Alle genannten Heilpflanzen sind ebenso häufig wie einfach zu finden und können kaum verwechselt werden. Die aufgeführten Rezepte sind für Kinder ab einem Jahr geeignet.
Heilpflanzen und Heilkräuter richtig sammeln und trocknen
Sammeln Sie Heilpflanzen nur dort, wo Sie sicher sein können, dass sie nicht mit Schadstoffen (Autoverkehr, landwirtschaftliche Spritz- und Düngemittel) verunreinigt sind. Sammeln Sie nur solche Heilpflanzen, die Sie sicher erkennen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt! Im Zweifelsfall Heilkräuter lieber in der Apotheke kaufen! Die beste Zeit, Heilpflanzen zu pflücken, ist morgens an trockenen und windfreien Tagen. Blätter und Blüten von Heilpflanzen sollten nur trocken (ohne Tau) gesammelt werden, da nasse und feuchte Pflanzenteile schon vor dem Trocknen zu schimmeln oder zu gären beginnen. Die Pflanzenteile dürfen vor dem Trocknen nicht gewaschen werden. Zum Trocknen des Sammelgutes ist ein schattiger, trockener und luftiger Ort ideal. Getrocknete Kräuter müssen vor Licht, Luft, Feuchtigkeit und Staub geschützt aufbewahrt werden – am besten in einem gut schließenden Braunglas oder in einer Dose
Gläser und Flaschen für Heilpflanzen und Heilkräuter gründlich reinigen
Heilpflanzenzubereitungen in Form von Sirup oder Saft füllen Sie am besten in saubere Gläser oder Flaschen. Dazu die Behältnisse zuerst mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen und anschließend mit klarem heißen Wasser ausspülen. Sie können Gläser und Flaschen zusätzlich im Ofen sterilisieren: Legen Sie sie ins kalte Backrohr und heizen Sie den Ofen auf 100 bis 120 °C auf. Ist die Temperatur erreicht, die Gläser/Flaschen zehn Minuten im Ofen lassen, dann herausnehmen. Verschlüsse oder Gummikappen von Flaschen lassen sich auskochen. Zum Befüllen stellen Sie die heißen Gläser/Flaschen auf ein feuchtes Tuch und füllen sie randvoll. Nun sofort verschließen und langsam abkühlen lassen.
Heilpflanze 1: Fichtentriebe
Wirkung: Fichtennadeln wirken schleimlösend und auswurffördernd. Der Fichtenwipfelsirup (Rezept siehe unten) hilft gegen Husten(reiz) bei Erkältungen und Bronchitis.
Beschreibung: Gesammelt werden die jungen, zarten, hellgrünen Triebe der Fichte (auch Rottanne genannt). Bei der Unterscheidung von der Weißtanne hilft der
Merksatz: „Die Fichte sticht, die Tanne nicht.“ Die Fichtennadeln sind spitzer und härter als die der Tanne. Außerdem helfen die Zapfen bei der Unterscheidung: Die der Fichte hängen im reifen Zustand nach unten, während Tannenzapfen weiterhin aufrecht stehen.
Wann sammeln? im Mai
Wo suchen? im Wald (häufigster Nadelbaum Mitteleuropas), auch in Gärten oder Parks anzutreffen
Achtung: Niemals die hellgrüne Spitze des Baumes oder die Hauptspitzen vorne am Ast abzupfen, sondern nur seitliche Triebspitzen und nicht zu viele von einem einzigen Baum, damit es nicht zu einem Krüppelwuchs der Fichte kommt!
