Fieber ist eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers, die das Immunsystem Ihres Kindes in seinem Kampf gegen Krankheitserreger unterstützt. Es ist daher weder nötig noch wünschenswert, jedes Fieber bei Kindern sofort zu senken! Wichtig ist hingegen, dass sich Ihr Kind bei Fieber ruhig hält. Wenn es nicht im Bett oder auf dem Sofa liegen mag, weil es dazu nicht „krank genug“ ist, darf es auch, warm genug angezogen, etwas „Ruhiges“ spielen (Bücher ansehen, Puzzle machen, malen).
Fieber bei Kindern ist nicht gleich gefährlich, nur weil es hoch ist
Von Fieber spricht man erst, wenn die Körpertemperatur über 38 °C liegt, und als hohes Fieber werden Temperaturen über 39,5 °C bezeichnet. Die Höhe des Fiebers sagt aber nur wenig darüber aus, wie gefährlich die Erkrankung ist, unter der Ihr Kind leidet. Beim Dreitagefieber, einer harmlosen Viruserkrankung, sind beispielsweise hohe Temperaturen über mehrere Tage typisch, ohne dass der Infekt gefährlich wäre. Aufmerksam werden sollten Sie aber immer dann, wenn bereits morgens hohes Fieber besteht oder die Temperatur sich trotz Wadenwickel und/oder Fieberzäpfchen nicht senken lässt. Auch die Gefahr eines Fieberkrampfes hängt weniger von der Höhe des Fiebers ab als davon, wie rasch die Körpertemperatur steigt.
Richtig Fieber bei Ihrem Kind messen
Verlässliche Messwerte erhalten Sie, wenn Sie immer mit der gleichen Methode an derselben Stelle messen. Die genauesten Ergebnisse erhalten Sie mit einem Digitalthermometer bei rektaler Messung, also im Po. Es gibt inzwischen sehr schnell messende Modelle mit flexibler Spitze (z. B. Thermoval rapid flex von Hartmann, in Apotheken für 7,95 ?), die Ihr Kind beim Fiebermessen kaum noch „ärgern“ und insbesondere für Babys ideal sind. Fetten Sie die Spitze des Thermometers etwas mit neutraler Creme oder Vaseline ein. Legen Sie Ihr Kind zum Messen auf die Seite und winkeln Sie seine Beine an. Babys können auch gut in „Wickelstellung“ gemessen werden: Beinchen mit einer Hand hochheben und das Thermometer mit der anderen vorsichtig in den After einführen. Vielen Kindern ist die Messung mit einem Infrarot-Stirn oder Ohrthermometer angenehmer. So erhalten Sie zwar schnelle Messergebnisse, die aber weniger genau sind als die rektale Messung. Ohrthermometer sind bei Babys eher ungünstig, weil bei den Kleinsten die Gehörgänge noch sehr eng sind. Und bei Ohrenentzündungen darf ohnehin nicht mit dem Ohrthermometer gemessen werden, weil dann die Temperatur falsch angezeigt wird. Noch ungenauer sind Schnullerthermometer, die sich zudem nicht wirklich hygienisch reinigen lassen.
Wann müssen Sie mit Ihrem Kind bei Fieber zum Arzt?
Genaue Grenzwerte, ab welcher Temperatur Ihr Kind vom Kinderarzt untersucht werden sollte, gibt es nicht. Sie sollten das davon abhängig machen, wie es Ihrem Kind geht und wie alt es ist. Da sich bei Babys Erkrankungen rasch verschlechtern können, ist bei ihnen besondere Vorsicht angebracht. Hier einige Anhaltspunkte, wann ein Arztbesuch zu empfehlen ist:
- wenn Ihr Kind jünger als zwölf Monate ist
- wenn es schlapp und apathisch wirkt oder Schmerzen hat
- bei länger als zwei Tage anhaltendem Fieber
- bei jeder raschen Verschlechterung des Zustandes
- wenn sich das Fieber trotz Wadenwickeln und/oder Fieberzäpfchen nicht senken lässt
- bei weiteren Krankheitszeichen wie Durchfall, Erbrechen, Hautausschlag, Gelenkbeschwerden, Atemnot (keuchender Atem), starken Kopfschmerzen, Benommenheit
- bei einem Fieberkrampf (rhythmische Zuckungen von Armen und Beinen oder auch des Gesichts, blaue Lippen, Kind ist nicht ansprechbar, Anfall dauert meist einige Minuten)
Fieber muss bei Ihrem Kind nicht in jedem Fall gesenkt werden
Wenn Ihr Kind zwar etwas müde ist, ansonsten aber einen fitten Gesamteindruck macht und nicht quengelig ist, können Sie erst einmal gelassen abwarten. Fühlt es sich aber sichtlich schlecht und/oder hat es tagsüber bereits Temperaturen von 40 °C oder mehr, sollten Sie das Fieber senken. Abends ist es sinnvoll, bereits ab 39 °C die Temperatur zu senken, da sich nicht vorhersehen lässt, wie hoch das Fieber in den nächsten Stunden noch steigen wird. Neigt Ihr Kind zu Fieberkrämpfen, sollten Sie die Temperatur bereits ab 38,5 °C senken. Wichtig: Bei Fieber sollte Ihr Kind viel trinken. Aus Erfahrung weiß ich, dass Kinder vor einem Fieberkrampf oft auffallend wenig getrunken haben!
Wenn die Temperatur ansteigt, fröstelt oder friert Ihr Kind oder hat es sogar Schüttelfrost. Seine Arme und Beine sind eher kühl. In diesem Stadium dürfen Sie keinesfalls fiebersenkende Maßnahmen wie etwa Wickel ergreifen! Unterstützen Sie Ihr Kind dann mit einem heißen Tee (siehe Seite 3), einer warmen Decke oder auch einer Wärmflasche. Erst wenn Ihrem Kind zu heiß ist und es richtig „glüht“, dürfen Wickel und Waschungen zum Einsatz kommen.
