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Aufmerksamkeit mit Unsinn-Geschichten fördern

Aufmerksamkeit mit Unsinn-Geschichten üben

Geschichten zum Nachdenken und Spaß haben.

Erinnern Sie sich doch mal an die Zeit, als Ihr Kind drei bis vier Jahre alt und noch so richtig verspielt war. Ohne Schulbücher und Lehrer hat es jeden Tag etwas Neues gelernt – meistens ganz nebenbei oder verpackt in lustige Geschichten. Vielleicht haben Sie damals Ihrem Kind den Autoschlüssel in die Hand gegeben und es ganz ernsthaft aufgefordert, nun doch nach Hause zu fahren. Was war das für ein Spaß, wenn der Nachwuchs erst völlig konsterniert geguckt hat und dann in heftiges Lachen ausgebrochen ist? Mit ganz ähnlichen Mitteln können Sie auch heute noch „arbeiten“. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Unsinn-Geschichten haben eine Reihe von Vorteilen. Zunächst einmal bringen sie Spaß und Humor in den Lernprozess und verbessern so das Lernklima. Dann sind sie variabel, das bedeutet, sie können auf verschiedene Unterrichtsinhalte angewendet werden. Außerdem prägen sich die damit vermittelten Informationen besonders gut ein, weil Ihr Kind aktiv zuhören muss. Generell fördern alle Varianten von Unsinn-Geschichten die Aufmerksamkeit. Hinweise können nur gefunden und Fehler nur entdeckt werden, wenn Ihr Kind sich der Aufgabe konzentriert widmet.

Locken Sie Ihr Kind mit interessanten Themen Unsinn-Geschichten machen Ihrem Kind besonders viel Spaß, wenn sie sich mit Themen beschäftigen, die seine Interessen abbilden. Ist Ihr Sohn ein großer Tennisfan, spielt er gerne Fußball, oder lernt er ein Instrument? Begeistert sich Ihre Tochter für Tiere, eine aktuelle Popband, oder malt sie hingebungsvoll Bilder? Diese Hobbys und Interessen sollten in den Geschichten unbedingt auftauchen. Dabei müssen sie so verfälscht werden, dass Ihr Kind mit etwas Anstrengung die Stolperstellen finden kann.

Diese Lerneffekte bieten Unsinn-Geschichten

Zunächst müssen Sie entscheiden, welchen Lerngewinn Ihr Kind durch die Geschichte erhalten soll.

  1. Konzentrationsförderung: eine Geschichte, in der es „nur“ um die Förderung von Aufmerksamkeit und Konzentration geht. Durch das Zuhören oder Lesen wird die Aufmerksamkeit geschult.
  2. Festigen/Wiederholen des Lernstoffs: In einem Text zum aktuellen Sachthema soll Ihr Kind fachliche Fehler aufdecken.
  3. Rechenkenntnisse überprüfen: eine Rechengeschichte, in der Ihr Kind die enthaltenen Rechnungen nachprüfen und falsche aufdecken soll.
  4. Textverständnis kontrollieren: eine Geschichte mit Fehlinformationen über ein Buch, das Ihr Kind im Unterricht gelesen hat.

Dann erfinden Sie selber eine Geschichte und bestücken diese mit entsprechenden Lügen, die Ihr Kind durch aufmerksames Zuhören herausfinden muss.

Der Umfang richtet sich nach dem Alter und der Aufmerksamkeitsspanne

Schon ab der ersten Klasse können Sie so die Konzentration Ihres Kindes ganz spielerisch fördern. Dabei reichen kurze Geschichten von fünf Minuten schon vollkommen aus. Je älter Ihr Kind wird, desto umfangreicher und schwieriger dürfen die erfundenen Geschichten sein. Wichtig ist jedoch, dass diese Form des Lernens Spaß macht. Nur mit Humor und Lust am Spiel behält die Unsinn-Geschichte ihren Fördercharakter. Ist Ihr Kind müde, krank oder lustlos, sollten Sie die Geschichte auf einen späteren Zeitpunkt vertagen.

So üben Sie richtig

  •  Entwickeln Sie selber eine Geschichte, die zum Lernziel Ihres Kindes passt.
  •  Lesen Sie Ihrem Kind die Geschichte vor, denn bei den Unsinn-Geschichten ist der Kontakt ein wichtiger Spaß-Faktor.
  •  Vereinbaren Sie ein Zeichen, mit dem Ihr Kind die Unwahrheiten aufdeckt, beispielsweise ein bestimmtes Wort (Stop, Quatsch).
  •  In einem zweiten Durchgang kann Ihr Kind die Geschichte selber lesen und die gefundenen Fehler markieren.
  •  Erstellen Sie keine Geschichten mit Rechtschreibfehlern, die Ihr Kind finden soll. Dabei würde sich nur eine falsche Schreibweise einprägen. Unsinn-Geschichten sollen sich immer auf den Inhalt beziehen.

Achtung: Unsinn-Geschichten machen nicht immer Sinn!

Unsinn-Geschichten sollten Sie nur dann einsetzen, wenn Ihr Kind entweder seine Aufmerksamkeit generell steigern soll, oder wenn es den Schulstoff schon recht gut beherrscht. Ist sich Ihr Kind beispielsweise bei der 4er-Reihe des Einmaleins noch sehr unsicher, ist die „Obst muss auf den Tisch“-Geschichte noch zu schwierig. Das Ausrechnen und das Überprüfen der Aussagen würden zu lange dauern und wären nicht motivierend. Auch wenn Ihr Kind sich mit den Einzelteilen eines Fahrrades noch nicht auskennt oder überhaupt keine Ahnung von den Verkehrsregeln hat, wäre die Geschichte über das Fahrrad noch nicht geeignet.

