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Ethikunterricht in der Grundschule


Autor Nachricht
Verfasst am: 28.05.2010 [15:01]
Evchen
Junior
Themenersteller
Dabei seit: 11.03.2009
Beiträge: 5
Hallo,

hat hier noch jemand ein Kind mit Ethik-Unterricht in der Grundschule? Was wird bei euch im Unterricht behandelt?

Ich wundere mich immer wieder darüber, dass das ein verdeckter Religionsunterricht ist. Thema gestern: Die Schöpfung! Das bietet sich doch nun wirklich an für eine vergleichende Betrachtung zwischen verschiedenen Religionen und eventuell der wissenschaftlichen Sichtweise. Aber nein: Nur Gott und Adam und Eva usw. Das finde ich sehr ärgerlich!

Die sonstigen Themen dieses Jahr (3. Klasse): Weihnachtsgeschichte (zum x-ten Mal), Passionsgeschichte, Reformation und Lebenslauf Martin Luthers usw.

Wenn ich für mein Kind Religionsunterricht gewollt hätte, dann hätte ich ihn gewählt.
Wie seht ihr das?
Gruß
Antworten Profil
Verfasst am: 03.06.2010 [08:14]
Huebsche
Fleißiger Helfer
Dabei seit: 23.04.2008
Beiträge: 17
Hallo Evchen,

bei uns in Sachsen ist das auch so. Der Ethik Unterricht ist mit Religionsdingen nur so durchwachsen. Unter Ethik verstehe ich etwas anderes. Ganz am Anfang in der Klasse 1 haben sie mal ansatzweise etwas behandelt in der Art, wie gehe ich mit Mitschülern um, wie kann ich jemanden helfen, wie gehe ich mit Konflikten um... . Aber das war es auch schon. Ansonsten läuft es so ab, wie bei Euch. Wenn Sie schon so was einbringen sollten sie einige Religionen damit vergleichen. Gerade das Judentum, oder der Buddhismus sind doch interessante Religionen. Aber vielleicht kommt das ja noch später in den größeren Klassen. Wir dürfen uns an diesem Fach ja zum Glück bis zum Schulende erfreuen.
Meine Große geht jetzt auf's Gymnasium und da ist der Ethikunterricht wirklich nur Beschäftigungstherapie.
Dann werden den Kindern Fragen an den Kopf geworfen wie: Was war eher da , das Huhn oder das Ei? Und dann wird nichtmal mit Ihnen diskutiert oder ausgewertet.
Ich würde im Ethik Unterricht ethische Werte vermitteln. Wie das menschliche Zusammenleben, die gegenseitige Rücksichtsnahme, Hilfe anbieten in verschiedenen Situationen, wie gehe ich mit Hänseleien um und so was.
Dem Unterrichtsplan gebe ich die Note 6 - am Thema vorbei geschrieben.

LG aus Sachsen von
Katrin

Jeder Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag.
Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 15.03.2012 [10:10]
Doedyl
Newbie
Dabei seit: 13.03.2012
Beiträge: 1
Hat jemand mal daran gedacht, das Ethik zwar Religionsersatzunterricht ist, was aber zwangsläufig nicht bedeuten muß, daß der Unterricht RELIGIONSFREI ablaufen wird. Im Lehrplan des Ethikunterrichtes werden immer die Weltreligionen mit ihren spezifischen Eigenheiten besprochen werden. Ich habe schon des öfteren mitbekommen, daß der Unterricht dann oft sehr in die Tiefe geht (zu tief), wenn der betreffende Lehrer auch für den Religionsunterricht zuständig ist.

Bedeutet, daß Ethik nie ein Religionsfreier Unterricht ist und sein darf, aber auf jeden fall eine absolut neutrale Betrachtung der Religionen stattfinden muß.

Ansonsten müste man im Geschichtsuntericht die Betrachtung des Code Civil und des Grundgesetzes unterlassen, weil diese auf das mosaischen Gesetze aus der Bibel basieren (z.B. 10 Gebote).
Bibel = Religion = darfnichtsein?? >> geht auch nicht.
Antworten Profil
Verfasst am: 18.03.2012 [19:06]
umbre11a
Alter Hase
Dabei seit: 25.09.2010
Beiträge: 32
Liebe Doedyl,

