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Wir zeigen Ihnen, wie Ihr Kind eine gute Benotung für seine Textaufgaben bekommt

Darauf achten Lehrer bei der Benotung von Textaufgaben

Textaufgaben: Die Benotung

Vielleicht hat Ihr Kind auch schon eine Klassenarbeit in Mathematik zurückbekommen und obwohl es viele Aufgaben richtig gerechnet hat, haben wieder einmal die Textaufgaben die Benotung stark verschlechtert. Im folgenden Artikel verrate ich Ihnen, welche Maßstäbe bei der Benotung von Textaufgaben gelten. 

Expertenrat von 
Annette Holl, Grundschullehrerin

Warum gibt es eigentlich Textaufgaben im Lehrplan der Grundschule?

Obwohl Textaufgaben für Ihr Kind und Sie häufig eine Qual sind, sind die durchaus wichtig für den weiteren Schulweg Ihres Kindes und für sein späteres Berufs- und Alltagsleben.

  1. Textaufgaben stellen reale Situationen nach. Somit erkennt Ihr Kind den Nutzen seiner Rechenübungen aus dem Mathematikunterricht und wird auf alltägliche Momente (z.B. Rechnungen im Supermarkt) vorbereitet.
  2. Durch die Anwendung der verschiedenen Rechenarten und den Umgang mit Größen wird das mathematische Können Ihres Kindes durch Textaufgaben gefestigt.
  3. Textaufgaben fördern das komplexe und kreative Denken Ihres Kindes. Es muss einen Text zunächst erfassen, die Informationen dann ordnen und im Anschluss daran eine Lösung für das gestellte Problem finden.
  4. Durch den Umgang mit Textaufgaben baut Ihr Kind seine Größenvorstellungen auf.

Welche Kriterien gehen bei Textaufgaben in die Benotung ein?

Die Benotung von Textaufgaben ist für Sie als Eltern eine schwierige Angelegenheit. Bei den Vergleichsarbeiten oder den Tests zum Probeunterricht werden den Lehrern Bewertungsvorgaben gemacht. Aber für die Punktevergabe in Klassenarbeiten gibt es keine verbindlichen Vorgaben!

Aufgrund meiner eigenen Erfahrung bei der Benotung von Textaufgaben (durch Gespräche mit Kollegen sowie durch Recherchen in Büchern und dem Internet) habe ich Ihnen die wesentlichen Kriterien für die Bewertung von Textaufgaben zusammengestellt.

Mein Tipp
Achten Sie in den ersten Mathematikklassenarbeiten Ihres Kindes darauf, auf welche Dinge der Lehrer Ihres Kindes bei der Bearbeitung von Textaufgaben Wert legt (z.B. das Aufschreiben von Nebenrechnungen) und wie er seine Punkte verteilt (z.B. Gibt es bei vergessenen Einheiten Punkteabzug oder nicht?). Weisen Sie Ihr Kind auf diese Eigenheiten hin, und achten Sie bei den Hausaufgaben oder beim gemeinsamen Üben darauf.

In der Benotung gibt es Punkte für

  • das Formulieren einer passenden Frage zu einer Textaufgabe, sofern diese nicht vorhanden ist,
  • das Notieren der richtigen Rechnungen bzw. des gesamten Lösungsweges,
  • das Ausrechnen der richtigen Lösung,
  • das Aufschreiben eines richtigen Antwortsatzes, der zur Frage passt,
  • das Einhalten formaler Vorgaben (z.B. Gleichheitszeichen und Maßeinheiten).

Dabei kann es von Lehrer zu Lehrer variieren, wie großzügig oder streng die einzelnen Punkte für die Benotung bewertet werden. Während ein Kollege eine Aufgabe voll bepunktet, bei der nicht alle Teilrechenschritte aufgeschrieben wurden, aber ein korrektes Ergebnis berechnet wurde, kann dies bei einem anderen zu einem Punkteabzug führen. Auch das Vergessen von Maßeinheiten (z.B. Euro, Minuten) kann beim Lehrer Ihres Kindes keine Konsequenzen haben, beim Lehrer des besten Freundes Ihres Kindes aber durchaus. Sicherlich wird Ihr Kind jedoch für die Berechnung einer Lösung verhältnismäßig mehr Punkte erhalten als für den Frage- und Antwortsatz.

Welchen Anteil machen die Textaufgaben an der Benotung in Mathe aus?

