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Langeweile beim Lernen

Warum das Gedächtnis wiederholen muss!

Wie das Gedächtnis funktioniert!

Die meisten Schüler haben nur wenig Lust, bereits verstandenen Lernstoff noch einmal oder sogar mehrmals zu wiederholen. Text gelesen, Mathe-Aufgaben gerechnet, Vokabeln gesichtet, Formeln abgeschrieben – Heft zu und fertig! Doch warum ist das Wiederholen von Lernstoff so wichtig? 

Expertenrat von 

In der Pubertät ist das Leben spannend und aufregend. Hinter jeder Ecke warten neue Abenteuer und Herausforderungen auf Ihr Kind. Doch spätestens nach den ersten Misserfolgen bei Tests und Klassenarbeiten vermuten viele Schüler zwar, dass etwas mehr Beschäftigung mit dem Lernstoff nicht schlecht gewesen wäre, doch wie genau das aussehen könnte, da tappen dann doch viele im Dunkeln. Dass das Wiederholen von bekannten Inhalten im Unterschied dazu zunächst nichts als pure Langeweile verspricht, ist vielleicht ein Grund dafür, dass Schüler in der Mittelstufe ihren Lernstoff grundsätzlich zu wenig wiederholen.

Doch der Preis, den manch einer dafür bezahlen muss, ist hoch:

  • Der Lernstoff wird nur unvollständig oder fehlerhaft im Gedächtnis gespeichert.
  • Wissenslücken und Verständnisschwierigkeiten entstehen,
  • Das Erinnern der Lerninhalte ist mühsam, das Arbeitstempo sinkt.
  • Neuer Lernstoff kann nicht richtig verstanden oder verarbeitet werden, weil Anknüpfungen fehlen.
  • Zu große Stofflücken können mit der Zeit nicht mehr geschlossen werden, der Schüler hat den Anschluss verloren.
  • Schlechte Noten, Ärger und Frust, Demotivation und fehlendes Selbstbewusstsein.

Vor allem in den Fremdsprachen oder in Mathematik, wo der Lernstoff Schritt für Schritt auf zuvor erarbeitetes Wissen aufbaut, ist es besonders wichtig, dass Ihr Kind zum Beispiel die jeweiligen Vokabeln, Grammatikregeln, Redewendungen, Formeln und Rechenwege sicher im Gedächtnis gespeichert hat. Der Lohn für diese Mühe, also für das regelmäßige Wiederholen, kann sich dann allerdings auch sehen lassen:

  • Der Lernstoff wird sicher und vollständig im Gedächtnis gespeichert.
  • Lerninhalte werden tiefer durchdacht und besser zueinander in Beziehung gesetzt, Transferaufgaben (bekanntes Wissen in neuen Zusammenhängen anwenden) können so leichter gelöst werden.
  • Gelerntes kann schneller abgerufen werden, das Arbeitstempo steigt.
  • Neuer Lernstoff wird leichter verstanden und besser behalten, weil ausreichend Anknüpfungsmöglichkeiten vorhanden sind.
  • Mit wachsender Stoffmenge wächst auch das inhaltliche Wissen und damit das Interesse am Lerngegenstand.
  • Gute Noten, Stolz und Freude, Motivation und stabiles Selbstbewusstsein sind die Folgen.

In unseren Schülerseminaren oder in der Einzelarbeit mit Schülern ist es auch für uns mitunter schwer, die Schüler davon zu überzeugen, dass sie ihren Lernstoff mehrfach wiederholen müssen. Den „Schalter im Kopf“, das heißt das ehrliche Einsehen der Schüler, erreichen wir allerdings oft, indem wir ihnen erklären, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert. Den meisten Schülern wird dann schnell klar, dass Lernen ohne Wiederholen nur selten erfolgreich sein kann.

So funktioniert unser Gedächtnis

Das menschliche Gedächtnis wird aufgeteilt in einen sensorischen Speicher oder das Ultrakurzzeitgedächtnis (UKZG), das Kurzzeitgedächtnis (KZG) und das Langzeitgedächtnis (LZG).

Das UKZG ist vergleichbar mit einer Tür, die in ein großes Haus (das Gedächtnis) führt. Durch diese Tür müssen zunächst alle Informationen , die in das Haus hinein sollen. Allerdings passen immer nur wenige Informationen auf einmal durch den Eingang. Außerdem wird ausgewählt, welche Informationen in das Haus dürfen und welche draußen bleiben müssen. Wichtige und interessante Infos werden in der Regel gleich „durchgewinkt“.

Diese Arbeitsweise des UKZG ist wichtig, denn sie schützt uns vor einer Überlastung durch zu viele Informationen oder unnötigen „Gedächtnismüll“. Für das Lernen bedeutet das zunächst Folgendes:

  1. Ihr Kind sollte also nicht zu viel auf einmal lernen, sonst entsorgt das UKZG schnell wieder alles, was zu viel ist. Lernen und Wiederholen sollten also in kleinen „verdaulichen“ Päckchen geschehen. Muss Ihr Kind zum Beispiel bis morgen 30 Vokabeln lernen, wäre es klug, wenn es diese in fünf Päckchen verteilt über den Nachmittag lernt.
  2. Zudem ist es wichtig, dass Ihr Kind den Lernstoff mehrmals wiederholt. Einerseits damit der Lernstoff, der noch nicht „ins Haus“ gekommen ist oder bereits wieder entsorgt wurde, noch nachrutschen kann. Andererseits ist Wiederholen wichtig, um dem Gedächtnis zu signalisieren, dass der Lernstoff „wirklich wichtig“ ist und deshalb gespeichert werden muss.

Etwa 20 Sekunden befinden sich die neu gelernten Informationen im UKZG, bevor sie entweder wieder vergessen oder weiter in das KZG geschickt werden. Hier dauert die Verarbeitung nun deutlich länger, zwischen 20 Minuten und zwei Tagen. Nun ist es besonders wichtig, dass Ihr Kind den Lernstoff stetig weiter wiederholt, denn die Gefahr, dass Informationen vergessen werden, besteht weiterhin. Nur durch regelmäßiges Wiederholen kann sichergestellt werden, dass auch vergessene Infos wieder in das Gedächtnis zurückgeholt werden.

Ist das Wissen im LZG angekommen, dann ist es in der Regel dort auch für immer gespeichert. Doch auch jetzt ist es wichtig, dass Ihr Kind regelmäßig mit diesem Wissen arbeitet bzw. es wiederholt. Je länger der Lernstoff unbenutzt im LZG ruht, umso schwieriger wird es, ihn wieder zu aktivieren. So ist es zum Beispiel zu erklären, dass wir eine gelernte Fremdsprache mit der Zeit immer weniger spontan beherrschen, je weniger wir sie aktiv nutzen.

Stetiges Wiederholen ist also für unser Gedächtnis wichtig, weil es sonst Fehler macht oder den Lernstoff einfach wieder vergisst. Doch Wiederholen ist nicht gleich Wiederholen. Ihr Kind kann sich das Wiederholen erleichtern, vielleicht sogar ein paar Durchgänge dabei sparen, wenn es einige Regeln beachtet.

 

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