Wenn in einer Wohnung „dicke Luft“ aufgrund einer Schadstoffbelastung herrscht, haben fast immer diejenigen, die sich am meisten in der Wohnung aufhalten, als erste Beschwerden: Mütter und Kinder. Viele Schadstoffe lassen sich ohne aufwändige Messung nicht aufspüren. Wenn es in Ihrer Wohnung auffällig riecht oder wenn Sie vor kurzem renoviert bzw. neue Möbel angeschafft haben, könnte eine Schadstoffbelastung vorliegen. Aber auch die Tatsache, dass es Ihrem Kind (oder Ihnen selbst) bei einem Urlaub oder bei längerer Abwesenheit von der Wohnung gesundheitlich besser geht, lässt auf eine Belastung schließen.
Mein Tipp bei einer Schadstoffbelastung : Haben Sie einen starken Verdacht, wo die Schadstoffe sitzen und lässt sich diese Quelle entfernen (etwa ein Möbelstück), können Sie den vermuteten Übeltäter probeweise für einige Wochen aus der Wohnung verbannen. Bessern sich die Beschwerden oder verschwindet der unangenehme Geruch, haben Sie die Schadstoffquelle bereits entlarvt.
Bei Symptomen einer Schadstoffbelastung bei Ihrem Kind, immer als Erstes zum Arzt!
Wenn sich Beschwerden bei Ihrem Kind (oder bei Ihnen) nicht ganz klar und eindeutig bestimmten Einrichtungsgegenständen zuordnen lassen (z. B. Ihr Kind klagt über Kopfschmerzen, seit es ein neues Kinderzimmer aus Spanplatten bekommen hat), sollten Sie bei Beschwerden immer erst mit Ihrem Kinder- oder Hausarzt sprechen. Häufige Infekte sind im Kindergartenalter völlig normal, während ein „Dauerinfekt“ mit Schnupfen über Monate hinweg durch eine Allergie verursacht sein kann. Kommt Ihr Kinder- oder Hausarzt nicht weiter, ist es sinnvoll, zu einem Allergologen zu gehen und Ihr Kind auf Allergien untersuchen zu lassen. Typische Allergieauslöser in der Wohnung sind Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Tierhaare (Haustiere, aber auch Materialien im Bett, z. B. Schaffell). Für spezielle Fälle gibt es Ärzte mit einer speziellen umweltmedizinischen Zusatzausbildung. Adressen entsprechender Spezialisten finden Sie beispielsweise unter www.umweltmedizin.de in der Rubrik „Ärzte“ oder unter www.allum.de/serviceumweltmedizinische-beratungsstellen.html (auch für Österreich).
Wenn Sie bei einer Schadstoffbelastung nicht weiter wissen, fragen Sie im Zweifelsfall einen Baubiologen um Rat!
Wenn Sie Schadstoffe in der Wohnung vermuten, können Sie sich an einen Baubiologen, ein ökologisches Forschungsinstitut oder eine mobile Umweltambulanz (Umweltmesswagen) wenden. Baubiologen sind meist Ingenieure oder Architekten, die eine baubiologische Zusatzausbildung haben. Ein Baubiologe kann zu Ihnen in die Wohnung kommen und vor Ort bereits bestimmte Einrichtungsgegenstände oder Baumaterialien als wahrscheinliche Schadstoffquelle identifizieren. Dabei können dann auch gleich die geplanten Messungen durchgeführt bzw.Materialproben genommen werden. Adressen von Baubiologen finden Sie z. B. unter www.baubiologie.de (Rubrik „Beratungsstellen“). Es gibt inzwischen in fast allen größeren Städten Messinstitute, die sich auf Schadstoffmessungen in Wohnungen spezialisiert haben. Eine Reihe davon hat sich zur „Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute“ zusammengeschlossen (im Internet unter www.agoef.de, wo Sie unter „Mitglieder“ – „Mitgliederverzeichnisse“ nach Postleitzahlen geordnet die einzelnen Messinstitute finden). Adressen geeigneter Messinstitute kann Ihnen auch Ihr örtliches Gesundheitsamt nennen. Es gibt auch mobile Messinstitute in Form eines Umweltmesswagens. Hier kommt ein Umweltingenieur zu Ihnen ins Haus und führt die Messungen durch.
Mein Tipp: Da Sie im Normalfall die Kosten für Messung und Anfahrt aus eigener Tasche bezahlen müssen, sollten Sie sich erkundigen, ob Sie nach entsprechender Anleitung nicht selbst eine Probe nehmen und per Post schicken können. Dann haben Sie sich wenigstens die Anfahrtskosten gespart. Raumluftmessungen müssen in jeden Fall vom Messinstitut durchgeführt werden.
Raumluftmessungen zur Feststellung einer Schadstoffbelastung sind aufwändig
Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten, Schadstoffe in Wohnräumen zu bestimmen. So können Messungen der Raumluft durchgeführt werden. Dabei gelingt jedoch nur eine Momentaufnahme der Schadstoffkonzentration, die sich nach Temperatur, Luftfeuchte und Lüftungsverhalten auch beträchtlich ändern kann. Um wenigstens annähernd vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, müssen die Messbedingungen standardisiert werden. Allerdings wird direkt die Menge an Schadstoffe bestimmt, die Sie in diesem Raum einatmen. Neben Formaldehyd können Lösungsmittel, Holzschutzmittel sowie andere Insektizide, Polychlorierte Biphenyle (PCB), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Asbest und Schimmelpilze in der Raumluft nachgewiesen werden.









