Ritalin®, das den Wirkstoff Methylphenidat enthält, ist ein so genanntes Psychostimulans, also ein Medikament, das über eine direkte Beeinflussung des Gehirns die Aufmerksamkeit steigert und aufputschend wirkt. Bei Kindern mit ADHS führt es jedoch zu einer Abnahme der Unruhe, verbessert Ausdauer, Konzentration und Impulskontrolle. Etwa 80 Prozent der Kinder mit ADHS sprechen auf eine Behandlung mit Ritalin® an. Da Ritalin® als Aufputschmittel süchtig machen kann, unterliegt es dem Betäubungsmittelgesetz (Verschreibung auf Betäubungsmittel-Rezept).
Der Wirkstoff Methylphenidat greift in den Dopaminstoffwechsel des Gehirns ein und blockiert die Transporteiweiße, wodurch der bestehende Dopaminmangel behoben und damit die Reizweiterleitung normalisiert wird. Somit kann die Gehirnfunktion während der Wirkdauer des Medikamentes (Wirkungseintritt nach etwa 20 Minuten, Wirkdauer etwa 2 bis 4 Stunden) normalisiert werden. Methylphenidat ist als Ritalin®, Medikinet® und Equasym® in unterschiedlichen Wirkstärken erhältlich sowie als Retardtablette (Concerta®), die aufgrund einer verzögerten Wirkstofffreigabe nur einmal täglich morgens genommen werden muss. Die Behandlung von Kindern unter sechs Jahren wird nicht empfohlen, da hier keine Studien zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen vorliegen. Mangels anderer medikamentöser Alternativen kann es bei schweren Formen einer ADHS nach Versagen anderer Behandlungsmethoden im Rahmen eines „individuellen Heilversuches“ auch Kindern unter sechs Jahren verschrieben werden.
Seit März 2005 ist der in den USA bereits seit längerem zugelassene Wirkstoff Atomoxetin (Strattera) auch in Deutschland verfügbar. Dabei handelt es sich erstmals um ein Medikament, das kein Aufputschmittel ist. Die Wirksamkeit dürfte nach den bisher vorliegenden Studien in etwa der von Methylphenidat entsprechen.
Wird Ritalin® Kindern mit ADHS zu schnell verschrieben?
Nach den Angaben der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte sind in Deutschland etwa vier Prozent der Kinder zwischen sechs und 16 Jahren von ADHS betroffen. Das sind rund 400.000 Kinder. Anhand der im Jahr 2001 verordneten Menge Ritalin® konnten damit ca. 67.000 Kinder (und Erwachsene!) behandelt werden. Auf einen Missbrauch von Ritalin® lässt dies sicher nicht schließen.
Unverantwortbare Nebenwirkungen von Ritalin®?
Die häufigste Nebenwirkung ist ein Appetitmangel, der dazu führt, dass die meist ohnehin schlanken Kinder mit ADHS weniger essen und an Gewicht verlieren. Durch eine gezielte Umstellung der Ernährung (Hauptmahlzeit Frühstück, danach erst Einnahme des Medikamentes; weitere Ernährungstipps unter www.adhs.ch) kann der Gewichtsverlust aber vermieden oder zumindest in Grenzen gehalten werden.
Weitere Nebenwirkungen sind Nervosität und Schlafstörungen (besonders anfangs und bei Gabe am späten Nachmittag oder Abend), Müdigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Weinerlichkeit, auch depressive Verstimmung oder Ängstlichkeit. Eine Erhöhung von Puls und Blutdruck ist bei Kindern weniger häufig. Lässt die Wirkung nach, tritt die Hyperaktivität bei manchen Kindern vorübergehend besonders ausgeprägt in Erscheinung.
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Wichtig |
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Viele der Nebenwirkungen bessern sich bei längerer Einnahme oder lassen sich durch eine verminderte Dosierung beherrschen |
Große Verunsicherung rief eine Meldung hervor, die auch durch die Laienpresse ging: „Warnung vor Spätfolgen von Ritalin®“. Darin wurde – ausgehend von einer Studie an fünf(!) jungen Ratten – befürchtet, die Hemmung der Transporteiweiße für Dopamin könne als Langzeitfolge zu einem Parkinson-Syndrom (Schüttellähmung, bei der es in den Basalganglien zu einem Untergang Dopamin produzierender Zellen kommt) führen. Methylphenidat wird seit über 45 Jahren verordnet, und bislang ließ sich weltweit in keiner einzigen wissenschaftlichen Arbeit eine Zunahme der Parkinson-Häufigkeit nachweisen!
Weitere Forschungen zu den Langzeitfolgen von Methylphenidat und den Auswirkungen auf das sich entwickelnde kindliche Gehirn sind jedoch vonnöten. Immer wieder wird befürchtet, dass von Methylphenidat eine erhebliche Suchtgefahr für die damit behandelten Kinder ausgeht. Diese ließ sich jedoch bisher nicht belegen. Im Gegenteil, eine Studie von Dr. Michael Huss (Kinderpsychiatrie Charité Berlin) weist nach, dass medikamentös behandelte Kinder mit ADHS weniger suchtgefährdet sind als unbehandelte. Dies erklärt sich vielleicht dadurch, dass Dopamin als „Belohnung“ nach angenehmen Erfahrungen, aber auch nach der Einnahme von Alkohol und Drogen ausgeschüttet wird und zu einem Wohlgefühl führt. Somit stellt die Zufuhr von Suchtmitteln wie Alkohol und Drogen möglicherweise einen „Selbstbehandlungsversuch“ dar, um den niedrigen Dopaminspiegel im Gehirn anzuheben.
Ritalin® allein genügt nicht zur Behandlung von ADHS
Von allen Seiten wird gefordert, die medikamentöse Behandlung nur im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes einzusetzen. Das bedeutet, gleichzeitig auch die Eltern über die Störung ADHS zu informieren und im Umgang mit ihrem doch sehr schwierigen Kind zu unterstützen, beispielsweise durch ein spezielles Elterntraining. Ggf. ist auch eine Psychotherapie für das betroffene Kind und/oder die ganze Familie erforderlich. Zusätzlich können bestehende Schwächen in der Motorik oder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche gezielt behandelt werden. Die Gabe von Methylphenidat wird von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bei entsprechender Schwere des ADHS als Behandlungsmethode der ersten Wahl angesehen. Es gibt inzwischen sogar Studien, die zeigen, dass eine zusätzliche psychotherapeutische Behandlung nicht besser wirkt als die alleinige Gabe von Ritalin®. Von großer Wichtigkeit ist allerdings der richtige und besonnene Umgang mit einem Kind mit ADHS.








