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Traktor verteilt Unkrautvernichter auf einem Feld
© Gerald Reindl - 123rf.com

Glyphosat: Krebs durch leckere Frühstücksbrötchen?

Wie viel giftiges Glyphosat steckt in unseren Backwaren?

Chemische Pflanzenschutzmittel sind aus der modernen Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Eines der weltweit am meisten eingesetzten Spritzmittel ist Glyphosat. Derzeit ist es besonders umstritten, denn der Unkrautvernichter steht unter dem Verdacht, krebserregend zu sein, und befindet sich in Getreideprodukten, vor allem in Brot. Ich habe für Sie die wichtigsten Fakten zusammengetragen und sage Ihnen, wie Sie Ihre Familie vor dem gefährlichen Stoff schützen können. 

Expertenrat von 
Dipl. oec. troph. Marion Jetter, Ernährungsberaterin & Chefredakteurin "Mein Kind - fit & gesund!"

Was ist Glyphosat?

Das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel wurde in den 1970er Jahren von dem Unternehmen Monsanto entwickelt. Bekannt ist es vor allem unter dem Namen „Roundup“. Rund 6.000 Tonnen des giftigen Totalherbizids werden jährlich in Deutschland verspritzt. Der vor allem auf Getreidefeldern aufgebrachte Stoff wird von der behandelten Pflanze komplett aufgenommen und ist weder durch Gefrieren noch Kochen abbaubar.

Wie wirkt Glyphosat?

Die Wirkweise als Unkrautvernichtungsmittel beruht auf der Hemmung eines Enzyms, das für den Aufbau von Eiweißbausteinen zuständig ist. Fehlt es, kommt es zum Wachstumsstillstand, und die Pflanze stirbt ab. Weil Menschen und Tiere dieses Enzym nicht besitzen, galt Glyphosat lange Zeit als unbedenklich. Mittlerweile häufen sich jedoch Studien, die beweisen, dass Glyphosat möglicherweise doch nicht so harmlos ist wie bisher angenommen.

Ist Glyphosat gesundheitsschädlich?

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) ist die maßgebliche wissenschaftliche Autorität der Weltgesundheitsorganisation (WHO)zum Thema Krebsgefahren. Im März 2015 hat sie Glyphosat in die Stufe 2A („wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“) eingeordnet und dies mit über 200 Referenzen bzw. Analysen belegt. Nach Aussage der Forschungsgruppe wurde auch eine Einordnung in die Stufe 1 („definitiv krebserregend“) ernsthaft diskutiert, jedoch wegen einer etwas zu wackeligen Datenlage vorsichtshalber abgemildert

Gibt es Grenzwerte für Glyphosat?

Laut Rückstands-Höchstmengen-Verordnung gelten für verschiedene Lebensmittel unterschiedliche Glyphosat-Rückstands-Höchstgehalte: Diese reichen von 0,05 mg/kg für Milchprodukte über 10 mg/kg für Weizen, Roggen und Leinsamen bis hin zu 50 mg/kg für Wildpilze.

Wie viel Glyphosat gilt als gesundheitlich unbedenklich?

Der sogenannte ADI-Wert (für „acceptable daily intake“) bestimmt die Menge, die täglich ohne gesundheitliche Risiken verzehrt werden kann. Der ADI-Wert für Glyphosat, festgelegt vom Bundesamt für Risikobewertung, beträgt 0,3 mg/kg Körpergewicht.

Das bedeutet:

Ein 70 Kilo schwerer Erwachsener kann theoretisch täglich 21 mg Glyphosat aufnehmen, ohne Schaden zu nehmen, ein 30 Kilo leichtes Schulkind 9 mg. Doch diesbezüglich kann ich Sie etwas beruhigen: Selbst die höchsten Glyphosat-Werte, die bislang in Lebensmitteln nachgewiesen wurden, liegen so weit darunter, dass man den Grenzwert durch Essen allein unmöglich erreichen kann. Sollte sich jedoch herausstellen, dass Glyphosat (wie vermutet) eine hormonähnliche oder krebserzeugende Wirkung hat, könnten schon kleinste Mengen davon ausreichen, um Krebs zu verursachen. Dieser Meinung ist zumindest eine Forschergruppe vom Londoner King’s College. Sie bezeichnet den derzeit geltenden ADI-Wert als um das 12-Fachezu hoch.

In welchen Lebensmitteln wurde Glyphosat nachgewiesen?

