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Schulkind bei den Hausaufgaben
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Mein Kind macht keine Hausaufgaben, was tun?

Hausaufgaben

Längst nicht mehr alle Schulen erwarten heute von ihren Schülern das regelmäßige Erledigen von Hausaufgaben. Doch die meisten Schüler in deutschen Schulen kennen nach wie vor noch tägliche Hausaufgaben und gerade die Pubertierenden schlagen sich damit oft wenig motiviert herum. Schlecht oder gar nicht gemachte Hausaufgaben gehören daher auch zum Streitthema Nummer eins in Familien mit Teenagern. Lesen Sie hier, wie Sie sich als Eltern verhalten können, falls Ihr heranwachsendes Kind auch „keine Lust“ mehr auf seine Hausaufgaben haben sollte.  

Expertenrat von 

Das Thema Hausaufgaben ist auch unter Lehrern nicht unumstritten. Letztlich geht es immer um die Frage, was Hausaufgaben leisten, bzw. welchen Nutzen sie für die Schüler haben. Genau darum sollte sich auch die Diskussion mit Ihrem Kind drehen, wenn es seine Hausaufgaben nicht erledigt.

Unser Rat: Keine Diskussion über Lust oder Unlust!

Würden Sie sich als Eltern auf eine solche Diskussion mit Ihrem Kind einlassen, könnte bei ihm der Eindruck entstehen, dass es nur Aufgaben erledigen muss, die ihm Spaß machen bzw. dass es nicht selbst, sondern nur seine Lehrer für seine Lust am Lernen verantwortlich sind. Da beides nicht zutrifft, sollten Sie sich auf ein solches Gespräch gar nicht erst einlassen – wohl aber auf die Fragen nach dem Wert und Nutzen der Hausaufgaben.

Prüfen Sie den Nutzen der Hausaufgaben

Manche Jugendliche rebellieren nicht zu Unrecht gegen ihre Hausaufgaben. Wenn Ihr Kind ernsthafte Beschwerden vorbringt, dass seine Hausaufgaben sinn- und wertlos seien, dann prüfen Sie das doch gemeinsam. Bestenfalls sollten Hausaufgaben mehrere der im Folgenden genannten sieben Funktionen erfüllen:

1.      Aufdecken von Verständnisschwierigkeiten

Wenn Ihr Kind bei den Hausaufgaben Schwierigkeiten hat, dann ist das kein Problem, sondern eine wichtige Entdeckung! Nun hat ihr Kind drei aktive Möglichkeiten, wie es mit seinen Verständnisschwierigkeiten weiter umgehen kann: Mit Hilfe seiner Bücher und Hefte die Schwierigkeiten alleine in den Griff bekommen, sich Hilfe bei Mitschülern holen oder den

betreffenden Lehrer um Hilfe bitten. z.B. indem es seine Hausaufgaben vorträgt und dabei genau seine Schwierigkeiten benennt.

2.       Vorhandenes Wissen vertiefen und festigen

Das tägliche Hausaufgaben-Training ist wichtig, denn nicht alles, was Ihr Kind in der Schule lernt, sitzt auch gleich perfekt. Damit das Wissen im Langzeitspeicher gespeichert werden kann, sollte es möglichst oft in verschiedenen Zusammenhängen wiederholt und angewendet werden.

3.       Arbeitstempo steigern

Üben, üben, üben - was auf den ersten Blick langweilig wirkt, hat mitunter durchaus seinen Sinn: Durch häufiges Üben steigert Ihr Kind sein Arbeitstempo. Vor allem bei Tests und Arbeiten sollte Ihr Kind sein Wissen dann schnell abrufen können

4.       Klassenarbeiten vorbereiten

Wer in der Schule mitarbeitet und zu Hause seine Aufgaben erledigt, ist klar im Vorteil, denn er bekommt nicht nur bessere Noten, sondern spart auch Zeit und Nerven!

Dass dieser Satz stimmt, spüren alle Schüler, die ihn beherzigen, ebenso wie diejenigen, die es nicht tun. Macht Ihr Kind regelmäßig seine Hausaufgaben und nutzt den Unterricht, um Verständnislücken zu schließen, dann spart Ihr Kind vor Prüfungen Zeit und Nerven, weil es den Lernstoff bereits im Griff hat und nicht „neu“ lernen muss.

