Kommentare:
Vater und Sohn lesen Bildergeschichte
© Oksana Kuzmina - 123rf.com

Bildergeschichten schreiben: Viel komplizierter, als Sie denken

Effektives Lernen mit Methode

Erwachsene können oft gar nicht nachvollziehen, was am Schreiben einer Bildergeschichte so schwierig sein soll. Kein Wunder, erfassen wir als geübte Leser doch den Sinn einer längeren Geschichte recht schnell und verstehen sowohl den Höhepunkt als auch die Pointe ohne große Schwierigkeiten. Für Schülerinnen und Schüler bis zur sechsten Klasse sind Bildergeschichten jedoch stets eine große Herausforderung. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

In Klasse 3 und 4, manchmal schon am Ende von Klasse 2, tauchen Bildergeschichten als Unterrichtsinhalt zum Thema „Aufsatz“ auf. Noch in Klasse 5 sind Bildergeschichten ein verpflichtender Bestandteil des Unterrichts, beispielsweise im hessischen Lehrplan der Gymnasien oder auch in Nordrhein-Westfalen

Bildergeschichten schüttelt Ihr Kind nicht aus dem Ärmel

Bevor ein Schulkind alle Aspekte einer anspruchsvollen Bildergeschichte erfassen kann, ist viel Übung notwendig. Das Schreiben einer Bildergeschichte ist sehr komplex und erfordert viele unterschiedliche Fähigkeiten:

  • Die Schülerinnen und Schüler müssen über einen großen Wortschatz verfügen und von ihrer intellektuellen Entwicklung her so weit sein, den kompletten Handlungsablauf verstehen zu können.
  • Das Verwenden der wörtlichen Rede muss ebenso gekonnt sein wie die Einteilung einer Geschichte in Einleitung, Hauptteil mit Höhepunkt und Schluss.
  • Nicht zuletzt gehört auch Fantasie zum Schreiben einer Bildergeschichte bzw. zum Beschreiben der Bilder. Gesichtsausdrücke und Gesten müssen erkannt und gedeutet werden. Bei bestimmten Aufgaben sollen die Kinder sich selbst das Ende, den Anfang oder sogar ein spannendes Ereignis ausdenken.

Erst wenn die Kinder alle diese Kenntnisse erworben haben, können sie gute Bildergeschichten schreiben.

Bildergeschichte: Schritt-für-SchrittAnleitung für Ihr Kind

Vier oder sechs gezeichnete Bilder, die eine Geschichte erzählen, sind in der Regel die Grundlage, auf der Schülerinnen und Schüler eine Bildergeschichte schreiben sollen. Aber „Bilder ansehen und dann was schreiben“ reicht nicht aus, um eine gute Note zu bekommen.

Die Bildergeschichte gehört zur Gruppe der Aufsätze. Ihr Aufbau unterliegt denselben Kriterien wie eine Erzählung, ein Erlebnisbericht oder eine Fantasiegeschichte.

7 Schritte zur erstklassigen Bildergeschichte

Ganz gleich um welches Thema es sich handelt: Jede Bildergeschichte ist in eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss unterteilt.

1. Schritt: Sieh dir die Bilder an und beschreibe sie

Beschreibe, was du auf den einzelnen Bildern siehst. Stimmt die Reihenfolge? Entscheide dann, welches Bild die Einleitung und welches den Schluss zeigt.

Beispiel: Ein Mädchen geht mit ihrem Hund spazieren (Einleitung). Am Ende ist sie glücklich, weil der Hund wieder auftaucht (Schluss). Im zweiten Schritt geht es darum, den Inhalt der Geschichte zu verstehen.

2. Schritt: Fasse die Handlung in wenigen Sätzen zusammen

Fasse den Erzählstrang der Geschichte so kurz wie möglich zusammen. Einige kurze Sätze reichen. Hast du verstanden, um was es geht? Fange nicht an zu schreiben, bevor du die Geschichte genau verstanden hast.

Beispiel: Einem Mädchen, das spazieren geht, rennt der Hund weg. Später bringt eine Finderin den Hund zurück. Anschließend kann es zum eigentlichen Schreiben übergehen.

3. Schritt: Schreibe dir zu jedem Bild Stichwörter auf

Auch wenn es etwas länger dauert, ist es sinnvoll, zu jedem Bild ein paar Stichwörter zu notieren. Achte dabei auf die Gestik und Mimik der Figuren, auf Gegenstände an den Bildrändern und auf Details. Nun ist auch deine Fantasie gefragt, denn mit deinen Ideen und Einfällen kannst du die Geschichte spannend und interessant machen.