So entwickeln Sie eine Unsinn-Geschichte zur Konzentrationsförderung

Greifen Sie eine Begebenheit aus der letzten Woche auf. Vielleicht war Ihr Kind auf einem Geburtstag eingeladen, oder hat es an einem Wettkampf teilgenommen. Erfinden Sie nun eine Unsinn-Geschichte rund um diesen Geburtstag oder den Wettkampf und bauen Sie extra kleine Fehler oder Flunkereien ein. Das könnte beispielsweise so aussehen …

Unsinn-Geschichte ab Klasse 1 - Ein Tor für Benjamin

Benjamin war am letzten Samstag (Lüge: Es war Sonntag) den ganzen Tag auf einem Hallen-Hockeyturnier. Seine Kameraden aus der Mannschaft waren ganz aufgeregt. Schon in der Kabine, als sie sich die grün-gelben Trikots (Lüge: Es waren rote Trikots) angezogen haben, war die Stimmung aufgeladen. Alle hatten Angst, gegen die starken Gegner aus Italien (Lüge: Sie waren aus Deutschland) zu verlieren. Als das Spiel begann, umklammerten die Spieler siegeswillig ihre Tennisschläger (Lüge: Es waren Hockeyschläger).

Bis zur ersten Pause, bei der es unentschieden stand, kämpften bei Mannschaften wie die Löwen. Keiner wollte verlieren, jeder hatte den Sieg vor Augen. Nach der Pause schnappte sich Benjamin direkt den Federball (Lüge: Im Hallen-Hockey ist das ein Puck) und steuerte ihn wie der Teufel ins gegnerische Tor. „Tor!“, jubelten seine zehn Mitspieler (Lüge: Im Kinder-Hockey besteht die Mannschaft aus sechs Mitspielern).

Bitte wandeln Sie die Geschichte für Ihr Kind so ab, dass sie passend ist. Je mehr persönliche Erlebnisse Ihres Kindes Sie integrieren, desto mehr Spaß macht diese Form der spielerischen Förderung.

So entwickeln Sie eine Geschichte zum Textverständnis-Training

Um ein Thema aus dem Sachkundeunterricht zu vertiefen, eignen sich Unsinn-Geschichten ebenfalls. Wählen Sie dazu einen Text aus dem Sachkundebuch Ihres Kindes oder aus seinem Heft. Schreiben Sie den Text etwas um, sodass sich kleine Ungereimtheiten ergeben. Die soll Ihr Kind enttarnen.

Unsinn-Geschichte für Klasse 4 - Das Fahrrad

Bei Dunkelheit und schlechter Sicht sind einige Teile am Rad besonders wichtig, damit du besser gesehen wirst. Dabei handelt es sich um das Rücklicht, den Sattel (Lüge!), die reflektierenden Scheiben in den Speichen, die reflektierenden Stellen an den Pedalen und den Gepäckträger (Lüge!). Wichtig ist beim Fahren auch, den Helm immer entspannt am Arm (Lüge!) baumeln zu lassen. Wenn du einen Fußgänger überholen willst, musst du gar nichts tun (Lüge: Du musst klingeln!), denn Fahrradfahrer haben immer Vorfahrt (Lüge!).

Alle Grundschulkinder dürfen natürlich nur mit Stützrädern (Lüge!) fahren, und erst ab 18 ist das Fahrradfahren auf der Straße erlaubt (Lüge!). Wenn dein Fahrradreifen ein Loch hat, musst du einen Kaugummi drüberkleben (Lüge!). Die Luftpumpe ist dazu da, dass du Fußgänger zur Seite scheuchen kannst (Lüge!).

Jeder Sachtext, den Ihr Kind liest, kann in dieser Form verändert werden. Achten Sie aber auf jeden Fall darauf, jeden Fehler sofort aufzuklären. Es wäre kontraproduktiv, wenn Sie Ihr Kind im Unklaren lassen und es den Unsinn für bare Münze nimmt.

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Als Leser von "Lernen und Fördern mit Spaß" können Sie hier noch exklusiv die Unsinn-Rechen-Geschichte "Obst muss auf den Tisch" lesen.

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Kommentare zu "Aufmerksamkeit mit Unsinn-Geschichten üben"

  • Monika schreibt am 02.03.2013

    Tolle Anregungen!! Die drucke ich mir aus und speichere sie ab zum Weitergeben.
    Humor ist in der heutigen Leistungsgesellschaft so wichtig.
    Wie kann man zu Humor kommen? Es hat einige Zeit gedauert, bis ich das mit Hilfe anderer heraus bekam, auch zum Teil mit Ihnen, liebe Frau Reimann-Höhn!, z. B:
    selber Fehler machen, da müssen die Kinder besonders lachen.
    Übermäßige Übertreibungen und Untertreibungen.
    Das Gegenteil ausdrücken.
    Völlig irreale und unsinnige Vorgänge ausdrücken als Drohung beim Trotzen ("Dann musst du rückwärts den Berg hinauf fahren, oder im Herbst die Blätter wieder an die Bäume kleben).
    Nach Frau Dr. A. Schmelz: Beim Trotzen sich selber die Windel auf den Kopf 'anziehen' oder anderen Quatsch damit machen -
    Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
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