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Ohrringe bei Kindern: Ab welchem Alter Ohrlöcher stechen lassen?

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Ohrringe bei Kindern: Ab welchem Alter Ohrlöcher stechen lassen?

» Ohrringe bei Kindern

Putzig sieht es ja aus, wenn kleine Mädchen Ohrringe tragen. Welche guten Gründe es gibt, dennoch darauf zu verzichten, Kindern zu früh Ohrlöcher stechen zu lassen, verrät Ihnen dieser Beitrag. Plus: Die besten Tipps, wenn Ihr Kind trotzdem Ohrlöcher bekommen soll.

Immer wieder heißt es, dass es bei ganz kleinen Kindern am wenigsten Probleme beim Stechen von Ohrlöchern gibt. Doch stimmt das auch? Anders gefragt: Wann ist das beste Alter dafür und was sollte man dabei unbedingt beachten?

Hauptgefahr beim Ohrlöcher stechen: Nickelallergie

Die Nickelallergie ist die häufigste Kontaktallergie. Zum größten Teil sind Frauen betroffen. Es gilt als gesichert, dass der frühzeitige und intensive Nickelkontakt durch nickelhaltige Ohrstecker direkt nach dem Ohrlochstechen (später auch bei Bodypiercings!) der wichtigste Faktor für eine Nickelallergie darstellt. Ist der Ohrstecker in der frischen Ohrloch-Wunde nickelhaltig, kann das Metall herausgelöst werden und ohne schützende Hautbarriere leicht in den Körper gelangen. Aufgrund dieser Tatsache hat inzwischen auch der Gesetzgeber reagiert: Seit 1998 dürfen Erststecker, die in der Wunde verbleiben, bis diese verheilt ist, nicht mehr als 0,05 Prozent Nickel enthalten. Der häufig verwendete Chirurgenstahl 316L, der auch für Implantate in der Chirurgie verwendet wird, enthält jedoch mehr als 0,05 Prozent Nickel. Messungen haben bei einzelnen Steckern einen Nickelgehalt bis zu 16 Prozent ergeben! Hat sich erst einmal eine Allergie gegen Nickel entwickelt, ist es äußerst schwierig, den Allergieauslöser zu vermeiden, da er in alltäglichen Bedarfsgegenständen vorkommt. So sind z. B. Armbanduhren, Gold- (insbesondere Weißgold 333!) und Silberschmuck, Scheren, Türgriffe, Geldmünzen, Metallreißverschlüsse oder -knöpfe sowie Kochtöpfe nickelhaltig.

Weitere Gründe gegen das Ohrlöcher stechen bei Kindern

Wird das Ohrloch mit einer Ohrlochpistole geschossen, kann ein Infektionsrisiko (z. B. für Leberentzündung oder HIV) nicht ausgeschlossen werden, da diese Pistolen nicht sterilisiert werden können. Jedes Ohrloch führt zur Bildung von Narbengewebe und zerstört damit an dieser Stelle Ohrakupunktur-Punkte. Bei Klein- und Kindergartenkindern besteht die Gefahr, dass sie an den Ohrringen herumspielen und sich dann eine Entzündung bildet. Kinder können an den Ohrringen hängen bleiben, sodass das Ohrläppchen im schlimmsten Fall ausreißen könnte. Kleinkinder könnten den Schmuck herauspulen und verschlucken, sodass er eventuell in die Lunge gerät. Das Ohrläppchen wächst noch, und sehr früh gestochene Ohrlöcher sitzen später manchmal nicht mehr an der optimalen Stelle.

Mein Tipp: Möchte Ihr Kind unbedingt Ohrringe, sollten Sie ihm zunächst ein Paar Ohrclips kaufen, die so groß sein sollten, dass es sie nicht verschlucken kann.

So minimieren Sie bei Ihrem Kind das Risiko beim Ohrlöcher-Stechen

Um Risiken wie ein Verschlucken des Ohrschmucks zu minimieren, sollten Sie Ihrem Kind möglichst erst ab sechs Jahren Ohrlöcher stechen lassen. Aus allergologischer Sicht gilt: je später, desto besser – am besten erst in der Pubertät.

Extrem wichtig, wenn Sie Ihrem Kind die Ohrlöcher stechen lassen: Die richtigen Ohrstecker

Chirurgenstahl enthält mehr als 0,05 Prozent Nickel und ist für Erststecker nicht geeignet, kann jedoch verwendet werden, wenn das Ohrloch abgeheilt ist. Titan ist nickelfrei und somit für Erststecker gut geeignet. Gold- und Silberschmuck ist erst nach der Abheilung der Ohrlöcher geeignet, sofern keine Nickelallergie besteht. Bei manchen billigen Schmuckstücken (oft mit dem Hinweis „Oberfläche nickelfrei“) ist nur das Teil im Ohr mit einer Lackierung versehen, die meist mit der Zeit abgeht. Das „Schießen“ der Ohrlöcher mit einer Ohrlochpistole ist zwar die gängigste und in Schmuckgeschäften oder Kosmetikstudios übliche Methode, doch ist es nicht zu empfehlen! Wie schon erwähnt, ist die Ohrlochpistole nicht sterilisierbar. Die verwendeten Ohrstecker sind wesentlich stumpfer als eine Nadel und zerfetzen beim Schießen das Gewebe geradezu, sodass es unnötig geschädigt wird und langsamer heilt. Wesentlich schonender ist es, die Ohrlöcher mit einer sterilen Einmalnadel stechen zu lassen – am besten beim Arzt oder in einem seriösen, hygienisch einwandfrei arbeitenden Piercingstudio.

Mein Tipp:

Fragen Sie, ob vor dem Ohrloch stechen eine betäubende Creme aufgetragen werden kann. Sie können die rezeptfrei in Apotheken erhältliche Emla®-Creme auch selbst auftragen, sie ist jedoch teuer (30 Gramm: 28,83 €).

Richtige Pflege frischer Ohrlöcher bei Ihrem Kind

Um Reizungen zu vermeiden, sollte Ihr Kind nicht an den Ohrsteckern herumspielen. Am ersten Tag Zugluft vermeiden, in den ersten zwei Wochen nicht baden gehen. Beim Haarewaschen (möglichst nicht an den ersten Tagen!) mildes Shampoo verwenden und Shampooreste gut abspülen. In den ersten 14 Tagen bitte nur mit frisch gewaschenen Händen an die Ohrläppchen fassen! In den ersten zwei Wochen zweimal täglich mit einem feuchten Wattestäbchen (warmes Wasser genügt) eventuelle Krusten entfernen. Dann mit Octenisept®-Lösung (rezeptfrei in Apotheken, 30 Milliliter für 3,25 €) desinfizieren, die jedoch nicht in den Gehörgang gelangen darf. Auf Salben und alkoholische Lösungen verzichten, da Erstere die Wunde aufweichen, Letztere zu stark austrocknend wirken. Das tägliche Drehen der Ohrstecker ist unnötig, da jedes Mal der sich bildende Hautkanal verletzt wird. Ein eventuell vorübergehend „festsitzender“ Stecker lockert sich nach Abheilung der Wunde von selbst wieder. Die Erststecker müssen mindestens vier bis sechs Wochen im Ohr bleiben. Falls sich das Ohrläppchen infiziert hat, gehen Sie bitte mit Ihrem Kind zum Arzt.

 

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