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Mädchen hört Musik beim Lernen
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Lernen mit Musik

Erfolgsstrategie oder Konzentrationskiller?

Vielleicht hört auch Ihr pubertierender Nachwuchs bei den Hausaufgaben oder beim Lernen gerne Musik?! Und wahrscheinlich haben Sie sich auch schon häufiger gefragt, ob Sie eingreifen und Ihrem Kind dies untersagen sollten. Lesen Sie hier, was Sie zum Thema „Lernen mit Musik“ wissen und bedenken sollten 

Expertenrat von 

Jede Musik hat Auswirkungen auf unsere Gefühle, auf unsere Stimmung. Hört Ihr Kind Musik, so befindet es sich je nach Song und Musikrichtung in einer entspannten, aggressiven, glücklichen, traurigen, ruhigen oder nervösen Gefühlslage. Je mehr Ihr Kind sich auf die Musik einlässt, umso intensiver sind auch seine Gefühle. Dient ein bestimmtes Lied nun dazu, sich gleichsam rituell auf die bevorstehende Arbeit einzustimmen, so fördert die Musik in diesem Fall das Arbeitsverhalten positiv. Lässt Ihr Kind hingegen während des Lernens dauerhaft Musik als Hintergrundbeschallung laufen, so können die verschiedenen Beats und Texte vom Lernen ablenken. Die Lernaufgaben und die Musik müssen gleichzeitig vom Gehirn aufgenommen und verarbeitet werden. Die meisten Jugendlichen sind von dieser Konzentrationsleistung überfordert und erledigen dann in der Regel die Lernaufgaben nicht mit voller Konzentration. Ein pauschales „Ja“ oder „Nein“ auf die Frage, ob Lernen mit Musik nun sinnvoll ist, gibt es also nicht. Entscheidend ist vielmehr, wann Ihr Kind beim Lernen Musik hört, welche Musik es dabei bevorzugt und vor allem, wie Ihr Kind individuell auf die Musik reagiert. Solange Ihr Sohn oder Ihre Tochter mit Musik, welcher Art auch immer, die schulischen Aufgaben richtig und vollständig erledigt, werden Sie es schwer haben, mit Argumenten dagegen anzukommen.

Studie 1: Musik ist ein „Konzentrationskiller“!

Im Rahmen einer Ausgabe der Sendung pur+ in ZDF tivi haben Wissenschaftler den Einfluss von Musik auf die Konzentration untersucht. In mehreren Testdurchgängen wurde die Konzentrationsfähigkeit von Schülern beim Lernen bei Stille, mit meditativer Chill-out-Musik und mit Rap-Musik verglichen. Das Ergebnis fiel recht eindeutig aus: 66 Prozent der Aufgaben wurden sowohl ohne Musik als auch bei ruhiger Musik richtig gemacht. Beim Hören der Rap-Musik wurden viel mehr Fehler gemacht: Nur 44 Prozent der Aufgaben stimmten! Die Begründung der Wissenschaftler: Diese Musik lenkt beim Lernen ab, und zwar deshalb, weil in dieser Musik viele Geräusche stecken, die von Schlagzeug, Bass, Stimme, Effekten etc. stammen. Je höher der messbare Geräuschpegel ist, desto weniger könne man sich beim Hören dieser Musik konzentrieren.

Studie 2: Musik ist kein „Konzentrationskiller“!

Der Dortmunder Musikpsychologe Günther Rötter hat ebenfalls die Auswirkungen von Musik auf die Konzentrationsfähigkeit von Schülern gemessen. Sein Team, das über mehrere Wochen hinweg Schüler während der Hausaufgaben testete, fand keine negativen Effekte. „Ich bin wirklich erstaunt über dieses Ergebnis“, sagte Günther Rötter. „Wir haben alles hin und her gemessen, alle Möglichkeiten durchgespielt – aber nirgendwo zeigte sich, dass Musik auf das Konzentrationsvermögen einen Einfluss hatte.“ Ein Grund dafür, dass Musik die Leistung nicht mindert, ist vermutlich die Allgegenwart der Musik in der Umwelt der Kinder und Jugendlichen. Musik werde von den Konsumenten noch nicht einmal im Hintergrund wahrgenommen. Der Musikpsychologe Klaus-Ernst Behne sprach in diesem Zusammenhang schon vor Jahren von der „Hornhaut auf den Ohren“ vieler Jugendlicher. Einige Wissenschaftler gehen sogar noch weiter: Bei vielen Schülern setze sogar ein Gefühl der Unsicherheit ein, sobald ihnen die gewohnte Beschallung entzogen werde.

Bedenken Sie auch, dass Musik nicht nur ein störender Reiz ist, sondern sie überdeckt oft auch andere, störende oder unangenehme Reize. Stille ist mehr und mehr ein Zustand, mit dem viele Kinder und Jugendliche immer weniger gut umgehen können.

Der Erfolg entscheidet!

Die Studienergebnisse haben es gezeigt: Wie viel Erfolg Kinder beim Lernen mit Musik haben, ist sehr individuell. Entscheidend ist letztendlich, wie IHR Kind auf die Musik beim Lernen reagiert. Wenn Ihr Kind bei den Hausaufgaben Musik hört und diese dann ordentlich, richtig und in einer angemessenen Zeit erledigt, gibt der Erfolg Ihrem Kind Recht. Sollten Sie an dieser Stelle Ihrem pubertierenden Kind das Musikhören bei den Hausaufgaben verbieten, wird es Ihnen sofort beweisen, dass es nur mit Musik lernen kann. Wollen Sie sich auf diesen Kampf einlassen? Ihr Kind trägt somit die Beweislast. Wenn das Lernen mit Hintergrundberieselung jedoch nicht klappt, sollte Ihr Kind eher ohne Musik lernen und das Hören der Musik auf Lernpausen oder im Anschluss an die Lernzeit verschieben. Gänzlich ausschließen sollte man es also nicht, dass das Lernen auch mit Musik funktioniert.

Unser Rat: Beobachten Sie Ihr Kind. Nehmen Sie genau wahr, zu welchem Zeitpunkt es beim Lernen Musik hört, welche Musik es hört und wie sich das auf sein Arbeitsverhalten auswirkt. Hat die Musik einen eindeutig negativen Einfluss auf die Konzentration und die Arbeitsergebnisse, ist ein ernstes Gespräch fällig. Lassen Sie sich nicht auf eine wilde Diskussion ein, sondern appellieren sie an die Eigenverantwortung. Die Musik sollte gemäßigt sein und nicht andere stören oder nerven. Hausaufgaben sind (und waren auch für uns früher!) keine überaus angenehme Angelegenheit. Letztendlich müssen sie aber gemacht werden. Und wenn Musik für Ihr Kind motivationsfördernd und nicht konzentrationshemmend ist, sollten Sie das Lernen mit Musik nicht verbieten.

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