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Vorbeugendes Verhalten bei Allergien und Allergieverdacht
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Allergien: Wie die moderne Welt vor allem Kinder belastet

Vorbeugendes Verhalten bei Allergien

Technik macht die moderne Welt bequem und sie erleichtert viele Dinge des täglichen Lebens. Sie hat aber auch Schattenseiten. Dazu gehören Belastungen durch Umweltgifte und unnatürliche Lebensbedingungen, die Allergien und Zivilisationskrankheiten verursachen. Wie können Sie als Eltern diese Gefährdungen für Ihre Kinder so gering wie möglich halten? 

Expertenrat von 

Was ist eigentlich eine Allergie?

Allergien sind in unserer modernen Welt häufig geworden, die Gründe sind so vielfältig wie die Allergien selbst. Den größten Anteil haben nach wie vor sogenannte Typ 1 Allergien wie Asthma, Heuschnupfen und die Hausstauballergie. Bei diesen Formen bildet der Organismus beim Kontakt mit dem auslösenden Allergen vermehrt spezifische Antikörper, die eigentlich der Abwehr von Parasiten dienen. Die allergische Reaktion tritt dabei unabhängig davon ein, wo der Kontakt mit dem Allergen stattfand und sie kann bei verschiedenen Personen völlig unterschiedlich ausfallen.

Bei den Typ 4 Allergien, deren Bedeutung durch die Bedingungen der modernen Lebensweise wächst, ist das anders. Zu dieser Gruppe zählen zum Beispiel die Zink- und Nickel-Allergie sowie Überempfindlichkeiten gegen Haushaltschemikalien und bei ihnen beschränkt sich die Wirkung auf die Körperstelle, die mit dem Allergen in Berührung kam. Interessant ist dabei auch, dass die allergischen Hautveränderungen nicht sofort eintreten, wie etwa bei einer Verätzung, sondern typischerweise erst innerhalb einer Frist von einem bis drei Tagen.

Einen wesentlichen Anteil der allergischen Erkrankungen machen Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln aus. Die häufigsten Auslöser von Nahrungsmittelallergien sind Eier, Kuhmilch, Soja, Nüsse und Fisch. Nahrungsmittelunverträglichkeiten zählen ebenfalls zum Allergietyp 1, jedenfalls wenn es sich um echte Allergien handelt. Prominente Beispiele für sogenannte Pseudoallergien, die nicht mit einer Bildung von Antikörpern einher gehen, sind die Laktoseintoleranz und die Gluten-Unverträglichkeit. Für den praktischen Umgang mit den Erkrankungen ist das allerdings wenig relevant.

Die allergene Wirkung tritt bei Nahrungsmittelallergien oft erst in einer Kombination mit anderen, aus der Atemluft stammenden Substanzen auf. Ein gutes Beispiel sind Birkenpollen, die mit einer ganzen Reihe von Nahrungsmitteln Kreuzreaktionen hervorrufen können. Dazu gehören verschiedene Obstsorten, Nüsse, Gemüse und auch einige Gewürze. Bei Latex sind ebenfalls Allergien bekannt, die nur in Verbindung mit dem Genuss bestimmter Früchten, von Haselnüssen, Esskastanien oder Kartoffeln auftreten. Weitere Kombinationen sind Gräserpollen und Tomaten sowie Beifußpollen und Karotten oder Sellerie. Die allergene dieser Gemüse sind allerdings nicht hitzebeständig und werden daher durch Kochen unwirksam.

Das Allergierisiko richtig bewerten

Warum diese Einleitung? Sie soll einen Eindruck vermitteln, wie komplex das Thema Allergien schon ganz allgemein ist, ohne einen direkten Bezug auf Kinder. Daran sollten Sie denken, wenn Sie den Verdacht auf eine Allergie haben. Fehleinschätzungen sind bei Allergien häufig. Nur bei etwa 10 bis 20 Prozent der Erwachsenen, die angaben, unter einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, konnte diese in medizinischen Studien tatsächlich nachgewiesen werden.

Ist die Gefährdung durch Allergien also gar nicht so groß? Dieser Schluss wäre voreilig. Über den Einzelfall sagen solche statistischen Zahlen gar nichts aus. Die Bandbreite allergischer Reaktionen ist sehr groß und individuell unterschiedlich, sie reicht aber bis zum anaphylaktischen Schock, der tödlich sein kann.
Ein anderes Beispiel. Laktose ist nichts anderes als Milchzucker, ein Hauptbestandteil der Milch. Die Laktoseintoleranz betrifft in Nordeuropa lediglich 5-15 % der erwachsenen Bevölkerung, in Afrika dagegen über 85 % und in Asien sogar über 90 %. Hierzulande besteht daher eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sich hinter einer vermeintlichen Laktoseintoleranz ein anderes Problem versteckt. Das heißt aber nicht, dass kein Problem existiert.
Zudem kann eine Laktoseintoleranz auch als sekundäres Phänomen auftreten, etwa wenn die Darmschleimhaut durch andere Ursachen geschädigt ist. Gerade deshalb ist es wichtig, einen Allergieverdacht entweder auszuräumen oder zu bestätigen und gegebenenfalls die genauen Ursachen festzustellen. Für Kinder gilt das noch aus einem anderen Grund ganz besonders.

