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Lernen nach Temperament: Welcher Lerntyp ist Ihr Kind?

Der Lerntyp bestimmt die Lernmethoden

Wenn unterschiedliche Temperamente aufeinander stoßen, kommt es nicht nur zwischen Kindern und beim Lernen schnell zu Missverständnissen oder Streitereien. Informieren Sie sich im folgenden Beitrag über die unterschiedlichen Lerntypen und nutzen Sie die daraus folgenden Lernmethoden und Lerntechniken passend für den Lerntyp Ihres Kindes. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Bei den meisten Menschen – und natürlich auch bei Kindern – überwiegt ein Temperament und bestimmt den Lerntyp. Häufig kann man dies schon in den ersten Lebensjahren recht gut erkennen. Wer bereits als Baby und Kleinkind immer in Bewegung war, sehr forsch auf andere Menschen zugegangen ist und neugierig in jede Kiste geschaut hat, wird dieses aktive Verhaltensmuster mit großer Wahrscheinlichkeit auch als Jugendlicher (z.B. beim Lernen) oder Erwachsener beibehalten. Und wem es schon als Kleinkind gelungen ist, geduldig auf das Essen oder den Weihnachtsmann zu warten, der wird auch als Erwachsener nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen sein.

Welcher Lerntyp: Aktiv oder emotional durchs Leben?

Im gesamten Alltag, also sowohl beim Lernen als auch im Kontakt mit Freunden oder der Familie, bestimmt das Temperament die Art und Weise, wie ein Kind sich mit den Dingen des Lebens auseinander setzt, also auch den Lerntyp. Das individuelle Temperament kommt besonders in Krisensituationen zum Vorschein. Wenn ein Mensch unter Druck steht, Entscheidungen treffen soll, Prüfungen erwartet oder mit einer traurigen Nachricht konfrontiert wird, reagiert er auf seine eigene, ganz unverfälschte Art. Diese ist stark von seinem Temperament gesteuert. Natürlich gibt es keinen Menschen, der ausschließlich einem Temperament oder Lerntyp zuzuordnen ist. Immer findet man auch Aspekte der anderen Typen.

4 Temperamenttypen bestimmen den Lerntyp

Obwohl das Wesen von Menschen durch ganz unterschiedliche Verhaltensweisen geprägt ist, hat man sich im Laufe der Jahrhunderte auf vier verschiedene Temperament- und Lerntypen verständigt. Nicht immer lässt sich ein Kind schon eindeutig einem Temperament zuordnen. Gerade in der langen Entwicklungszeit bis zum Ende der Pubertät prägen sich manche Verhaltensmuster noch stärker aus und andere schwächen sich ab. Spätestens in der Pubertät wird jedoch offensichtlich, wohin die Reise geht. Zur Verdeutlichung stelle ich Ihnen exemplarisch vier Kinder in der Reinform der Temperamente vor.

Lerntyp 1: Anna ist Sanguinikerin (aktiv und forsch)

Das quirlige Mädchen hat seine Eltern vom ersten Tag an auf Trab gehalten. Sie ist meistens mit wenig Schlaf ausgekommen und hat sich für alle Dinge in ihrer Umgebung sehr interessiert. Ihr schier unerschöpfliches Energiepotenzial hat dazu geführt, dass sie verschiedene Hobbys und jede Menge Freunde hat. Um sich zu regenerieren, benötigt sie nur kurze Ruhephasen. Ständig entwickelt Anna neue Ideen, für die sie ihre Eltern und Freunde zu begeistern versucht. Auch an ihrer schnellen Sprechweise kann man erkennen, dass es sich hier um ein sehr aktives Kind handelt. Anna kann sich im Unterricht und beim Lernen nicht so gut zurücknehmen und redet schon mal einfach drauflos. Bei den Hausaufgaben versucht dieser Lerntyp schnell fertig zu werden und macht dadurch gerne Flüchtigkeitsfehler. Weil sie ständig neue Ideen ausbrütet, hat Anna wenig Zeit, ihre Dinge zu ordnen. Dementsprechend unordentlich sieht es in ihrem Kinderzimmer und auch in ihrem Ranzen aus. Mit den Jahren wird Anna aber bestimmt lernen, etwas sorgfältiger zu arbeiten und Ordnung zu halten. So kann sich der Lerntyp auch noch ändern.

Lerntyp 2: Niklas ist Melancholiker (einfühlsam und empfindlich)

Der sensible Junge kann sich sehr gut auf andere Menschen einstellen. Er bemerkt sofort, wenn Mama traurig oder Papa ärgerlich ist, und nimmt sich das selbst sehr zu Herzen. Streit mit seinen Freunden kann er nur schlecht ertragen, denn Harmonie ist ihm sehr wichtig. Niklas lügt seine Eltern manchmal aus Angst an, weil er glaubt, an etwas schuld zu sein und Ärger zu bekommen. Er nimmt damit eine Reaktion vorweg, weil er es am liebsten allen recht machen möchte. Niklas hat eine sehr enge Bindung zu seinen Großeltern und Geschwistern und hängt auch sehr an seinem Hund. Traurige oder aggressive Filme mag Niklas gar nicht, auch in der Medienwelt sieht er am liebsten harmonische Geschichten. Seine Hausaufgaben nimmt er stets ernst, damit die Lehrerin keinen Grund hat, auf ihn böse zu sein. Hat er einmal etwas für die Schule vergessen, nimmt ihn das sehr lange mit und er ist untröstlich. Er hat seit Schulbeginn einen guten Freund, das reicht ihm völlig.