Kühlende Wickel und Waschungen senken das Fieber
Pulswickel (ab Geburt möglich): Tauchen Sie zwei Streifen Mullbinde (alternativ zwei längs gefaltete Baumwolltaschentücher) zur Hälfte in lauwarmes Wasser. Auswinden, sodass nichts mehr tropft, und – beginnend mit dem nassen Teil – um das Handgelenk wickeln. Mit dem trockenen Teil weiterwickeln, darüber zum Fixieren das Bündchen des Pullis oder Hemdchens. Der Pulswickel soll nicht warm werden auf der Haut und wird darum nach je zehn Minuten noch zweimal erneuert. Die Pulswickel können bei Bedarf nach einer Pause von mindestens drei Stunden wiederholt werden.
Wadenwickel (ab sechs Monaten): Tauchen Sie zwei Baumwolltücher (Taschentücher oder Geschirrtücher, je nachdem, wie groß die Unterschenkel Ihres Kindes sind) in lauwarmes Wasser. Die Tücher auswinden, bis sie nicht mehr tropfen, und um die Unterschenkel Ihres Kindes wickeln. Darüber ein trockenes Tuch (Geschirrtuch oder Handtuch) wickeln. Wadenwickel werden ebenfalls nach je zehn Minuten noch zweimal erneuert und können bei Bedarf nach 30 bis 60 Minuten noch mal wiederholt werden.
Quarkwickel (ab sechs Monaten, nicht geeignet bei Milchallergie!): Verrühren Sie fünf Esslöffel zimmerwarmen Quark mit einigen Tropfen Essig und so viel Milch, dass eine streichfähige Masse entsteht. Streichen Sie die Masse fingerdick auf eine dreifache Lage Papier von der Küchenrolle. Dieses legen Sie um die Unterschenkel Ihres Kindes und wickeln ein trockenes Tuch darüber. Der Quarkwickel darf 30 Minuten liegen bleiben und kann zwei- bis dreimal täglich wiederholt werden.
Abwaschung (ab einem Jahr): Geben Sie den Saft einer halben Zitrone in eine Schüssel mit lauwarmem Wasser. Waschen Sie damit den Körper Ihres Kindes in folgender Reihenfolge feucht ab: Hände und Arme, Füße und Beine, Brust, Bauch und Rücken – immer zum Herzen hin. Wickeln Sie Ihr Kind nach der Abwaschung in ein Frottee- Badetuch ein und lassen es im Bett ruhen.
Tabelle 1: Die 6 wichtigsten homöopathischen Kindermittel gegen Fieber
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Arzneimittel |
typische Symptome |
|---|---|
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Aconitum |
hohes Fieber, plötzlicher Beginn, Folge von |
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Atropa |
hohes Fieber, plötzlicher Beginn, heißer, |
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Bryonia alba |
hohes Fieber, das Kind wirkt sehr krank, |
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Eupatorium |
hohes Fieber, Glieder- und Rückenschmerzen, |
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Ferrum |
eher leichtes Fieber, Gesicht blass, Kind müde |
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Gelsemium |
Fieber steigt nur langsam, Kind ist heiß und |
Auch Tees können sehr gut Ihrem Kind bei Fieber helfen
Bei Fieber bewährt haben sich Schafgarben-, Lindenblüten- und Holunderblütentee. Alle drei Tees sind schweißtreibend, kurbeln das Immunsystem an und sind für Babys ab zwölf Monaten geeignet.
Zubereitung:
Holunderblüten: 1/2 Teelöffel pro Tasse
Lindenblüten: 1 Teelöffel pro Tasse
Schafgarbenkaut: 1/2 Teelöffel pro Tasse
Die angegebene Menge getrocknete Heilkräuter in eine Tasse geben, mit 250 Milliliter (= ein Viertelliter) kochendem Wasser überbrühen und zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen. Abseihen und mit etwas Honig gesüßt so heiß wie möglich zu trinken geben.
Anwendung: Kinder ab zwölf Monaten erhalten 2- bis 3-mal täglich 1/2 Tasse, ab 2 Jahren 3-mal täglich 1 Tasse. Auch und gerade für Babys ist es ganz wichtig, dass sie bei Fieber genügend trinken. Leider sind fiebernde Säuglinge oft etwas „trinkfaul“. Legen Sie Ihr Baby am besten jede Stunde zum Stillen an. So erhält es durch die wässrige Vormilch mehr Flüssigkeit. Bekommt Ihr Baby die Flasche, geben Sie zusätzlich abgekochtes Wasser oder Tee (z. B. Fencheltee) zu trinken.
Fieber senken mit der Kraft der Homöopathie
Eine bewährte Methode bei Fieber ist die Homöopathie. Sechs der am häufigsten eingesetzten Mittel finden Sie auf Seite 2 in Tabelle 1. Geben Sie das passende Mittel in der Potenz D12, anfangs dreimal hintereinander im Abstand von 30 bis 60 Minuten fünf Globuli oder eine Tablette. Später geben Sie das Mittel bei Bedarf. Wenn Sie das richtige Mittel gewählt haben, tritt normalerweise nach etwa einer halben Stunde eine deutliche Besserung der Beschwerden ein. Bitte geben Sie Ihrem Kind nicht mehrere Mittel hintereinander, falls zwei Mittel nicht gewirkt haben, sondern wenden Sie sich an einen Homöopathen. Für Kinder gibt es auch einige homöopathische Fertigarzneimittel, die sich bei Fieber bzw. Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen (etwa grippale Infekte), bewährt haben.