Die Mathematiknote Ihres Kindes setzt sich aus vier Bereichen zusammen: der Arithmetik (Kopfrechnen und die im jeweiligen Schuljahr vorgegebenen Rechenarten), der Geometrie, dem Umgang mit den Größen und dem Sachrechnen. Im ersten Schuljahr spielt das Sachrechnen im Verhältnis zu den anderen Bereichen eine eher untergeordnete Rolle. Mit Beginn des zweiten Schuljahres nehmen die Anforderungen bei der Benotung allerdings zu, und immer häufiger werden Textaufgaben zur Anwendung der gelernten Rechenarten gestellt. Im 3. und 4. Schuljahr spielen Textaufgaben dann eine wichtigere Rolle. Dennoch sollten Sie diesen Bereich nicht überbewerten! Gute Kopfrechenfähigkeiten, das sichere Auswendigkönnen der Malaufgaben oder auch das genaue Messen und Zeichnen sind gleichberechtigte Bereiche, in denen Ihr Kind Pluspunkte für eine gute Benotung sammeln kann.

Welche Regelungen für die Benotung für Textaufgaben gelten für Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie?

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Mein Sohn langweilt sich im Matheunterricht

Wurde bei Ihrem Kind eine Legasthenie oder Dyskalkulie festgestellt, so kann es Probleme haben, einen Zugang zur Umsetzung des Textes in Rechenaufgaben zu finden, weil es schon beim Durchschauen der Aufgabenstellung scheitert. Es gibt deshalb in den meisten Bundesländern eindeutige Regelungen zur Benotung von Textaufgaben bei legasthenen Kindern. In wenigen Bundesländern gibt es zwischenzeitlich auch für rechenschwache Grundschulkinder Vorschriften über den Umgang mit Textaufgaben.

1. Legasthenie

Die meisten Bundesländer gewähren einen Schutz bis zum Ende der 6. Klasse (Schleswig-Holstein bietet sogar einen Schutz bis zum Realschulabschluss, Hessen auch bis zum Abitur). Demzufolge müssen LRS-Kinder für das Lösen von Textaufgaben mehr Zeit bekommen. Die Rechtschreibfehler in den Frage- bzw. Antwortsätzen dürfen nicht in der Benotung bewertet werden. Außerdem ist es möglich, dass diesen Kindern Textaufgaben vorgelesen werden und sie diese entweder komplett mündlich lösen (oder) bzw. nur die Rechnungen notieren. Das hängt allerdings oft von der Kooperationsbereitschaft des Lehrers für die Benotung ab. Sprechen Sie den Lehrer Ihres Kindes unbedingt auf die nachgewiesene Lese-Rechtschreib-Schwäche Ihres Kindes an. Ihr Kind hat einen Anspruch auf die alternativen Überprüfungsmöglichkeiten von Textaufgaben, wenn in Ihrem Bundesland ein entsprechender Erlass gilt.

2. Dyskalkulie

In einzelnen Bundesländern gibt es entsprechende Erlasse für Kinder mit Dyskalkulie. So gilt z.B. in Hessen seit 2006 für die Grundschule eine Verordnung über die spezielle Förderung von Schülern mit Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen. Sie besagt, dass rechenschwache Grundschulkinder einen Nachteilsausgleich und in Ausnahmefällen auch Notenschutz erhalten (das heißt, dass die Mathematiknote anders gewichtet wird). Außerdem haben diese Kinder ein Anrecht auf individuelle Förderung während der Grundschulzeit.

Mein Tipp
Auf der Internetseite http://www.bvl-legasthenie.de/ erhalten Sie Informationen zu den Lernschwächen und den Regelungen in den einzelnen Bundesländern.

In Niedersachsen wird in einer Vorschrift von 2005 rechenschwachen Kindern mehr Zeit bei Klassenarbeiten zugesichert und erlaubt, Hilfsmittel (z.B. Rechenplättchen) zu verwenden. Im Bundesland Bayern hingegen gibt es keine Möglichkeit eines Notenschutzes bei Dyskalkulie. Erkundigen Sie sich beim Lehrer Ihres Kindes oder beim zuständigen Schulamt, ob es ähnliche Regelungen auch für Ihr Bundesland gibt. Vielleicht können Sie unabhängig von einem vorhandenen Erlass oder einer Verordnung im Gespräch mit dem Lehrer auch Maßnahmen für Ihr Kind vereinbaren, wenn Sie ihm erklären, dass bei Ihrem Kind eine Rechenschwäche diagnostiziert wurde.

