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Mutter misst Fieber bei ihrem kranken Kind
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Die 3 schädlichsten Kinder-Medikamente

Ohne Rezept, aber nicht ohne Folgen

Mit dem kranken Kind erst mal zwei Stunden im vollen Wartezimmer beim Kinderarzt sitzen? Als Mutter kann ich sagen: Das nervt! Vielen Eltern geht es genau. Sie helfen sich selbst und geben ihrem Kind ein rezeptfreies Medikament aus der Apotheke. Was viele nicht wissen: Einige dieser Arzneimittel können dramatische Nebenwirkungen haben – obwohl sie ohne Rezept erhältlich sind. Lesen Sie hier, welche Medikamente Sie besser meiden sollten. 

Expertenrat von 
Silke Lemhöfer, Heilpraktikerin und Dozentin

Kinder sind häufig krank. Als Mutter oder Vater werden Sie dadurch zwangsläufig zu einem regelrechten Gesundheitsexperten. Bei leichten Beschwerden können Sie ruhig auch mal auf einen Arztbesuch verzichten. Für die Selbstbehandlung zu Hause am besten geeignet sind Naturheilmittel und die guten alten Hausmittel. Doch auch rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke erfreuen sich bei vielen Eltern zunehmender Beliebtheit.

Rezeptfrei heißt nicht immer ungefährlich

Dass Arzneimittel nicht nur helfen, sondern auch unerwünschte und zum Teil schädliche Nebenwirkungen haben können, wissen die meisten Eltern. Dennoch verbinden viele die Tatsache, dass sie ein Medikament „einfach so“ ohne Rezept in der Apotheke kaufen können, mit der Vorstellung von „harmlos“. Ansprechend aufgemachte Medikamentenregale in der Apotheke verstärken diesen Eindruck und laden fast schon zur Selbstbedienung ein. Doch dieser Schein trügt. Auch frei verkäufliche Medikamente können schwere Nebenwirkungen haben.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Bei schädlichen Arzneimittelwirkungen sind Kinder ganz besonders gefährdet. Ihr Gehirn und ihre Organe wachsen erst heran und müssen sich noch aufeinander einspielen. Daher reagieren Kinder wesentlich empfindlicher auf Medikamente als Erwachsene. Kleinkinder benötigen andere Dosierungen eines Mittels sowie oft auch ganz andere Wirkstoffe und Arzneiformen als Jugendliche oder Erwachsene.

Vorsicht: Gefährliche Wirkstoffe führen zu Atemstörungen!

Sie heißen WickMediNait, Sedaplus oder Emesan: rezeptfreie Medikamente, die Kindern bei Erkältungen, Schlafstörungen und Übelkeit helfen sollen. Doch die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin schlägt Alarm: Die in diesen Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe Doxylamin, Diphenhydramin und Dimenhydrinat können bei Kleinkindern zu Atemstörungen und im Extremfall zum Tod führen.

Die Substanzen wurden ursprünglich gegen Allergien entwickelt. Wegen vieler Nebenwirkungen wurden sie hier jedoch längst durch Antihistaminika der neueren Generation ersetzt. Trotzdem werden die Altsubstanzen weiterhin in Kinder-Medikamenten verwendet. Wegen ihrer beruhigenden, einschläfernden Wirkung, aber auch ihrer Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen sind sie bei vielen Eltern beliebt.

Doch Vorsicht! Die Substanzen wirken direkt auf das zentrale Nervensystem. Das kann bei einer Überdosierung vor allem bei Babys und Kleinkindern zu schweren Nebenwirkungen führen. Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Kreislauf- und Atemstörungen bis hin zum Atemstillstand
  • Krämpfe
  • Bewusstseinstrübungen, Halluzinationen
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung/Probleme beim Wasserlassen (siehe Tabelle unten)

Mein Tipp: Lieber einmal zu oft zum Arzt als zu selten!