_anzeige001_Lerntyp 3: Bianca ist Cholerikerin (zielstrebig und leicht erregbar)

Bei ihren Freundinnen und zu Hause gibt Bianca gerne den Ton an. Sie ist entschlossen und sprüht vor Ehrgeiz, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen. Beim Spielen versteht sie keinen Spaß, und verlieren ist für sie ein Greuel. Sie weiß meist alles besser und möchte stets ihren Kopf durchsetzen. Bianca ist ungestüm und streitet sich auch immer wieder mit ihren Freundinnen. Sie kann gut organisieren, hat oft Recht und behält stets den Überblick. Von ihren Hausaufgaben macht sie nur das, was in der Schule auch anerkannt wird. Gerne lässt sie auch mal andere für sich arbeiten, dabei ist sie ein wenig besitzergreifend. Sich zu entspannen, fällt ihr schwer, meist gelingt dies nur durch Aktivität. Sport tut Bianca gut, denn da kann sie sich so richtig auspowern. Über schlechte Noten kann sie sich sehr aufregen, die Schuld sucht sie immer erst einmal bei anderen. Ihr Ehrgeiz hilft ihr dann jedoch dabei, sich für die nächste Arbeit richtig anzustrengen.

Lerntyp 4: Tim ist Phlegmatiker (ruhig und zufrieden)

Tim ist ein sehr zufriedenes Kind, das sich stundenlang alleine beschäftigen kann. Im Kontakt mit anderen ordnet er sich schnell unter und beharrt selten auf seinen Wünschen. Er hat viele Freunde und kommt fast mit jedem gut aus. Von seinem Wesen her ist Tim eher langsam. Er zeigt nie besondere Eile und muss in vielen Situationen angetrieben werden. Besonders bei den Hausaufgaben und beim Lernen kann das für seine Eltern und Lehrer schon mal sehr anstrengend sein. Tim ist nicht sehr ehrgeizig, denn auch ohne schulische Erfolge fühlt er sich ausgeglichen und entspannt. So erledigt er Arbeiten oft erst in letzter Sekunde, wenn der Druck entsprechend groß geworden ist.

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Der Temperament-Test!

Ist Ihr Kind ein aktiver Typ (Sanguiniker) [ja / nein]

  • Hat Ihr Kind viel Kraft und Energie?                      
  • Handelt Ihr Kind schnell und manchmal unüberlegt?    
  • Ist Ihr Kind sehr hilfsbereit?            
  • Ist Ihr Kind ein Schnelldenker, überrascht es durch kreative Ideen?                     
  • Meldet sich Ihr Kind in der Schule oft für freiwillige Aufgaben?                       
  • Hat Ihr Kind schauspielerisches Talent, steht es gerne im Mittelpunkt?                
  • Ist Ihr Kind leicht zu begeistern, beendet aber nicht jedes Projekt?                      
  • Gewinnt Ihr Kind leicht Freunde, und hält es sich gerne in Gruppen auf?            
  • Kennt Ihr Kind keine Langeweile?              
  • Ist Ihr Kind meistens optimistisch?       

Ist Ihr Kind ein zu Gründlichkeit und Ordnung neigender Typ (Melancholiker)? [ja / nein]

  • Plant Ihr Kind möglichst alle Eventualitäten durch?
  • Ist Ihr Kind gründlich und beharrlich?         
  • Ist Ihr Kind sehr sorgfältig bei der Wahl seiner Freunde?  
  • Mag Ihr Kind es nicht, Aufsehen zu erregen oder im Mittelpunkt zu stehen?                   
  • Opfert Ihr Kind sich für andere auf?                       
  • Kann Ihr Kind sehr leidenschaftlich sein?               
  • Möchte Ihr Kind alles richtig machen?                    
  • Setzt Ihr Kind sich hohe Maßstäbe?            
  • Ist Ihr Kind ordentlich?                    
  • Arbeitet Ihr Kind sorgfältig?            
  • Ist Ihr Kind eher pessimistisch?                  

Ist Ihr Kind ein eher dominanter Typ mit Führungsanspruch (Choleriker)? [ja / nein]

  • Braucht Ihr Kind nicht viele Freunde?                    
  • Möchte Ihr Kind gerne im Recht sein?                    
  • Ist Ihr Kind aktiv und dynamisch?              
  • Behält Ihr Kind stets den Überblick?                      
  • Ist Ihr Kind sehr ehrgeizig und zielstrebig?             
  • Ist Ihr Kind sehr willensstark?                     
  • Kann Ihr Kind gut organisieren?                  
  • Kann Ihr Kind sich gut streiten und manchmal sehr aufregen?                  
  • Leistet Ihr Kind in Ausnahmesituationen Außergewöhnliches?             
  • Ist Ihr Kind eher rational als gefühlsbetont?

