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Gruppe von Schulkindern
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Lernen ist auch Typsache: So gehen Sie mit dem Temperament Ihres Kindes richtig um

Starke Eltern - starkes Kind

Wenn Marlon sein Hausaufgabenheft wütend in die Ecke feuert oder Pia über einen kritischen Hefteintrag ihrer Lehrerin stundenlang grübelt, hat das etwas mit dem Temperament dieser Kinder zu tun. Sie reagieren ganz unterschiedlich auf schwierige Situationen: mal aggressiv, mal enttäuscht, mal verzweifelt. Wie Sie als Eltern am besten auf die unterschiedlichen Reaktionen Ihres Kindes beim Lernen eingehen, haben wir für Sie zusammengestellt. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Im Laufe der Schulzeit sind schwierige Situationen nicht gerade selten und lösen eine Reihe von Emotionen aus. Neben Freude und angenehmer Erregung gehören auch Enttäuschung, Wut und Trauer zu den häufigsten Gefühlen, denen Kinder ausgesetzt sind. Die Art und Weise, wie Kinder mit diesen Emotionen umgehen, wird als Temperament bezeichnet. Der Begriff umschreibt aber auch, wie stark der Bewegungsdrang eines Kindes ist, wie aufgeschlossen, schüchtern oder gesellig es ist. Gemischt mit der wachsenden Lebenserfahrung, entwickelt sich so nach und nach eine ganz individuelle Persönlichkeit.

Das Temperament Ihres Kindes können Sie beeinflussen

Das Temperament beschreibt also die Emotionalität eines Kindes, die sich wiederum natürlich auch auf sein Verhalten auswirkt. Dieses Verhalten ist nicht unveränderbar. Im Gegenteil: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Lebenserfahrungen eines Kindes einen großen Einfluss auf das angeborene Temperament haben. Eltern können also beispielsweise durch ihre Vorbildfunktion ein stark gehemmtes Kind darin unterstützen, aus sich herauszugehen. Und aufbrausende Kinder können durch richtiges Elternverhalten lernen, ihre Emotionen zurückzuhalten.

Jungen und Mädchen haben unterschiedliche Temperamente

Grundsätzlich sind Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen nicht von der Hand zu weisen. Mädchen sind schneller bereit, ihre Gefühle an- oder auszusprechen, und zeigen sie auch mimisch eher als Jungen. Auch können sie Gefühle anderer besser wahrnehmen, sie sind empathischer. Bei Jungen dominiert eine andere Gefühlsart, die impulsive Aggression. Sie explodieren schnell, raufen gerne und sind durch soziale Strafen (schlechte Noten, Tadel) weniger zu beeindrucken.

Beim Lernen sind Geduld und Ausdauer gefragt

Zwei Temperamente: Marlon und Pia sind beide in der 3. Klasse und nicht so große Freunde von Mathe-Hausaufgaben. Während Pia tapfer Päckchen für Päckchen ausrechnet, weil sie großen Respekt vor der Lehrerin hat, schlägt Marlon nach zehn Minuten sein Heft genervt zu. „Das ist total langweilig!“ jammert er und schaut seine Mutter verzweifelt an. „Ich kann das doch, warum soll ich die ganzen Aufgaben rechnen? Ich will jetzt lieber was spielen.“ Marlon springt auf und hüpft auf der Stelle. „Guck mal, ich kann einfach nicht länger hier rumsitzen, das wollen meine Beine nicht!“ Seine Mutter gibt entnervt nach und schreibt die Lösungen der restlichen Aufgaben schnell ins Heft, während Marlon schon mit dem Hund kuschelt. Eine verständliche Reaktion der Mutter, aber auf lange Sicht kontraproduktiv.

Ausdauer trainieren Mit unseren sechs Tipps können Sie die Ausdauer und Geduld Ihres Kinder trainieren.