5 Antworten auf häufige Elternfragen

1. Gibt es Folgefehler, die berücksichtigt werden?

Eine häufige Frage von Eltern dreht sich um den Punkteabzug, wenn eine Aufgabe mit einer falschen Zahl, aber auf einem richtigen Lösungsweg gerechnet wurde. In den meisten Fällen wird dies zugunsten des Schülers gewertet, das heißt, ihm wird ein Punkt für die falsche Lösung abgezogen werden, der Rechenweg und der Antwortsatz werden jedoch dennoch vollständig bewertet. Wie schon oben beschrieben, gibt es hierzu aber keine allgemein gültige Regel, sondern es kann von der jeweiligen Lehrkraft individuell entschieden werden. Im Extremfall ist es also durchaus möglich, dass Ihr Kind einen Zahlendreher bei der Übernahme der Zahlen aus der gestellten Textaufgabe hat und dann keine Punkte für die Textaufgabe erhält, obwohl es richtig gerechnet und geantwortet hat.

2. Wie viele Textaufgaben dürfen in einer Klassenarbeit enthalten sein?

Es gibt für die Zusammensetzung der Klassenarbeiten keine allgemein gültigen Vorgaben, und so können Aufbau, Inhalt und Umfang einer Arbeit von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich sein. Allerdings erhalten Lehrer normalerweise zum Mathematikbuch, mit dem sie arbeiten, Hinweise zur Gestaltung des Unterrichts sowie vorgefertigte Klassenarbeiten. Diese Arbeiten setzen sich immer aus verschiedenen Bereichen zusammen: Aufgaben zum Grundlagenwissen (z.B. Einmaleins, Verdoppeln/Halbieren), Rechenaufgaben zum aktuellen Unterrichtsthema und Textaufgaben. Somit haben alle Schüler einer Klasse die Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Allerdings kann ein Lehrer sich durchaus dafür entscheiden, eine Klassenarbeit schreiben zu lassen, die nur aus Textaufgaben besteht.

Mein Tipp
Falls Sie feststellen, dass Ihrem Kind die gestellten Textaufgaben zu schwer sind, so sprechen Sie mit dem Lehrer darüber. Vielleicht ist dieser bereit, Ihrem Kind zum häuslichen Üben andere Textaufgaben mitzugeben. Sollten Sie im Gespräch mit anderen Eltern der Klasse bemerken, dass viele Kinder Probleme mit den behandelten Textaufgaben haben, gehen Sie auf den Lehrer zu und bitten Sie ihn, das Anspruchsniveau etwas zu senken, um den Kindern Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

3. Kann Ihr Kind beim Lehrer nachfragen, wenn es eine Textaufgabe nicht verstanden hat?

Das hängt eindeutig vom Lehrer Ihres Kindes ab. Manche Lehrer besprechen vor Beginn der Klassenarbeit mit ihren Schülern die gestellten Aufgaben und bieten dann noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Andere Lehrer teilen die Klassenarbeit aus und lassen keinerlei Fragen zu. Informieren Sie sich beim Elternabend, wie der Lehrer Ihres Kindes das handhabt!

4. Wie viel Zeit bekommt Ihr Kind zur Bearbeitung einer Klassenarbeit in Mathematik?

Eine Klassenarbeit muss von Ihrem Umfang her in einer Schulstunde, das heißt in 45 Minuten, von einem durchschnittlichen Schüler bearbeitet werden können. Nach Ablauf der Zeit muss die Klassenarbeit abgegeben werden, auch wenn sie noch nicht vollständig bearbeitet wurde. Sollte bei Ihrem Kind eine Lernschwäche vorliegen, gelten gegebenenfalls andere Zeitvorgaben (siehe oben).

5. Wie anspruchsvoll dürfen Textaufgaben sein?

Der Schwierigkeitsgrad von Textaufgaben, die der Lehrer Ihres Kindes behandelt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. So gibt zunächst das Mathematikbuch eine Richtung vor, außerdem nimmt auch der durchschnittliche Leistungsstand der Kinder in der Klasse Einfluss auf die Auswahl der Textaufgaben durch den Lehrer. Sicherlich wird eine Textaufgabe für einen Teil der Kinder einfach sein, während ein anderer Teil sich bei der Lösung sehr schwer tut und ein paar Kinder vielleicht überhaupt keine Ahnung haben, wie sie die Aufgabe lösen sollen.

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