Unter dem Oberbegriff Wickel werden folgende Anwendungsarten zusammengefasst:
Wickel: Der betroffene Körperteil wird vollständig umwickelt, etwa beim Wadenwickel (Seite 12).
Auflage/Kompresse: Dabei liegt – wie der Begriff Auflage schon sagt – das Innentuch nur auf einem bestimmten Körperteil auf, ohne ihn ganz zu umwickeln. Als Kompresse wird eine kleinere Auflage, etwa ein kalter Waschlappen auf der Stirn bei Fieber oder Kopfschmerzen, bezeichnet. Jeder Wickel besteht aus mindestens zwei, meist jedoch drei Schichten. Auf die Haut kommt das feuchte, häufig mit Zusätzen versehene Innentuch, das vom trockenen Außentuch umhüllt wird. Bei warmen und vor allem feuchten Wickeln ist ein zusätzliches Zwischentuch sinnvoll, das wärmt bzw. Feuchtigkeit aufsaugen kann und somit das Außentuch trocken hält. Es ist wichtig, dass das Außentuch trocken bleibt, denn dann kann es den Wickel längere Zeit warm halten (siehe Abbildung 1).
Das brauchen Sie für den Wickel
Als Innentuch eignen sich Tücher aus Baumwolle, Leinen, Wolle oder Seide. Empfehlenswert sind vor allem Baumwolltücher (z. B.Mullwindeln, Geschirrtücher oder zurechtgeschnittene Teile eines Betttuches), da sie sehr saugfähig sind und sich gut waschen lassen. Leinen (z. B. Leinen- Geschirrtuch) erwärmt sich langsamer als Baumwolle und wirkt deshalb stärker kühlend. Da eine zu starke Auskühlung bei Kindern nicht erwünscht ist, ist es günstiger, ein Leinen- Baumwoll-Gemisch zu verwenden oder gleich ein Baumwolltuch.
Wichtig, wenn Sie Ihr Kind wickeln : Das Innentuch sollte vor der ersten Verwendung gewaschen, aber grundsätzlich nicht weichgespült werden, denn Weichspüler verschlechtern die Saugfähigkeit des Tuches! Wolle und Seide lassen sich nur von Hand waschen und sind deshalb für „matschige“ Wickel mit Quark oder Kartoffeln wenig geeignet. Sehr praktisch für solche Wickel sind Mullstoff (auseinander gefaltete Mullkompressen oder Zemuko®) oder reißfeste Küchenrolle. Sie lassen sich nach der Verwendung einfach und schnell entsorgen.
Als Zwischentuch für wärmende Wickel eignet sich ein Baumwoll- oder Frotteetuch, wenn es Feuchtigkeit aufzusaugen gilt. Auch Bouretteseide ist sehr saugfähig und angeneh auf der Haut, jedoch nicht so gut waschbar. Heilwolle (einmal gewaschene Rohwolle) eignet sich ganz hervorragend, um einen Wickel (besonders Brust- oder Bauchwickel) warm zu halten. Nicht anwenden bei Schafwollallergie! Ist Ihr Kind hautempfindlich, kann die Heilwolle in Seide eingenäht werden. Ersatzweise können Sie auch Baumwollwatte verwenden. Das Außentuch kann aus Wolle, Seide oder Baumwollmolton sein. Letztere sind bei Wollallergie oder extrem empfindlichen Kindern eine Alternative zur Wolle. Ansonsten ist ein Wolltuch oder auch -schal zu empfehlen, da Wolle sehr gut warm hält. Die Wolle sollte keinen Kontakt zur Haut haben, dann kann auch nichts kratzen. Wählen Sie in diesem Fall das Außentuch etwas schmaler als das Zwischentuch. Für Halswickel ist insbesondere ein Seidentuch angenehm. Außerdem benötigen Sie etwas zur Befestigung des Wickels. Das können Klammern für Verbände (auch als „Schwiegermütter“ bekannt) oder Bändchen am Außentuch sein. Auch mit Pflaster-Klebeband oder elastischen Mullbinden lässt sich der Wickel fixieren. An den Beinen können Sie Ihrem Kind einfach einen Strumpf oder aber das Hosenbein des Schlafanzuges darüber ziehen. Für Brust- oder Bauchwickel eignet sich ein eng sitzendes Unterhemd, das verhindert, dass etwas verrutscht.
Wickeltücher in passender Größe
Wie groß die Tücher sein müssen, hängt natürlich vom behandelten Körperteil ab. Das Innentuch muss die gesamte Wickelfläche bedecken. Dazu können Sie ein zu großes Tuch eventuell falten, wenn Sie es nicht in der passenden Größe zurechtschneiden wollen. Das Zwischentuch muss etwas größer als das Innentuch sein. Das Außentuch muss das Innentuch überragen (siehe Abbildung 1), sonst könnte es am Rand zu kalt werden. Das Zwischentuch darf aber ruhig etwas herausschauen. Alle Tücher müssen glatt und faltenfrei auf der Haut liegen, damit eine gleichmäßige Wärme- bzw. Kältewirkung gewährleistet ist.
Welcher Wickel ist der richtige?
Kurz angelegte Wickel mit einer Dauer von 5 bis 15 Minuten wirken kühlend, da sie dem Körper Wärme entziehen. Sie werden in Form von Wadenwickeln zur Fiebersenkung eingesetzt, wirken aber auch abwehrsteigernd. Länger liegende Wickel mit einer Dauer von 30 Minuten bis mehreren Stunden, die nur leicht feucht angelegt werden, erzeugen hingegen Wärme. Sie lindern Schmerzen und Entzündungen, wirken beruhigend und entspannend. Bei Kleinkindern nur schwache Reize anwenden. Die Reizstärke ist abhängig von der Temperatur des Wickels. Eine Anwendung ist um so stärker, je mehr ihre Temperatur von der normalen Körpertemperatur (37 °C) abweicht. Deshalb sollte die Wassertemperatur bei feuchten Wickeln nur 2 bis 5 °C unter der Körpertemperatur liegen. Am besten mit dem Badethermometer überprüfen! Auch bei warmen Wickeln sollten Sie die Temperatur genau kontrollieren, denn der Wickel darf nie so heiß sein, dass er Ihrem Kind unangenehm ist!
Wichtig beim Wickeln: Legen Sie niemals einen kalten Wickel an, wenn Ihr Kind friert. Ein kalter Wickel gehört nicht auf kalte Haut! Aber auch nach einem Wickel sollte es Ihrem Kind nicht zu kalt sein.
Wie lange bleibt der Wickel liegen?
Kühlende Wickel werden abgenommen, bevor sich der Wickel erwärmt hat. Der Zeitpunkt ist gekommen, wenn Ihr Kind den Wickel nicht mehr als kalt empfindet. Bei Kleinkindern überprüfen Sie selbst die Temperatur. Warme Wickel bleiben mindestens 30 bis 45 Minuten liegen, so lange Ihr Kind die Anwendung als angenehm empfindet. Schläft es mit dem Wickel ein, kann er über Nacht liegen bleiben.