5.      Mündliche Mitarbeit verbessern

Hausaufgaben bieten zahlreiche Möglichkeiten und Anlässe für die mündliche Beteiligung im Unterricht, z.B. Vorlesen der Hausaufgaben, Unverständliches nachfragen, Meinungen bilden, Argumente kritisch beurteilen, Lösungswege und Ideen entwickeln, alte und neue Unterrichtsinhalte in Beziehung setzten etc. 

6.       Selbstständiges Arbeiten trainieren

Mit zunehmendem Alter wird Ihrem Kind zugetraut, dass es auch umfangreichere Hausaufgaben, Referate oder Hausarbeiten alleine bewältigen kann. Das funktioniert natürlich dann umso besser, wenn Ihr Kind z.B. durch das selbstständige erledigen seiner Hausaufgaben dafür schon gute Grundlagen gelegt hat.

7.      Wichtige Fähigkeiten entwickeln

Durch Hausaufgaben erwirbt oder vertieft Ihr Kind nicht nur Wissen, sondern es bildet auch wichtige Fähigkeiten aus, die ihm beim Bewältigen von Prüfungen oder später in der Ausbildung oder im Studium helfen. Solche Fähigkeiten sind beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit, das Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und Selbstvertrauen.

Ob die Hausaufgaben Ihres Kindes diese Funktionen erfüllen, ist natürlich auch davon abhängig, wie gewissenhaft Ihr Kind seine Aufgaben erledigt. Dennoch ist es nicht selten, dass sich die Hausaufgaben tatsächlich als wertlos herausstellen – aus unterschiedlichen Gründen:

Hausaufgaben sind sinnlos, wenn…

  • sie keine oder zu wenige der genannten Funktionen erfüllen. Sicher kann Ihr Kind auch an sinnlosen Hausaufgaben sein Durchhaltevermögen und seine Frustrationstoleranz trainieren – doch das wäre tatsächlich Unsinn. Hausaufgaben sollten deutlich mehr als reine „Beschäftigungstherapie“ sein!
  • Ihr Kind unter zu viel negativem Stress leidet. Ist der Druck (Leistungsdruck, Zeitdruck etc.) zu groß, dann können selbst sehr sinnvolle Hausaufgaben schnell zu völlig sinnlosen Hausaufgaben werden.
  • sie dauerhaft die gesamte Klasse über- oder unterfordern. Beides führt bei den Jugendlichen zu Frustrationen, da sie genau spüren, dass die Hausaufgaben für sie wertlos sind.
  • Ihr Kind keine regelmäßige Rückmeldung über seine Hausaufgaben bekommen. Werden die Hausaufgaben nicht vorgetragen, kontrolliert oder hin und wieder auch korrigiert werden, empfinden Schüler Hausaufgaben bald als überflüssig.

Unser Rat: Ermutigen Sie Ihr Kind, das Gespräch mit den Lehrern zu suchen!

Sollte sich herausstellen, dass Ihr Kind tatsächlich überwiegend nutzlose Hausaufgaben aufbekommt, dann sollten Sie es dazu ermuntern, dies zum Thema im Klassenrat zu machen und das Gespräch mit den Lehrern suchen. Mittelstufenschüler sind erwachsen genug, um Lernprozesse nicht mehr einfach über sich ergehen zu lassen. Sie sollten vielmehr ernsthaft signalisieren, dass sie diese zunehmend selbständig und aktiv gestalten wollen.  

Vermuten Sie jedoch hinter der Hausaufgabenverweigerung Ihres Kindes eher fehlende Motivation, dann können Sie Ihrem Kind mit den folgenden Tipps vielleicht helfen, seine Lustlosigkeit ein Stückchen zu überwinden: 

Positiv unterstützen und motivieren  - Tipps für Eltern

Die Zeit, in der Ihr Kind gemeinsam mit Ihnen Hausaufgaben machte, ist längst vorbei und das ist auch gut so. Dennoch können Sie helfen, günstige Rahmenbedingungen für das Arbeiten zu Hause zu schaffen:   

Tipp 1: Helfen Sie Ihrem Kind, seine Konzentrationskiller in den Griff zu bekommen

Wenn Ihr Kind keine Lust auf seine Hausaufgaben hat, dann ist es leicht empfänglich für Störungen unterschiedlicher Art bzw. zieht diese sogar „magisch“ an. Eigentlich könnte Ihr pubertierender Nachwuchs viele dieser „Konzentrationskiller“ mit etwas gutem Willen selbst in den Griff bekommen, doch bei manchen hartnäckigen „Killern“ wie den Folgenden, sind Sie auch bei Ihrem heranwachsenden Kind noch als Helfer gefragt: 

