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Wie sieht ein Fremder eigentlich aus? Verhalten gegenüber Fremden

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Wie sieht ein Fremder eigentlich aus? Verhalten gegenüber Fremden

» Kindersicherheit unterwegs

Viele Eltern haben ein mulmiges Gefühl, wenn ihr Kind das erste Mal beim Bäcker um die Ecke Brötchen holt oder wenn es allein auf den nahe gelegenen Spielplatz geht. Trotzdem müssen wir unsere Kinder loslassen. Mit der richtigen Vorbereitung können Sie einiges dafür tun, dass Ihr Sprössling wieder wohlbehalten heimkommt.

Spätestens ab dem Schulalter dürfen Kinder allein unterwegs sein. Deshalb sollten Sie Ihrem Kind schon im Vorschulalter beibringen, wie es sich richtig verhält, wenn es alleine unterwegs ist. Spektakuläre Entführungen und grausame Misshandlungen sind glücklicherweise selten, lösen aber immer ein großes Medienecho aus. Doch auch in anderen Fällen ist es wichtig, dass Ihr Kind weiß, was zu tun ist: Es könnte sich verlaufen, von fremden Leuten verunsichert werden oder bei einem Ausflug im Zoo bzw. im Freizeitpark in der Menschenmenge verloren gehen. 

Wer ist ein Fremder?

Wenn Sie mit Ihrem Kind über das richtige Verhalten gegenüber Fremden sprechen, sollten Sie es zwar einerseits warnen, ihm andererseits aber auch nicht unnötig Angst einflößen. Sie können ihm beispielsweise erklären, dass die meisten Menschen – auch Fremde – nett sind, aber eben leider nicht alle. Und dass man von außen nicht sehen kann, ob jemand wirklich freundlich ist. Auch böse Menschen können so tun, als ob sie nett wären. Deswegen sollte Ihr Kind immer vorsichtig sein.

Achten Sie auf Ihre Wortwahl, wenn Sie Ihr Kind vor Gefahren warnen! Begriffe wie „Fremder“ oder „Gefahr“ interpretieren viele Kinder ganz anders als Erwachsene. So haben Kinder häufig größeres Vertrauen zu einem Nachbarn, dem sie schon oft begegnet sind, als zu einer Polizistin, die ihnen unbekannt ist. Manche Kinder weigern sich fortan, auf die freundlichen Fragen der Kassiererin im Supermarkt zu antworten, wenn ihnen verboten wurde, mit Fremden zu sprechen. Und Ihr Kind wird es vermutlich nicht als „gefährlich“ ansehen, jemandem bei der Suche nach seinem Kätzchen ins Gebüsch zu folgen. Besser als generelle Richtlinien wie „Geh nie mit einem Fremden mit“ sind deshalb praktisch umsetzbare Verhaltensregeln für bestimmte Situationen.

Mein Tipp für das Verhalten gegenüber Fremden:

Wenn Ihr Kind allein unterwegs ist und Hilfe braucht, muss es wissen, wer vertrauenswürdig ist, wen es also um Beistand bitten kann und wen es besser nicht anspricht. Erklären Sie Ihrem Kind als Grundregel, dass es am besten jemand in Uniform um Hilfe bittet (neben  Polizisten auch Postboten, Hostessen, Ladenpersonal, Wachpersonal in einem Einkaufszentrum, Kellner, Hotelpersonal) oder Erwachsene mit Kindern.

Verhalten gegenüber Fremden: Ihr Kind darf immer „nein“ sagen

Ganz gleich, ob Onkel Hugo Ihr Kind auf den Schoß nehmen will oder ein Fremder es nach dem Weg zum Spielplatz fragt: Ihr Kind muss wissen, dass es „nein“ sagen darf und manchmal sogar soll. Onkel Hugo sollte ein „Nein, das mag ich nicht“ Ihres Kindes akzeptieren. Und falls er das nicht tut, sollte Ihr Kind wissen, dass es Ihnen sofort davon erzählen sollte. Erklären Sie Ihrem Kind, dass in den folgenden Situationen Gefahr droht und es dann immer mit einem festen „Nein“ reagieren sollte:

  • Ein Erwachsener bittet Ihr Kind um Hilfe oder fragt es nach dem Weg. Normalerweise fragen Erwachsene in diesen Fällen einen anderen Erwachsenen und nicht ein Kind – deshalb Vorsicht!
  • Ein Auto hält neben ihm. In diesem Fall sollte Ihr Kind sofort einen Schritt zurücktreten. So kann es nicht so leicht ins Auto gezogen werden. Außerdem ist der Fahrer dann gezwungen, lauter zu sprechen. Vielleicht werden dadurch schon Passanten aufmerksam. Ihr Kind sollte sich nicht auf ein Gespräch mit dem Fahrer einlassen. Falls das Auto ihm folgt, sollte es vertrauenswürdige Erwachsene um Hilfe bitten.

