Zecken übertragen Erkrankungen wie die durch Viren ausgelöste FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und die bakteriell bedingte Borreliose. In Deutschland lauert uns vor allem der Holzbock (Ixodes ricinus) auf. Doch bekommt er inzwischen Verstärkung.
Neue Zeckenart vermehrt sich schneller
Der Klimawandel mit seinen eher milden Wintern ist schuld daran, dass in den letzten Jahren immer mehr Zeckenarten in Deutschland heimisch wurden. Dazu zählt beispielsweise die Auwaldzecke, die früher nur in Südeuropa vorkam. Diese Zeckenart vermehrt sich viel schneller als der Holzbock. Bringt dieser es nur auf eine Generation Nachkommen im Jahr, sind es bei der Auwaldzecke in warmen Sommern sogar zwei Generationen.
Zecken erobern Deutschlands Norden
Die Zecken breiten sich – ebenfalls aufgrund des Klimawandels – auch immer weiter nach Norden aus. Zecken brauchen Feuchtigkeit zum Überleben und fühlen sich deshalb in deutschen Laubwäldern besonders wohl. Das wärmere Klima und die Zunahme von Rotwild (einer bei Zecken beliebten „Beute“) haben ihre Verbreitung und Vermehrung begünstigt.
Kinder erkranken leichter an FSME
Und das gilt in zweierlei Hinsicht!
- Im Freien spielende Kinder, die sich gerne im Gebüsch verstecken oder auf dem Boden spielen, sind stärker gefährdet als Erwachsene, sich eine Zecke „einzufangen“.
- Allerdings sind sie durch FSME weniger gefährdet als Erwachsene: Erkrankt ein Kind an FSME, ist der Verlauf meist leichter, und es treten selten bleibende neurologische Schäden auf.
Die Wahrscheinlichkeit, an FSME zu erkranken, ist relativ gering: Grundsätzlich gilt, dass nur 1 bis 5 Prozent der Zecken in den Risikogebieten das FSME-Virus in sich tragen. Und selbst wenn man von einer FSME-haltigen Zecke gestochen wurde, treten nur bei 10 bis 30 Prozent der Infizierten tatsächlich Beschwerden auf. Die Symptome äußern sich in 90 Prozent der Fälle als so genannte „Sommergrippe“ mit grippalen Beschwerden und Fieber. Nur in 10 Prozent der Fälle kommt es nach einem fieberfreien Intervall von einer Woche zum erneuten Fieberanstieg im Rahmen einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten (in 60 Prozent) oder von Nervenbahnen und -wurzeln (in 30 Prozent). Bei Kindern tritt vorwiegend die weniger gefährliche Hirnhautentzündung (Meningitis) auf. In der Literatur wird nur bei 30 von 1.000 beschriebenen Erkrankungsfällen im Kindesalter über bleibende neurologische Defizite berichtet (epileptische Anfälle, Lähmungen, gestörte Bewegungskoordination, Lernbehinderung, Verhaltensauffälligkeiten). Bei Kindern unter sechs Jahren wurden in Deutschland bisher keine bleibenden Schäden beobachtet. Trotzdem ist eine FSME ein schweres Krankheitsbild; das betreffende Kind muss ins Krankenhaus und eventuell sogar auf der Intensivstation beatmet werden. Es kann Wochen bis Monatedauern, bis neurologische Störungen wie Lähmungen oder epileptische Anfälle sich wieder zurückgebildet haben.
Welcher Impfstoff ist der beste gegen FSME?
Da die Impfung gegen FSME nicht mehr Nebenwirkungen verursacht als andere empfohlene Impfungen (vor allem Lokal- und Fieberreaktionen), ist sie trotz der leichteren Verlaufsform der FSME auch für Kinder zu empfehlen, wenn sie in einem Risikogebiet wohnen. Dann wird die Impfung auch von den Krankenkassen bezahlt. Es gibt zwei Impfstoffe, die für Kinder ab zwölf Monaten zugelassen sind. Besteht ein sehr hohes Infektionsrisiko, können sogar Säuglinge ab sechs Monaten geimpft werden, wie dies zum Teil in Österreich praktiziert wird.