Tipp 1: Beginnen Sie mit spannenden Themen, nicht mit den Mathe-Hausaufgaben

Beginnen Sie die Ausdauer Ihres Kindes an Themen zu trainieren, die es interessieren; das würde auch einem impulsiven Kind wie Marlon helfen. Vielleicht mag Ihr Kind Pferde, dann lesen Sie dazu eine Geschichte, malen ein Bild und denken sich Pferdenamen aus. Eine halbe Stunde bis eine Stunde sollte Ihr Kind sich mit einem Thema beschäftigen können. Wenn Ihr Kind sich mit interessanten Dingen immer ausdauernder beschäftigt, nimmt seine Ausdauer auch insgesamt zu. Es übt sich in der Fähigkeit dranzubleiben.

Tipp 2: Beschäftigen Sie Ihr Kind nicht ständig

Es ist inzwischen üblich, dass Kinder den ganzen Tag „bespaßt“ werden. Nach der Schule, den Hausaufgaben und einem Hobby wird noch vorgelesen oder gemeinsam ferngesehen. Viele Kinder haben keinen Freiraum, der vollständig frei von Medien oder Angeboten ist. Ohne diese freie Zeit können sie nicht kreativ werden und sich in ihre eigenen Ideen vertiefen. Das sprunghafte Freizeitverhalten führt auch zu einer sprunghaften Aufmerksamkeit. Schaffen Sie jeden Tag einen Freiraum von mindestens einer Stunde, in der Ihr Kind einfach nur spielen soll. Länger ist besser! Anfängliche Langeweile-Attacken sollten Sie durchstehen.

Tipp 3: Nehmen Sie Ihrem Kind nicht alles ab

Die Hausaufgaben von Marlon schnell selbst zu erledigen ist ein No-Go, das haben Sie sicher gleich gemerkt. Aber mal ehrlich: Juckt es Sie nicht auch ab und zu in den Fingern, Ihr Kind etwas zu „beschleunigen“? Besser wäre es, Kinder in Ruhe und ohne ständiges Antreiben ihre Tätigkeiten zu Ende führen zu lassen. Wer es endlich glücklich schafft, die Schleife an seinem Schuh selbst zuzubinden, empfindet irgendwann auch Zufriedenheit, wenn er die MatheHausaufgaben ohne Hilfe löst. Alter - nativ werden die Hausaufgaben einfach nach einer vereinbarten Zeit beendet und das Heft mit einer Notiz für die Lehrkraft versehen.

Tipp 4: Vermeiden Sie Hektik und Stress

Durchforsten Sie Ihren Tagesablauf, und schmeißen Sie immer wieder mal stressige Pläne über den Haufen. Muss denn die Jacke wirklich heute noch in die Reinigung oder das Auto in die Waschstraße? Muss Ihr Kind an drei Sportkursen teilnehmen, oder reicht auch einer? Und lässt sich der Großeinkauf noch mal verschieben, wenn es Reste im Kühlschrank gibt? Je entspannter Ihr Familienalltag ist, desto mehr Zeit können Sie Ihren Kindern widmen und sie dabei unterstützen, selbstständiger und ausdauernder zu werden

Tipp 5: Unterbrechen Sie Ihr Kind so wenig wie möglich

Wenn Sie die Ausdauer Ihres Kindes erhöhen wollen, dürfen Sie es nicht ständig unterbrechen. Spielt, bastelt, liest oder lernt es gerade, lassen Sie es am besten in Ruhe und warten ab, bis es von selbst aufhört. Ständiges Unterbrechen, wie es beispielsweise durch die Smartphones der Fall ist, hat ganz schlechte Auswirkungen auf die Ausdauer.

Tipp 6: Stärken Sie Ihrem Kind den Rücken

Sehr schüchterne oder ängstliche Kinder wie etwa Pia aus unserem Beispiel müssen hingegen lernen, sich durchzusetzen. Sie dürfen ruhig etwas mehr auf ihr Gefühl achten und auch mal Fünf gerade sein lassen. Folgt ein Kind stets bemüht allen Anweisungen, geht es auch leicht mal über seine Grenzen. Zeigen Sie Ihrem Kind Wege, wie es sich in schwierigen Situationen verhalten kann. Üben Sie, was es zu seiner Lehrerin sagen darf. Stärken Sie seine Haltung (siehe dazu auch den TitelBeitrag „Power-Posen“ aus dem Dezember-2015-Heft) und bauen Sie es nach einer Enttäuschung wieder auf

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