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Funktioniert das Immunsystem bei Babys oder muss es sich erst aufbauen?
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Verfasst am: 19.12.2008 [12:02]
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Daddy
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 19.12.2008
Beiträge: 1
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Hallo, einerseits verbreiten speziell Impfbefürworter, dass Babys ein voll funktionsfähiges Immunsystem haben und deshalb schon früh geimpft werden sollen. Andrerseits hört man immer wieder, dass sich das Immunsystem bei Babys erst aufbauen muss und dass deshalb die vielen Infekte in den ersten Lebensjahren normal seien – ja, dass sie sogar helfen, das Immunsystem zu stärken. Ich bin inzwischen reichlich verwirrt. Was stimmt denn nun? Und ist frühzeitiges Impfen nun gut oder schlecht? Vielen Dank und beste Grüße |
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Verfasst am: 19.12.2008 [17:27]
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AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
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Lieber Daddy ich kann gut verstehen, dass die Informationen über das Immunsystem von Babys für Sie verwirrend sind, denn es stimmt – je nachdem, wie man es betrachtet – beides. Jedes gesunde Baby kommt mit einem funktionierenden Immunsystem zur Welt. Es hat alle erforderlichen Abwehrzellen und kann Immunglobuline (= Antikörper) bilden. Das Einzige, was dem Immunsystem des Babys fehlt, ist die „Erfahrung“. Im Mutterleib hat das Baby im Normalfall noch nicht mit Viren und Bakterien Bekanntschaft gemacht. Hat es dann nach der Geburt Kontakt damit, wird es beim Erstkontakt (sofern es sich nicht um Erreger handelt, gegen die anfangs Nestschutz besteht, weil es Antikörper von der Mutter übertragen bekommen hat) erst einmal krank. Das Immunsystem schickt zwar Fress- und Killerzellen los, aber die sind unspezifisch, also nicht auf den betreffenden Erreger zugeschnitten, und können die Eindringlinge nicht sofort beseitigen. Es kommt zu einer Entzündungsreaktion, oft auch zu Fieber, aber schließlich setzt sich der Körper erfolgreich gegen die Keime zur Wehr, und das Kind wird wieder gesund. Nach durchgemachter Erkrankung bildet das Immunsystem Gedächtniszellen. Das sind Lymphozyten, die genau diesen speziellen Erreger erkennen und Antikörper gegen ihn bilden können. Kommt das Kind noch einmal mit demselben Erreger in Kontakt, läuft sofort eine ganz spezifische Abwehrreaktion gegen diesen Erreger an, und es werden sofort die nötigen Antikörper gebildet. Diesmal wird das Kind nicht mehr krank, weil es den Erreger schon kennt und das Immunsystem sofort mit der Produktion der passenden Antikörper beginnen kann. Das bedeutet also, dass Kinder in den ersten Lebensjahren sehr oft krank werden, weil sie erst dadurch die nötigen Gedächtniszellen bilden können, um bei einem weiteren Kontakt vor diesem Erreger geschützt zu sein. Das Immunsystem eines Kindes ist also durchaus „fertig ausgebildet“ und weiß sich effektiv gegen Keime zu wehren, muss aber mit jedem Erreger erst einmal in Kontakt kommen (und meist auch daran erkranken), um im Anschluss daran die passenden Gedächtniszellen zu produzieren. Das Immunsystem muss quasi noch „üben“. Das „Üben“ kann man durch Impfungen beschleunigen, weil das Kind dann die entsprechenden Erreger in abgeschwächter Form oder auch nur Teile des Erregers gespritzt bekommt und ohne heftige Krankheitssymptome die erforderlichen Gedächtniszellen bilden kann. Damit ist es beim Erstkontakt mit dem„richtigen“ Krankheitserreger schon immun dagegen. Besonders sinnvoll ist unter anderem eine frühzeitige Impfung gegen Hämophilus influenzae (Hib), Pneumokokken und Meningokokken, denn dies sind alles Bakterien, die eine schützende Schleimkapsel tragen. Das Immunsystem von Babys und Kleinkindern hat Schwierigkeiten, den dadurch „gut getarnten“ Erreger zu erkennen sowie effektiv Gedächtniszellen und Antikörper dagegen zu bilden. Deswegen sind Kinder in den ersten Lebensjahren durch diese Keime besonders gefährdet. Im Impfstoff werden dem Baby diese Bakterienbestandteile in Kombination mit einem gut erkennbaren Antigen angeboten (also gekoppelt an etwas, das sein Immunsystem erkennen kann), sodass das Immunsystem nun in der Lage ist, Gedächtniszellen zu bilden, und das Kind bei einem „echten“ Erregerkontakt wirksam geschützt ist. Herzliche Grüße Ihre Andrea Schmelz [Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 11.02.2010 um 22:28.] Hat Frau Dr. Schmelz Ihnen schon einmal bei einem Problem weitergeholfen? Unterstützen Sie bitte Frau Dr. Schmelz und das Elternwissen-Team und werden Sie Fan von Elternwissen.com und empfehlen Sie unsere Seite Ihren Freunden weiter!
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