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Wie geht man mit einem bockigen Vierjährigen um?


Autor Nachricht
Verfasst am: 19.01.2009 [12:58]
Helmut
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 19.01.2009
Beiträge: 1
Hallo,
unser Enkel ist im Dezember fünf Jahre alt geworden. Er ist ein sehr aufgewecktes, aktives Kerlchen. Er muss allerdings immer jemanden in unmittelbarer Nähe haben und kann keine Minute allein spielen. An seiner Mutter hängt er wie eine Klette. Außerdem sagt er seit Wochen grundsätzlich bei seinen Eltern zu allem „Nein“. Er geht z. B. fertig angezogen zur Tür, um in den Kindergarten zu gehen, dreht sich um und sagt, er hat keine Lust, er geht nicht. Er muss dann zwar in den Kindergarten, wo er übrigens sehr gerne hingeht, aber es kostet Nerven, bis es so weit ist. Er soll sich abends fertigmachen fürs Bett – er hat noch keine Lust. Er soll etwas wegräumen – macht er nicht. So ist das ein ständiger Kampf für seine Eltern. Sohn und Schwiegertochter wissen nicht mehr weiter. Ich würde mich freuen, wenn ihr uns einen Rat erteilen könntet.
Antworten Profil
Verfasst am: 19.01.2009 [17:31]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Lieber Helmut,
Ihr Enkel ist vermutlich gewöhnt, dass sich meist alles um ihn dreht (deswegen belegt er auch seine Mutter mit Beschlag). Inzwischen hat er herausgefunden, dass er mit seiner „Nein“-Masche noch mehr Aufmerksamkeit bekommen kann. Seine Eltern können mit folgendem Verhalten gegensteuern:
Ihr Enkel muss die Folgen seines Verhaltens selbst „ausbaden“ (= logische Konsequenzen):
Will er nicht in den Kindergarten gehen, kann er vormittags zu Hause bleiben, jedoch gehen Mama oder Papa wie gewohnt ihrer üblichen Hausarbeit nach und haben leider, leider keine Zeit für Ihn. Auch wenn er nervt und quengelt, darf er keine Aufmerksamkeit bekommen, denn „offiziell“ ist er zu dieser Zeit nicht zu Hause. Das dürfte für ihren Enkel so langweilig sein, dass er nach wenigen Vormittagen zu Hause liebend gerne wieder in den Kindergarten gehen wird.
Wenn er nicht aufräumt, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Entweder betreten Mama und Papa das „zugeschüttete“ Kinderzimmer nicht mehr (auch die Gute-Nacht-Geschichte muss dann z. B. ausfallen), oder es wird vereinbart, dass alles, was abends nicht aufgeräumt ist, in einen großen Karton wandert. So wird das Spielzeug immer weniger (sehr praktisch, dann kann er von Haus aus weniger Unordnung anrichten!), und es wird erst an einem bestimmten, vorher vereinbarten Tag wieder herausgegeben und gemeinsam aufgeräumt.
Will er sich nicht bettfertig machen, sollten die Eltern eine bestimmte, aber realistische Zeit vorgeben und auf einem Eierwecker einstellen. Wenn der klingelt, ist die Zeit um, und Ihr Enkel muss ohne Gute-Nacht-Geschichte und notfalls auch noch komplett angezogen ins Bett. Die Eltern sollten ihn zum Bett führen und nur noch kurz Gute Nacht sagen, sich dann kommentarlos und ohne Diskussion zurückziehen. Jammert er, dass er sich jetzt aber doch ausziehen will, sollten sie nur kurz und möglichst ruhig erwidern: „Für heute ist es zu spät. Du kannst es morgen wieder versuchen und rechtzeitig fertig sein, bis der Wecker klingelt.“ Das wird ihrem Enkel vermutlich nicht länger als ein paar Tage durchhalten, denn so entgeht ihm ja das abendliche Kuscheln und Vorlesen.
Bei gefährlichen oder unvermeidlichen Situationen sollten die Eltern kommentarlos durchgreifen: Läuft Ihr Enkel z. B. davon und hört nicht, muss er an der Hand gehen, notfalls wird er eine kurze Wegstrecke über die Schulter gelegt und getragen. Wichtig ist, sich nicht in endlose Diskussionen verwickeln zu lassen oder zu viel Zeit mit fruchtlosem Argumentieren zu verplempern.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit meinen Tipps!
Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 19.01.2009 um 17:31.]

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Chefredakteurin von "Gesundheit und Erziehung für mein Kind"
Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 23.01.2009 [10:12]
KarenE
Newbie
Dabei seit: 23.01.2009
Beiträge: 1
Hallo,
wenn meine vierjährige Tochter etwas "bockig" wird, versuche ich auf die Qualität der Aufmerksamkeit, die ich ihr gebe, mehr zu achten. Oft stelle ich fest, dass ich zB mich vielleicht nicht so gezielt und 100%ig ihr zugehört habe oder ich hatte nicht so viel Zeit für sie. Dann hilft bei uns immer, dass ich z.B. ein Buch vorlesen oder ihr Lieblingsspiel mitspielen. Eine tägliche 100%ige Zuwendung wirkt Wunder (auch wenn es nur 15-30 Minuten dauert)!

Auch passe ich auf meinen Ton auf (oder versuche!). Wenn ich genervt bin, schaukelt die Situation schnell hoch. Bleibe ich aber ruhig und gelassen (auch wenn wir wirklich keine Zeit haben) klappt alles viel besser, und trotzdem schneller als wenn ich versuche die eigene Vorstellungen durchzusetzen. Also lieber einen Schritt zurück, dann kommen zwei Schritte nach vorne. Z.B. beim "ich will nicht in den Kindergarten" hilft es vielleicht wenn ein Stofftier oder Spielzeug mit geht.

Vielleicht braucht er manchmal noch etwas Unterstutzung. Meine Tochter würde sich auch weigern, sich selbst fürs Bett fertigzumachen. Schlafanzug anzuziehen geht natürlich, will sie aber nicht alleine tun. Dann frage ich "willst du den selbst anziehen, oder sollte ich dir helfen?". Dann hat sie die Wahl, und es klappt (fast) immer.

viel Glück und gute Nerven!

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