Ist Ihr Kind ein geduldiger, standhafter Typ (Phlegmatiker)? [ja / nein]

  • Ist Ihr Kind eher unbekümmert und entspannt?      
  • Ist Ihr Kind eher still und geduldig?            
  • Wirkt Ihr Kind meistens sehr zufrieden mit seinem Leben?           
  • Ist Ihr Kind ein treuer und loyaler Freund ?
  • Verbirgt Ihr Kind seine Gefühle eher, als dass es sie offen zeigt?  
  • Stimmt Ihr Kind anderen gerne zu?             
  • Ist Ihr Kind ein guter Zuhörer?                    
  • Hat Ihr Kind viele Freunde und ist es generell sehr beliebt?          
  • Ist Ihr Kind selten in Eile?               
  • Regt sich Ihr Kind eher selten auf?         

Auswertung

Zählen Sie die Ja-Antworten in den vier Rubriken zusammen und vergleichen Sie, wo der Schwerpunkt Ihres Kindes liegt. Mischtypen sind sehr häufig, daher sollten Sie bei den folgenden Tipps unbedingt auch das Temperament beachten, das in Ihrer Auswertung an zweiter Stelle liegt. Betonen Sie immer die Stärken Ihres Kindes, anstatt auf den Schwächen herumzureiten. Beispiel: „Ich finde es toll, dass du dich mit dem Benjamin so gut verstehst. Lade ihn doch mal wieder ein“, anstatt „Jetzt kommt schon wieder ein anderer Freund zu dir, was soll denn dein Kumpel Benjamin davon halten?“

So fördern Sie den Sanguiniker

Helfen Sie Ihrem Kind dabei, sich besser zu organisieren. Wochenpläne und ein farbiges Ablagensystem vermeiden unnötige Sucherei und Chaos. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind angefangene Dinge auch zu Ende bringt. Das gilt nicht nur für den schulischen Bereich, sondern auch im Familienalltag. Einmal begonnene Hobbys sollte es mindestens sechs Monate durchhalten und bewährte Freundschaften pflegen. Falls Ihr Kind zur Unpünktlichkeit neigt, kann eine Armbanduhr oder ein Wecker hilfreiche Dienste leisten.

So fördern Sie den Melancholiker

Nehmen Sie die eher pessimistische Lebenshaltung Ihres Kindes nicht so ernst, sondern reagieren Sie mit Humor und Lebensfreude auf seine Bedenken. Erinnern Sie es häufig an seine Erfolge, damit sein Selbstbewusstsein wächst und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten größer wird. Fördern Sie den Kontakt zu Freunden, damit Ihr Kind sich nicht zu sehr zurückzieht. Ermutigend kann es auch sein, sich gemeinsam jeden Abend die positiven Erlebnisse des vergangenen Tages zu erzählen.

So fördern Sie den Choleriker

Ihr Kind muss lernen, die Meinungen anderer gelten zu lassen und nicht immer Recht haben zu wollen. Etwas diplomatisches Geschick wird ihm im Leben sehr nützlich sein. Die Mitgliedschaft in einem Sportverein, hier besonders in einer Gruppen-Sportart, kann ihm helfen, auch in der Schule seine Teamfähigkeit zu verbessern. Bremsen Sie ab und zu seinen Aktionismus und helfen Sie ihm dabei, auch die kleinen Details einer Aufgabe nicht zu übersehen. Es sollte schon früh lernen, erledigte Aufgaben (Hausaufgaben, Klassenarbeiten) nahezu automatisch noch einmal zu überprüfen, denn es neigt zu Flüchtigkeitsfehlern.

So fördern Sie den Phlegmatiker

Ihr Kind braucht viel äußere Motivation, um weniger interessante Arbeitsaufträge zu erledigen. Es profitiert davon, in vielfältige Aktivitäten eingebunden zu sein. Regelmäßige Termine, die keiner weiteren Organisation bedürfen, sind noch am leichtesten umzusetzen. Die Teilnahme an einer Hausaufgabengruppe kann den Schulstress zu Hause stark reduzieren. Selbstbestimmte Projektaufgaben, bei denen viel Eigeninitiative gefordert ist, sind für Ihr Kind nur schwer zu bewältigen. Achten Sie bei der Schulwahl darauf, dass Ihr Kind klare und feste Strukturen vorfindet.

Mein Tipp
Nutzen Sie den Fragebogen für eine interessante Diskussion mit Ihrem Kind, indem Sie ihn beide einmal ausfüllen. Teilt Ihr Kind Ihre Einschätzungen oder sieht es sich mit völlig anderen Augen? Meinungsunterschiede sind eine willkommene Möglichkeit, um konstruktiv über eingefahrene Verhaltensmuster zu sprechen. Wahrscheinlich hat auch Ihr Kind einige gute Ideen, wie es bestimmte Situationen in Hinblick auf sein Temperament verbessern könnte

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