Bei Kindern sind Nahrungsmittelallergien etwa viermal so häufig wie bei Erwachsenen. Wie kann das sein? In frühen Kindheitsphasen festgestellte Nahrungsmittelallergien bilden sich häufig zurück. Beispielsweise ist eine Kuhmilchallergie, die im ersten Lebensjahr diagnostiziert wurden, bei über 90 Prozent der Kinder bei der Einschulung nicht mehr nachweisbar. Ähnliches gilt für andere echte Allergien, wie die gegen Hühnerei und Soja. Ausnahmen sind die Haselnuss-, Fisch- und vor allem die Erdnussallergie, die besonders hartnäckig erscheint.

Vorbeugendes Verhalten bei Allergien und Allergieverdacht

Gesundheitliche Schäden infolge allergischer Reaktionen schließen Sie durch ein konsequentes Vermeiden der entsprechenden Allergene aus. Auch darum ist es wichtig zu wissen, genau welche Stoffe die Allergie auslösen. Andernfalls drohen zum Beispiel bei Nahrungsmittelallergien überflüssige Einschränkungen, die ebenfalls schädlich sein können, wenn Sie zu einem Mangel bei Vitaminen oder Mineralstoffen führen.

Das durchgängige Vermeiden allergener Nahrungsbestandteile ist gerade bei modernen, stark verarbeiteten Lebensmitteln schwierig, da die Kennzeichnung oft nicht ausreicht oder keine allergenfreien Alternativen angeboten werden. Auch im Hinblick auf die Allergieprävention ist es daher vorteilhaft, wenn Sie die Mahlzeiten aus Grundnahrungsmitteln selbst zubereiteten.
In besonderem Maß gilt das bei der Zöliakie oder einheimischen Sprue, einer Unverträglichkeit gegenüber dem Weizeneiweiß Gluten, genauer gesagt, dem darin enthaltenen Gliadin. Glutenhaltige Weizenbestandteile finden Sie in vielen eigentlich glutenfreien Lebensmitteln. Sie werden bei der Verarbeitung aus funktionalen Gründen beigemischt. Beispielsweise verbessert ein Überzug aus Weizenmehl bei Pommes frites die Bräunung.

Allergenfrei waschen und putzen

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind häufige, aber natürlich nicht die einzigen Allergien. Der Umgang mit anderen Formen ist zum Teil schwerer, wie bei Umweltgiften, auf deren Vorkommen Sie keinen Einfluss haben, zum Teil aber auch einfacher, wie bei der bereits angesprochenen Überempfindlichkeit gegen Haushaltschemikalien. Ein allergenfreies Waschmittel können Sie sich beispielsweise leicht selbst herstellen und das bietet gerade Kindern eine interessante Beschäftigung sowie die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Umweltaspekten.

Im September beginnt die Zeit der Rosskastanien. Diese sammeln Sie bis Ende Oktober, oder an weniger belebten Stellen und sofern es nicht schneit, bis in den Dezember. Lassen Sie etwa 6-7 zerkleinerte Kastanien in einem Topf mit warmem Wasser wenige Stunden ziehen und Sie haben Ihre eigene Bio-Seifenlauge, die sich unter anderem für die Waschmaschine eignet. Als vollständig nachwachsendes Produkt, das keinen aufwändigen Transport benötigt, ist das Kastanienwaschmittel ein hervorragendes Beispiel für ökologisches Denken.

Allergien bei Kindern frühzeitig erkennen

Aufgrund der komplexen Zusammenhänge können sich gerade Nahrungsmittelallergien mit Spätreaktionen gut verstecken. Zudem sind die Symptome zahlreich und leicht mit anderen Problemen zu verwechseln. Dazu zählen unter anderem

  • Ausschläge und ähnliche Hautreaktionen
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Durchfälle oder Verstopfung
  • Gewichtsverlust und Wachstumsstörungen
  • Atembeschwerden
  • erkältungsähnliche Zustände
  • Husten
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Unruhe
  • Irritabilität

Es kann also zum Beispiel auch sein, dass Ihr - salopp gesagt - Zappelphilipp nicht an ADHS, sondern an einer Allergie leidet. Da die Symptome bei Überempfindlichkeitsstörungen mit bis zu drei Tagen Verzögerung eintreten können, hilft es, wenn Sie bei einem Allergieverdacht ein Ernährungs- und Symptomtagebuch führen, in dem sie alle aufgenommenen Nahrungsmittel, die aufgetretenen Symptome und gegebenenfalls andere relevante Ereignisse aufzeichnen.

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Kommentare zu "Allergien: Wie die moderne Welt vor allem Kinder belastet"

  • Simone schreibt am 05.01.2015

    Mein Sohn (3) hat eine Allergie auf Soja(lecithine). Dummerweise ist sämtliche Kinderschokolade und auch alles mit dem geringsten Sckokoanteil immer mit Soja. Ich bin bei jedem Einkauf nur noch am Lesen, damit ich ihn nicht mit den Allergenen in Verbindung bringe. Dieser Zeitaufwand ist echt der Hammer. Es wäre super , wenn mann genauso Artikel ( wie Minus L ) auch mit dem Vermerk "ohne Soja" herstellen könnte.
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