Die drei für die Grundimmunisierung erforderlichen Impfungen werden in der Regel am Tag 0, nach 1 bis 3 Monaten sowie nach 9 bis 12 Monaten verabreicht. Wenn es vor einer Reise ganz schnell gehen muss, gibt es noch ein Kurzzeitimpfschema mit Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21. Auffrischimpfungen wurden bisher alle drei Jahre empohlen, obwohl der Impfschutz meist sogar fünf bis acht Jahre anhält (Titerbestimmung zur Einsparung unnötiger Impfungen sinnvoll!). Für Personen zwischen 16 und 49 Jahren werden nach Impfung mit dem Erwachsenen-Impfstoff Auffrischungen nur noch alle fünf Jahre empfohlen. Für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre bleibt jedoch die Empfehlung, alle drei Jahre nachzuimpfen, bestehen.
Wichtig! |
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Auch wenn die FSME-Impfung oft fälschlich als „Zeckenimpfung“ bezeichnet wird, schützt sie nicht vor Zecken und auch nicht vor der ebenfalls durch Zecken übertragenen Borreliose. Sie sollten Ihr Kind (und sich selbst!) trotzdem vor Zecken schützen. |
Schutz vor Zecken ist weiterhin nötig!
Die Wahrscheinlichkeit, sich eine Zecke „einzufangen“, ist besonders hoch an Waldrändern, Waldlichtungen, Wegrändern und kleinen „Trampelpfaden“, im hohen Gras sowie in Büschen. Bleiben Sie daher auf etwas breiteren Waldwegen und unternehmen Sie keine Abstecher in das Unterholz oder hohes Gras. Auch Heuhaufen und Futterstellen sind übrigens beliebte Zecken-Aufenthaltsorte. Selbst geeignete Bekleidung schützt niemals hundertprozentig gegen Zecken! Günstig sind lange Hosen, Strümpfe und geschlossene Schuhe (nie barfuß in Sandalen in den Wald!). Die Hosenbeine sollten in die Strümpfe bzw. Stiefel gesteckt werden – zumindest wenn Ihr Kind doch ein wenig weiter ins Unterholz hineinläuft. Wählen Sie einfarbige, helle Kleidungsstücke, da Sie darauf wandernde Zecken, die nach einer günstigen Einstichstelle suchen, am besten sehen können. Decken Sie den Kinderwagen mit einem Mückennetz ab. Insektenabweisende Mittel (Repellentien) schützen unbedeckte Hautstellen gegen Zeckenbefall.Manche Produkte (z. B.mit dem Inhaltsstoff DEET) sind gerade für Kinder nicht ungefährlich. Schon für Babys und Kleinkinder geeignete Produkte finden Sie in der Tabelle unten. Wenn Sie Ihr Kind zusätzlich mit einem Sonnenschutzmittel eincremen, tragen Sie immer zuerst den Lichtschutz und dann das Anti-Zecken-Mittel auf!
Mein Tipp |
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Praktisch sind die seit kurzem erhältlichen Anti- Zeckentüchlein (siehe Tabelle),mit denen Sie unterwegs den Zeckenschutz einfach auffrischen können. Machen Sie bei einem Waldspaziergang alle zwei Stunden einen „Zecken-Check“. Suchen Sie den gesamten Körper nach dem Spaziergang gründlich ab. Zecken bevorzugen gut durchblutete, warme und feuchte Hautstellen: in den Leistenbeugen, in den Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken, im Genitalbereich sowie am Gesäß. Bei Kindern sitzen Zecken häufig am Haaransatz, sodass Sie auch Kopf und Nacken absuchen sollten. Ziehen Sie Ihr Kind nach einem Spaziergang im Wald bzw. Park oder nach einem Spielplatzbesuch um. |






