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Mutter bastelt gemeinsam mit ihren Töchtern
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Kunstunterricht: So fördert das Fach ungewöhnliche Sicht- und Denkweisen

Entdeckendes Lernen mit allen Sinnen

Seien wir mal ganz ehrlich: Wenn bald das Halbjahreszeugnis auf dem Tisch liegt, interessiert sich keiner für die Musik- oder Kunstnote seines Kindes. Wichtig sind ganz allein die Hauptfächer, denn sie sind versetzungsrelevant. Das bisschen Klecksen, Klimpern und Malen nehmen weder Eltern noch Kinder richtig ernst. Dabei schult das Fach Kunst Fähigkeiten, die für die Entwicklung eines Kindes sehr wichtig sind. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Für eine Karriere als Ingenieur, Ärztin, Mathematiker oder Unternehmensberaterin scheint das Fach Kunst keine große Bedeutung zu haben. Warum in der Schule also wertvolle Zeit mit dem Thema vergeuden, wenn doch die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen viel wichtiger für eine erfolgreiche Ausbildung sind? Ein Blick in den Lehrplan verrät, warum Kunst überhaupt unterrichtet wird. Viele der vermittelten Kompetenzen haben nämlich durchaus Auswirkungen auf die Lernentwicklung:

  • Die Wahrnehmungsfähigkeit und das Vorstellungsvermögen der Kinder werden entfaltet und entwickelt.
  • Kreativität und Fantasie werden angeregt und weiterentwickelt.
  • Ihr Kind lernt, sich mit bildnerischen Mitteln auszudrücken.
  • Es lernt ästhetische Erscheinungen und Vorgänge zu verstehen sowie zu interpretieren.
  • Kunst fördert neue, ungewöhnliche Arbeits-, Sicht- und Denkweisen.

Kunst hilft Ihrem Kind, Erlebtes zu verarbeiten

„Das klingt alles sehr theoretisch“, denken Sie sich jetzt vielleicht. Und ob der Kunstunterricht diesen Ansprüchen immer genügt, mag auch tatsächlich fraglich sein. Doch haben Sie Ihr Kind schon mal dabei beobachtet, wie es ganz in sein Tun versunken ein Bild malt, eine Sandburg baut oder Perlen auf einen Faden fädelt? Kinder verarbeiten, ordnen und strukturieren Erlebtes und Gehörtes, während sie sich künstlerisch ausdrücken. Das erklärt auch, warum in einer Schulklasse kein Bild dem anderen gleicht, obwohl alle mit den gleichen Materialien arbeiten.

Kunst eröffnet neue Wege

Im Kunstunterricht lernt Ihr Kind, dass es viele Wege zum Ziel gibt. Eine Katze kann gemalt, geknetet, geritzt, ausgeschnitten oder aus Muscheln gelegt werden. Und auch in anderen Fächern gibt es verschiedene Wege, um eine Lösung zu finden: bei Textaufgaben, beim Schreiben einer Geschichte oder beim Anfertigen eines Lesetagebuchs. Solche offenen Denkweisen werden durch die Kunst gefördert, wenn der Unterricht ohne Druck und starre Regeln abläuft. Dinge hinterfragen, sich Alternativen überlegen, verschiedene Materialien und Bearbeitungsstrategien nutzen – all das wird durch den Kunstunterricht gefördert.

Kreativität und Fantasie beschränken sich nicht auf den Zeichenblock und den Pinsel, sondern setzen sich auch im Alltag und in den anderen Schulfächern fort. Ein interessanter Umgang mit Kunstwerken findet sich in dem Wimmelbuch-Bildband „Mein großes Buch der Kunst“ von Doris Kutschbach (ca. 20 €, z. B. Amazon). Anhand berühmter Kunstwerke findet hier eine Kunstdiskussion für Kinder statt.

Werden Sie auch zu Hause kreativ

  • Wer einmal damit anfängt, mag nicht mehr aufhören. Stellen Sie den Alltag in Frage, und versuchen Sie gemeinsam
  • mit Ihrem Kind, jeden Tag etwas Neues, Künstlerisches zu (er)finden. Verlassen Sie die gewohnten Bahnen:
  • Frühstücken Sie mal an einem anderen Ort, vielleicht als Picknick im Wohnzimmer.
  • Gehen Sie andere Wege zum Supermarkt, Bäcker oder zum Sportverein.
  • Verständigen Sie sich einen Tag lang nur mit Zeichensprache.
  • Malen Sie abends ein Bild über den Tag, vielleicht sogar gemeinsam.
  • Basteln Sie einen komplett anderen Weihnachtsschmuck.
  • Zweckentfremden Sie Gegenstände. Aus der Milchverpackung wird ein Stifthalter und aus Kronkorken der Rahmen eines Bildes.
  • Erfinden Sie Figuren oder Geschichten, und entwickeln Sie diese Tag für Tag weiter.

Wenn Kinder kreativ denken, fällt es ihnen leichter, Probleme zu lösen

Kreativität und Fantasie können Sie fördern, so wie das im Kunstunterricht der Fall ist. Aber Achtung, kreative Kinder können anstrengend werden! Sie sind nicht nur einfallsreicher beim Bearbeiten der Hausaufgaben und beim Finden von Lösungen für schulische Fragestellungen, sie übertragen ihre Fähigkeit auch auf den Alltag. Kreative Kinder kommen auf tolle Ideen, sie bemalen vielleicht die Zimmerwände neu, basteln aus der noch nicht gelesenen Tageszeitung eine Collage, färben dem Hund die Haare und erfinden die tollsten Ausreden. Dieses flexible, kreative und einfallsreiche Umgehen mit dem Alltag sollten Sie unbedingt positiv und humorvoll sehen. Schließlich gilt: Wer zu Hause kreativ ist, ist es auch in der Schule beim Lösen von Aufgaben

Mein Tipp!

Neue Ideen und ungewöhnliche künstlerische Einfälle Ihres Kindes interessieren sicher auch die Schule. Machen Sie ein Foto des Objekts, oder schildern Sie die Idee der zuständigen Lehrkraft. Vielleicht greift sie den Vorschlag auf, und Ihr Kind erhält so eine besondere Wertschätzung, von der es lange zehren kann.

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