Beispiel Bild 1: fröhliches Mädchen, Pferdeschwanz, gepunkteter Hund, Wiese, gutes Wetter … Aus den Stichwörtern kann Ihr Kind dann die ganze Geschichte zusammensetzen. Dabei beginnt es mit der Ein leitung, die aus zwei bis drei Sätzen bestehen sollte. Der Mittelteil ist am längsten und der Schluss ist wieder kurz.

4. Schritt: Verwandle die Stichwörter in ganze Sätze

In der Einleitung solltest du klären, wer was wo macht. Dann gehst du zum Hauptteil über, mit dem die Geschichte ihren Lauf nimmt. Alle Ereignisse führen zum Höhepunkt der Geschichte oder zur Pointe, die in der Regel auf dem letzten Bild zu sehen ist.

Beispiel Bild 1: Ein fröhliches Mädchen geht mit seinem Hund bei schönem Sonnenschein spazieren. Die beiden schlendern über eine Wiese, sein Hund Sammy springt neben ihm her. Beim Laufen wippt der Pferdeschwanz des Mädchens lustig. Beim Schreiben der Bildergeschichte kommt es auch auf die Wahl der Wörter und auf eine lebendige Schreibweise an. Natürlich muss auch auf die richtige Rechtschreibung geachtet werden.

5. Schritt: Würze deine Bildergeschichte mit wörtlicher Rede und einem abwechslungsreichen Wortschatz

Lass die Personen sprechen und benutze dazu wörtliche Rede. Achte auch darauf, viele verschiedene, konkrete Verben und Adjektive einzubauen.

Beispiel Bild 2: Plötzlich sieht Sammy einen Hasen im hohen Gras. Aufgeregt bellt er. Das Mädchen erschrickt und denkt: „Mist, warum habe ich Sammy nicht an die Leine genommen. Er will doch immer Hasen fangen.“ Doch da ist es schon zu spät. Der Hund ist im hohen Gras verschwunden. Jetzt hast du es fast geschafft. Deine Geschichte ist geschrieben – du hast die Bilder zum Leben erweckt. Zum Schluss fehlt nur noch die Überschrift.

6. Schritt: Finde eine passende Überschrift

Probiere ruhig drei oder vier Überschriften aus, bis du eine wirklich passende gefunden hast. Deine erste Idee ist nicht immer die beste.

Beispiel: Ein aufregender Spaziergang

7. Schritt: Überprüfe deine Geschichte

Lies deine Bildergeschichte zum Schluss noch einmal sorgfältig durch. Sicher kannst du noch etwas verbessern oder korrigieren.

  • Achte auf die Rechtschreibung: Hast du alles richtig geschrieben?
  • Bleibe in einer Erzählzeit: Wechsle beispielsweise nicht von der Gegenwart in die Vergangenheit.
  • Prüfe, ob du wörtliche Rede verwendet hast.
  • Hast du Gefühle beschrieben und auch auf Details geachtet?
  • Sind deine Satzanfänge unterschiedlich? Du solltest dich nicht wiederholen.
  • Hat deine Geschichte einen Höhepunkt? Ist sie spannend oder lustig?

 

 

 

Mehr zum Thema von unseren Elternwissen-Experten

Kommentare zu "Bildergeschichten schreiben: Viel komplizierter, als Sie denken"

Sagen Sie Ihre Meinung und schreiben Sie einen Kommentar!




Warum stellen wir so dumme Fragen?
Hinweis: aus rechtlichen Gründen erscheint Ihr Kommentar nicht sofort, sondern muss zuerst durch einen Moderator freigeschaltet werden.
Spamschutz

Der Grund, weshalb wir Sie nach der Geburt fragen, ist die Vermeidung von Spam durch automatisierte Spam-Bots.

Solche Spam-Bots versuchen durch massenhafte Einträge von Links in Kommentarfeldern und Gästebüchern Traffic für ihre Angebote zu erzeugen. Daher stellen wir einfache Fragen, die ein echter Nutzer ohne Probleme beantworten kann, während automatisierte Spam-Bots daran meist scheitern (Captcha-Test).

Eine Alternative zu solchen individuellen Fragen sind Bild-Captchas, bei denen verzerrt dargestellte Buchstaben oder Zahlen abgetippt werden müssen. Aufgrund des erhöhten "Nerv-Faktors" dieser Bild-Captchas haben wir uns für aber für erstere Variante entschieden.

Kostenlose Tipps zum Thema "Lernmethoden und Lerntechniken" per E-Mail

Sollen wir Sie mit neuen Tipps und Artikeln zum Thema "Lernmethoden und Lerntechniken" kostenlos per E-Mail auf dem Laufenden halten?