Der Straßenverkehr ist mit Abstand die größte Bedrohung für Kinder, die oft erst als ABC-Schützen damit beginnen, Wege allein zurückzulegen und Erfahrungen im Straßenverkehr zu sammeln. Doch können Sie als Eltern schon lange vor Schulbeginn viel dafür tun, dass Ihr Kind den Schulweg später sicher bewältigen kann.
Verkehrserziehung für Kinder: Draufgänger oder Zauderer?
Psychologen des Max-Planck-Institutes haben ein Glücksspiel entwickelt, mit dem sich voraussagen lässt, ob ein Kind sich im Verkehr risikofreudig oder vorsichtig verhalten wird. Sie testeten dazu je 22 Jungen und Mädchen im Alter von fünf bis sechs Jahren. Den Spielaufbau können Sie nachfolgend lesen, sodass Sie das Spiel selbst mit Ihrem Kind ab fünf Jahren durchführen können. Die als wagemutig identifizierten Kinder gingen auch im Straßenverkehr ein höheres Risiko ein und waren vermehrt unfallgefährdet. Vorsichtige Kinder wollten die Straße erst überqueren, wenn mehr als sieben Sekunden Zeit bis zum Herannahen des nächsten Wagens blieb und sie somit „gemütlich“ über die Straße gehen konnten. Wagemutige Kinder entschlossen sich wesentlich schneller, die Straße zu überqueren, und betraten die Straße auch, wenn deutlich weniger Zeit als sieben Sekunden zur Verfügung stand.
Spielvorbereitung:
Nehmen Sie zehn leere, gleich aussehende Streichholzschachteln und legen Sie in neun von ihnen je einen Sticker (Motive je nach Vorliebe Ihres Kindes aussuchen!). Stickerbögen können Sie in jedem Schreibwarengeschäft kaufen. In die zehnte Schachtel kommt ein Zettel, auf den Sie einen Teufel (oder Teufelskopf ) gemalt oder geklebt haben.
Spielanleitung:
Legen Sie die zehn gefüllten Schachteln vor Ihr Kind auf den Tisch und erklären Sie ihm, dass in neun der Schachteln ein Sticker ist, den es behalten darf. In der zehnten Schachtel ist jedoch ein Teufelsbild. Es darf nun so viele von den Schachteln aufmachen, wie es möchte, und die gefundenen Sticker behalten. Erwischt es jedoch die „Teufelsschachtel“, muss es alle Sticker wieder hergeben – und das Spiel ist beendet. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es um so mehr Sticker ergattern kann, je mehr Schachteln es aufmacht. Je mehr Schachteln es öffnet, um so größer ist aber auch die Gefahr, dass es den Teufel erwischt und alle Sticker wieder verliert. Nach jeder geöffneten Schachtel muss es entscheiden, ob es noch eine weitere Schachtel öffnen will. Spielen Sie das Spiel insgesamt dreimal, es muss jedoch nicht am selben Tag sein.
Auswertung:
Hat Ihr Kind bei mindestens einem der drei Spieldurchläufe mehr als fünf Schachteln geöffnet, gehört es zu den risikofreudigen Kindern. Hat es bei jedem der drei Versuche nicht mehr als fünf Schachteln geöffnet, gehört es zu den vorsichtigen Kindern.
Verkehrserziehung: Ab wann?
Wenn Sie denken, Verkehrserziehung beginnt damit, dass Sie Ihrem Kind beibringen, wie es gefahrlos eine Straße überqueren kann, dann irren Sie. Schon viel früher beginnt Ihr Kind zu beobachten, wie Sie als Mutter oder Vater sich anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber verhalten und in verschiedenen Verkehrssituationen reagieren. Beachten Sie in Zukunft, sich partnerschaftlicher gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern zu verhalten. Sie sind das Vorbild für Ihr Kind! Bemühen Sie sich, nicht auf andere Verkehrsteilnehmer zu schimpfen. Kinder sind anfangs selbst schwache und hilfsbedürftige Verkehrsteilnehmer. Daher könnten „bissige“ Kommentare Ihr Kind verunsichern.