wenn du andere Vorschläge hast, dann bring sie doch ein. Da das Christentum nun einmal die Religion ist, die unsere Kultur am stärksten beeinflusst und durchdrungen hat, gehört die Vermittlung der Grundwerte des Christentums zur Ethik unseres Kulturkreises dazu. Um etwas mit etwas vergleichen zu können, muss erst einmal eine Grundlage geschaffen werden. Dann erst kann man Vergleiche anstellen, wie andere Weltreligionen die Themen behandeln, um auf eine allgemeine Ethik zu kommen. In der dritten Klasse ist es noch ein bißchen viel verlangt, diese ganzen Schritte zu überspringen. Da wo der Unterricht jetzt die Grundlagen des christlichen Weltbildes vermittelt, kannst du ja ergänzend mit deinem Kind besprechen, dass das erstmal nur die Vorstellung der Christen ist, dass es aber auch andere Religionen gibt, die die Dinge eben anders sehen. Ich bin der Meinung, dass ein ausschließliches Zurückgreifen auf nichtreligiöse Themen für Drittklässler viel zu abstrakt wäre. Das wäre ja schon Philosophieunterricht. Ich denke, dass die Lehrer Anregungen, was man noch im Ethik-Unterricht behandeln könnte, vielfach sicher dankbar aufgreifen. Es ist nämlich ein schwieriger Unterricht, das darf man auch nicht vergessen: sollen die Lehrer wirklich ein ganzes Schuljahr mit den Kindern "respektvollen Umgang mit anderen" trainieren? Wofür sollen die Kinder denn dann eigentlich Noten bekommen? Für viele gilt der Unterrricht sowieso als Laberfach und wenn man dann nicht mal "Stoff" hat, den man vermitteln kann, wird es nicht gerade leichter. Ich hatte übrigens selbst mal Ethikunterricht. Der behandelte auch das Christentum, aber eben nicht ausschließlich. Später behandelten wir alle großen Weltreligionen und durften uns am Ende eine eigene Meinung bilden. Nur Geduld!
Liebe Grüße
umbre11a



Antworten Profil
Verfasst am: 19.03.2012 [19:07]
Diego
Newbie
Dabei seit: 19.03.2012
Beiträge: 1
Hallo. Das ist mein erster Beitrag.
@umbre11a: Vorschläge einbringen? Wem gegenüber? Mit welcher Aussicht auf Erfolg? Meine (mehrfachen) Versuche in Richtung Schule, Schulrat, Kultusministerien waren völlig erfolglos.

Es gibt da ein grundsätzliches Missverständnis, das uns unsere Abendländischen Religionen über Generationen eingetrichtert haben: dass Religion und Ethik miteinander verbunden sein müssen.
Tatsächlich wurden sie von "Christentum" erst seit dem Wanderprediger Jesus mit "Gott liebt euch, liebt also auch euren Nächsten" zusammengeknüpft. Es gibt sehr viele Beispiele weltweit, die eine hoch entwickelte Ethik darstellen - weitgehend ohne Glaube und Religionen. Siehe Buddhismus. Auch im Hinduismus sehe ich solche Elemente.

Es kommt hinzu, dass wir unter "Ethik" nur unklare, aber auf jeden Fall stark verschiedene Vorstellungen haben. Emotionale Intelligenz, soziale Intelligenz, Kommunikationsverhalten (Konfliktvermeidung, Konfliktlösung), soziales Engagement, Hilfsbereitschaft, Konfliktvermeidung, Konfliktlösung, Fairness im Umgang mit anderen, insbesondere Kindern und Jugendlichen (die "Ethik" noch lernen müssen). Zusammengefasst im Volksmund: "Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg´ auch keinem anderen zu"

Wer sich analytisch mit dem Grundverhalten von Menschen befasst, kann vergleichsweise klar erkennen, dass Glaube und Religionen vor zehntausenden von Jahren einen anderen Entstehungsgrund hatten als das, was wir heute als Ethik" bezeichnen. Beide haben sich danach entwickelt und wie gesagt: das Christentum hat das später am heftigsten adoptiert. Und propagiert das heute als ihren "Besitz".

Also: Ethikunterricht darf keinerlei Bezug zu Glaube und Religionen haben. (Weil Religionen separieren und religionsneutrale Ethik integriert). Es ist allein auf menschlichem Verhalten aufzubauen. (Andernfalls wäre Ethik von den diversen Glaubens- und Religionsrichtungen abhängig).
Jeder Bürger sollte aufgefordert sein, hunderte von mails an seine Abgeordneten zu schicken mit dem Inhalt, dass "Ethik" mit sozial- relevanten Inhalten zu füllen ist und dass es PFLICHTFACH an Schulen wird. Religionsunterricht darf nur noch freiwilliges Wahlfach sein.
Diego



Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen,
die zu seiner Entstehung beigetragen haben.
(Albert Einstein).

www.gesellschaftsevolution.de
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