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Schulkind liegt auf einer Wiese und liest ein Buch
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Lange und kurze Vokale erkennen

So wird Ihr Kind zum Sprachforscher

Viele Kinder haben so ihre Probleme mit der Rechtschreibung, das ist ganz normal. Schließlich handelt es sich dabei um ein komplexes System, das auch Erwachsene immer wieder vor Fragen stellt. Je aktiver sich Schülerinnen und Schüler darum bemühen, dieses System zu verstehen, desto schneller beherrschen sie es. Als Sprachforscher konsumieren sie den Lernstoff nicht passiv, sondern entdecken ihn aktiv. Wie das funktioniert, zeige ich Ihnen am Beispiel der langen und kurzen Vokale. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Der Begriff „Sprachforscher“ bedeutet, dass Ihr Kind nicht einfach rein schematisch Rechtschreibregeln lernt, sondern sich selbst aktiv damit auseinandersetzt. Es soll die gesuchten Wörter von sich aus finden und nicht vorgesetzt bekommen. Nur so entwickelt es ein Gefühl dafür, was überhaupt mit dem Begriff langer und kurzer Vokal gemeint ist. So einfach, wie wir Erwachsenen denken, ist die Unterscheidung nämlich gar nicht. Ich erlebe gerade bei den Vokalen immer wieder, dass Kinder gar nicht verstehen, was ich von ihnen will. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Die Kinder sprechen einen Dialekt und schärfen oder dehnen dabei Konsonanten. (Foto – Foddo)
  • Die Kinder kennen den Unterschied von langen und kurzen Vokalen nicht.
  • Die Kinder können den Unterschied nicht hören.

1. Am Anfang steht das Gespräch über das Thema Vokale

Bevor Ihr Kind sich überhaupt mit dem Erkennen von langen oder kurzen Vokalen auseinandersetzt, muss es erst mal wissen, um was es genau geht. Fragen Sie Ihr Kind, wie viele Vokale es kennt, Und lassen Sie es diese Vokale benennen.

Fragen Sie dann weiter, ob das wirklich alle Vokale sind. Im besten Fall entspannt sich nun eine Diskussion um den Buchstaben y, die Umlaute ä, ö, ü und die Doppelvokale aa, ee, oo oder um die Buchstabenverbindungen ei, au, um. Es geht hier nicht um eine vollständige Klärung der Frage, sondern um die aktive Auseinandersetzung mit den Lauten der deutschen Sprache. So wird Ihr Kind für die Rechtschreibung sensibilisiert.

2. Nun soll Ihr Kind aktiv kurze und lange Vokale unterscheiden

Aus einem vorgegebenen Wortfeld soll Ihr Kind in einem zweiten Schritt selbst entscheiden, ob die jeweiligen Vokale lang (gedehnt) oder kurz (eng) ausgesprochen werden. Bei dieser Übung ist es wichtig, dass Ihr Kind die Wörter laut ausspricht und von sich aus eine Möglichkeit findet, lange und kurze Vokale zu unterscheiden. Nehmen Sie sich Zeit, und greifen Sie nur ein, wenn Ihr Kind selbst keine Lösung findet.

Nur wenn Ihr Kind allein keine Möglichkeit findet, lange und kurze Vokale zu unterscheiden, können Sie ihm helfen – beispielsweise mit dem Tipp, dass auf kurze Vokale geschnippst und auf lange Vokale ein großer Schritt gemacht werden kann.

Mein Tipp!

Individuelle Übung langer oder kurzer Vokal Legen Sie Ihrem Kind einen kurzen Text aus seinem Lieblingsbuch vor. Daraus soll Ihr Kind mindestens zehn Wörter mit langen und zehn Wörter mit kurzen Vokalen herausschreiben, die es wieder in eine Tabelle einträgt.

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3. Jetzt kann Ihr Kind selber Regeln finden

Die gefundenen Wörter soll Ihr Kind nun untersuchen. Findet es möglicherweise von sich aus Regeln? Bei diesem Schritt brauchen Sie etwas Geduld. Lenken Sie Ihr Kind sanft in die richtige Richtung. Die folgenden Auffälligkeiten sollte es nach und nach finden. Je mehr Regeln Ihr Kind von sich aus findet, desto besser. Für jede Regel kann es dann Wörter finden, die ihr entsprechen.

4. Diese Regeln muss Ihr Kind dann überprüfen

Nehmen Sie sich nun die erste Regel vor, die Ihr Kind entdeckt hat. Anhand eines Textes, beispielsweise aus einem Kinderbuch oder einer Kinderzeitschrift, soll es die Regel überprüfen. Es ist ganz wichtig, dass Ihr Kind das von sich aus versucht. Nehmen Sie beispielsweise die Regel: Ein Vokal wird lang gesprochen, wenn auf ihn ein „h“ folgt. Jetzt sucht Ihr Kind alle Wörter in diesem Text, bei denen ein „h“ auf einen Vokal folgt. Werden diese Vokale fast alle lang gesprochen? Wenn ja, hat Ihr Kind als Sprachforscher eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Dafür sollten Sie es loben.

5. Sprachforscher dokumentieren ihre Ergebnisse

Ihr Kind sollte die Ergebnisse seiner Untersuchung unbedingt schriftlich festhalten. Dabei kann es beispielsweise alle seine Regeln untereinander schreiben und mit Kästchen für richtig oder falsch versehen. Außerdem ist es sinnvoll, im Text die Anzahl der Wörter zu zählen, auf die die jeweilige Regel zutrifft. So kann Ihr Kind auch erkennen, welche Häufungen es gibt.

Sprechen Sie unbedingt über Ausnahmen

Da die deutsche Rechtschreibung nicht systematisch aufgebaut wurde, sondern sich im Laufe vieler Jahrhunderte entwickelt hat, liegt ihr kein 100- prozentiges System zugrunde. Es gibt viele Ausnahmen bei der Rechtschreibung, das wird auch Ihr Kind schnell merken. Doch diese Erkenntnis sollte seiner Motivation keinen Abbruch tun. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es schon 70 % aller Wörter richtig schreibt, wenn es nur genau hinhört. Diese Wörter werden lautgetreu geschrieben. Das bedeutet, dass jeder gehörte Laut auch genau so geschrieben wird. Ein Beispiel dafür ist das Wort Löwe. Hier wird jeder Buchstabe exakt so geschrieben, wie er ausgesprochen wird.

Sprachforscher entdecken, dass die Rechtschreibung gar nicht so schwierig ist

Natürlich liegt die große Kraft des forschenden Lernens nicht nur in der Erkenntnis, wie ein Wort geschrieben werden muss. Noch viel wichtiger ist es, dass Ihr Kind motiviert wird und seinen Lernstoff mit Engagement betrachtet. Diese Lernhaltung überträgt es im besten Fall auch auf andere Fächer. Es konsumiert nicht nur, sondern hinterfragt und findet eigene Lösungswege. Genau diese Lernhaltung ist notwendig.

Mein Tipp!

Halten Sie die Ergebnisse zusammen mit Ihrem kleinen Forscher in einem Heft fest. Je mehr Sie seine Arbeit wertschätzen und je schöner sie präsentiert wird, desto motivierender ist es.

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