Verkehrserziehung Schritt für Schritt: So üben Sie richtig mit Ihrem Kind
Folgende fünf Schritte führen dazu, dass Ihr Kind sich das korrekte Verhalten gut einprägt und selbstständig anwenden kann:
- Erklären Sie Ihrem Kind, wie es sich richtig verhält (z. B. beim Überqueren einer Straße). Lassen Sie sich anschließend von Ihrem Kind erklären, was es tun sollte.
- Machen Sie Ihrem Kind das korrekte Verhalten vor.
|
Mein Tipp für eine richtige Verkehrserziehung |
|---|
|
Um sich alles noch einmal von Ihrem Kind erklären zu lassen, können Sie die Rolle des Kindes übernehmen und dabei absichtlich etwas falsch machen. Ihr Kind wird sich diebisch freuen, Sie auch mal bei einem Fehler zu erwischen und Ihnen zu sagen, wie es richtig ist. |
- Nehmen Sie Ihr Kind an die Hand und machen Sie es anschließend gemeinsam.
- Lassen Sie Ihr Kind dann allein die jeweilige Verkehrssituation meistern.
- Beobachten Sie Ihr Kind immer wieder, ob es sich richtig verhält, und weisen Sie es, wenn nötig, auf Fehler hin. Es sollte Ihnen anschließend noch einmal erklären, wie es richtig gemacht wird, und das richtige Verhalten mit Ihnen zusammen oder allein wiederholen.
|
Mein Tipp für eine richtige Verkehrserziehung |
|---|
|
Lassen Sie sich öfter mal von Ihrem Kind führen. So erfahren Sie, welche Regeln Ihr Kind noch nicht kennt. |
Verkehrserziehung: So machen Sie’s richtig vor
- Wählen Sie auf allen Wegen, die Sie mit Ihrem Kind gehen, nicht unbedingt die kürzeste, sondern die sicherste Strecke. Kleine Umwege, z. B. zum Fußgängerübergang oder zu einem übersichtlicheren Straßenabschnitt, sollten Sie in Kauf nehmen.
- Halten Sie sich auf Gehwegen möglichst weit innen und führen Sie Ihr Kind immer auf der Häuserseite.
- Warten Sie an der Ampel konsequent auf „Grün“. Schauen Sie sorgfältig und für Ihr Kind erkennbar nach links und rechts, bevor Sie losgehen. Gehen Sie zügig, aber auch nicht zu schnell über die Straße.
- Sehen Sie auch am Zebrastreifen deutlich nach links und rechts und warten Sie, bis herankommende Autos angehalten haben.
- Halten Sie beim Überqueren der Fahrbahn ohne Ampel oder Zebrastreifen immer am Fahrbahnrand an, schauen Sie deutlich nach beiden Seiten und gehen Sie dann auf kürzestem Weg (sprich: geradeaus) über die Straße.
- Ist es einmal unvermeidlich, zwischen parkenden Autos hindurch über die Straße zu gehen, halten Sie, sobald Sie freie Sicht auf die Straße haben, noch einmal an und schauen sich erneut nach beiden Seiten um.
Buchtipps:
ab drei Jahren:
- „Pass auf im Straßenverkehr“ von A.Weinhold (Ravensburger Buchverlag 1999; 16 Seiten; 12,95 €)
- „Ich pass auf im Straßenverkehr“ von A.Weinhold (Ravensburger Buchverlag 2001; 10 Seiten; 6,95 €)
ab vier Jahren:
- „Fit im Straßenverkehr. 4–7 Jahre“ von G. Kopietz, J. Sommer,H. Kollars (Betz,Wien 2000; 32 Seiten; 12,90 €)
- „Das große Verkehrs-Erlebnisbuch“ von M. Steinmann, R. Tobinski (Fleurus Verlag 2003; 58 Seiten; 12,90 €)
- „Verkehrsschule mit der Maus“, verschiedene Themenbände (z. B. Allein unterwegs, Schulweg), von A. Kinzel, M. Epes (Xenos, Hamburg 2000; 32 Seiten; 3,50 €)









Hallo,
ich habe bei dem ganzen Straßenverkehr Angst, mit dem Kinderwagen nachts die Straßen zu überqueren. Wie kann ich meinen Kinderwagen besser sichtbar machen?
Vielen Dank im Voraus!
Sabrina