Fichtenwipfelsirup
Sie brauchen:
1 großes Einmachglas
1 Stück Baumwollstoff oder Leintuch, das über die Öffnung des Glases passt hellgrüne Fichtentriebe (Menge je nach Größe des Glases) ca. 1 bis 2 Kilogramm (kg) Haushalts- oder braunen Rohrzucker (je nach Größe des Glases)
Zubereitung: Die Fichtentriebe schichtweise mit dem Zucker in das Einmachglas einlegen, bis es voll ist: Immer 1 Zentimeter (cm) hoch Zweigspitzen und 1 cm hoch Zucker einschichten, beginnend mit Fichtentrieben und als Abschluss eine Lage Zucker. Das Glas mit dem Stoff verschließen (mit Gummi oder Schnur) und sechs bis acht Wochen lang in die Sonne stellen. Es ist normal, dass die Triebe nach wenigen Tagen braun werden! Hat sich der Zucker durch den gezogenen Saft vollständig aufgelöst, den Sirup abseihen und in saubere Flaschen füllen. Kühl gelagert (im Keller, nicht im Kühlschrank), hält sich der Sirup etwa ein Jahr.
Anwendung: Kinder ab einem Jahr bekommen bei Erkältungen 2 bis 3 Teelöffel Fichtenwipfelsirup, Kinder ab drei Jahren 3 bis 4 Teelöffel (auf dem Löffel oder im Hustentee).
Heilpflanze 2: Spitzwegerich-Blätter
Wirkung: Spitzwegerich wirkt antibakteriell, hustenreizstillend und schleimlösend. Er wird deshalb bevorzugt bei Erkältungen und Bronchitis eingesetzt, z. B. als Spitzwegerich- Hustenhonig (Rezept siehe unten).
Beschreibung: Gesammelt werden die schmalen, lanzettenförmigen Blätter des Wegerichs, die fünf bis sieben deutlich sichtbare Blattnerven aufweisen. Die Blätter sind rosettenartig angeordnet. Der Wegerich wird bis 30 cm hoch, die unscheinbaren Blüten sind weißlich bis rosa und sitzen auf einer walzenförmigen Blütenähre. Da auch andere Wegericharten (etwa Breitwegerich oder Mittlerer Wegerich) wirksam sind, kann bei einer versehentlichen Verwechslung nichts passieren.
Wann sammeln? ab Mitte April bis Mitte Juni
Wo suchen? an Wegrändern, auf Wiesen und Schuttplätzen
Mein Tipp |
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Spitzwegerichblätter helfen bei Insektenstichen. Auch bei kleinen Wunden oder Blutergüssen wird ihnen eine lindernde Wirkung zugesprochen. Dazu sofort frische zerriebene Blätter auf die betroffene Stelle legen. |
Spitzwegerich-Hustenhonig
Sie brauchen: ein großes Marmeladenglas mit Schraubdeckel 500 Gramm flüssigen Akazienblütenhonig mehrere Hände voll saubere zarte Spitzwegerich-Blätter (etwa so viele, wie in ein Litermaß passen)
Zubereitung: Spitzwegerich-Blätter klein schneiden und schichtweise abwechselnd mit dem Honig in das Glas einfüllen: immer 1 cm hoch Blätter und darüber 1 cm hoch Honig. Das randvolle Glas verschließen und drei Wochen lang ans Fensterbrett in die Sonne stellen. Das Glas einmal täglich umdrehen (auf den Deckel stellen, dann wieder richtig herum), damit die nach oben schwimmenden Blätter immer gut vom Honig bedeckt sind. Den zähflüssigen Honig nach drei Wochen durch ein Sieb abseihen, in ein sauberes Glas füllen und kühl lagern. Im Keller hält sich der Spitzwegerich- Hustenhonig etwa ein Jahr.
Anwendung: Kinder ab einem Jahr bekommen bei Erkältungen 2 bis 3 Teelöffel Spitzwegerich-Hustenhonig, Kinder ab drei Jahren 3 bis 5 Teelöffel. Der Honig kann pur eingenommen oder zum Süßen des Hustentees verwendet werden, er schmeckt aber auch auf dem Butterbrot.
Heilpflanze 3: Kamillenblüten
Wirkung: Die Echte Kamille wird seit altersher hochgeschätzt wegen ihrer entzündungshemmenden, krampflösenden und wundheilungsfördernden Eigenschaften.