Bereits 2012 gab es Meldungen, dass Backwaren mit dem Pflanzengift Glyphosat belastet sind. Die Zeitschrift Ökotest hatte damals insgesamt 20 Getreideprodukte getestet. In fast drei von vier Produkten war Glyphosat nachweisbar, wenn auch nur in geringen Mengen. Im Oktober 2015 haben Untersuchungen des Verbrauchermagazins „markt“(WDR) in konventionellen Backwaren wie Mehrkorn, Weizen- und Roggenbrötchen Glyphosat erneut nachgewiesen. Bei 11 von 16 Proben wurden die Tester im Labor fündig. Vor allem auch bei Vollkornprodukten, da sich Schadstoffe bevorzugt in den Randschichten der Getreidekörner ablagern.

Die gute Nachricht:

Alle der untersuchten Bio-Brötchen waren frei von Glyphosat.

Wie kann ich meine Familie schützen?

Wenn Sie absolut sichergehen wollen, dass in Ihrem Essen keine Glyphosat Rückständeenthalten sind, müssen Sie Bio-Produkte kaufen. Denn im ökologischen Anbau ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln generell verboten. Damit unterstützen Sie auch den erhöhten Aufwand, den die ökologische Landwirtschaft (zum Beispiel mit der mechanischen Unkrautbekämpfung) betreibt, um den Boden nicht zu verunreinigen und die Artenvielfalt zu bewahren.

Mein Tipp: Backen Sie Ihre Brötchen selbst, und verwenden Sie Mehl aus ökologischer Landwirtschaft. Hier zwei Rezepte, die Ihren Kindern garantiert schmecken werden:

Dinkelbrötchen (ergibt 14 Brötchen)

Zutaten:

35 g frische Hefe

1 Esslöffel Kreuzkümmelsamen

1 Esslöffel Anissamen

50 g Butter

2 Esslöffel Honig

300 ml kaltes Wasser

70 g Sonnenblumenkerne

70 g Kürbiskerne

2 Teelöffel grobes Meersalz

50 g Bio-Dinkelvollkornmehl

60 g Bio-Grahammehl (grob gemahlenes Weizenmehl, wahlweise Weizenmehl)

120 g Bio-Dinkelmehl

240 bis 300 g Bio-Weizenmehl (Type 550)

verquirltes Ei zum Bestreichen

Zubereitung:

1. Hefe in eine Rührschüssel bröckeln. Kreuzkümmel- und Anissamen in einem Mörser zerstoßen. Butter mit den Gewürzen und dem Honig in einem kleinen Topf schmelzen. Vom Herd ziehen, das kalte Wasser hinzufügen und alles über die Hefe gießen.

2. Sonnenblumen- und Kürbiskerne mit Meersalz in einer trockenen Pfanne rösten sowie unter die Hefemischung rühren. Nach und nach Mehleinarbeiten, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst. Dann ca. 20 Minuten mit der Küchenmaschine durchkneten.

3. Mit einem Küchentuch bedeckt etwa 45 Minuten auf das Doppelte aufgehen lassen.

4. Den Teig in 14 Portionen teilen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und mit einem Küchentuch abgedeckt weitere 60 Minuten gehen lassen.

5. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Die Brötchen mit Ei bestreichen.

6. In der Mitte des vorgeheizten Ofens etwa 10 Minuten goldbraun backen.

Rosinen-Roggenbrötchen (für 12 Brötchen)

Zutaten:

35 g Butter

300 ml Milch

70 g dunkler Zuckerrübensirup

1 Teelöffel Salz

1 Esslöffel Brotgewürz

50 g frische Hefe

180 g Bio-Weizenmehl

240 g Bio-Roggenmehl

60 g Rosinen

Roggenmehl zum Bestäuben

Zubereitung:

1. Die Butter schmelzen, mit Milch, Zuckerrübensirup sowie Salz und Brotgewürz verrühren und handwarm erhitzen.

2. Hefe in eine Rührschüssel bröckeln, die Milchmischung dazu gießen und die Hefe darin auflösen.

3. Nach und nach das Mehleinarbeiten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Rosinen untermengen.

4. Mit dem Küchentuch abgedeckt 30 Minuten gehen lassen.

5. Den Teig in 12 Portionen teilen, Brötchen formen, mit Roggenmehl bestäuben, auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und mit einem Küchentuch abgedeckt weitere 30 Minuten gehen lassen.

6. Den Backofen auf 225 Grad vorheizen.

7. Die Brötchen in der Mitte des vorgeheizten Ofens etwa 10 Minuten backen.

Aktuelle Entwicklung

Ende Juni läuft die derzeitige Glyphosat Zulassung aus. Vor Kurzem hat sich das EU-Parlament für eine weitere Zulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels ausgesprochen – allerdings nur für sieben und nicht für 15 Jahre.

 

 

 

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