Mein Tipp für das Verhalten gegenüber Fremden: Heute ist „Nein-Tag“

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind (ab drei Jahren) einen Tag, an dem es zu allem „nein“ sagen darf, was ihm nicht gefällt. Sprechen Sie gemeinsam darüber, weshalb ihm etwas nicht gefällt oder warum es etwas nicht tun möchte. Das hilft Ihrem Kind zu unterscheiden, wann sein „Nein“ respektiert werden muss und wann es sich über bestehende Grenzen nicht hinwegsetzen darf. Natürlich können Sie von Ihrem Kind verlangen, dass es beim Aufräumen hilft – auch wenn es dazu keine Lust hat. Selbstverständlich muss es Ihrem „Nein“ gehorchen, wenn ihm Gefahr droht!

Verhalten gegenüber Fremden: Trainieren Sie mit Ihrem Kind für den Ernstfall!

Besprechen Sie folgende Verhaltensmaßnahmen für Notfälle mit Ihrem Kind und üben Sie das richtige Verhalten nach Möglichkeit sogar im Rollenspiel ein:

  • Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es unter keinen Umständen mit fremden Menschen mitgehen oder gar in ein Auto steigen darf, egal was ihm versprochen wird. Auch dann nicht, wenn diese Person behauptet, die Eltern hätten sie geschickt oder den Eltern wäre etwas passiert! Bitten Sie Ihr Kind, Ihnen unbedingt zu berichten, wenn sich solche Vorfälle ereignet haben oder es sich sogar über Ihr Verbot hinweggesetzt hat.
  • Lassen Sie Ihr Kind möglichst nicht allein auf den Spielplatz oder in die Schule gehen, sondern besser in einer kleinen Gruppe zusammen mit anderen Kindern – oder wenigstens zusammen mit einem Freund oder einer Freundin.
  • Sehen Sie sich zusammen den Weg zur Schule oder zum Spielplatz an. An wen kann sich Ihr Kind notfalls wenden, wo gibt es „Rettungsinseln“? Mögliche „Rettungsinseln“ können ein Geschäft, eine belebte Straße oder ein Haus sein, in dem Bekannte wohnen und wo es klingeln kann.
  • Wenn Ihr Kind sich verfolgt oder bedroht fühlt, sollte es gezielt einen Erwachsenen ansprechen und um Hilfe bitten. Bei einem allgemeinen „Hilfe“ fühlen sich Erwachsene in der Menge beschämenderweise oft nicht verantwortlich – es wird sicher jemand anders helfen.
  • Wird Ihr Kind festgehalten oder direkt belästigt, sollte es laut schreien! Wirksamer als ein Hilferuf ist oft der Ausruf „Feuer“. Feuer bedroht alle Anwesenden, deswegen ist ihm so die größtmögliche Aufmerksamkeit gewiss. Es kann auch etwas Unerwartetes oder Auffälliges tun, um auf sich aufmerksam zu machen: z. B. den Einkaufskorb gegen die nächste Wand schleudern oder dem Angreifer einen Ball an den Kopf werfen.
  • Ihr Kind sollte sich nicht verstecken, wenn es angegriffen oder festgehalten wird, sondern Widerstand leisten! Es sollte versuchen, davonzulaufen zu einem Platz, an dem es hell ist und an dem sich Menschen befinden (z. B. zur eingeübten „Rettungsinsel“). Es sollte sich nicht klein machen, sondern aufrichten und dem Täter in die Augen schauen, statt wegzusehen. Das signalisiert dem Angreifer, dass er es nicht mit einer „leichten Beute“ zu tun hat. Notfalls darf es schlagen, beißen, treten und kratzen.
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