Beschreibung: Gesammelt werden die aromatisch riechenden Blütenköpfchen, die bei der Echten Kamille einen hohlen Blütenboden haben: Im Querschnitt ist der gelbe Blütenboden so stark nach oben gewölbt, dass er innen hohl ist. Außerdem sind bei der Echten Kamille die weißen Blütenblätter stärker zurückgeschlagen als etwa bei der Geruchlosen Kamille.
Wann sammeln? im Mai und Juni, sobald sich die weißen Blütenblätter etwas gesenkt haben
Wo suchen? an Wegrändern, auf Äckern, Feldrainen, Böschungen und Schuttplätzen
Kamillenkissen
Sie brauchen: 2 gleich große Stofftaschentücher und mehrere Hände voll getrocknete Kamillenblüten
Herstellung: Nähen Sie die Taschentücher an drei Seiten zusammen und füllen Sie das Kissen über die noch offene Seite randvoll mit Kamillenblüten. Dann auch diese Seite zunähen
Anwendung: Das Kamillenkissen ist schon für Babys geeignet; es hilft bei Bauchschmerzen und Blähungen. Erwärmen Sie es einige Minuten in einem Topf über kochendem Wasser (mit Dämpfeinsatz oder in einem durch den Deckel festgeklemmten Geschirrtuch – nicht ins Wasser legen!). Überprüfen Sie die Temperatur an der Innenseite Ihres Unterarmes (Achtung: Verbrühungsgefahr, wenn es zu heiß aufgelegt wird!), bevor Sie es Ihrem Kind auf den Bauch legen und zum Warmhalten ein Handtuch darüber wickeln. Das Kissen bleibt liegen, bis es ausgekühlt ist bzw. so lange es Ihrem Kind angenehm ist.
Achtung |
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Wenn Sie Ihrem Baby oder Kleinkind Kamillenteee zu trinken geben wollen, verwenden Sie bitte Kamillenblüten aus der Apotheke. Dann sind es garantiert Blüten der Echten Kamille, die zudem schadstoffkontrolliert sind |
Heilpflanze 4: Holunderblüten
Wirkung: Holunderblüten wirken schweißtreibend und abwehrsteigernd. Sie werden als Tee oder Holunderblüten-Sirup (Rezept siehe unten) bei beginnenden Erkältungen angewendet. Der Sirup kann im Winter vorbeugend genommen werden.
Beschreibung: Gesammelt werden die weißen bis weiß-gelblichen Blütendolden des 3 bis 7 Meter hohen sommergrünen Strauches.
Wann sammeln? ab Mitte Mai bis Juni, kurz nachdem die Blüten aufgeblüht sind
Wo suchen? an Wald- und Wegrändern, in Hecken und Gebüschen
Holunderblüten-Sirup
Sie brauchen:
1 großes Gefäß
2 Bio-Zitronen
20 Blütendolden
1 Liter kochendes Wasser
1 kg Zucker
50 Milliliter Zitronensaft
Zubereitung: Zitronen waschen, in Scheiben schneiden und in das Gefäß geben. Die vorsichtig gewaschenen und trocken getupften Holunderblüten vom Stiel abtrennen und dazulegen. Kochendes Wasser darübergießen sowie Zucker und Zitronensaft zugeben. Gut umrühren, mit einem Tuch abdecken und das Gefäß an einem kühlen Ort etwa drei Tage
stehen lassen. Durch ein sauberes Leintuch abseihen und in saubere Flaschen füllen. Der Sirup ist in der verschlossenen Flasche bei kühler Lagerung ein bis zwei Jahre haltbar.
Anwendung: Kinder ab einem Jahr können ein- bis dreimal täglich einen „Holunder-Drink“ nehmen: einen Esslöffel Sirup mit Mineralwasser (erfrischend im Sommer) oder heißem Wasser (wärmend im Winter) aufgießen.
Ueberschrift |
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Der Holunderblüten-Sirup kann auch zum Süßen von Tee oder Desserts verwendet werden. |