  • Bei mehreren Geschwistern ist es z.B. sinnvoll, verbindliche Ruhe- bzw. Hausaufgabenzeiten (z.B. von 14 -16.00 Uhr) einzurichten. Während dieser Zeit sind laute Musik, Besuch etc. für alle tabu. Wer danach noch lernen muss, benötigt auch dann noch einen ruhigen Ort, z.B. das Arbeitszimmer der Eltern.
  • Ebenso sollten Sie mit Ihrem Teenager verbindliche Regeln für den Umgang mit Handy, Computer etc. während der Lernzeiten festlegen (z.B. Handy aus und aus dem Zimmer räumen). Manche Pubertierende sind schlicht damit überfordert, dies schon selbst in den Griff zu bekommen, weil Ihnen dazu noch die nötige Selbstkontrolle fehlt.   
  • Als Eltern sind Sie natürlich auch dann gefordert, wenn Ihr Kind sich über längere Zeit gesundheitlich nicht wohl fühlt, sehr nervös wirkt oder es andere Dinge belasten, die ihm die Konzentration beim Lernen rauben. In solchen Situationen helfen Sie am besten, wenn Sie nach den Ursachen forschen und anschließend gemeinsam nach passenden Lösungen suchen.

 

Tipp 6: Entstressen Sie Ihr Kind 

Die täglichen Hausaufgaben gehen in der Regel leichter von der Hand, wenn Ihr Kind etwas hat, auf das es sich anschließend freuen kann. Daher ist es wichtig, dass Ihr Kind in seiner Freizeit regelmäßig z.B. in einem Verein aktiv ist und nette Freunde hat, mit denen es nach dem Lernen wirklich entspannen kann. Vor allem wenn Ihr Kind hin und wieder schulische Misserfolge verdauen muss, ist es umso schöner, wenn es in seiner Freizeit z.B. sportliche Erfolge feiern und soziale Anerkennung erfahren kann.

Achten Sie aber darauf, dass die Freizeitaktivitäten nicht selbst irgendwann zu Stress führen, denn das Gedächtnis Ihres Kindes braucht unbedingt ausreichend Zeit und Entspannung, um das Gelernte sicher speichern zu können. Ihr Kind benötigt also einen vernünftigen Wechsel zwischen positiver Anspannung und ausreichend Entspannung (z.B. Pausen, andere Tätigkeiten), um sinnvolle Hausaufgaben auch als solche nutzen zu können.

Tipp 3: Lassen Sie Ihr Kind feste Hausaufgabenzeiten für jeden Tag der Woche festlegen

So muss Ihr Kind nicht jeden Tag neu darüber nachdenken, wann es mit seinen Hausaufgaben beginnt, denn dann ist die Gefahr groß, dass die Zeit dafür immer weiter nach hinten verschoben wird. Einfach machen statt „Aufschieberitis“ funktioniert aber nur dann, wenn nicht Sie für Ihr Kind, sondern Ihr Kind selbst diese festen Zeiten bestimmen kann.

Tipp 4: Loben Sie Ihr Kind, wann immer es möglich ist

Anerkennung und Lob sind oft die besten Motivatoren. Deshalb warten Sie mit Ihrem Lob nicht erst bis Ihr Kind seine Hausaufgaben schnell, perfekt und richtig gemacht hat, sondern loben Sie bereits all das, was Ihrem Kind auf dem oft schwierigen Weg dorthin bereits gut gelingt. „Super,dass du dich heute pünktlich an deine Aufgaben gesetzt hast!“ Und – wenn Sie loben, dann achten Sie darauf, dass Sie Lob und Kritik nicht mischen, das Lob ist damit nämlich hinfällig, z.B.: „Die Power-Point-Folie zu deinem Referat ist sehr gut gestaltet, aber inhaltlich können deine Mitschüler damit nicht viel anfangen.“       

Unser Rat:  Führen Sie ein Gespräch mit dem Lehrer

Sollte Ihr Kind trotz sinnvoller Hausaufgaben, diese dennoch völlig verweigern, dann suchen Sie unbedingt das Gespräch mit den Lehrern, um die Gründe dafür zu erforschen und nach einer praktikablen Lösung zu suchen. Die Verantwortung und Kontrolle für bzw. über die Hausaufgaben Ihres Kindes sollten Sie jedoch keinesfalls mehr übernehmen. Die Verantwortung dafür liegt nun bei Ihrem Kind, die Kontrolle bei den Lehrern. Als Vermittler können Sie Ihr Kind jedoch unterstützen.         

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