspanne auf die Viertelstunde Keller-gehen und kurz was machen erfolgreich ausgedehnt und die Wohnungstür ist nun auch wieder zu.
Bezüglich des Nachts-nicht-allein-schlafen, haben wir uns bewußt für ein nomal langes Bett in seinem Kinderzimmer entschieden. Da wir das Kinderseelchen nicht quälen wollten (hier stehe ich auf der Seite Deiner Frau) und nachts keine Grabenkämpfe austragen wollen (weder gegeneinander noch gegen die Angst), darf er gern kommen, wenn ihm danach ist. Wer sich gestört fühlt, kann dann problemlos in das gerade frei gewordene Bett umziehen. So kriegt jeder seinen Nachtschlaf und alle sind glücklich.
Das waren meine Tipps. Wichtig ist, daß Ihr locker bleibt. Denn aus meiner Sicht besteht die Gefahr, daß er sich zurückgestoßen/abgelehnt fühlt, wenn Ihr ihn zu "Übungszwecken" auf Distanz schiebt und er wird darauf hin noch mehr klammern. Besser also Verständnis zeigen, erklären, was in seiner Abwesenheit vor sich gehen wird, und Lösungswege gegen die Angst aufzeigen, wie Teddy festhalten oder zählen derweil ("Mal gucken, wie weit Du kommst.") u.ä..
Ansonsten sagt man ja wohl, daß ängstliche Kinder besonders phantasievoll sind, was ein Zeichen von Intelligenz ist. Also ist die Sache nichts bekämpfenswert Negatives. Schaden kann es freilich nicht, wenn Ihr zur eigenen Absicherung - wie von Engelbiest vorgeschlagen - Profis hierzu befragt - und wenn es nur zu Eurer Beruhigung dient.
Alles Gute wünscht
Sunny Calm
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