Wenn Ihr Kind ernsthaft krank ist oder die Beschwerden trotz Selbstbehandlung länger als zwei bis drei Tage andauernd, gehen Sie bitte mit Ihrem Kind zum Kinderarzt oder Heilpraktiker! Das gilt vor allem in diesen Fällen:

  • Ihr Kind ist jünger als sechs Monate.
  • Ihr Kind wirkt apathisch.
  • wiederholtes Erbrechen oder heftiger Durchfall (bei Kleinkindern mehr als sechs wässrige Stühle in 24 Stunden)
  • Fieber ab 39,5 Grad
  • heftige, zunehmende oder länger als zwei Tage andauernde Schmerzen
  • Krämpfe, Bewusstlosigkeit
  • bellender Husten, Atemnot
  • Blut im Stuhl
  • schwere Verletzungen, nicht stillbare Blutungen

Erwachsenen-Medikamente sind für Kinder tabu!

Schnell noch in die Apotheke – und schon ist man wieder fit: Rezeptfreie Arzneimittel sind bei Erwachsenen sehr beliebt. Die Versuchung, auch das eigene Kind mit diesen „harmlosen“ Medikamenten zu behandeln, ist groß. Doch einige bei Erwachsenen beliebte rezeptfreie Medikamente können bei Kindern großen Schaden anrichten. Bekannte Beispiele hierfür sind:

Aspirin

Der Klassiker der Erkältungs- und Schmerzmedikamente ist für Kinder unter zwölf Jahren tabu. Der Wirkstoff Azetylsalizylsäure (ASS) kann bei Kindern in seltenen Fällen das Reye-Syndrom mit schweren Leber- und Hirnschäden verursachen.

Kombinationspräparate

Erkältungsmittel wie Grippostad C, Thomapyrin, WickMediNait oder Daymed sind bei vielen Erwachsenen beliebt. Sie fühlen sich damit subjektiv schnell besser und schwören daher auf „ihr“ Medikament. Für Kinder sind diese Medikamente nicht zugelassen (und auch für Erwachsene wenig geeignet). Sie enthalten oft mehrere der oben genannten gefährlichen Wirkstoffe. In manchen Präparaten (z. B. Wick MediNait) werden diese zusätzlich mit anderen Stoffen kombiniert, die ebenfalls auf das zentrale Nervensystem wirken (z. B. Dextromethorpan oder Ephedrin). Die schädliche Wirkung wird durch diese Zusammenstellungen noch zusätzlich verstärkt.

Paracetamol

Der bei Erwachsenen beliebte Wirkstoff gegen Schmerzen und Fieber war lange Zeit auch eine der beliebtesten Kinder-Medikamente. Es galt als vollkommen harmlos und wurde daher mitunter sehr leichtfertig eingesetzt und dosiert. Inzwischen weiß man, dass das Medikament bei falscher Dosierung vor allem bei Kindern schwere Leberschäden verursachen kann. Auch von erheblichen Nebenwirkungen bei längerem Gebrauch wird berichtet. Neue Studien belegen zudem ein erhöhtes Asthma-Risiko bei Kindern. Es sollte daher bei Kindern nicht oder nur sehr sorgfältig dosiert verwendet werden. Auch von einer Einnahme in der Schwangerschaft ist dringend abzuraten

Mein Tipp: So gehen Sie mit Medikamenten für Ihr Kind richtig um

1. Weniger ist mehr.

Nicht jedes Wehwehchen muss gleich behandelt werden. Gehen Sie daher mit Medikamenten bei Ihrem Kind sparsam um.

2. Sorgfältig dosieren:

Befolgen Sie die Dosierhinweise vom Arzt oder auf dem Beipackzettel sorgfältig. Geben Sie Ihrem Kind möglichst Zäpfchen oder Saft anstatt Tabletten. Verwenden Sie zur Dosierung den beigelegten Messlöffel oder eine Spritze ohne Nadel aus der Apotheke (Teelöffel sind zu ungenau).

3. Keine Erwachsenenmedikamente für Kinder.

Geben Sie Ihrem Kind nie einfach ein Medikament von Ihnen selbst. Sehen Sie grundsätzlich zuerst im Beipackzettel nach, ob und ab welchem Alter es für Kinder zugelassen ist. Geben Sie Ihrem Kind nur die für sein Alter angegebene Dosis.

4. Trennkost.

Auch wenn der Saft Ihrem Kind nicht schmeckt: Mischen Sie die Arznei nicht einfach ins Essen oder Trinken. Beachten Sie auch bei der Einnahme die Angaben im Beipackzettel.

5. Sicher aufbewahren.

Bewahren Sie alle Arzneimittel unzugänglich für Kinder auf

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